The Grow Talk - Unternehmer*innen reden Klartext

Autor: Hans Luthardt
44 likes

Im Rahmen der Roadshow The Grow, die Start-ups und Mittelstand verbindet, spricht Dejan Jovicevic – CEO von StartingUp & der brutkasten – mit Unternehmer*innen über Themen ohne Tabus – einfach Klartext.

Im aktuellen Talk mit Dejan Jovicevic: Sina Trinkwalder und Gerold Wolfarth

Die Gesprächspartner*innen des Talks vom 5. März 21 sind Sina Trinkwalder – Sozialunternehmerin, Autorin und Gründerin von Manomama – sowie Gerold Wolfarth, Founder & CEO der bk Group, Start-up-Mentor & Investor sowie Co-Initiator von The Grow.

"Corona ist die Lupe auf die eigentlichen Probleme unserer Gesellschaft"

Seit rund 25 Jahren ist Sina Trinkwalder unternehmerisch tätig, u.a. mit der von ihr in Augsburg gegründeten ökosozialen Textilfirma Manomama, in der mittlerweile rund 150, auf dem Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen beschäftigt sind.

Die vielfach für ihr Engagment und ihre unternehmerischen Erfolge ausgezeichnete Unternehmerin sorgt in den letzten Wochen in den wichtigsten dt. Talkshows mit ihren klaren Äußerungen zum Thema "Corona und die dt. Wirtschaft" für Schlagzeilen bzw. Furore. Ein wichtiges Statement: "Corona ist die Lupe auf die eigentlichen Probleme unserer Gesellschaft."

Im The Grow Talk kritisiert Sina jene Unternehmen bzw. Unternehmer*innen, die es versäumt haben, in der Krise ihre Bequemlichkeit abzulegen, und nach Staatshilfen rufen statt kreativ auf die Situation zu reagieren. Dabei nimmt sie solche Selbständige in Schutz, die aufgrund ihrer Dienstleistungen nicht so einfach neue Wege, neue Produkte etc. entwickeln und anbieten konnten bzw. können. Dies sind bspw. Einzelhändler, die aufgrund der staatlich verordneten Zwangsschließungen keinen Spielraum mehr hatten bzw. haben.

Ihr Credo: "Wir Unternehmer*innen müssen jetzt aufwachen, jetzt etwas unternehmen, es ist unsere Aufgabe, etwas zu tun!"

Sina selbst hat in ihren Firmen bereits vor Corona – und jetzt erst recht – die aus ihrer Sicht zentrale Frage gestellt: Lösen wir gesellschaftliche, ökologisch-ökonomische Probleme? Tun wir unternehmerisch das, was wir gesellschaftlich wirklich brauchen?

Wer solche Fragen nicht nur während Corona stellt, baut – wie Sina – resiliente, d.h. widerstandsfähige Firmen, die auch Corona überstehen können. Sie selbst hat sich sehr schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt und in einem ersten Schritt ihre Produktionen auf solche Produkte umgestellt, die im Kampf gegen Corona bzw. im dem Umgang mit der Pandemie wirklich benötigt wurden und werden. Statt der sonst üblichen Einkaufstaschen, Wintermäntel etc. wurden in Sinas Firmen bspw. Bettlaken für Kliniken genäht und zum Selbstkostenpreis abgegeben.

Sina plädiert insgesamt für mehr Vielfalt. Weg von einer "schweinegefährlichen" Plattform-Ökonomie, in der wenige bestimmen, hin zu einer dezentralen Vielfalt, auch, um den Einzelhandel wieder wirklich nach vorne zu bringen. Auch deshalb gründet sie aktuell eine weitere Firma, um eine andere Art der Wirtschaftsführung zu installieren, die auf gleichwertigem Netzwerken statt monopolistischer Plattform-Ökonomie basiert. Nicht als Angriff auf Anbieter-Giganten wie Amazon, sondern als klares Gegenmodell.

"Unternehmertum heißt nicht, sich von anderen retten lassen zu wollen"

Auch Gerold Wolfarth, Vollbut-Unternehmer und europäischer Marktführer im Bereich der Ausstattung von Premium-Einzelhandelsläden, hat unmittelbar auf die aktuelle Situation reagiert, nachdem 95 Prozent des Umsatzes im März 2020 weggebrochen waren. Er stellte sich die Frage: Was ist jetzt angesagt, wie machen wir das Beste aus der Situation? Sein Credo: "Unternehmertum heißt nicht, sich von anderen retten lassen zu wollen."

Deshalb hat er u.a. auf Masken, Desinfektionsmittel, Plexiglas-Elemente gesetzt – alles Dinge, die wirklich benötigt wurden. Innerhalb von nur vier Wochen hat er dann die Plattform Book Your Rockstar, ein europaweites Handerwerker-Buchungsportal, ins Leben gerufen, auch, um seine ansonsten arbeitslosen Spezialisten weiter mit Aufträgen zu versorgen.

Damit hat Gerold eindrucksvoll unter Berweis gestellt, dass man auch nach 20 Jahren Unternehmertum mit Schnelligkeit, Kreativität und enormer Power – quasi mit dem berühmt-berüchtigten Start-up-Moove – schnell etwas erreichen kann. Letztlich hat Gerold mit diesem Einsatz nicht nur sich, seine Familie und seine Mitarbeiter*innen gut über die Krise gebracht, sondern sogar das bislang wirtschaftlich beste Jahr seines Unternehmen erarbeitet.

Mehr Widerstandskraft und Innovationen durch mehr Kooperationen

Beide, Sina und Gerold, sind sich sicher, dass Initiativen wie The Grow ein wichtiger Baustein sind, um Start-ups und Mittelstand gemeinsam zu mehr Innovationen zu befähigen – und damit zugleich zu mehr Krisen-Resilienz.

Auf der einen Seite haben wir Start-ups als zumeist noch eher unerfahrene, agile Innovationsträger, und auf der anderen Seite den markterprobten Mittelstand als finanziell gut aufgestellten Erfahrungsträger, der jedoch Gefahr läuft, zu wenig Speed zu entwickeln. Die Herausforderung ist – so Sina und Gerold –, beiden Seiten verständlich zu machen, dass die Kombination aus vorhandenem Kapital, neuen Ideen und einem gemeinsamen innovativen Mindset unsere unternehmerische Zukunft ermöglicht. Wer die Chance jetzt nicht ergreift, wird auf Dauer auf der Strecke bleiben.

Für konkrete Maßnahmen, um Start-ups und Mittelständler zusammenzubringen, steht letztlich The Grow und die 6 Top-Events des laufenden Jahres. Mehr Infos dazu hier

Der The Grow Talk als Video

Hier kannst du den gesamten The Grow Talk ansehen - darin u.a. auch die Klartext-Statements von Sina und Gerold zu den Fragen:

  • Was müssen wir, was die Regierungen national / EU-weit jetzt leisten, um die zentralen Herausforderungen der Zukunft (Stichwort: Digitalisierung) zu stemmen?
  • Was muss sich in unseren Köpfen ändern, um mehr Unternehmertum zu ermöglichen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: