Cloud für Start-ups

Autor: Dr. Jens Zeyer
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Dieser FAQ-Artikel gibt einen Überblick darüber, welche Cloud-Services sich für Start-ups eignen, wie eine erfolgreiche Cloud-Strategie aufgesetzt werden kann und beleuchtet weitere Aspekte.

1. Welche Cloud-Services sind besonders für Start-ups geeignet?

Unternehmensgründer sind in der Anfangszeit nicht nur Unternehmer sondern Fachspezialist, Marketing-Profi, Vertriebler, Buchhalter sowie Kundenberater in einem. Kein Wunder, dass wenig Zeit bleibt, um sich mit IT-Fragen tiefgehend zu beschäftigen. Start-ups setzen daher meist auf sogenannte „SaaS“-Dienste (Software as a Service). Das sind Software-Lösungen, die der Cloud-Anbieter dem Kunden über das Internet bereitstellt.

Gründer haben bei diesem Service-Modell nicht nur Kostenvorteile, sondern profitieren auch davon, dass der Anbieter die Konfiguration, Wartung, Sicherheitsupdates sowie Aktualisierung der Software übernimmt. Somit kann sich der Nutzer auf sein Kerngeschäft fokussieren. Einen weiteren Vorzug, den SaaS bietet, ist die Skalierbarkeit. Beispielsweise können zusätzliche Ressourcen mit wenigen Klicks direkt hinzugebucht werden – diese Möglichkeit wird vor allem dann wichtig, wenn das Unternehmen wächst. Und Wachstum ist Ziel vieler Gründer.

Neben dem SaaS-Dienst empfiehlt sich darüber hinaus ein Online-Speicher zum Austausch von Daten. Auf jeden Fall sollten sic

h Start-ups zunächst nur die nötigsten Speicher und Tools aus der Cloud zulegen, da ein Aufstocken, wie bereits beschrieben, jederzeit möglich ist. Egal, für welchen Cloud-Service sich Gründer letztendlich entscheiden, folgende Fragen sollten unter anderem geklärt sein:

  • Erfüllt der Service die Anforderungen meines Unternehmens?
  • Wie flexibel ist der Service?
  • Welche Schnittstellen sind nötig?

2. Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Die Planung der Finanzen ist eine der großen Herausforderungen für Start-ups. Daher ist es essenziell, alle Kosten im Überblick zu haben – auch die der Cloud. Um beim Beispiel der SaaS-Dienste zu bleiben: Bei diesem Service-Modell ist es - wie bei anderen ebenfalls - so, dass das monatliche Entgelt von der Preisgestaltung des Servicegebers abhängig ist. Das SaaS-Modell gibt es in unterschiedlichen Preismodellen:

  • Pro Benutzer/Monat: Funktioniert wie eine Art „Flatrate“, bei der der Nutzer ein monatliches, gleichbleibendes Entgelt für jeden angemeldeten Benutzer bezahlt. Er mietet die Software sowie die dazugehörigen Dienstleistungen
  • Abrechnung nach Datenmenge: Hier rechnet der Anbieter die tatsächlich genutzte Datenmenge des Anwenders ab und stellt diese in Rechnung
  • Freemium: Der Anbieter stellt eine Basis-Version kostenfrei zur Verfügung und ergänzt diese durch kostenpflichtige Services

Daneben gibt es weitere Preismodelle wie zum Beispiel Abrechnung nach genutzter CPU-Stunde. SaaS-Dienste und Cloud-Computing allgemein bieten dem Nutzer mit ihren Abrechnungsmodellen eine hohe Kostentransparenz. Gründer behalten damit über die Ausgaben für ihre Cloud-Lösungen stets den Überblick. Vorsicht ist bei den „Freemium“-Modellen geboten: Die Einsteigerpakete reichen vielen Start-ups schon nach kurzer Zeit nicht mehr aus. Dann muss ein deutlich teureres Businesspaket her, was zu steigenden Kosten führt.

Generell lässt sich sowohl für Start-ups als auch für KMUs sagen, dass der größte Kostenfaktor eine falsche Cloud-Lösung ist. Wer sich nicht ausreichend Gedanken macht und einfach in die Cloud einsteigt, kann schnell danebengreifen.

3. Welche Vorteile bringt die Cloud hinsichtlich der Kapitalbindung mit sich?

Insbesondere Start-ups profitieren bei der Cloud davon, dass eine große, einmalige Investition in den Aufbau einer IT-Infrastruktur entfällt. Benötigte Dienste sowie Hardware werden einfach angemietet. Die Verwandlung fixer Kosten aus Investitionen in variable Kosten ermöglicht es, das nicht mehr gebundene Kapital beispielsweise in Entwicklung und Einführung neuer Produkte oder den Ausbau des Vertriebs zu investieren. Neudeutsch heißt der Wegfall der Kapitalbindung „OpEx statt CapEx“. OpEx steht dabei für „Operational Expenditures“ und bezeichnet immer wiederkehrende Ausgaben, um Geschäftsabläufe und Systeme am Laufen zu halten. Das Gegenstück CapEx, „Capital Expenditures“, steht für Ausgaben, die für eine einmalige Anschaffung oder Verbesserung von Systemen oder Infrastruktur anfallen.

