womena: Die MENA-Pipeline für weibliches Unternehmertum


44 likes

Womena konzentriert sich insbesondere mit seinem „Womentum Accelerator“ auf die Stärkung weiblich geführter Technologie-Start-ups in der gesamten Region des Mittleren Ostens und Nordafrikas, der sog. MENA-Region. Mehr über das internationale Womentum-Programm im Interview mit Amira Salah-Ahmed, Chief Media Officer von womena.

Amira Salah-Ahmed, Chief Media Officer von womena

Wie ist es um das Ökosystem für Unternehmerinnen in der MENA-Region bestellt?

Das Unternehmertum in der MENA-Region ist vor allem in den letzten zwei Jahren mit großen Ausstiegen, darunter der erste „dragon exit“, aufgeblüht und gereift. Somit nehmen die Chancen für angehende Unternehmer in dem wachsenden und stärker vernetzten Ökosystem zu. Unternehmerinnen stehen jedoch immer noch vor der Herausforderung, nicht den gleichen Zugang zu Unterstützung und Finanzierung zu haben wie ihre männlichen Kollegen.

Laut einer Studie von ArabNet aus dem Jahr 2017 gibt es weniger weibliche Gründerinnen. So sind nur 14 Prozent der MENA-Start-ups von Frauen gegründet worden. Zudem erhalten Frauen auch deutlich weniger Startkapital als Männer. Die Lücke, die dabei entsteht, ergibt weltweit mehr als eine Million Dollar. Dies vor dem Hintergrund, dass eine Studie der Boston Consulting Group festgestellt hat, dass von Frauen gegründete Unternehmen höhere Einnahmen erzielen als die von Männern.

In der MENA-Region beliefen sich die Gesamtinvestitionen in Start-ups im Jahr 2017 beispielsweise auf rund 650 Millionen Dollar, aber nur elf Prozent davon gelangen an frauengeführte Unternehmen. Allerdings gibt es in der Region immer mehr weibliche Vorbilder, die angehenden Unternehmern als Inspiration dienen.   

Was macht Dubai Ihrer Meinung nach zu einem Zentrum für Unternehmertum?

Dubai hat sich als pulsierendes Zentrum für Unternehmen in der MENA-Region positioniert. Dies wurde mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Incentives unterstützt, die das Unternehmertum fördern, den Prozess der Unternehmensgründung erleichtern und Einrichtungen zur Unterstützung innovativer Technologieunternehmen schaffen.

Und wie stellt sich die Rolle der Gründerinnen dar?

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich auf die Integration konzentriert und haben eine der höchsten Frauenquoten in der Regierung, eine beträchtliche Anzahl von Frauen in der Erwerbsbevölkerung sowie eine Mehrheit von weiblichen Hochschulabsolventen. Es ist die Investitionsdrehscheibe der Region, mit rund 30 Prozent der MENA-Venture-Investoren mit Sitz in Dubai, aber es ist auch das Tor zu den Märkten in Afrika, Asien und im Nahen Osten.

Könnten Sie uns einige Hintergrundinformationen zum Womentum-Programm geben? Wie ist es dazu gekommen?

Bei womena sehen wir, dass die oben genannten Faktoren miteinander verbunden sind. Um die vorhandene Lücke jedoch zu schließen, muss mehr Unterstützung für weibliche Gründerinnen bereitgestellt werden, um die „Pipeline“ zu investitionsbereiten, frauengeführten Start-ups zu erweitern und somit ein höheres Interesse und mehr Mittel für diese Unternehmen zu generieren. Wir haben als Angel Investor Network begonnen und aufgrund unserer Erfahrung mit diesem Prozess sahen wir die Notwendigkeit, Technologie-Start-ups im Frühstadium zu unterstützen, um investitionsbereit zu sein.

Der Fokus auf weiblich geführte Start-ups war unsere Art, genau das zu tun. Unser Aushängeschild „Womentum Accelerator“ soll dafür stehen, den Bedürfnissen gerecht zu werden, die wir als Frauen mit unterschiedlichen unternehmerischen Erfahrungen in der Region sahen. Das Bewusstsein über die Nuancen weiblicher Gründerinnen in diesem Teil der Welt ermöglichte es uns, ein Programm zu entwickeln, das die Bedürfnisse des Segments berücksichtigt und besser bedient.

