Tipps für die Zusammenarbeit mit externen Software-Entwicklern

Autor: Matthias Pauers
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Damit es bei Ihren IT-Projekten zu keinen Missverständnissen oder unnötigen Verzögerungen kommt, sollten Sie bei der Zusammenarbeit mit Entwicklern ein paar grundlegende Dinge beachten. Das Ergebnis ist im Idealfall eine stressfreiere und kostengünstigere Umsetzung.

Bei der Umsetzung einer Geschäftsidee ist meist ein digitaler Unterbau – also eine Datenbank, eine raffinierte Webseite oder eine App – unverzichtbar. Viele Gründer haben aber von Programmierung wenig bis keine Ahnung. Also benötigen sie Unterstützung. Entweder holen sie einen oder mehrere findige Entwickler ins Team, oder sie suchen sich externe Hilfe.
Gleichgültig, ob die Entwickler vor Ort in den eigenen Büroräumen oder dank Globalisierung am anderen Ende der Welt sitzen – oft tauchen die gleichen Probleme auf. Warum? Weil überall die gleichen Fehler begangen werden. Deswegen sollte man bei der Zusammenarbeit mit Entwicklern, gerade wenn man technisch nicht ganz so versiert ist, ein paar grundlegende Regeln und Verhaltensweisen beachten.

Tipp 1: Die Anforderungen leicht und verständlich niederschreiben

„Wir haben eine coole Idee, daraus machen wir jetzt ein Start-up. Also brauchen wir auch eine App, denn die hat jetzt jeder.“ Diesen Satz hört man so oder in ähnlicher Form immer wieder. Doch: Benötigt das Vorhaben wirklich eine App? Warum? Weil Apps gerade „in“ sind und somit irgendwie dazu gehören, oder weil es wirklich sinnvoll ist, sein Smartphone zu nutzen? Die Antwort muss auf jeden Fall in die zweite Richtung gehen: Eine App sollte nur entwickelt werden, wenn sie sinnvoll ist. Das Gleiche gilt für komplizierte Webseiten oder monströse Datenbanken.
Diese grundlegende Frage nach dem Sinn sollte man sich immer wieder stellen – besonders, wenn man zusätzliche Hilfe anheuern möchte. Deswegen gilt der erste Schritt der Fragestellung, ob man wirklich Entwickler benötigt. Ansonsten lässt man eventuell für viel Geld etwas entwickeln, was am Ende kaum genutzt wird. Und jeder Aufwand kostet auch Zeit und Nerven.
Ist man davon überzeugt, dass Entwickler etwas programmieren sollen, dann gilt es, in die zweite Stufe der Zusammenarbeit einzutreten: Man muss den Umfang definieren. Dafür wird ein Konzept benötigt. Hierbei denken viele sofort an ein Mammutwerk, in dem jede einzelne Funktion bis ins letzte Detail beschrieben wird.
Nein, so genau muss es anfangs nicht sein. Viel wichtiger ist es, sich Gedanken über die User Stories zu machen. Hierbei schreibt man aus Nutzersicht – also dem Blickwinkel der angepeilten Zielgruppe – nieder, welche Funktionalitäten es geben soll. Zum Beispiel: „Als Nutzer eines Onlineshops möchte ich vor der Bestellung eine Übersicht meiner gewünschten Produkte sehen.“
So etwas mag banal klingen. Aber genau das ist das Ziel: Man fasst in einfache Worte, was man erreichen will. Durch die User Stories kriegt man ein gutes Bild davon, was man möchte. Daraus lassen sich dann Features für die mögliche Webseite oder App ableiten.

Tipp 2: Einigen Sie sich auf eine gemeinsame Sprache

Neben dem Niederschreiben der eigenen Ideen haben User Stories einen weiteren Vorteil: Man baut so eine kommunikative Brücke. Denn oft gibt es Verständnisprobleme zwischen dem Auftraggeber, also dem Gründer, und dem Auftragnehmer, sprich dem Entwickler. Während der Gründer vielleicht eher in der BWL-Welt zuhause ist, beschäftigt sich der Programmierer mit Ajax, C# oder PHP. Jeder spricht also quasi eine eigene Sprache. Hierdurch kann es zu einem babylonischen Sprachwirrwarr kommen, was zu Missverständnissen und Problemen führt.
Daraus resultieren Änderungen und Verzögerungen, die natürlich Geld kosten. Im schlimmsten Fall scheitert die Zusammenarbeit oder gar das ganze Projekt, was ein Start-up schnell in eine Schieflage bringen kann. Das muss nicht sein. User Stories oder andere Formen von einfach gestrickten Konzepten helfen dabei, eine gemeinsame Sprache zu finden. Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn man mindestens ein oder zwei „Übersetzer“ engagiert. Also Menschen, die beide Seiten verstehen und zwischen beiden Gruppen vermitteln können. Diese können aus den eigenen Teams stammen oder man engagiert externe Berater bzw. Coaches, welche für ein übergreifendes Verständnis sorgen.

Tipp 3: Bleiben Sie zusammen agil

Start-ups macht unter anderem aus, dass sie schnell und wendig agieren. Dazu gehört, dass man auch bei der Zusammenarbeit mit den Entwicklern immer agil bleibt. Somit sollte es nicht das Ziel sein, sofort ein 100 Prozent fertiges Produkt umzusetzen. Stattdessen ist es ratsam, sein Produkt in viele kleine Unterschritte zu zerlegen und diese sukzessive entwickeln zu lassen.
Kurz: Man strebt das MVP, das Minimum Viable Product, an. Hierbei handelt es sich um eine vom Umfang her abgespeckte, aber funktionierende Fassung des geplanten Produktes. Dieser Lean-Ansatz sorgt dafür, dass man mittels ständigem Messen – Bewerten – Verbessern recht schnell überprüfen kann, ob die Ideen bzw. das Konzept ankommt. Außerdem ist ein MVP besser für die Zusammenarbeit mit Entwicklern, gerade wenn man sich noch nicht so gut kennt. Das sogenannte Agile Development dient als Bewährungsprobe. Treten hierbei Komplikationen auf, können sie (hoffentlich) schnell gelöst werden.

Fazit: An einem Strang ziehen hilft

Wenn Menschen mit unterschiedlichem Know-how aufeinandertreffen, kann es zu Missverständnissen und Spannungen kommen. So etwas geschieht zum Beispiel, wenn Geschäftsführer und Entwickler miteinander kommunizieren, aber beide Seiten unterschiedliche Ansichten haben und verschiedene „Sprachen“ sprechen. Diese Probleme lassen sich zum Glück aus der Welt schaffen. Entweder schafft man von Anfang an die entsprechende Basis dafür (z.B. durch ein für jedermann verständliches Konzept), oder man justiert während der Zusammenarbeit nach.

Der Autor Matthias Pauers ist Coach für Software-Entwicklung und greift mit seiner Firma Teamprove gern Start-ups und mittelständischen Unternehmen unter die Arme.