6. Next Economy Award - die Finalisten stehen fest


44 likes

Diese neun besonders nachhaltig agierenden Start-ups treten im finalen Live-Pitch um den 6. Next Economy Award (NEA) gegeneinander an.

(c) Frank Fendler

Aus über 142 Bewerbungen wurden die nachhaltigsten und innovativsten Unternehmen für die Endauswahl nominiert. Am 4. Dezember 2020 wird Deutschlands größte Auszeichnung für „Grüne Gründer/innen“ im Rahmen des 13. Deutschen Nachhaltigkeitspreises in Düsseldorf vergeben.

„Die Finalisten des NEA haben die ‚next economy‘ verstanden. Sie kommen in herausfordernden Zeiten mit Produkten und Dienstleistungen auf den Markt, die Umwelt- und Klimaschutz, Biodiversität und sozialen Fortschritt in den Mittelpunkt des Geschäftsmodells setzen“, sagt NEA-Initiator Stefan Schulze-Hausmann. „Sie zeigen heute, welche Lösungen wir nicht morgen, sondern für morgen brauchen."

Nominiert für den Next Economy Award 2021 sind:

Airpaq UG

Das Kölner Startup Airpaq entwickelt und vertreibt Upcycling-Accessoires wie Rucksäcke und Bauchtaschen aus Autoschrott in Form von Airbags, Sicherheitsgurten und Gurtschlössern. Mit seinem Geschäftsmodell wirkt das Startup der Tatsache entgegen, dass die immer knapper werdenden Ressourcen dieser Welt die Menschheit vor eine große Herausforderung stellen. Ein Ausbeuten der natürlichen Rohstoffe schadet den kommenden Generationen und unserem Planeten erheblich.

Genau hier setzt Airpaq an: Für die Produkte des Unternehmens werden Materialien verarbeitet, die sich wortwörtlich bereits auf dem Schrottplatz befinden. Aus Airbags, Sicherheitsgurten und Gurtschlössern, die im Normalfall keine Wiederverwendung finden, entsteht ein neues, modisches Unikat. Mit dieser End-of-pipe-Technologie werden neue Kreisläufe geschaffen, welche die Umwelt schonen und die Vernichtung wertvoller Ressourcen verhindern. Neben der Nutzung von Ausschussware und der Schonung von Ressourcen werden durch die Vermeidung von Neuproduktionen auch CO2-Emissionen eingespart.

Außerdem trägt das Design des Rucksacks durch das auffällige Gurtschloss dazu bei, dem Thema Upcycling mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Methodikteams würdigen den außergewöhnlichen Upcycling-Ansatz des Startups mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

Bracenet GmbH

Das Hamburger Startup Bracenet fertigt Armbänder, Hundeleinen und vieles mehr aus verlorenen oder absichtlich versenkten Fischernetzen, sogenannten “Geisternetzen”, und setzt sich somit aktiv für den Schutz der Meere ein. In unseren Ozeanen treiben Millionen verlorene oder entsorgte Fischernetze und tun dort, was sie am besten können: immer weiter fischen. Die Netze werden für Fische, Wale, Meeresschildkröten und Tauchvögel zur tödlichen Falle. Allein in der Ostsee gehen jährlich bis zu 10.000 Netzteile verloren.

Zusätzlich werden sich die Netze in den nächsten Jahrhunderten zersetzen und erneut die Ozeane belasten, dann in Form von Mikroplastik. Bracenet hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Meere von den Netzen zu befreien: Gemeinsam mit den Partnern Ghost Diving, Healthy Seas und Nofir holt das Startup die Geisternetze aus den Meeren, reinigt, sortiert und wandelt sie schließlich u. a. in Armbänder (Bracenets) und Hundeleinen um. Bei jedem Produkt handelt es sich um ein Unikat, da die Netze in ihrer originalen Form und Farbe verwendet werden. Jede Person mit einem Bracenet am Handgelenk unterstützt das Unternehmen in seiner Mission und macht dabei auf die Problematik in den Ozeanen aufmerksam.