4. Wie kann man eine erfolgreiche Cloud-Strategie aufsetzen?

Jede noch so gute Geschäftsidee ist ohne eine strategische Grundausrichtung wenig wert, da weder Mittel und Wege zur Erreichung der Ziele definiert sind. Die Nutzung von Cloud-Diensten bedarf ebenfalls einer durchdachten Strategie. Es ist ratsam, die Cloud-Strategie von der IT-Strategie, und diese wiederum von der Unternehmensstrategie abzuleiten. Damit zielen alle Überlegungen in die gleiche Richtung.

Bei der Unternehmensstrategie geben der CEO und seine Führungsmannschaft die langfristige Marschrichtung des Unternehmens vor. Sie definieren die Unternehmensziele, legen fest, welche Produkte/Dienstleistungen angeboten werden sollen usw. Die IT-Strategie bestimmt, wie der Beitrag der IT zur Wertschöpfung optimiert werden kann. Das heißt, Anforderungen aus dem Geschäftsbetrieb sollen erfüllt und Geschäftsprozesse effizient gestaltet werden. Die IT-Strategie bezieht sich auf Bereiche wie Infrastruktur (welche Hardware?), Applikationen (welche Software?), Innovationen (welche Technologien werden in Zukunft benötigt?), Investitionen (wie soll das IT-Budget aufgeteilt werden?) und Organisation (wie soll das IT-Team aufgestellt werden?). Bei der Definition der IT-Strategie wird noch nicht über Produkte gesprochen. Das ist ein nachgelagerter, rein taktischer Vorgang.

Haben Gründer alle Fragen der IT-Strategie für sich geklärt, folgt der dritte Schritt. Es ist an der Zeit, über Cloud-Lösungen nachzudenken. Um die Cloud-Strategie festzulegen, müssen hier ebenfalls Fragen beantwortet werden:

  • Wo kann es zu Lastspitzen kommen?
  • Gibt es Bereiche im Unternehmen, in denen Einfachheit und schnelle Umsetzung unverzichtbar sind?
  • Welche Sicherheitsstandards muss der Cloud-Anbieter erfüllen?
  • Welche Bedingungen müssen die Cloud-Services in Bezug auf Compliance und Support erfüllen?

Eine Cloud-Strategie entsteht nicht über Nacht. Gründer, die sich ausreichend Zeit dafür nehmen, können von Vorteilen in bestimmten Geschäftsbereichen oder zu einzelnen IT-Themen profitieren. Diese Chancen sollten Start-ups unbedingt nutzen.

5. Welche rechtlichen Aspekte spielen eine Rolle?

Neben den Überlegungen zu Cloud-Services, Kosten, Strategie und Co. sollten sich Gründer Gedanken zu einigen rechtlichen Aspekten machen. Wenn man vom deutschen Datenschutzrecht ausgeht, sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen: Laut Bundesdatenschutzgesetz ist die Verarbeitung personenbezogener Daten (Daten, die eindeutig einer bestimmten natürlichen Person zugeordnet sind oder diese Zuordnung zumindest mittelbar ermöglichen) nur dann erlaubt, wenn es sich um eine sogenannte Auftragsdatenverarbeitung (ADV) handelt.

Damit gemeint ist die Erhebung, Verarbeitung oder Nutzung von personenbezogenen Daten durch einen Dienstleister auf Weisung des Auftraggebers. Der Auftraggeber ist hierbei weiter datenschutzrechtlich verantwortlich, obwohl seine Daten betrieblich ausgelagert sind. Außerdem hat er die Pflicht, den Auftragsdatenverarbeiter sorgfältig auszuwählen. Dieser wiederum muss gewährleisten, alle erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen getroffen zu haben, damit sensible Daten nicht in die Hände Unbefugter gelangen.

Ebenfalls sollten sich Gründer darüber im Klaren sein, dass eine Mehrheit der Cloud-Anbieter die Daten in Nicht-EU-Ländern speichert. Das hat zur Folge, dass der Abschluss eines ADV-Vertrages alleine nicht mehr ausreicht. Es bedarf in diesem Fall vielmehr einer Rechtsgrundlage sowie eines angemessenen Datenschutzniveaus. Cloud-Anbieter müssen daher entsprechende Zertifizierungen oder EU-Standardvertragsklauseln abschließen. Aufsichtsbehörden verlangen gar noch zusätzlich den Abschluss einer ADV-Vereinbarung. Jedoch ist diese nicht mit jedem Anbieter verhandelbar. Auf der sicheren Seite befindet man sich, wenn man Cloud-Anbieter mit Rechenzentren in der EU auswählt.

Der Autor Dr. Jens Zeyer hat über zehn Jahre Erfahrung in leitenden Marketing- und PR-Positionen und ist seit 2015 Marketing & PR Executive bei OVH Germany, einem internationalen Hyperscale Cloud Anbieter.


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