Startup-Roadtrip USA

Autor: Hans Luthardt
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Auf der Suche nach dem „Startup Spirit“ sind Florian Schmitt von lexRocket und der Foodguide-Gründer Malte Steiert samt Filmteam über 5000 Kilometer quer durch die USA gefahren.

Ein kultiger US-Camper, fünf neugierige Jungs mit vier Wochen Zeit im Gepäck und mehr als 5000 Kilometer on the road: Florian Schmitt, VP von lexRocket, dem Förderprogramm von Lexware, Gründer Malte Steiert, Wirtschaftsjournalist Manuel Koch sowie die Filmemacher Marius Hoch-Geugelin und Robin Teuffel von Image Media haben sich im April auf einen spannenden Roadtrip von San Francisco über Los Angeles, Las Vegas bis nach New York gemacht.

Ihre Mission: „Wir wollen die Entwicklung eines amerikanischen Start-ups von der innovativen Grundidee bis zum erfolgreichen Unternehmen kennen und verstehen lernen. Wir wollen die Formel für eine erfolgreiche Gründung finden und sie unseren Gründern voll zugänglich machen“, so Florian (Flo) Schmitt. „Und deshalb haben wir das Ganze in eine filmische Dokumentation gegossen, in einen Film von Gründern für Gründer.“ Der Titel: Starting Up USA – Von der Garage zum Unicorn in 5000 km.

Die Ausgangsfrage für ihren Trip beschreibt Flo wie folgt: „Wie kann es sein, dass die Amerikaner quasi am laufenden Band die Unicorns rausballern und wir das einfach nicht so hinkriegen?“ Sprich: Warum ist es in den USA möglich, aus drei Leuten, drei Laptops und einer Garage ein Milliardengeschäft aufzuziehen? Wie tickt die Startup-Szene im Silicon Valley? Was machen die Gründer und Investoren dort anders bzw. sogar besser als bei uns?

Die (Zeit-)Reiseroute

Mit diesen Fragen im Gepäck starteten Flo und Co. ihre Mission. Antworten lieferten ihnen die vielen Begegnungen und Gespräche mit US-Unternehmern, Investoren und auch die Treffen mit deutschen Gründern, die den US-Markt erfolgreich für sich erschlossen haben. Von Letzterem zeugen Interviews u.a. mit den CEOs von Celonis und Shore, die millionenschwere US-Investitionen an Land ziehen konnten, Gespräche mit dem Dropbox-CTO Aditya Agarwal – er war zugleich einer der ersten zehn Facebook-Mitarbeiter –, mit Ken Rutowski von Hyperloop One sowie Julio Terra von Kickstarter oder auch mit Jodel-Gründer Alessio Borgmeyer. Die den Treffen zugrunde liegende Reiseroute ist mit Bedacht gewählt. Die Etappen zeichnen den klassischen US-amerikanischen Gründerweg bzw. den Zeitstrahl vieler erfolgreicher (Tech-)Gründung nach. Dieser Weg beginnt meist an einer Uni und endet an der New Yorker Börse.

Erster Stopp: Stanford University / Silicon Valley

„Die guten Unis, die die Unicorns rausschießen, sind meist an der Westküste. Daher haben wir die ersten zwei Wochen auf dem Campus der Stanford University verbracht. Der Camper stand dort auf dem Parkplatz vor dem Football-Stadium, und wir haben versucht, den Stanford-Spirit aufzusaugen“, erläutert Flo den Start ins Startup-Abenteuer. Dass in Stanford das Gründerherz des Silicon Valleys schlägt, wird Flo und seinen Mitstreitern auf jedem Meter des Campus klar. „In den Cafés sieht man nie die Leute nur Kaffee trinken, sondern immer mit Laptop, um an der großen Idee zu arbeiten.“

Und die Leute verstecken sich nicht, sondern tauschen sich aus, erzählen jedem offen, was sie gerade machen. „Jeder wird zunächst als jemand angesehen, der helfen kann, und nicht als Ideenklauer – so funktioniert die Welt dort nicht, so funktioniert es eher in Deutschland“, kommentiert Flo das Campus-Leben. Stattdessen kommt es dort eher zu der Reaktion: „Ich kann dich unterstützen, ich will da mitmachen.“ Und jeder kennt dort einen, der wiederum weiterhelfen kann. „Ein super Brutkasten“, bringt es Flo auf den Punkt, der sehr eindrucksvoll zeigt, dass hier „Startup“ als echte Kultur bzw. Ökosystem intensiv gelebt wird.

