Die Höhle der Löwen: Folge 3

Autor: Momcilo Nikolic
44 likes

Die gestrige Folge von "Die Höhle der Löwen" handelte von duften Fischködern, Solar Hubs sowie einer Innovation, die frisch gezapftes Bier simuliert. Auch interessant: Einem der Start-ups gelang es, den Spieß umzudrehen und die interessierten Investoren in die Mangel zu nehmen. Hier gibt's die Details.

Pitch 1: Stickerstars

Die ersten beim Pitchen waren Stickerstars. Die Gründer Michael Janek, Fabian Bönsch und Mirko Lauterbauch wollen die allbekannten Stickeralben zu Fußball-WMs auch für kleinere Vereine realisieren. Das Besondere: Neben den Spielern sollen alle Mitglieder, Trainer und Betreuer vorkommen. Dafür gibt es ein kostenloses Fotoshooting, das eigens vom Start-up organisiert wird.

Das Stickeralbum soll anschließend in den regionalen Supermärkten - zu den teilnehmenden Supermärkten gehören unter anderem Edeka, Rewe, Real und Kaufland - angeboten werden. Der betreffende Verein muss für die Sticker keine Kosten übernehmen, darum kümmere sich der jeweilige Geschäftspartner. Die Gründer wollten für 10 Prozent Anteile 800.000 Euro.

Stickertausch vom Feinsten

Die drei Founder warteten mit einem extra erstellten “Höhle der Löwen”-Sammelalbum auf und brachten jedem Investor drei “Jury-Sticker-Packerl” mit. Das löste bei Carsten Maschmeyer alte Erinnerungen aus. Es kam zu einer Tauschorgie unter den Investoren, die ihnen sichtlich Freude bereitete. Auch das Pickerl “Ralf Dümmel” war sehr beliebt und wurde jeweils mit Neo-Mitglied “Nils Glagau” und “Dagmar Wöhrl” fleißig getauscht. Als der Spaß ein Ende fand, ging es zur Sache.

Umsatz: 5,9 Mio Euro in vier Jahren

Georg Kofler hakte zwecks Firmenbewertung nach. Die Gründer argumentierten, dass sich zwischen 2015 und 2018 rund 500 Sportvereine über Stickerstars in einem eigenen Album verewigt hätten. Für Glagau war diese Zahl nicht sehr eindrucksvoll. Es gebe rund 90.000 Vereine in Deutschland, so sein Gegenargument. Der Neu-Löwe wollte daher genauere Umsatzzahlen wissen. Die Antwort: 5,9 Millionen Euro in vier Jahren.

Kofler meinte, er würde gern mitmachen, fühle sich aber bei der Bewertung “über den Tisch gezogen”. Das wäre nicht akzeptabel. Er stieg aus. Der Rest zog beim Rückzug mit. Kein Deal für die “Panini-Alternative”.

No Deal!

Stickerstars verkalkulierte sich mit seinem “Panini-Album für jeden” bei der Firmenbewertung - no Deal mit den Löwen!

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Die Stickerstars verkalkulierten sich mit ihrem “Panini-Album für jeden”

Pitch 2: Taste Hero

Das zweite Stat-up des Abends war Taste Hero. Jürgen und Tochter Jana Schade sowie Thorsten Schäfer haben einen Flaschenaufsatz erfunden, der das Bier beim Einschenken aufwirbelt, sodass es mit Sauerstoff angereichert wird. Der Effekt: Es soll wie “frisch gezapft” aussehen und schmecken. Taste Hero passe auf alle handelsüblichen PET- und Glasflaschen und sei je nach Verwendung ein bis zwei Jahre verwendbar, so das Start-up. Die Gründer wollten 50.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung haben.

Der Biertest zeigt's

Investor Glagau meldete sich freiwillig beim Versuch, ein normales Glas Flaschenbier von einem Glas “frisch gezapftem” Bier blind zu unterscheiden. Das Trickreiche an dem Test, war, dass es sich zweimal um das gleiche Bier von derselben Flasche handelte, jedoch beim zweiten Einschenken der Aufsatz des Start-ups verwendet wurde.

