8 Gründer, 14 Tage, 30 Grad


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Februar 2018: Acht Start-ups machen sich auf den Weg nach Ägypten, um für zwei Wochen in das Leben der digitalen Nomaden einzutauchen. StartingUp-Redakteur Niclas Hagen war Teil des lexRocket Super Startup Adventures Camps.

Da hat sich das Team von lexRocket ja was vorgenommen. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich meine Einladung vor mir liegen hatte. Coworking mit acht verrückten Gründern in Ägypten. Klingt auf jeden Fall nach einem Abenteuer. Und so wurde das beschauliche Küstenstädtchen Dahab mein neuer Arbeitsplatz.

Auf den Spuren der Nomaden in Dahab

Als Nomade wird ja bekanntlich ein Mensch bezeichnet, der aus ökonomischen Gründen eine nichtsesshafte Lebensweise führt. Im 21. Jahrhundert muss sich dieser Begriff einem Update unterziehen. Denn Nomade zu sein liegt momentan voll im Trend. So war ich also umgeben von acht Digitalnomaden, die nicht aus ökonomischen Gründen vor der Sesshaftigkeit fliehen, sondern einfach, weil sie da gerade Bock drauf haben. Na ja, wenigstens für zwei Wochen. Coworking in einem so fremden Land und tausende Kilometer entfernt vom vertrauten heimischen Office, war nämlich für alle Anwesenden Neuland.

Wir fühlten uns aber vom ersten Tag an richtig wohl im ägyptischen Dahab, welches über eine erstaunlich gute technische Infrastruktur verfügt, und so verwundert es auch nicht, dass Dahab unter „echten“ Digitalnomaden zu einem echten Hotspot avanciert ist.

Eine bunte Mischung aus kreativen Köpfen

Die Mischung macht‘s: Tekkies, Designer, Sportler und Künstler – es war von allem etwas dabei. Langweilig wurde mir mit diesen „crazy people“ sicher nicht. Was den Gesprächsstoff mit jedem einzelnen anging, hätte das Camp auch gut und gern zwei Wochen länger gehen können. Neben tiefgründigen Unterhaltungen über die ägyptische Kultur  waren vor allem die einzelnen Vorhaben für mich von größtem Interesse.  Hier ein kleiner Einblick:

Less Too Late

Das Kölner Start-up widmet sich einer gesellschaftlichen Herausforderung der Gegenwart. Zusammen mit Künstlern und Designern entwickelt das 2016 gegründete Unternehmen Mode, durch die ein positiver Protest auf die Straße transportiert werden soll. Projekte und Organisationen, die den Botschaften der Kleidung Taten folgen lassen, werden mit einem Teil des Erlöses unterstützt.

Gründerin Anna ist vom Camp begeistert: „Wenn ich auf die Zeit in Dahab zurückblicke, dann sind in erster Linie die inspirierenden Gespräche präsent, die ich mit den anderen Teilnehmern hatte. Das Arbeitsumfeld und die Natur hat einen dazu beflügelt, das eigene Projekt im Detail zu reflektieren. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit in Ägypten, die sowohl für mich persönlich als auch für das Voranschreiten meines Start-ups super wertvoll war.“

Annemieke (EduHeroes) und Anna (Less too Late)

soundwafe.love

Künstler David Bizer verwandelt mit seinem Start-up Momentaufnahmen in Schmuck. Genauer gesagt: Er kreiert aus der Schallwelle einer Sprachaufnahme via 3D-Druckverfahren einzigartige Halsketten. Auf diese Idee ist er während seines Studiums zum Industriedesigner gekommen.

„Das Camp hat mich daran erinnert, dass ich meine Prozesse auf eine Weise gestalten sollte, die mich ortsunabhängiger arbeiten lässt. Abgesehen davon war’s eine geile Crew, die richtige Mischung aus Urlaub und Arbeit sowie die ideale Kulisse.“

Ticketrunner

Florian, Ticketrunner

Das Start-up Ticketrunner hilft Veranstaltern dabei, Tickets zu verkaufen. Das erreichen sie mit einem ausgeklügelten Affiliate-Marketing-Konzept. Nutzer können sich auf der Plattform anmelden, um sich als Ticket-Vermittler zur Verfügung zu stellen. Sie bewerben zum Beispiel ein Event in ihrem Freundeskreis und verschaffen dem Veranstalter so im Idealfall weitere Ticketverkäufe sowie Werbung für die Veranstaltung. „Die Ticketrunner bekommen Belohnungen wie VIP-Behandlungen, Gästelistenplätze oder Getränkekarten.“, sagt Gründer Florian.

