Ihr erster Tag als Chef

Personalführung

Autor: Bettina Blaß
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Bevor Sie Ihren ersten Angestellten an Bord holen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, was Ihre Rolle als Chef alles mit sich bringt.

Ob das ein guter erster Auftritt als Arbeitgeber ist?

In Praktikanten muss man viel Zeit investieren, studentische Aushilfskräfte wechseln, sobald sie eingearbeitet sind, und 400-Euro-Jobber sind zu selten da. Gleichzeitig wird die Arbeit immer mehr – und daran wird sich voraussichtlich auch in Zukunft nichts ändern. Das geht Ihnen genauso? Dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, über den ersten festangestellten Arbeitnehmer im Unternehmen nachzudenken. Doch bevor Sie sich dafür entscheiden: „Wichtig ist die wirtschaftliche Basis des jungen Unternehmens. Sie muss stabil genug sein, einen neuen Mitarbeiter beschäftigen und tragen zu können“, sagt Rainer Langosch, promovierter Ökonom und Inhaber der Unternehmensberatung Dr. Langosch, Rumberg und Partner in Hamburg. Das heißt: Die Auftragslage sollte nicht nur eine temporäre Spitze aufweisen. Denn wie wird ansonsten der Festangestellte nach Abschluss dieser Zeit beschäftigt? „Wer sich von einer Firma anstellen lässt, hat gegebenenfalls dafür eine andere Stelle gekündigt oder einem anderen Unternehmen abgesagt“, sagt Langosch.

Das muss dem künftigen Chef klar sein, denn er übernimmt Verantwortung für seinen Mitarbeiter – und dazu gehört auch, dass er führungskompetent ist. „Kann der Chef die berechtigten Erwartungen eines neuen Mitarbeiters an die Führungsqualitäten und das Umfeld im Unternehmen nicht erfüllen, droht Unzufriedenheit, womöglich sogar die Kündigung. Es schmerzt, wenn junge Unternehmen auf diese Weise gute Leute verlieren“, weiß Langosch. Und das ist erstens nicht einfach und zweitens mit Geld- und Zeitaufwand verbunden.

Arbeitsvertrag und andere Tücken

Ist die Entscheidung gefallen und der richtige Mitarbeiter ausgewählt, dann geht es darum, ein Arbeitsverhältnis zu beschließen. „Ein Arbeitsvertrag kann auch mündlich geschlossen werden, aber das ist nicht ratsam“, weiß Sebastian Wieschalla, Rechtsanwalt in Köln. Er ist in einer Bürogemeinschaft mit anderen Sozietäten. Neben den Räumlichkeiten teilen sich die Juristen auch die Kosten für Mitarbeiter – beispielsweise für eine Empfangsdame. Natürlich wurden zu diesem Zweck Verträge aufgesetzt, aber das fällt Rechtsanwälten von Berufs wegen leichter als Vertretern anderer Branchen. Für sie gebe es zwar Standardverträge im Fachhandel, „aber die passen eben nicht immer“, sagt Wieschalla. Außerdem sei es sinnvoll, wenn sich der Unternehmer ein Basiswissen zum Thema erarbeitet – und zusätzlich den Rat kompetenter Experten einholt. „Engagierte Handwerks- oder Industrie- und Handelskammern sind oft gute erste Anlaufstellen für junge Unternehmen“, sagt Rainer Langosch.

Im Arbeitsvertrag kann aber noch mehr geregelt werden – zum Beispiel könnte der Arbeitgeber darauf bestehen, dass sein neuer Mitarbeiter eine Verschwiegenheitsklausel unterschreibt. Er darf dann nicht weitererzählen, wer die Kunden des Unternehmens sind, welche Aufträge und Projekte er bearbeitet oder wie sich die Umsatzzahlen seines Chefs entwickeln. Auch ein Wettbewerbsverbot könnte im Arbeitsvertrag festgehalten werden: Dann darf der Arbeitnehmer zum Beispiel nach einer Kündigung für eine festgelegte Zeit nicht bei einem Konkurrenten eingestellt werden. Außerdem können hier Regeln zu Nebentätigkeiten des Arbeitnehmers festgehalten werden.

Ganz wichtig für den künftigen Chef: Der Arbeitnehmer hat nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte – und der Vorgesetzte ist nicht nur weisungsbefugt, sondern er hat auch eine Fürsorgepflicht. „Das heißt, er ist für die Gesundheit und das Leben des Arbeitnehmers im Rahmen von dessen Arbeitsplatz verantwortlich“, erklärt Rechtsanwalt Wieschalla. Daraus lässt sich beispielsweise ein Nichtraucherschutz für die Arbeitnehmer ableiten. Aber die Pflicht geht noch weiter: So muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass Unfälle verhütet werden und die Arbeit „menschengerecht gestaltet“ ist, wie es beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie heißt. „Der Arbeitgeber hat auch die Pflicht, die Persönlichkeitssphäre zu schützen“, weiß Wieschalla. Dazu gehört, die Arbeitnehmer nicht ohne deren Zustimmung mit der Kamera zu überwachen.

Rainer Langosch, der beim Bundesverband der Unternehmensberater im Vorstand des Fachkreises Gründung, Entwicklung, Nachfolge ist, rät überdies dazu, eine Stellenbeschreibung anzufertigen und als Anhang dem Arbeitsvertrag beizufügen. „Das schafft Orientierung für den Neuen. Auch wenn es nach Bürokratie klingt: Klare Vereinbarungen, schriftlich fixiert, geben beiden Seiten Sicherheit. Das hilft nicht erst bei Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber“, sagt der Experte. In solch einer Stellenbeschreibung steht, was von der neuen Kraft erwartet wird. Beispiel: Soll der neue Kurierfahrer nur Sendungen ausfahren? Oder auch den Wagen reinigen und warten? Ihn zur Inspektion bringen? Oder gar selbst reparieren? „Allerdings“, gibt der Gründungsexperte zu bedenken, „ändern sich Aufgaben und die damit verbundenen Tätigkeiten in unserer schnelllebigen Zeit häufig.“ Darum sollte der Vorgesetzte im Jahresgespräch mit dem Mitarbeiter die Stelle neu definieren, und eine aktualisierte Stellenbeschreibung dem Arbeitsvertrag beifügen.