So sehen Champions aus!


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Die GründerChampions 2016 stehen fest. Unter den 16 Landessiegern konnte sich die Havelländische Zink-Druckguss GmbH & Co. KG aus Brandenburg durchsetzen – wir stellen den Bundessieger und drei weitere GründerChampions-Preisträger vor.

Havelländische Zinkdruckguss, Brandenburg

GründerChampion und Bundessieger Petar Marovic (li.) hat Anfang 2016 das Unternehmen von Michael Schönberg (re.) als dessen Nachfolger übernommen, Foto: KfW/Thorsten Futh

Petar Marovic kann es nicht fassen. „Ich bin komplett baff und überwältigt“, sagt er anlässlich der Verleihung des KfW Awards GründerChampions am 6. Oktober in Berlin. Aber natürlich ist er vor allem stolz, dass ausgerechnet seine Havelländische Zink-Druckguss  GmbH & Co. KG (HZD) zum Bundessieger gekürt wurde. Der gelernte Werkzeugmacher arbeitete 2015 als Werksleiter in einer Alu-Gießerei in Berlin, als er einen Anruf vom Steuerberater des HZD-Geschäftsführers Michael Schönberg bekam. Denn Schönberg suchte einen Nachfolger für sich und sein Unternehmen in Premnitz. 20 Jahre lang prosperierte die HZD, sie ist in Deutschland einer der führenden Anbieter für Zink-Druckgusserzeugnisse und der weltweit einzige Anbieter des galvanisierbaren Zinkschaums „Zincopor“, der bis zu 50 Prozent Material und Energie einspart.
Von Baubeschlägen bis hin zu anspruchsvollen Oberflächenteilen steht das Unternehmen für Erzeugnisse höchster Gießpräzision. Die Brandenburger produzieren hochwertige Automotive-Elemente wie zum Beispiel den Bugatti-Mittelkonsolenrahmen.
Doch die Märkte haben sich geändert, die Ansprüche an das produzierende Unternehmen haben sich verschärft. Zudem wirkten sich die Finanz- und Wirtschaftskrisen negativ auf das Familienunternehmen aus. Schönberg erkannte, dass er, um die Schwierigkeiten meistern und das Unternehmen wieder auf Kurs bringen zu können, einen externen Branchenexperten braucht. Und dieser Experte war Petar Marovic: 2015 trat er als Geschäftsführer in die 1992 gegründete HZD ein und hat das Unternehmen Anfang 2016 als Nachfolger übernommen.
In dieser Zeit hat Petar Marovic unter anderem Lean-Management-Projekte eingeführt, hat die Prozesse etwa im Lager und der Produktion optimiert. So konnten die Kosten – ohne Personal abzubauen – deutlich gesenkt, der Ertrag gesteigert werden. Die Auszeichnung, sagt der 48-Jährige, sei auch „eine Anerkennung an die Mitarbeiter, die in schwierigen Zeiten durchgehalten haben“. Aber natürlich kann er sich auch selbst auf die Schulter klopfen. Denn als er damals mit der Nachfolge-Anfrage kontaktiert wurde, zögerte er nicht lange. „Auf eine solche Gelegenheit hatte ich gewartet.“

herr holgersson lesen & leben, Rheinland-Pfalz

Elisabeth Windfelder und Jasmin Marschall führen im rheinland-pfälzischen Gau-Algesheim eine Buchhandlung, in der man sich wie zu Hause fühlt, Foto: Herr Zahn

110 Quadratmeter – das entspricht in etwa der Größe einer Familienwohnung. Und wie in einer Wohnung sieht es hier auch aus: Es gibt ein Wohnzimmer mit Sofa und Klavier, eine Küche mit Backofen und Kühlschrank und sogar ein Kinderzimmer samt Bett und Kuscheltieren. Doch Jasmin Marschall und Elisabeth Windfelder betreiben am Marktplatz von Gau-Algesheim keine WG, sondern eine Buchhandlung. Vor gut zwei Jahren haben sie „herr holgersson lesen & leben“ gegründet. Die  Schwerpunkte liegen auf Kinderbüchern, Romanen und Kochbüchern. Außerdem verkaufen die gelernten Buchhändlerinnen E-Books. Und seit eine Mitarbeiterin mit einem „grünen Daumen“ zum Team gehört, ist die Abteilung Garten noch einmal gewachsen, wie Jasmin Marschall erzählt.
Nach nur zwei Jahren ist das Unternehmen profitabel, die vielen Kritiker sind verstummt. Und was mussten sich die beiden Gründerinnen nicht alles anhören. „Eine Buchhandlung ist doch nicht mehr zeitgemäß“, war noch eine der freundlicheren Äußerungen. Ein Professor, bei dem Marschall (33) und Windfelder (27) Buchwissenschaft studiert hatten, zeigte sich besonders skeptisch. Er verglich die Buchhandlung mit einem antiquierten Kutschunternehmen.
Mit herr holgersson beweisen die beiden Frauen, dass sie sehr wohl aufs richtige Pferd gesetzt haben, um im Bild zu bleiben. Denn, so Jasmin Marschall, „Gau-Algesheim ist ein idealer Ort für eine Buchhandlung“. In der rheinland-pfälzischen Kleinstadt habe das Buch einen großen Stellenwert, seit elf Jahren findet hier jeden November die „Woche des Buches“ statt. Vor allem aber sprechen sie und ihre Mitgründerin die Menschen mit ihrem Konzept an: die Wohnungs-Atmosphäre, der Mix von Ikea- und Designer-Regalen, die vielfältigen Events – von Lesungen über Filmabende und Workshops bis hin zur Käse-Verköstigung. „Bei der letzten Veranstaltung waren 70 Besucher im Laden“, sagt Marschall, „da wurde es ziemlich eng“.
Als sie das erzählt, ist Elisabeth Windfelder noch in Berlin, sie hat am Vorabend den Preis als Landessiegerin Rheinland-Pfalz entgegen genommen. Jasmin Marschall ist derweil zu Hause geblieben, das Geschäft sollte nicht vernachlässigt werden. Aber sie freut sich auch aus der Ferne: „Der Preis ist eine tolle Auszeichnung“, sagt sie. „Wir freuen uns riesig!“