Das Startup leistet durch seine Aufklärungsarbeit und Säuberung der Meere einen wichtigen Beitrag zu einer ökologischen Zukunft. Darüber hinaus spendet das Unternehmen 10 Prozent des Erlöses an die Partnerorganisation Healthy Seas, wodurch die Bergung weiterer Netze ermöglicht wird. Die Methodikteams würdigen Bracenet für das Engagement zum Schutz der Meere mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

FairCup GmbH

Das Göttinger Startup FairCup bietet Mehrwegbecher- und deckel sowie in nächster Zukunft Mehrwegschalen im Pfandsystem an. Die Becher sind in verschiedenen Größen erhältlich und eignen sich neben Heißgetränken auch für Salate, Shakes oder Süßspeisen. Allein in Deutschland werden jährlich ca. sechs Milliarden Einweg-Getränkebecher verbraucht. Zusammen mit Bechern für Speisen wie Eis, Smoothies, Salat, Müsli, Obst, Suppe etc. sind das ca. 63.000 Tonnen Abfall im Jahr. Bei der kurzen Nutzung der to go Becher wird schnell vergessen, dass bei der Produktion große Mengen an Rohstoffen wie Erdöl, Holz, Wasser und die Bereitstellung von Energie benötigt werden. Zusätzlich können die Becher durch die verschiedenen Schichten nicht recycelt werden.

Vor diesem Hintergrund hat FairCup eine ressourcen- und energieschonende Alternative entwickelt: Der FairCup-Becher kann bis zu 1.000 Mal wiederverwendet werden und ist zudem frei von Weichmachern, BPA, Melamin und Harzen, wodurch das Material am Ende seiner Lebenszeit vollkommen recycelt werden kann. Die Rückgabe der Becher ist bei allen am System teilnehmenden Cafés, Imbissen, Tankstellen, Bäckereien etc. sowie auch über freigeschaltete Flaschen-Rückgabeautomaten möglich.

Das Startup achtet auch auf eine umweltfreundliche Gestaltung der Transportprozesse: Durch eine hundertprozentige Produktion in Deutschland können unnötige Transporte vermieden werden. Die Methodikteams würdigen FairCup für sein innovatives, nachhaltiges Mehrwegsystem mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

MYLILY GmbH

Das Hamburger Startup MYLILY produziert und verkauft nachhaltige und hochwertige Perioden-Produkte und stellt dabei Aufklärung und Transparenz in den Mittelpunkt. Lange Zeit wurde über das Thema Periode nicht gesprochen, es war und ist auch heute noch häufig ein Tabu-Thema. Neun von zehn Frauen konnten laut einer Umfrage des Startups Ende 2017 keine Aussagen über die Inhaltsstoffe ihrer Tampons machen. MYLILY hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen und Frauen mit Produkten ohne Duft-, Zusatz- oder Schadstoffe zu noch mehr Sicherheit zu verhelfen.

Bei all seinen Produkten achtet das junge Unternehmen auf Nachhaltigkeit: Die Tampons bestehen aus hochwertiger Bio-Baumwolle und sind, wie auch die Slipeinlagen und Binden, biologisch abbaubar. Durch die MYLILY Menstruationstassen, die aus 100 Prozent medizinischem Silikon bestehen, werden in diesem Jahr rund 1.5 Mio. nicht abbaubare Tampons eingespart. Eine Menstruationstasse ersetzt ca. 1500 Tampons. Und auch die Periodenunterwäsche soll weiter propagiert und als "normales Produkt" angesehen werden.

Oberstes Ziel des Startups: Frauen sollen sich ihrem Körper rundum wohlfühlen, darüber Bescheid wissen, was sie jeden Monat an ihrem Körper tragen und offen über die Periode sprechen können. Die Methodikteams würdigen das gesellschaftliche Engagement von MYLILY mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

respeggt GmbH

Die respeggt GmbH ist Inhaberin des respeggt-Herzsiegels „Ohne Kükentöten“ und steht für das Versprechen, dass Konsumeier ohne das sonst übliche „Kükentöten“ der männlichen Eintagsküken erzeugt wurden. Eintagsküken sind Küken in der Geflügelzucht, die nicht älter als einen Tag sind. In Deutschland werden jährlich rund 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie als unwirtschaftlich gelten: Sie legen keine Eier und eignen sich nicht für die Mast, da sie zu wenig Fleisch ansetzen.