Womentum konzentriert sich auf die Stärkung von weiblich geführten Technologie-Start-ups in der gesamten Region des Mittleren Ostens und Nordafrikas. Dies durch ein viermonatiges Accelerator Program, das mit einem umfassenden, zweiwöchiges Bootcamp in Berlin begann, gefolgt von einer auf die spezifischen Bedürfnisse des Start-ups zugeschnittenen Remote-Mentorship-Phase und einem zweiwöchigen Bootcamp und Demo Day in Dubai, dem regionalen Investitionszentrum. Wir bieten Start-ups Zugang zu einer wachsenden regionalen Gemeinschaft, Präsenz durch die Nutzung unserer Plattformen für wachsende Medien und Zugang zu Kapital durch die Investoren, mit denen wir im Laufe der Jahre Beziehungen aufgebaut haben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden unserer Teilnehmer. Dem gehen wir durch Sitzungen zur emotionalen Intelligenz (EI) nach, die in das gesamte Programm integriert sind.

Worin bestehen die Herausforderungen vor allem für Unternehmerinnen und Start-ups in dieser Region? Wie hilft womena bei der Bewältigung dieser Herausforderungen?

Womena ist eine Plattform zur Förderung der Geschlechterdiversität und der Integration in die MENA-Innovationswirtschaft, dies soll durch drei Hauptpfeiler geschehen. Als multidimensionales Medienunternehmen produzieren wir kreative Inhalte für Gründerinnen, Kreative und Changemaker. Unser Aushängeschild, das Accelerator Program Womentum, ist ein erfahrungsbasierter Early-Stage Accelerator für weiblich geführte Technologie-Start-ups im Nahen Osten und zielt darauf ab, die Pipeline zu weiblichen Unternehmern im regionalen Ökosystem zu erweitern. Der Accelerator wird bei unserer Medienplattform dokumentiert und in einer Doku-Serie namens Womentum Series eingearbeitet. Unser womena Bossladies Netzwerk ist eine aktive und engagierte Gemeinschaft, bestehend aus Unternehmerinnen und Investorinnen im Mittleren Osten.

Könnten Sie ein paar Erfolgsgeschichten von Unternehmerinnen erzählen, die Teil Ihres Programms waren? Auch Beispiele von Unternehmerinnen außerhalb Ihres Programms?

Wir haben unseren ersten vollständigen Cycle von Womentum im Jahr 2018 durchgeführt. Die Start-ups, die an diesem Programm teilgenommen haben, haben Auszeichnungen gewonnen, sich Investitionen gesichert und wuchsen in verschiedene Märkte in der Region ein. Einige Erfolgsgeschichten sind Mrayti mit Sitz in Jordanien und Furnwish mit Sitz in Ägypten. Beide Unternehmen befanden sich bei Beginn des Programms in unterschiedlichen Phasen und jedes Unternehmen hat seit seinem Abschluss ein signifikantes Wachstum im Unternehmen verzeichnet.

Wir befinden uns derzeit in der Mitte unseres zweiten Cycle mit acht äußerst vielversprechenden Unternehmen, deren Auswahl selbst Ausdruck der Reife des regionalen Ökosystems ist. Mehr über den diesjährigen Zyklus erfahren Sie hier.

Welche Art von Branchen sind Ihrer Meinung nach bei Unternehmerinnen am beliebtesten?

Einer der Hauptfaktoren, der unseren Accelerator einzigartig macht, ist, dass er branchenunabhängig ist. So entwickeln alle Unternehmen starke und innovative Technologien. Das war faszinierend, denn wir haben Start-ups aus den unterschiedlichsten Branchen gesehen: Landwirtschaft, Sport, Mode, Bauwesen, Fertigung, Immobilien, um nur einige zu nennen. Dies hat gezeigt, was wir bereits wussten: Dass von Frauen geführte Unternehmen so innovativ und vielfältig wie eh und je sind und mit der richtigen Unterstützung eine Vielzahl von Branchen erschließen können.

Wie können sich Unternehmerinnen auf das Womentum bewerben - was sind die wichtigsten Auswahlkriterien?