Flo's Meinung zum Camp: „Der berühmte Tunnelblick, den man als Unternehmer unweigerlich erfährt, ist zwar zeitweise ein sehr angenehmer Produktivitätsbooster, allerdings gibt es wahrscheinlich nichts Besseres als ab und an mal die Scheuklappen abzusetzen und sich mit anderen Entrepreneuren aus den unterschiedlichsten Branchen auszutauschen. Wenn das Ganze dann noch bei über 30 Grad am Pool mit Meerblick stattfindet, dann dürfte man so ziemlich alles richtig gemacht haben was geht.“ 

Björn Bröskamp

Björn ist der einzige in der Runde, der sich mit seinem Vorhaben noch in der Ideenfindungsphase befindet. Dabei handelt es sich um einen Neopren-Anzug, der ausschließlich auf Basis nachhaltiger Materialien hergestellt werden soll. Ein ambitioniertes Projekt von einem risikobereiten Menschen. Denn Björn hat seine Karriere im mittleren Management eines Chemie-Konzerns an den Nagel gehängt, um sich als digitaler Nomade in den Coworking Spaces dieser Welt inspirieren zu lassen. 

„Inspiriert haben mich vor allem die Geschichten der anderen Gründer. Zwei Wochen von Menschen umgeben zu sein, die so eine Hands-on-Attitüde haben, motiviert einen selber, mehr zu machen.“

Up Stream Surfing

Das Motto von Up Stream Surfing aus Zürich lautet: „Wir surfen gegen den Strom und bringen nachhaltige Surflösungen mitten in deine Stadt!“ Das patentierte System ermöglicht eine Mischung aus Fluss-Surfen, Wellenreiten und Wakeboarden. Angetrieben wird das Up-Stream-Surfing-System nur durch die Fließkraft eines Flusses. Im Inn bei Innsbruck wird noch in diesen Sommer der erste Standort eröffnen.

Michael über seine Erfahrungen in Dahab: „Das Camp war zum Networking einfach perfekt für uns. Ein Start-up, das nachhaltige Neoprenanzüge herstellen will, die wir für unsere Sessions brauchen. Dann die Jungs von Ticketrunner, die uns helfen können, unsere Kunden als Botschafter einzusetzen.“

Michael, Up Stream Surfing

EduHeroes Club

EduHeroes Club ist eine Bildungsinitiative mit dem Ziel, Bildung neu zu denken. Dafür bieten die beiden Gründerinnen Annemieke und Gosia Workshops und Projekte für Kinder an, welche wichtige Kompetenzen des 21. Jahrhunderts fördern und dabei helfen das persönliche Potenzial nachhaltig zu entfalten.

„Vor lauter Bildung sieht man manchmal den Wald nicht mehr. Mir hat es total geholfen, Feedback von anderen zubekommen, die sich überhaupt nicht in meinem Feld bewegen. Der Austausch mit den anderen Start-ups war einfach unbeschreiblich wertvoll und zeigt immer wieder, wie wichtig es ist, sich mit anderen über deine Ideen und Visionen auszutauschen.“

My Traveling Piano

Joe Löhrmanns größte Leidenschaften sind das Reisen und Klavierspielen. Vor ein paar Jahren hat er sich dazu entschlossen, beides zu verbinden, und baute ein Klavier in einen Van ein. Seitdem ist er unter dem Künstlernamen My Traveling Piano in Europa unterwegs und bereist die verrücktesten Orte, um dort mit seinem Klavier zufällig vorbeilaufenden Passanten einen schönen Abend zu bescheren.

Gnussper

Das Freiburger Start-up Gnussper kreiert gesunde, leckere und vor allem hochwertige Snacks für unterwegs. „Schluss mit billigen Brötchen, süßen Riegeln oder sich seit zehn Stunden im Karussell drehenden Bockwürsten!“, sagt Gründer Thomas.

„Neben dem klasse Austausch mit anderen bleiben vor allem die gemeinsame Besteigung des Mount Sinai und der kulturelle Austausch mit den durchweg sehr freundlichen Ägyptern in bester Erinnerung. Rauszukommen und eine andere Perspektive einzunehmen, macht diese Reise zu einer bleibenden Inspirationsquelle.“ 

Was bleibt hängen?

Aussicht vom Berg Sinai kurz vor Sonnenaufgang

Für uns alle war dieser Trip ein Versuch in das Leben der Digitalnomaden einzutauchen. Doch wenn man ehrlich ist, haben uns die Temperaturen dann doch eher ins Wasser verschlagen als vor den Schreibtisch. Ums Arbeiten ging es rückblickend aber auch gar nicht. Auffällig war, dass jeder Einzelne durch den intensiven Austausch im Camp voller Inspiration und Tatendrang wieder nach Deutschland zurückkehrte. Und so kann man es jedem empfehlen, in einer Zeit des kreativen Durchatmens den Schreibtisch mal für ein paar Tage in einen Coworking-Space dieser Welt zu verlegen. Denn die Motivation und der Spaß am eigenen Start-up sind am Ende doch genau das, worum es uns geht.


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