Diese Praxis möchte das Kölner Startup beenden und hat sich zum Ziel gesetzt, die männlichen Küken bereits vor dem Schlüpfen zu identifizieren, um so den grausamen Tod zu vermeiden. Dafür wird mithilfe eines nichtinvasiven Verfahrens allen Bruteiern nach etwas mehr als einer Woche Brutzeit eine geringe Menge Allantoisflüssigkeit entnommen, die anschließend auf ein geschlechtsspezifisches Hormon getestet wird, das nur weibliche Küken bilden. Infolgedessen werden nur die weiblichen Bruteier bis zum Schlupf bebrütet und es ist es nicht mehr erforderlich, männliche Eintagsküken zu töten. Diese Dienstleistung wird von respeggt kostenneutral angeboten. Erst mit dem Verkauf der später entstehenden Konsumeier wird den Eierpackstellen eine Lizenzgebühr pro respeggt-Legehenne berechnet.

Das Startup leistet einen großen Beitrag für den Tierschutz in der Lieferkette der Konsumeierzeugung. Mit dem Geschäftsmodell „Sexing as a Service“ (SaaS) gewährleistet das Unternehmen allen Brütereien einen einfachen Ausstieg aus dem Kükentöten. Für die Konsument/innen wird durch das respeggt-Herzsiegel klar erkennbar, dass die Tafeleier und die Eiprodukte in Lebensmitteln ohne das übliche Töten der männlichen Küken erzeugt wurden. Die Methodikteams würdigen respeggt für diesen innovativen Beitrag zum Tierschutz mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

RITTEC Umwelttechnik GmbH

Mit revolPET hat das Lüneburger Unternehmen RITTEC in Kooperation mit dem Institut für Chemische und Thermische Verfahrenstechnik der TU Braunschweig eine ökologische und ökonomische Technologie zur Rückgewinnung der Monomere aus PET-Abfällen entwickelt. Das Recyclingverfahren bietet die Möglichkeit, einen vollständigen Ressourcenkreislauf zu realisieren. Eine Vielzahl von PET-Verpackungen kann derzeit nicht recycelt werden. Bunte oder Multilayer-Verpackungen werden vornehmlich verbrannt, wodurch diese Ressourcen unwiderruflich verloren gehen.

Genau dieses Problem geht RITTEC mit seiner neuen Technologie an: Das Recyclingverfahren integriert chemische Reaktionen der PET-Kunststoffe und produziert dadurch die Grundmonomere für die Produktion von neuem PET. Hierbei wird PET in seine Monomere depolymerisiert. Der Prozess ist äußerst effizient und verfügt über einen geringeren CO2-Fußabdruck als die Produktion von neuen Monomeren aus Erdöl. Das Recycling der genannten Abfallarten eröffnet neue Wertschöpfungsoptionen, sowohl bei den etablierten Entsorgungs- und Recyclingstrukturen z.B. in Europa als auch in den Ländern mit einem hohen Anteil an informellen Entsorgungsstrukturen. Für die weltweite Vermarktung der revolPET-Technologie und die Erstellung der Anlagen sind Lizenzmodelle vorgesehen.

Die in einer Pilotanlage bereits komplett umgesetzte Technologie wird zudem stetig weiterentwickelt und optimiert: Auf Basis der revolPET-Technologie entwickelt RITTEC aktuell Verfahren für das Recycling von Polyester-haltigen Textilien. Mit revolPET will RITTEC dazu beitragen, die globalen Probleme rund um PET-Verpackungen zu lösen. Die Methodikteams würdigen dieses innovative Verfahren mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

SolarWorX GmbH

SolarWorX setzt sich für die Verbreitung erneuerbarer Energien und für die Vermeidung fossiler Energieträger in ländlichen Regionen Afrikas südlich der Sahara ein. Schätzungsweise 600 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara haben bis heute keinen Zugang zu einer Stromversorgung. Hinzu kommt, dass ein Großteil des Energiebedarfs durch fossile Energieträger wie Kerosin und Diesel gedeckt wird. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, entwickelt das Berliner Startup Solar-Home-Systeme (SHS) und vertreibt diese auf B2B-Basis an qualifizierte, lokale Unternehmen, die auf die Distribution in ländlichen Gegenden in Subsahara-Afrika spezialisiert sind. Die mobilen Solaranlagen, die ein Panel mit einer Batterie umfassen, sind modular erweiterbar und können zudem in der Landessprache mit den Kunden kommunizieren.