Glagau beschrieb den Unterschied beim “Taste Hero-Bier” als süßer und mit weniger Kohlensäure-Geschmack. Sein Urteil: Er war überzeugt davon, dass es sich beim zweiten Getränk um ein frisch gezapftes Bier gehandelt habe. Und war überrascht vom  unterschiedlichen Geschmack bei Verwendung des Gadgets.

Die Geschmäcker gehen auseinander

Um nicht nachzustehen, wollte der Rest der Jury auch den Taste Hero ausprobieren. Während die meisten Investoren danach relativ zufrieden wirkten, sah es Dagmar Wöhrl anders: Das Produkt bringe weniger Kohlensäure, was ihr nicht gefiele. Das Bier würde abgestanden schmecken.

Kofler lobte die “Tüftelei” der Gründer – er selbst sei aber Weintrinker und stieg aus. Maschmeyer nannte es die kleinste Zapfanlage der Welt, stieg aber ebenso aus, weil das Start-up zu sehr “early stage” sei. Auch Wöhrl sah es so und verabschiedete sich als Investorin. Glagau bot hingegen die geforderte Summe für 20 Prozent Firmenanteile. Ein erstes Angebot für Taste Hero. Das zweite folgte sogleich!

Investoren-Battle - Deal mit Dümmel!

Denn Löwe Nummer zwei biss ebenfalls an: Dümmel nannte den Taste Hero “Gold” und meinte, das Produkt wäre zu schade für den Webshop. Er sprach von vielen Notwendigkeiten, die das Startup brauche: Logistik, Schutzrechte, weltweite Vermarktung, Verpackungs-Design oder etwa Qualitäts-Management. Jedoch sei Taste Hero ein Millionen-Seller. Er wollte 25 Prozent für 50.000 Euro. Und bekam sie. Deal für Dümmel!

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Die Founder von Taste Hero versuchten Investor Nils Glagau mit einem Produkttest zu überzeugen

Pitch 3: SunCrafter

Die Dritten in der Höhle waren Lisa Wendzich und Bryce Flemingham. Ihr Upcycling-Start-up SunCrafter entwickelt kleine Solarmodule. Die Idee dazu kam dem Paar bei der Arbeit auf einer Solarfarm. Dort mussten sie neben funktionsunfähigen auch funktionsfähige Module (aus Kostengründen) entsorgen. Die Solar-Hubs sind laut den Gründern in der Lage, eigenständig Strom zu produzieren. Somit sind sie völlig netzunabhängig. Die Founder wollten 200.000 Euro für 10 Prozent Anteile.

Das allgemeine Ziel mit den mobilen Solarmodulen ist, sauberen Strom für jeden zugänglich zu machen – völlig unabhängig von finanziellen oder geographischen Bedingungen, wie die Erfinder erklären.

Die Löwen nehmen die Witterung auf

Die Jury war vom souveränen Auftritt der Gründer begeistert. Wendzich erklärte die Funktionsweise des Moduls, sprach über das Sponsoring-Business-Modell von SunCrafter auf Festivals – Vermietung der Hubs mit Brandingmöglichkeiten für sponsernde Unternehmen – und erwähnte eine mögliche Auslotung einer Kooperation mit der Stadt Berlin, zwecks Ladestationen für E-Roller.

No Deal!

Insgesamt gab es große Komplimente für das Gesamt-Konstrukt, doch die geplante Internationalisierung des Start-ups und der jahrelange nötige Aufbau des Unternehmens war den Juroren dann dochzu komplex. Kein Deal für SunCrafter.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Lisa Wendzich und Bryce Flemingham hauchen ausrangierten Solarpanels neues „Leben“ ein

Pitch 4: iCapio

Der vorletzte Pitch des Abends kam von Christoph Rupp. Sein Start-up iCapio bietet ein innovatives Angelködersytem mit Aktivköder in Kapselform, das bei Fischen für einen unwiderstehlichen Duft sorgt. Das Produkt wird nah an den eigentlichen Köder montiert und durch die Bewegung im Wasser aktiviert. Für seine Idee wollte der Gründer 95.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

Die Angebote der Löwen

Rupps Pitch war angenehm, ruhig und informativ, wie auch die Juroren anmerkten. Der Gründer zeigte Vergleichsvideos mit und ohne Kapselköder und verteilte eigens zusammengestellte Produkt-Pakete an die Investoren.

