Netzwerk-Monitoring für Start-ups

Über den Aufbau und die Pflege der IT-Strukturen

Autor: Dirk Paessler
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Treffen Internet-Start-ups mit innovativen Ideen den Nerv der Zeit, kommt es nicht selten zu einer Wachstumsexplosion. Die Euphorie erhält aber vielerorts auch einen Dämpfer. Der Grund ist ein ganz banales Problem, den Start-ups unter all den vielen zu regelnden Dingen schlicht vernachlässigen: die Belastungsfähigkeit der eigenen IT-Infrastruktur. Denn die ist dem Kundenansturm oft nicht gewachsen. Die Folge sind Server-Knockouts, Shitstorms, verzögerte Downloads oder Probleme beim Login. Wir zeigen die größten Stolperfallen und die besten Präventions-Maßnahmen.

Die größten IT-Stolperfallen

Ausfälle und Störungen können Internet-Start-ups in der Regel weniger gut wegstecken als etablierte Unternehmen. Warum ist das so? Beleuchten wir hierzu mehrere Faktoren:

1. Zu große Kundennachfrage


Etablierte Unternehmen kennen ihre Kundenstruktur und können Zeitpunkt und Masse der Anfragen in der Regel gut kalkulieren. Bei Start-ups entsteht ein Ansturm jedoch häufig unerwartet, etwa durch eine kurzfristige Marktveränderung, die dem Gründer zugute kommt. Zudem sind entsprechende Erfahrungswerte schlicht nicht vorhanden. Viele Start-ups werden positiv überrascht, leider mit teils negativen Auswirkungen: Leitungen werden überlastet, Server brechen zusammen, Datenbanken können die vielen Anfragen nicht verarbeiten. Kundenanfragen landen im Leeren, die Kunden sind frustriert und verärgert.


2. Ungesundes Wachstum

Es hört sich an wie ein Problem auf hohem Niveau, aber fest steht: Man kann auch zu schnell wachsen. Der ein oder andere wird den Begriff „ungesundes Wachstum“ schon einmal gehört haben. Dieses trifft insbesondere Start-ups, die innerhalb kurzer Zeit sehr schnell wachsen und umgehend auf manchmal unerwartetes Wachstum reagieren müssen. Erfolgt beispielsweise die IT-Planung nicht weitsichtig und unter Berücksichtigung potenziellen Wachstums, können massive Performance-Probleme auftreten, die wiederum die Produktivität nachhaltig beeinträchtigen.

3. Fehlendes Vertrauen

Start-ups müssen sich das Vertrauen ihrer Kunden naturgemäß erst erarbeiten. Folglich bergen Ausfälle, beispielweise der Webseite, die Gefahr, neue Kunden für immer zu verprellen. Gerade Start-ups mit einem Internet-affinen Geschäftsmodell sind hier besonders gefährdet: Ein „Shitstorm“ ist von frustrierten Kunden schnell vom Zaun gebrochen, die Folgen können für das junge Business verheerend sein.


4. IT-Abhängigkeit



Das Internet ist für viele Start-ups das „Tor zum Markt“. Hier lassen sich Produkte relativ einfach und kostengünstig vermarkten. Am Markt gewachsene Unternehmen, deren Produkte auch offline funktionieren, haben den Vorteil, nicht komplett vom World Wide Web abhängig zu sein. Für Start-ups, die rein webbasierte Dienste bzw. Lösungen anbieten, wiegt ein Ausfall der IT-Infrastruktur schwerer. Jede Minute ist gleichbedeutend mit Umsatzverlusten.

5. Unzureichende IT-Strukturen


Etablierte Unternehmen haben alle wesentlichen IT-Dienste normalerweise inhouse organisiert. Dadurch entstehen hohe Kosten, das Risiko ist jedoch gering. Zudem finden sich in gewachsenen Firmen häufig viele Monitoring-Inselsysteme wieder, was die Gesamtüberwachung der Infrastruktur sehr komplex macht. Nichtsdestotrotz gewährleisten diese Unternehmen eine hohe Ausfallsicherheit. Die Kunden bemerken einen IT-Ausfall unter Umständen gar nicht.

Bei Start-ups sieht das anders aus, da sie sich von Beginn an „moderner“ aufstellen: Sie nutzen oft verschiedene externe und weniger ressourcenlastige Cloud-Services. Auf ein Monitoring ihrer IT verzichten Start-ups jedoch in der Regel, wodurch sie kaum herausfinden können, an welcher Stelle es hakt, wenn irgendetwas schiefläuft. Um redundante IT-Strukturen zu bilden, die einen Ausfall abfangen können, fehlt Start-ups in der Regel das Budget. Demnach sind auch die Kunden von einem Ausfall meistens direkt betroffen – mit allen bereits erwähnten Negativfolgen.