Das Kernprodukt besteht aus einem modularen Batteriesystem mit einer Kapazität von 80 bzw. 160Wh, bis zu zwei 50Wp Solarmodulen und typischerweise drei LED-Lampen. Die Modularität des Basissystems ermöglicht dem Endkunden, das System sukzessive an seinen Strombedarf anzupassen. Mit den Anlagen von SolarWorX werden gesundheitsschädliche Kerosinlampen und Dieselgeneratoren durch eine umweltfreundliche und günstigere Lösung ersetzt und lokale Ressourcen wie auch Holz nachhaltig geschont.

Die Kosten behält das Startup ebenfalls im Blick: Die Anlagen sind nicht teurer als die bisherigen Treibstoffe und können somit von den Kund/innen getragen werden. Die Methodikteams würdigen SolarWorX für seinen Beitrag zum Ressourcenschutz mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

Too Good To Go GmbH

Die Plattform Too Good To Go bietet gastronomischen Betrieben die Möglichkeit, überproduziertes Essen zu einem vergünstigen Preis an Selbstabholer/innen abzugeben. Die Verschwendung von Lebensmitteln ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit und für acht Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ziel des Berliner Startups ist es daher, eine weltweite Bewegung gegen Food Waste aufzubauen.

Mit der gleichnamigen App trägt Too Good To Go seit 2017 dazu bei, die Lebensmittelverschwendung und damit auch Ressourcen und CO2 zu reduzieren. So können gastronomische Betriebe wie Restaurants, Cafés, Bäckereien, Kantinen oder Hotels über die Plattform kleinere Mengen bereits produzierter Nahrungsmittel oder Gerichte zum Verkauf anbieten, die ansonsten im Müll landen würden. Nutzer/innen der App werden die Angebote in der Umgebung oder an einem ausgewählten Standort angezeigt und haben die Möglichkeit, diese bei den jeweiligen Anbietern selbst abzuholen.

Über die App hinaus engagiert sich Too Good To Go auch mit weiteren Aktionen in allen involvierten Sektoren von der Politik bis zu Privathaushalten, um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen. Neben Aufklärungskampagnen entwirft das Startup beispielsweise Lehrmittel rund um das Thema Lebensmittelverschwendung für unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen. Die Methodikteams würdigen das Engagement des Startups gegen die Verschwendung von Lebensmitteln mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

TopFarmers (StadtFarm)

Mit der StadtFarm hat das Berliner Startup TopFarmers die erste AquaTerraPonik Farm realisiert. Das Startup produziert durch das eigens entwickelte Verfahren frische, nachhaltige und lokal hergestellte Lebensmittel, die über einen Hofladen und per Lieferservice vertrieben werden. Seit einigen Jahren steigt die Anzahl bewusster und aufgeklärter Konsument/innen, die sich nachhaltig produzierte, regionale und saisonale Nahrungsmittel wünschen.

Diesem Wandel in der Lebensmittelbranche begegnet das Startup mit seinem Ansatz des „Smart Urban Farming“. Der Einsatz von AquaTerraPonic-Anlagen bei der Aufzucht und Erzeugung von Fischen, Gemüse und Kräutern im städtischen Raum sorgt dafür, dass Wasser und Nährstoffe in einem geschlossenen Kreislauf geführt werden. TopFarmers verzichtet vollständig auf schädliche Pestizide, Antibiotika, Hormone oder künstlichen Dünger. Stattdessen werden die Ausscheidungen der Fische von Bakterien in Dünger umgewandelt. Das Wasser fließt anschließend durch Becken mit Erde, in der sich auch Regenwürmer tummeln. Die Pflanzen nehmen die Nährstoffe auf und reinigen dadurch das Wasser, das dann wieder zu den Fischen gelangt. Auf diese Weise entstehen auf kleinsten Flächengesunde, frische Lebensmittel für urbane Verbraucher/innen. Hierbei gelingt es TopFarmers, den Wasserkreislauf komplett zu schließen. Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft werden 80 Prozent der Flächen und des Wasserverbrauchs sowie 92 Prozent der CO2-Emissionen eingespart.

Neben der Lebensmittelproduktion engagiert sich TopFarmers auch im Bereich Umweltbildung. So bietet das Unternehmen in Zusammenarbeit mit ZERAP Germany e.V. verschiedene Lehr- und Lernformate für Hochschulen, Schulen und Kindergärten an. Die Methodikteams würdigen den transformativen landwirtschaftlichen Ansatz des Startups mit einer Nominierung für den Next Economy Award.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: