Survival-Tipps für Freiberufler

Weniger Stress und Chaos

Autor: Svenja Hofert
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Wer sich als Freiberufler nicht strukturieren kann, ist verloren. Lesen Sie, mit welchen Survival-Strategien Sie Stress und Bürochaos eindämmen, Gewinne optimieren und sich durch Mitarbeiter entlasten.

Die meisten Freiberufler arbeiten allein. Das ist schön – und oft schrecklich zugleich. Denn das Einzelkämpfertum zehrt nicht selten am Selbstbewusstsein, vor allem, wenn man kein Feedback erhält oder der regelmäßige Austausch mit anderen fehlt. Die Fachbuchautorin Gudrun Sonnenberg spricht nicht ohne Grund in ihrem Ratgeber „Kollege Ich“ sogar von „der Kunst, allein zu arbeiten“. Mangelndes Selbstbewusstsein ist die eine mögliche Folge von zu viel Alleinsein – fehlendes Selbstmanagement die andere. Denn wenn niemand von einem verlangt, zu einer bestimmten Zeit im Büro zu sitzen, dann verliert mancher Freiberufler über kurz oder lang seine Disziplin.

Strategien gegen Einsamkeit und Chaos

Was also tun? Oft ist der Schritt aus dem Haus nötig, um Job und Leben nicht nur symbolisch zu trennen. Auch wenn es verlockend ist, in der eigenen Wohnung zu arbeiten – eine Dauerlösung ist das für viele Freiberufler nicht. Ihnen fällt es viel leichter, morgens in ein Büro zu fahren und dort zu arbeiten. Das Büro wirkt auch dann der Einsamkeit entgegen, wenn es sich um eine Bürogemeinschaft oder eine Gemeinschaftspraxis handelt.

Wenn das Büro finanziell oder organisatorisch nicht realisierbar ist: Suchen Sie sich ein stabiles Netzwerk, engagieren Sie sich, gehen Sie auch beruflich regelmäßig unter Menschen. Eigene Mitarbeiter fangen ebenfalls auf und verhindern den Fall in das Einsamkeitsloch und in den unstrukturierten Arbeitstag. Gegen den Hang zum Chaos hilft nur Struktur, eine klare Gliederung des Tages und selbst vorgeschriebene Abläufe. Richten Sie sich dafür, auch wenn Sie zu Hause arbeiten, einen Platz ein, der räumlich von Ihrem Wohnbereich getrennt ist.

Planen Sie Ihren Arbeitstag und legen Sie Ihre Aufgaben fest. Viele Freiberufler fühlen sich ohne einen Chef wie im luftleeren Raum, surfen stundenlang im Internet oder lassen sich anders treiben. Da ist es vielleicht sogar sinnvoll, sich einen Arbeitsvertrag mit sich selbst vorzustellen oder diesen sogar symbolisch aufzusetzen. Nehmen Sie den Slogan „Ich bin mein eigener Chef“ wörtlich und verordnen Sie sich als Chef die notwendige Ordnung.

Strategien zur Gewinnoptimierung

Viele Freiberufler verschenken wissentlich oder unbewusst zahlreiche Viertelstunden von ihrer Arbeitszeit, was sich am Ende des Monats zu ganzen Tagen auftürmen kann. Sie telefonieren endlos mit ihren Kunden, opfern sich für die Kundenbeziehung auf oder bessern nach, ohne Arbeiten zu berechnen. Da Freiberufler durch Arbeit am und mit Menschen bzw. durch kreative Tätigkeiten Geld verdienen, scheuen Sie oft ein allzu geschäftsmäßiges Auftreten. Sie ziehen keine klaren Grenzen. Viele halten sogar Ihre Kostenstruktur bewusst intransparent – um jedem Kunden mit dem richtigen Preis entgegen zu kommen. So geht es finanziell nie bergauf.

Strategien gegen Bürostress

An einem bestimmten Punkt Ihrer Selbständigkeit wird der Papierkram einfach zu viel. Sie werden merken, dass Sie zu nichts mehr kommen und sich in Alltagsaufgaben verzetteln. Spätestens dann müssen Sie anfangen, Grenzen zu ziehen. Vielleicht sind Ihre Telefonate zu ausführlich, stecken Sie zu viel Zeit in Konzeption, arbeiten Sie zu undiszipliniert: Wenn Sie sich nicht über schmelzende Gewinne ärgern wollen, ziehen Sie jetzt die Zügel an. Lernen Sie beispielsweise, Telefonate effektiv und zur Zufriedenheit Ihres Gesprächspartners zu Ende zu führen. Bestimmen Sie Zeiten, in denen Sie sich von niemandem stören lassen, auch nicht per Telefon. Diese Zeiten sollten dem konzentrierten Arbeiten vorbehalten sein. Passen Sie diese Zeit möglichst Ihrem Biorhythmus an und legen Sie sie beispielsweise in Ihre Leistungshochphase von 11 bis 13 Uhr.

Irgendwann werden Sie Ihre Einnahmen trotz effektiven Arbeitens nicht mehr erhöhen können, es sei denn, Sie verschaffen sich Entlastung durch Mitarbeiter. Dafür sollten Sie delegierbare Aufgaben abgeben, etwa alle Sekretariatsaufgaben, Werbung und PR sowie die Buchhaltung. Im nächsten Schritt geht es um Wachstum, das bei Freiberuflern besser über Kooperationen zu erreichen ist als über angestellte Fachkräfte. So können Sie gebündelte Kompetenz anbieten und den Kundenkreis erweitern. Typische Kombination: Ein Steuerberater und ein Steuerrechtler oder ein Texter und ein Grafiker.

So vermeiden Sie Einsamkeit und Chaos

  • Trennen Sie Arbeit und Leben auch räumlich.
  • Vereinbaren Sie feste Arbeitszeiten mit sich selbst.
  • Planen Sie Ihre Aufgaben täglich. Aufgabenzettel, auf denen Sie Erledigtes durchstreichen, helfen leicht chaotischen Menschen oft besser als Planungstools am Computer.
  • Entscheiden Sie sich, ob Sie sich mit anderen zusammentun können, auch wenn jeder dabei seinem eigenen Geschäft nachgeht.
  • Eine Bürogemeinschaft bringt den vermissten Austausch.
  • Vereine, Verbände, informelle Netzwerke bringen Kontakte und damit auch Kommunikation.
  • Nehmen Sie sich gerade auch für die eher unangenehmen Aufgaben wie Akquisegespräche oder Buchhaltung feste Zeiten vor, von denen Sie nicht abweichen.
  • Schließen Sie den Tag mit einer Belohnung ab, auf die Sie sich freuen, z.B. mit einem schönen Abendessen. Danach ist frei.