Zweiter Stopp: Los Angeles

Nach Stanford und Silicon Valley führt die Reise in eine Gegend, die sich Silicon Beach nennt, in der gerade sehr große B2C-Start-ups entstehen. Tinder und Snapchat sind die beiden Platzhirsche, erklärt Flo, und in deren Fahrwasser entwickelt sich eine Startup-Kultur, die alles in allem ein bisschen verspielter als das Silicon Valley ist und – auch wegen der Medien-Industrie in LA – sehr viele End-user-Produkte hervorbringt. Dort treffen die Traveller u.a. den deutschen Generalkonsul, der Gründer administrativ beim US-Start sowie beim Kontakteknüpfen unterstützt. Ein Highlight in LA: das spontane Treffen mit Ken Rutowski, Global Ambassador von Hyperloop One. Hier zeigt sich, dass Spontaneität, Schnelligkeit und direktes Matchmaking tatsächlich Programm sind, also nicht nur Mythos. Flo: „Ken fragte nach dem Treffpunkt, wir waren gerade bei Shore, einem deutschen Start-up, und Ken sagte: ,Ok, da komme ich vorbei, die Leute will ich kennenlernen‘.“ Weitere Treffen mit namhaften Investoren und Mega-Companys wie Dropbox folgen.

Der Film (hier das Filmplakat mit Malte und Flo) wird in Kinos, Coworking-Spaces sowie später auf YouTube und evtl. auch im TV zu sehen sein

Dritter Stopp: Las Vegas

Das Vegas-Motto: ein Abend Sendepause! „Wir haben da mal ordentlich auf die Kelle gehauen“, bringt es Flo lächelnd auf den Punkt. Danach folgt sechs Tage lang Kilometerfressen in Richtung Ostküste durch 12 Bundesstaaten. Das Learning: „Da ist startupmäßig sehr wenig los, es spielt sich tatsächlich nahezu alles an den Küsten ab.“ Also bleibt der Camper-Crew endlich mal Zeit fürs Arbeiten – schließlich sind alle fünf ja auch selbst Gründer bzw. Unternehmer.

Vierter Stopp: New York

Flos erster Eindruck: „Kleine Jungs in der großen Stadt.“ Also Camper abgestellt und nix wie rein in die Start-up-Szene! Es folgt ein Treffen mit ihrem Landsmann Alexander Rinke von Celonis, das dort wohl mittlerweile gut ein Viertel seines Umsatzes macht. Einen Tag lang erkundet das Team die Börse mit Hilfe des Wirtschaftsjournalisten Manuel Koch, um hautnah zu erleben, wo die Erfolgsstorys der milliardenschweren Tech-Start-ups ihren Höhepunkt erfahren, sprich den Börsengang.

Learnings „on the road“

Nach 28 Tagen „on the road“ geht es zurück nach good old Germany. Das Fazit? Zunächst, so Flo lachend, die positive Erkenntnis, „dass wir als zusammengewürfelter Haufen von Chaoten vier Wochen lang überlebensfähig waren – wir sind vom Projektteam zu Freunden geworden.“ Mit im Gepäck: ein Riesen-Pool an Kontakten für die Start-ups, die Flo beim lexRocket-Förderprogramm betreut. Für alle anderen Gründer und Start-ups gibt’s den Doku-Film, ein kurzweiliges und so gar nicht lehrerhaftes Lehrstück in Sachen Gründung. Auch, weil der Film nicht davon handelt, was wir hier falsch machen, sondern was andere besser, sprich erfolgreicher machen: „Amerikaner gehen an eine Gründung ganz anders heran. Sie gehen mit ihren Ideen offen um, sprechen sehr viel darüber und haben nicht die Angst, dass jemand ihnen die Idee klaut“, so Flo. Weiter betont er, dass die Startup-Kultur in den USA viel offener und produktiver als bei uns ist. Während hierzulande eine Art von Grund-skepsis gegenüber Gründern herrsche, etwa bei der Bewertung der Erfolgs-schancen, hieße es in den USA: Mach es, und wenn es nicht funktioniert, ist es auch kein Drama.

Weitere Learnings: Viele US-Start-ups fördern durch sehr schlanke Infrastrukturen und flache Hierarchien eine Art von kontrolliertem Chaos, in dem alle ihre Kreativität und Spontaneität ausüben sollen. Und das Risikokapital sitzt in den Staaten lockerer als bei uns, auch, weil dort reiche Privatleute gern in innovative Start-ups und Ideen investieren. Die Geldgeber und Gründer kommen so – wie bereits erwähnt – einfacher und schneller zusammen, auch ohne gut gemeinte Networking-Events. Weitere Erkenntnisse vermitteln Flo und Co. gern im Rahmen einer Filmpräsentation: „Wer eine gute Location hat, ob Coworking-Space, Uni oder IHK, der melde sich gern bei lexRocket!“

Zurück aus den USA – rein ins Film-Business. Die Premiere fand am 11. Juli 2017 im Berliner Zoo Palast statt

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