Özcan Getränke, Berlin

GründerChampion Dilek Dönmez ist die Chefin der Berliner Özcan Getränke GmbH, in der sich alles um das türkische Nationalgetränk Ayran dreht, Foto: KfW/Thorsten Futh

Dilek Dönmez ist in Feierlaune. Kürzlich hatte sie Geburtstag, außerdem hat sie geheiratet – und jetzt hat sie auch noch den erstmals ausgelobten Sonderpreis Nachfolge beim KfW Award GründerChampions erhalten. Doch die Chefin der Özcan Getränke GmbH hat auch freudlosere Phasen durchlebt. Als sie 2010 nach dem BWL-Studium in den väterlichen Betrieb eingestiegen war, fanden viele Mitarbeiter den frischen Wind, den sie durch den Betrieb wehen ließ, eine Spur zu frisch. „Die größte Herausforderung war, den Glauben an den Erfolg nicht zu verlieren und unbequeme Entscheidungen zu vertreten“, sagt die 33-Jährige.
Gut sechs Jahre, nachdem Dilek Dönmez das Ruder beim ersten deutschen Hersteller und Vertreiber des türkischen Yoghurt-Getränks Ayran übernommen hat, stellt niemand mehr ihren Kurs in Frage: Sie hat den Umsatz verdreifacht, neue Produkte entwickelt, Mitarbeiter eingestellt und mehr Kunden gewonnen. Allein in Berlin zählt das Unternehmen 600 Abnehmer, sie werden täglich von zwölf eigenen Fahrzeugen beliefert. Dönmez ist aber in ganz Deutschland und in mehreren europäischen Ländern aktiv. Mehr als die Hälfte des Ayran-Umsatzes entfällt mittlerweile auf die neuen Geschmacksrichtungen Ayran Mango und Ayran Kirsch. Als Dönmez die Idee mit den Früchten damals vortrug, entgegneten ihr die Mitarbeiter noch, „man könne das türkische Nationalgetränk nicht verändern“, erinnert sich die Chefin. Sie hat ihnen gezeigt, dass man es sehr wohl kann.

Tandemploy, Berlin

Anna Kaiser und Jana Tepe sind die Gründerinnen der Jobsharing-Plattform Tandemploy. Neben der Auszeichnung als Landessieger Berlin wurde ihnen auch der Publikumspreis überreicht, Foto: Christian Stumpp

Ebenfalls in Berlin ansässig ist das von Anna Kaiser und Jana Tepe 2013 gegründete Tandemploy, eine Plattform für Jobsharing und flexibles Arbeiten. Als Landessieger Berlin erhielt das Gründer-Duo zusätzlich den Publikumspreis, über den nach der feierlichen Bekanntgabe der GründerChampions per SMS abgestimmt wurde. „Die Zukunft der Arbeit beginnt heute“, sagte Kaiser auf der Bühne. „Wer uns als Publikumssieger wählt, stimmt auch dafür, dass wir morgen weniger und flexibler arbeiten werden.“

Der KfW Award GründerChampions

ls Partner junger Unternehmen und Start-ups veranstaltet die KfW Bankengruppe jährlich den KfW Award GründerChampions. Mitmachen lohnt sich: Neben Geldpreisen gibt es medienwirksame Aufmerksamkeit. Pro Bundesland wird ein Landessieger ausgezeichnet, jeder erhält 1000 Euro Preisgeld. Aus den 16 Siegern wird ein Bundessieger ermittelt, der durch eine besonders innovative Idee hervorsticht oder durch die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Der Bundessieger erhält zusätzlich 9000 Euro.
Im Mai 2017 startet die neue Wettbewerbsrunde des KfW Awards GründerChampions – alle Infos dazu und zu den Preisträgern 2016 finden Sie unter www.kfw.de/award

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