Um in unser Accelerator Program aufgenommen zu werden, müssen Start-ups über ein geschlechterdiverses Team mit mindestens einer Mitgründerin verfügen, die Eigenkapital im Unternehmen besitzt. Das Start-up muss auch ein innovatives und skalierbares Technologieprodukt mit Proof of Concept und einem bestehenden Prototyp entwickelt haben und sollte seinen Sitz im Nahost-Markt haben oder dort tätig sein. Sie müssen auch bereit sein, in den Medien erwähnt zu werden, damit sie die Möglichkeiten maximieren können, die sich aus dem Programm ergeben, das von einem Unternehmen mit einer wachsenden Medienplattform und einem globalen Publikum veranstaltet wird.

Wie können Ihre Unternehmerinnen von einem globalen Netzwerk und insbesondere der Achse Berlin-Dubai profitieren? Was können sie voneinander lernen?

In Berlin sind die Start-ups einem globalen Ökosystem ausgesetzt. Sie werden aus ihren Komfortzonen und dem Markt, den sie kennen, herausgeholt und erhalten eine neue Perspektive in einer aufregenden Stadt, mit einer Geschichte der Innovation und des Umbaus und mit einer unglaublichen Kunst-, Design- und Kulturszene. Dieses zweiwöchige Bootcamp gibt Gründerinnenn auch die Möglichkeit, ihre Energie wirklich zu bündeln und andere Gründerinnen im Programm und aus der gesamten Region auf einer tiefen persönlichen und beruflichen Ebene kennenzulernen.

Wir haben auch die Unterstützung der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate in Berlin, wo unser Showcase Pitch Event zum Abschluss dieser ersten beiden Wochen stattfand. Die letzten beiden Wochen des Programms konzentrieren sich darauf, Start-ups investment ready zu machen - bereit für einen exklusiven Demo-Tag, der nur für Investoren offen ist, die wir persönlich ansprechen und einladen. Start-ups können sich mit dem regionalen Zentrum von Dubai verbinden, regionale Expansionsmöglichkeiten erkunden und gleichzeitig wichtige Akteure im Ökosystem treffen.

Was wir gesehen haben ist, dass es einer der stärksten und inspirierendsten Teile des Accelerator Program ist, wie viele Start-ups in der Lage sind, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Während des Programms und auch nach Beendigung. Deshalb ist es interessant, dass wir tatsächlich Earlier Stage-Start-ups im selben Programm mit reifen Start-ups haben, die jeweils an der Entwicklung, dem Wachstum und der Skalierung ihrer Geschäfte auf unterschiedliche Weise arbeiten. Viele Teile des Programms sind auf sie zugeschnitten. In den Gruppensitzungen sieht man wirklich, wie viel sie alle voneinander lernen können. Da sie sich alle in verschiedenen Märkten und Branchen befinden, ist der Geist der Unterstützung und des Wettbewerbs gesund und konstruktiv.

Was waren die Hauptthemen auf dem Womentum-showcase in Berlin?

Das Womentum 2019 Showcase, das gemeinsam mit der Botschaft der Vereinigten Arbaischen Emirate in Berlin veranstaltet wurde, war der Höhepunkt des zweiwöchigen Bootcamps, mit dem das viermonatige Accelerator Program startete. Dies bietet den Gründerinnen die erste Gelegenheit, vor einem Publikum zu sprechen, das noch nie zuvor in ihr Unternehmen eingeführt wurde. All das am Ende von zwei Wochen, in denen viele von ihnen aufgrund der erhaltenen Mentorenschaft in irgendeiner Weise umstrukturiert hatten. Es ist eine erstaunliche Gelegenheit und eine großartige Übung für den letzten Demo Day im Oktober.

Was kommt als nächstes in der Womentum cohort 2019?

Wir befinden uns derzeit in der Remote-Executive-Phase des Accelerator Program. Hier kehren Start-ups in ihre Heimatländer zurück und erhalten eine virtuelle Mentorenschaft. Währenddessen arbeiten sie daran, ihre Produkte in lokalisierten Kontexten zu validieren, das in Berlin Gelernte umzusetzen, ihre Assumptions zu validieren und ihre Kundengewinnungsstrategien und ihre Wirtschaftlichkeit zu fokussieren sowie sich auf die Rotation und den Demo Day in Dubai vorzubereiten. Dies ist auch der Fall, wenn wir die Start-ups besuchen, um sie zu Hause zu filmen und ihre Arbeitsgänge als Teil unserer Womentum-Serie zu begleiten, die im Frühjahr 2020 ausgestrahlt wird.

Hier geht's zu womena