So werden Gründer zum Digital CEO

Autor: Frank S. Jorga
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In Großstädten sind Büroflächen knapp und meist auch teuer. Für die meisten Gründer gilt es daher in diesem Punkt, sich auf das notwendige Minimum zu beschränken. Dies fängt mit dem Abschaffen des eigenen Chefbüros an. Wie sich diese Maßnahme umsetzen lässt und welche Vorteile sich daraus ergeben, beleuchtet dieser Artikel.

In den vergangenen Jahren sind die Büromieten in deutschen Metropolen massiv gestiegen. So kostete etwa der Quadratmeter in Berlin zuletzt rund 24,10 Euro. Dreieinhalb Jahre zuvor waren die Preise noch um etwa 9 Euro niedriger. Die Leerstandsquote lag im Sommer 2019 nur noch bei 1,6 Prozent. Auch in anderen Großstädten ist es schwer, passende und erschwingliche Büroflächen zu finden. Wenn es für Start-ups also unbedingt ein Office in Metropolregionen sein muss, dann sollte die Fläche möglichst gering gehalten werden. Dies lässt sich einerseits durch platzsparende Großraumbüros und „Shared Desks“ realisieren. Auf der anderen Seite können Gründer bei sich selbst beginnen und auf das Statussymbol des CEO-Büros verzichten.

Der Weg zum bürolosen Chef

Obwohl wir im Zeitalter der Digitalisierung leben, arbeiten zahlreiche Gründer und Führungskräfte noch immer im eigenen Büro. Nach wie vor dominieren analoge Arbeitsmittel wie Aktenordner, Notizzettel, Tacker und Büroklammern das Bild. Tatsächlich sind heute jedoch nur ein Notebook, ein Smartphone, eine Internetverbindung und Strom erforderlich, um als CEO arbeitsfähig zu sein. Der technische Aspekt stellt also die geringste Herausforderung dar. Und nachdem ein wesentlicher Teil der Mitarbeiterführung aus Kommunikationsprozessen besteht, liegt es auf der Hand, dass Chefs nicht hinter geschlossenen Türen agieren sollen.

Twitter-CEO Jack Dorsey macht es vor. Er hat sein Büro abgeschafft und setzt sich spontan in die Meetings seiner Mitarbeiter. Grundsätzlich sollte es auch Gründern nicht schwerfallen, eine Kommunikation außerhalb formaler Strukturen mit ihrem Team zu pflegen. Anders als in etablierten Unternehmen sind flache Hierarchien in diesem Umfeld ohnehin Standard.

Natürlich wird es auch in einem offen gestalteten Umfeld immer wieder Situationen geben, in denen ein CEO Ruhe zum Arbeiten oder Telefonieren benötigt. Für solche Fälle eignen sich Meeting- oder Ruheräume. Das „Abschotten“ ist ohne eigenes Büro jedoch jedes Mal eine Entscheidung, die bewusst getroffen werden muss. Entsprechend reduzieren sich Auszeiten dieser Art automatisch auf ein Minimum.

Nicht zuletzt ist es für die Abschaffung des Büros erforderlich, konsequent auf Digitalisierung zu setzen. Dies gilt insbesondere für Gründer, die sich häufig auf Geschäftsreisen befinden. Es müssen nicht nur Technologien für die digitale Kommunikation vorhanden sein. Auch vollständig digitale Arbeitsprozesse sind ein wichtiger Aspekt. Unter anderem gilt es, sich komplett von papiergebundenen Unterlagen zu trennen und Dokumente ortsunabhängig verfügbar zu machen. Hierfür stehen mittlerweile zahlreiche Cloud-Lösungen zur Verfügung.

Start-ups ohnehin im Vorteil

Start-ups haben die Chance, von Beginn an auf „New Work“ mit einer hohen Eigenverantwortung der Teams zu setzen. Anders als Unternehmen mit gewachsenen Strukturen müssen sie sich nicht von einer veralteten Kultur und formalen Kommunikationswegen trennen. Auch Papierberge müssen sich in jungen Unternehmen gar nicht erst anhäufen, sofern bereits in einer frühen Phase digitale Hilfsmittel wie Kalender-Apps und cloudbasierte Dokumentenmanagementsysteme zum Einsatz kommen. Somit sind Start-ups ihrer traditionell arbeitenden Konkurrenz automatisch einen Schritt voraus.

In diesem Gesamtkonstrukt ist es die Aufgabe des digitalen CEOs, mit gutem Beispiel vorangehen. Verzichtet er auf Schutzmauern in Form eines eigenen Büros, so verbessert er seine Wahrnehmung bei den Mitarbeitern und optimiert gleichzeitig die Kommunikation im Unternehmen. Hieraus resultieren ein besseres Betriebsklima und damit häufig auch ein größerer Unternehmenserfolg.

Der Autor Frank S. Jorga ist Co-CEO der WebID Solutions GmbH und für die strategische Ausrichtung sowie die weltweite Expansion verantwortlich.

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