Maschmeyer fand Rupp so toll, dass er ohne großes Zögern den gewünschten Betrag bot. Kofler zog nach und sah das Thema speziell für Social Media geeignet. Sein Angebot “matchte” dem von Maschmeyer. Allerdings betonte der Südtiroler, dass er dem Gründer beim gewünschten Rollout in die USA helfen könne.

Dümmel legt nach - Deal!

Dümmel sah das Produkt beim Teleshopping und im Handel besser aufgehoben und bot ebenfalls 95.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung. Der Gründer war vor allem am US-amerikanischem Markt interessiert und fragte bei den drei Gründern nach, welche Hilfestellungen sie genau liefern könnten.

Dümmel betonte, dass man zuerst Erfolg in Deutschland haben müsse, bevor man sich auf die USA konzentriere. Nach kurzer Beratschlagung mit seiner Frau entschied sich Rupp für Maschmeyer. Fazit: Deal.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Christoph Rupp begeisterte mit Geruchs-Fischködern die Jury

Pitch 5: Renjer

Den Abschluss der 3. Folge bildeten der Österreicher Alex Kirchmaier, der Finne Anton Vänskä und der Deutsche Tim Schulz mit Renjer. Das Start-up vertreibt getrocknetes Snackfleisch vom Rentier, Hirsch und Elch. Das Produkt wird, wie die Gründer betonen, aus hochwertigem Wildfleisch aus Nordeuropa hergestellt, was zur Folge hätte, dass der ökologische Fußabdruck zehnmal unter dem von Trockenfleisch vom Rind liegt. Darüber hinaus sei das artgerechte Leben der Wildtiere ein weiterer Vorteil: Durch die natürliche Ernährung der Wildtiere ist ihr Wildfleisch mit gesunden Nährstoffen gefüllt.

Das Trio forderte 130.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile.

Kostprobe gefällig?

Während der Kostprobe konnten sich die Gründer das Grinsen nicht verkneifen: Die Jury-Mitglieder verkosteten die drei Sorten und brachen in eine gemütliche Diskussion über die einzelnen Geschmäcker aus. Es gab wohlwollende Worte von Wöhrl, Thelen und Dümmel, während Maschmeyer einen gänzlich anderen Zugang zum Wildfleisch hatte.

Der Investor fand sich an sein Medizin-Studium erinnert und meinte, in seinem Anatomie-Kurs hätten die Muskeln der Leichen ähnlich ausgesehen. Er stieg unmittelbar aus. Auf Nachfrage der Vegetarierin Williams versicherten die Gründer, dass sie ihr Fleisch ohne Massentierhaltung und im Sinne nachhaltiger Jagd mit strikten Quoten beziehen würden. Sie stieg dennoch aus.

Alle guten Dinge sind drei

Das erste Angebot ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Dümmel bot die geforderte Summe für 15 Prozent Beteiligung. Dem folgte Wöhrl und bot ebenfalls 130.000 Euro - allerdings für 10 Prozent Anteile. Thelen wollte dem nicht nachstehen und brachte sich als Investor, der erfolgreich Food-Startups aufgebaut hatte, ins Spiel. Er wollte jedoch 20 Prozent für 150.000 Euro.

Rollentausch: Die Investoren werden abgecheckt - Deal!

Mit diesen drei Angeboten im Schlepptau zogen sich die Gründer zurück und kamen mit diversen Fragen zurück. Es fand eine Art Rollentausch statt: Die Gründer widmeten sich jedem einzelnen Investor und hakten nach. Da Thelen seine Forderung nicht reduzieren wollte, sagten ihm die Gründer ab. Wöhrl hingegen startete einen eigenen Pitch und strich ihre Vorteile heraus, was auch Dümmel dazu brachte, das Gleiche zu tun.

Die Gründer verhandelten. Sie wollten von Dümmel 150.000 Euro für 15 Prozent Anteile. Der Investor strich heraus, dass es in dem Fall den Foundern nicht um die 20.000 Euro Differenz gehen sollte, stimmte aber zu. Nach letzter Beratung nahmen die Gründer Dümmel mit ins Boot. Fazit: Deal!

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Alexander Kirchmaier, Anton Vänska und Tim Schulz von Renjer konnten gleich drei Angebote abwägen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: