Gründer der Woche: Steady – Content ist hier King

Gründer der Woche 14/17


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Steady ist eine junge Plattform zur Finanzierung unabhängiger Content-Produzenten wie Blogger, Journalisten, Podcaster oder Open-Source-Code Entwickler. Wie es gelingen soll, dass für guten Online-Content auch gut bezahlt wird, erfahren wir von Steady-Geschäftsführer Sebastian Esser.

Das Steady-Team

Wie sind Sie und Ihre Mitstreiter Dirk Holzapfel, Philipp Schwörbel und Gabriel Yoran auf die Idee zu Steady gekommen und was ist Ihre Vision?

Ich komme aus dem Journalismus, den die Digitalisierung vor große Herausforderungen stellt. Überall im Internet können Nutzer alle möglichen Inhalte kostenfrei konsumieren. Die spärlichen Einnahmen aus der Display-Werbung machen aber nur einen Bruchteil der Gewinne aus der Print-Ära aus. Daher habe ich 2012 eine Crowdfunding-Plattform für Journalismus gegründet, woraus später das Krautreporter-Magazin entstand. Damals wie heute glaube ich, dass eine Community für gute Inhalte im Netz bezahlt. Krautreporter war 2014 das bis dahin größte Crowdfunding-Projekt in Deutschland – etwa eine Million Euro konnten wir einsammeln.

Mittlerweile ist Krautreporter ein vollkommen werbefreies, unabhängiges Magazin, das sich allein durch seine Mitglieder finanziert. Während des Aufbaus von Krautreporter haben wir gemerkt, dass es für unabhängige Publisher eine große Herausforderung ist, ein funktionierendes Mitgliedschaftsmodell mit allen technischen und administrativen Details aufzusetzen. Da draußen gibt es aber unzählige Menschen, die eigenständig gute, unabhängige Podcasts, Blogs oder Videos veröffentlichen und sich nicht durch Werbung finanzieren können oder wollen.

Diese Publisher haben nicht die Möglichkeiten, mit verschiedenen Payment-Anbietern zu sprechen, sich mit den unterschiedlichen Mehrwertsteuerregelungen innerhalb der EU auseinanderzusetzen und ihren Unterstützern korrekte Rechnungen auszustellen. Genau das macht Steady für sie. Jeder, der im Netz veröffentlicht, kann in wenigen Minuten ein Mitgliedschaftsmodell starten.

Was genau wollen Sie mit Ihrer Plattform bewirken und an wen richtet sich Ihr Angebot?

Steady richtet sich an alle, die unabhängige Inhalte im Netz veröffentlichen und hilft ihnen dabei, unabhängig von Werbung ein regelmäßiges Einkommen durch die Unterstützung der eigenen Community zu beziehen. Wir setzen dabei an den erprobten Techniken des Crowdfundings an.

Bei Steady unterstützen Nutzer ihre Lieblingspublisher aber nicht einmalig, sondern jeden Monat mit Kleinbeträgen von zum Beispiel drei Euro. Das schafft in der Summe regelmäßige Einnahmen und damit Planungssicherheit. Wir bieten unseren Nutzern die Infrastruktur, um ihr Projekt zu präsentieren und Geld zu verdienen und kümmern uns um alle Steuern und Rechnungen. Unsere Nutzer können sich so voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren.

Wie funktioniert Steady?

Als Publisher kann ich mich ganz unkompliziert bei Steady anmelden, eine Kampagnenseite erstellen und ein erstes monatliches finanzielles Ziel setzen. Diese Kampagnenseite kann jeder Publisher dann auch als Widget auf seiner Seite einbinden. Über Steady senden die Unterstützer dann mit Paypal, Kreditkarte oder Lastschrift Geld. Die monatlichen Einnahmen leitet Steady weiter und kümmert sich um Rechnungsstellung und Steuern.

Wie finanzieren Sie Ihr Angebot? Nehmen Sie eine Vermittlungsgebühr?

Ja, sie beträgt 10 Prozent und wird erst dann fällig, wenn Geld fließt. Steady ist also komplett risikolos.

Gibt es vergleichbare Angebote - wenn ja, wie heben Sie sich von den anderen ab?

In den USA gibt es mit Patreon einen ähnlichen Anbieter, der sich aber eher als Destination-Site sieht. Steady will weder die Inhalte, noch den Traffic der Nutzer abgreifen. Zudem können Publisher bei Steady ihre Kampagne mit drei Zeilen Code als Widget in ihre eigene Seite integrieren.

Im Januar sind Sie mit Steady online gegangen. Wie ist die Akzeptanz?

Ich mag nicht völlig objektiv sein, aber unsere Nutzer sagen uns, dass sie schon lange auf genau diese Lösung gewartet haben. Ein Publisher, der inzwischen mehr als 1.000 Euro Monatsumsatz macht, hat uns geschrieben, Steady habe sein Leben verändert. Wir sehen wirklich ein enormes Potenzial und arbeiten bereits an den nächsten Schritten, zum Beispiel dem System “Login mit Steady”, über das sich Steady auch in größere Publikationen einbauen lässt.

Wie machen Sie auf sich bzw. auf Ihre Plattform aufmerksam?

Momentan sprechen wir die Blogger, Podcaster, Journalisten und Videoproduzenten noch direkt an. So lernen wir am meisten über unsere potenziellen Nutzerinnen und Nutzer. Parallel machen wir Experimente zur systematischen Gewinnung dieser Zielgruppe, aber der persönliche Kontakt zu den Publishern ist gerade bei einem jungen Unternehmen sehr wichtig.

Last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Erstmal: loslegen. Früh und regelmäßig mit Nutzern sprechen. Immer dafür offen sein, an einer völlig anderen Stelle anzukommen, als man dachte.

Hier geht’s zu Steady


Das Interview führte Hans Luthardt

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