Millionen-Programm für Food-Start-ups


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Die EU startet ein 1.600-Mio-Innovations-Programm für den Lebensmittel-Sektor. Das Verbundprojekt „EIT Food“ soll den Lebensmittel-Sektor kundenorientierter, ökologischer und damit  wettbewerbsfähiger machen. Insbesondere Start-ups sollen davon profitieren können.

Es ist ein gewaltiges Wissenschafts- und Konjunkturprogramm für den Lebensmittel-Sektor. Die Ziele: Bildung, Forschung und 350 Start-ups für neue Technologien, gesunde Ernährung, weniger Lebensmittelabfälle und weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion. Dazu haben sich europaweit 50 Universitäten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu einer sogenannten Knowledge and Innovation Community (KIC) zusammengeschlossen.

Das Europäische Institut für Technologie und Innovation (EIT) der EU finanziert die Innovationsgemeinschaft unter dem Namen EIT Food 10 Jahre lang mit 400 Mio. Euro. Hinzu kommen weitere 1.200 Mio. Euro aus privaten Mitteln. Prorektor Prof. Dr. Jochen Weiss von der Universität Hohenheim übernimmt die Position des Interim Directors of Education.

„Als Deutschlands Nr. 1 in Agrarforschung und Food Science will sich die Universität künftig auch stärker im Bereich Innovation und Wissenstransfer engagieren“, begründet der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Stephan Dabbert die Teilnahme an der neuen EIT Food. Die Universität Hohenheim freue sich auf 10 Jahre intensive Entwicklung zusammen mit führenden Forschungseinrichtungen wie der University of Cambridge oder der ETH Zürich.

Ebenfalls an Bord seien Weltunternehmen wie Robert Bosch, PepsiCo, Siemens, und Nestlé. Ihr Ziel: Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Technologien, Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Diese sollen sich insbesondere an den Bedürfnissen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie ökologischen Maßstäben orientieren.

Innovationsschub für den größten produzierenden Sektor der EU

„Der Lebensmittelsektor ist mit 44 Millionen Beschäftigten der größte produzierende Sektor der EU“, erklärt Prorektor Prof. Dr. Jochen Weiss. „Was Innovationen betrifft, gibt es im Vergleich zu anderen Branchen jedoch erheblichen Nachholbedarf. Die Pharmaindustrie investiert zum Beispiel 10% ihres Gewinns in Forschung und Innovation. Im Lebensmittelbereich liegt diese Reinvestition gerade einmal bei 0,3%.“

Dabei stünden Europas Unternehmen in hartem Wettkampf mit der Konkurrenz aus Übersee. Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch dramatisch zuspitzen wird. „Investoren haben die Agro-Food-Branche in den USA entdeckt und stellen heute etwa zehnmal so viel Venture Capital bereit wie noch vor 5 Jahren. Es ist daher mit einer Welle von amerikanischen Start-ups zu rechnen, die etablierte Unternehmen in Deutschland und Europa massiv unter Druck setzen werden“, so Weiss.

Grund für die Aufbruchsstimmung in Übersee seien globale Herausforderungen wie der Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung und die zunehmende Erkenntnis vom Wert einer gesunden Ernährung für immer mehr Menschen. „Innovationen, die an diesen Problemen ansetzen, können sich auch als ökonomisch sehr attraktiv erweisen.“

Ziel: Transformation des Sektors – mit ökonomischen, ökologischen und verbraucherorientierten Ziele

Vor diesem Hintergrund tritt EIT-Food mit hohen Zielen an. Binnen 10 Jahren will der Verbund nicht weniger als eine Revolution erreichen, die sich vor allem auch ökologische und verbraucherorientierte Ziele steckt.
Dazu gehören:

  • Neue Technologien im Agrarbereich, die über Ertrags- und Effizienzsteigerung hinaus vor allem Verbraucher-Information im Blick haben (z.B. Digital Food Supply Network)
  • Neue, international wettbewerbsfähige Businessmodelle für den Lebensmittelsektor. Ziel: 350 Start-ups unterstützen
  • Neue Lebensmittel-Produkte, die z.B. eine personalisierte, gesunde Ernährung unterstützen und dabei auch einer alternden Bevölkerung Rechnung tragen
  • Wandel vom bisherigen Modell „Produzieren-Konsumieren-Entsorgen“ hin zu einem bioökomischen Kreislauf mit einer Zero-Waste-Agenda. Ziel: Halbierung von Lebensmittelabfällen in der EU
  • Weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln. Ziel: Aktuelle Emissionen um 40% senken
  • Gesunde Ernährung unterstützen: Ernährungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinsichtlich Konsum von Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren umsetzen, so dass diese von der Mehrheit der EU-Bevölkerung eingehalten werden können
  • Verlorengegangenes Vertrauen in die Lebensmittelbranche durch Transparenz und Dialogbereitschaft zurückzugewinnen

Mehr Infos zum europäischen EIT-Food-Programm gibt’s hier