Studie: Deutsche Start-ups haben ein Personalproblem

Personalprobleme bei Start-ups


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Einer aktuellen Studie zufolge hat die Mehrheit der Start-ups Schwierigkeiten, die passenden Talente zu finden. Die meisten jungen Unternehmen rekrutieren im eigenen Netzwerk und aus dem Bauch heraus. Das Ergebnis ist eine erschreckend hohe Quote an Fehlbesetzungen.

Mitarbeitersuche
Nur wenige Gründer suchen aktiv nach neuen Mitarbeitern. Bei den meisten ist das persönliche Netzwerk für die Mitarbeitersuche entscheidend. Bild: pixabay.com © StartupStockPhotos (CC0 1.0)


Start-ups und junge Unternehmen bekommen den Fachkräftemangel besonders zu spüren. Laut einer Studie der Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) geben 73 Prozent der befragten Start-ups an, Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche zu haben. 23 Prozent gaben sogar an, die Suche gestalte sich "sehr schwierig". In Berlin sind es mit 63 Prozent etwas weniger, was dem guten Image der Hauptstadt als attraktiver Gründer-Standort zu verdanken ist, der zahlreiche internationale Talente anlockt. Umso erstaunlicher ist es, dass auch hier zwei Drittel der Start-ups mit Problemen beim Recruiting kämpfen. Die Lösung der jungen Unternehmen: Sie setzen auf eigene Netzwerke und rekrutieren vor allem auf Basis persönlicher Empfehlungen. Doch dieser Ansatz bringt auch Nachteile mit sich, wie die Studie aufzeigt.

Recruiting via Bauchgefühl
PwC hat in seiner Studie zum Recruiting in Start-ups im Frühjahr 2015 insgesamt 267 deutsche Gründer aus den Branchen ITK, Industrie und Life-Science befragt. Die Ergebnisse fallen in einigen Punkten recht eindeutig aus. So zum Beispiel in der Frage, über welche Kanäle das Recruiting neuer Mitarbeiter erfolgt: Mit 73 Prozent liegen persönliche Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk ganz vorne. Nur 36 Prozent schalten überhaupt Online-Stellenanzeigen oder wenden sich an die Bundesagentur für Arbeit (33 Prozent). In Karrierenetzwerken wie Xing rekrutieren 26 Prozent, auf Jobmessen sind hingegen nur 3 Prozent vertreten.

Die persönliche Note setzt sich auch im Bewerbungsverfahren fort: In 95 Prozent der Start-ups übernimmt der CEO selbst die Auswahl neuer Mitarbeiter. Bei der Entscheidung setzen die Gründer vor allem auf ihr Bauchgefühl: 65 Prozent geben an, dass ihre Intuition immer eine Rolle spielt, 45 Prozent sehen in der bisherigen Berufserfahrung, 39 Prozent im Lebenslauf der Bewerber weitere wichtige Faktoren.

Professionalisierung zahl sich aus
Dies ist vor allem auch eine Kostenfrage: Junge Unternehmen haben oft keine Mittel für teure Standpräsenzen auf Talentmessen oder kostenpflichtige Stellenanzeigen bei StepStone und Co. eingeplant. Das eigene Netzwerk ist, auch wenn man Boni für das erfolgreiche Werben neuer Mitarbeiter auszahlt, deutlich günstiger. Doch möglicherweise spart man hier an der falschen Stelle, wie die Studie nahelegt. Denn die Mitarbeiter sind der wichtigste Erfolgsfaktor eines Start-ups: 36 Prozent gaben an, dem Faktor Personal höchste Priorität einzuräumen – noch vor einer Geschäftsidee mit Wachstumspotenzial (29 Prozent) und einer klaren Strategie und Vision (22 Prozent).

Doch das Recruiting aus dem persönlichen Netzwerk via Bauchgefühl hat seinen Preis: Nur 80 Prozent der Gründer gaben an, sich derzeit von keinem einzigen Mitarbeiter trennen zu wollen – 20 Prozent hingegen klagen über Fehlbesetzungen. Im Vergleich zu etablierten Unternehmen, so Thomas Kieper von PwC, liege diese Quote zu hoch. "Jungunternehmer müssen bei der Mitarbeiterauswahl genauer hinschauen und ihre Personalprozesse professionalisieren", so seine Empfehlung. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel sei es sinnvoll, das Recruiting zu professionalisieren, um die Probleme bei der Personalbeschaffung zu entschärfen.