Maßnahmen und Auswege: Netzwerk-Monitoring


Um solche Stolpersteine und daraus resultierende Shitstorms und (Komplett-)Ausfälle zu vermeiden, müssen Start-ups wissen, was wo in der IT-Infrastruktur passiert ist bzw. was noch passieren könnte – und das am besten noch vor den Usern. Eine halbe Stunde Wissensvorsprung ist bereits ausreichend, um spürbare Auswirkungen für Kunden und Neukunden abzuwenden. Diesen Informationsvorsprung erreichen Start-ups nur über ein professionelles Netzwerk Monitoring. Der konkrete Bedarf an einer Monitoring-Lösung wird aber vielerorts nicht gesehen, auch weil der Fokus junger Unternehmen zunächst stärker auf ihre eigenen Dienstleistungen/Produkte gerichtet ist. Genau dieses Vernachlässigen des technologischen Fundaments führt im Ernstfall eines Ausfalls zu einer nicht enden wollenden Fehlersuche. Denn ohne Netzwerk-Monitoring werden Vorzeichen leicht übersehen und der wahre Grund für Totalausfälle nie festgestellt.

Prävention für den Besucheransturm



Um sich von der Gründung an auf einen möglichen Besucheransturm auf die Webseite vorzubereiten, sollten Start-ups essenzielle technische Grundlagen schaffen und

  • die Performance aller am Publikationsprozess beteiligten Komponenten sichern,
  • die Zahl der Webseitenzugriffe kontinuierlich überwachen,
  • für alle Webserver ausreichend Ressourcen zur Verfügung stellen,
  • für Leitungen die nötige Bandbreite bereitstellen sowie
  • potenzielle Engpässe wie Switche, Router oder Firewalls so konfigurieren, dass sie keine Daten blockieren/ausbremsen, aber trotzdem maximale Sicherheit bieten.



    Mit diesen grundlegenden Maßnahmen bilden Start-ups das Fundament, um die Ansprüche potenzieller Kunden erfüllen zu können – z.B. schnellen Webseitenaufbau und Login, einen reibungslos laufenden Online-Shop sowie guten und zeitnahen Support.

Suchen Internet-Start-ups nun nach einer unterstützenden Monitoring-Lösung, werden sie vom Markt schier erschlagen. Unzählige Systeme aller Preiskategorien versprechen bestmögliche Sicherheit. Viele Monitoring-Tools werben dabei mit standardmäßigen Ping-Abfragen zur Überwachung des Webservers. Dadurch weiß der Administrator des Start-ups aber nur, ob ein Webserver erreichbar ist oder nicht. Effektiver sind professionelle Monitoring-Lösungen, die dank eines breiten Funktionsumfangs das gesamte Netzwerk überwachen können. Eine solche Komplettlösung bietet neben der Überwachung diverser Basis-Parameter des Webservers auch Features zum Monitoring der Webseiten inklusive aller Inhalte – u.a. Datenübertragungen, Nutzerzugriffe, die Webseitengeschwindigkeit sowie komplexere Abfragen (z.B. wie viel Zeit der komplette Download einer Webseite mit Inhalten beansprucht).



Insbesondere für neue Online-Shops und Service-Webseiten ist es von enormer Bedeutung, die Funktionsfähigkeit von Online-Formularen überprüfen zu können. Nur weil der Webserver auf einen Ping reagiert, können Start-ups noch lange nicht sicher sein, dass ihre Kunden tatsächlich Formulare ausfüllen und Kaufprozesse abschließen können.

Idealerweise unterstützt die Monitoring-Lösung darüber hinaus sog. Webhooks. Dieses Verfahren zur Kommunikation von Servern ermöglicht es z.B. neue Beschwerdekommentare auf der Facebook-Seite des Start-ups zu identifizieren und direkt an die Verantwortlichen weiterzugeben.

Zusammenfassend gilt: Ein funktionierender Web-Auftritt, reibungslose Online-Einkäufe, guter und zeitnaher Support sowie professionelle Kommunikation sind die ersten Schritte in Richtung Online-Start-up-Erfolg. Mit einer Netzwerk-Monitoring-Lösung, die kontinuierlich die gesamte Infrastruktur im Auge behält und bei sich abzeichnenden Problemen zuverlässig informiert, können sich die Neuunternehmer darauf konzentrieren, ihr Business aufzubauen und neue Pläne zu schmieden.

Der Autor Dirk Paessler ist Gründer und CEO der Paessler AG, die leistungsfähige und benutzerfreundliche Netzwerk-Monitoring-Software entwickelt.

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