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Personal: Basis-Know-How für Existenzgründer

Autor: Dietmar Kern
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Wenn sich die Einrichtung einer Fulltime-Stelle noch nicht rechnet, Sie aber dennoch dringend Personal brauchen: Lesen Sie hier über die interessantesten Personalmodelle für Gründer.

Einen regulären Mitarbeiter auf Voll- oder Teilzeitbasis einzustellen, ist ein großer Schritt für einen kleinen Betrieb. Denn als Existenzgründer übernimmt man nicht nur teilweise die wirtschaftliche Verantwortung für einen anderen Menschen, man hat auch selbst eine hohe eigene Belastung. Wer etwa einen Mitarbeiter mit einem Bruttogehalt von 2.500 Euro monatlich einstellt, muss an Lohnnebenkosten noch einmal knapp die Hälfte dazurechnen.

Neben dem finanziellen ist auch noch der bürokratische Aufwand nicht zu unterschätzen. Als Arbeitgeber müssen Sie für Ihren Mitarbeiter Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung bei der Krankenkasse anmelden, und auch die Berechnung und Abführung von Lohnsteuer sowie die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft dürfen nicht vergessen werden. Wenn ein Steuerberater oder Lohnbüro dies für Sie erledigt, müssen auch die hier anfallenden Kosten mit einkalkuliert werden. Sollte eine Vollzeitstelle Ihr Budget übersteigen, können Sie zwischen zahlreichen anderen Beschäftigungsmodellen wählen, mit denen Sie als Existenzgründer unter Umständen besser fahren.
Wir stellen Ihnen hier sieben interessante Alternativmodelle zum Fulltimejob vor:

MODELL 1: Jobsharing

„Job-Sharing“ ist eine moderne Form der Teilzeitarbeit, die gerade bei Existenzgründern immer beliebter wird. In diesem Fall teilen sich mehrere Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz, wobei diese die anfallenden Arbeiten in ihrem Zeitabschnitt in eigener Verantwortung erledigen. Existenzgründer können auf diese Weise insbesondere Fachkräfte und Know-How-Träger an ihr Unternehmen binden.

Der Job-Sharer hat Anspruch auf Urlaub (entsprechend dem Verhältnis der geleisteten Arbeit zur Vollzeitarbeit) und auf eine anteilige tarifliche Vergütung (entsprechend seiner Arbeitszeit). Wie jeder andere Arbeitnehmer kann der Job-Sharer aus personen-, verhaltens- oder betriebsbedingten Gründen gekündigt werden, jedoch bleibt hiervon der Arbeitsplatz des Arbeitnehmers, mit welchem dieser seinen Arbeitsplatz teilte, unberührt.

Die Ausgestaltung des Jobsharing-Arbeitsverhältnisses kann unterschiedlich sein; so ist es denkbar, dass mehrere Job-Sharer direkt nacheinander am selben Arbeitsplatz arbeiten, dass sie einige Tage vollschichtig und an anderen Tagen überhaupt nicht arbeiten oder dass sie wöchentlich oder monatlich wechseln. Zwischen den einzelnen Arbeitnehmern bestehen allerdings keine Rechtsbeziehungen, insbesondere stehen sie nicht in einem Gesamtschuldverhältnis hinsichtlich der Erbringung der vollen Arbeitsleistung.

MODELL 2: Befristete Aushilfsmitarbeit

Von einem Aushilfsarbeitsverhältnis wird dann gesprochen, wenn das Ziel der Einstellung nicht die dauernde Beschäftigung, sondern eine vorübergehende Deckung eines nicht im normalen Betriebsablauf begründeten Arbeitskräftebedarfs ist. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn von vornherein nur ein begrenzter Arbeitskräftebedarf besteht oder der fest eingesetzte Stelleninhaber vorübergehend nicht einsetzbar ist. Aushilfsarbeitsverhältnisse sind echte Arbeitsverhältnisse, deren Ausgestaltung nach den allgemeinen Vorschriften des Arbeitsrechts erfolgt. Angesichts der nur schwer einzuschätzenden Unternehmensentwicklung während einer Existenzgründung bietet ein befristeter Arbeitsvertrag große Vorteile. Vor allem kann das Arbeitsverhältnis zu einem festgelegten Zeitpunkt beendet werden kann, ohne dass es einer Kündigung bedarf.
Dies gilt auch dann, wenn eine Mitarbeiterin zwischendurch schwanger wird oder eine Schwerbehinderung zu Tage tritt. Dadurch bindet sich der Existenzgründer nur kurzfristig an den Beschäftigten. Ferner dürfen auch Zeitverträge für Mitarbeiter ab 58 Jahren und zur „Mitarbeiter-Erprobung“ geschlossen werden.

Wichtig für Existenzgründer: Vertraglich sollte immer eine ordentliche Kündigungsfrist vereinbart werden, auch wenn befristete Verträge nach Ablauf der Vertragsdauer automatisch enden. Denn klagt ein Mitarbeiter und hält das Arbeitsgericht eine Befristung für unwirksam, dann ist der Mitarbeiter unbefristet eingestellt!
Der Grund: Wer dies versäumt, kann seinen Mitarbeiter vor Ablauf der Frist nicht entlassen. Und zwar auch dann nicht, wenn dessen Leistung nicht mehr stimmt oder die Auftragslage rückläufig ist. Zu beachten ist, dass nur die Befristung, nicht der gesamte befristete Arbeitsvertrag dem Schriftformerfordernis unterliegt. Die Schriftform muss auch eingehalten werden, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag um eine bestimmte Zeit verlängert werden soll.

Aushilfskräfte unterliegen grundsätzlich wie andere Arbeitnehmer der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass sie als geringfügig Beschäftigte versicherungsfrei sind. In der Unfallversicherungspflicht unterliegen Aushilfsarbeitnehmer in vollem Umfang der Versicherungspflicht.