Gründer der Woche: Shipings – Paketversand so einfach wie nie

Gründer der Woche 21/16


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Mit Shipings soll der Paketversand ab sofort weniger als eine Minute Zeit in Anspruch nehmen. Wie das funktioniert und wer die Köpfe hinter dem nur wenige Monate alten Münchner Start-up sind – das verrät uns Shipings-Co-Gründer Mario Bartels.

Die Shipings-Gründer Alexander Geng, Philipp Neumann und Mario Bartels


Sie und Ihre Mitstreiter sind seit Januar 2016 angetreten, um Versandlogistik noch effizienter, günstiger und moderner zu machen. Sie sprechen dabei vom „disruptiven Ansatz für die Logistikbranche“ – was verbirgt sich dahinter?

Im Internetzeitalter gibt es digitale Lösungen für alles. Per App lasse ich meine Hemden abholen und reinigen, ich bestelle einen Fahrer zu mir und die Pizza kommt schon lange auf Knopfdruck in meine Wohnung. Möchte ich etwas versenden – weil ich zum Beispiel nicht mehr benutzte Gegenstände auf eBay verkauft habe – muss ich einen Karton und Verpackungsmaterial beschaffen, zu Hause alles händisch verpacken, das Paket zur nächsten Post bringen und dort in der Schlange warten.

Unserer Ansicht nach gibt es hier eine Marktlücke, die wir mit Shipings abdecken. Unsere Kunden machen lediglich ein Foto mit unserer App, alles andere übernehmen wir. Disruptiv ist diese Idee im weiteren Sinne, da wir bestehende Muster und Strukturen aufbrechen. Allerdings tun wir dies, ohne existierende Spieler am Markt „anzugreifen“, denn traditionelle Paketdienste, wie DHL oder Hermes, sind Partner und keine Konkurrenten.

Wer sind die Köpfe hinter Shipings und wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Alexander Geng, Philipp Neumann und ich sind seit über 15 Jahren befreundet und teilen seit geraumer Zeit die Leidenschaft für spannende Projekte wie Shipings. Mit David Forster haben wir unsere „Business-Brille“ um eine „Technologie-Brille“ erweitert und sind froh, ihn als kompetenten CTO mit der technischen Entwicklung in der Verantwortung zu haben.

Was wir alle vier teilen, ist die Erfahrung, dass einige Zeit und Mühe vergeht, bevor man ein Paket oder eine Retoure versendet hat. Im Keller stapeln sich schnell „alte Schätze“, die sich online zu Geld machen lassen. Meinen alten Laptop zu verkaufen ist einfach, ihn sicher und unbeschadet beim Empfänger ankommen zu lassen schon weniger. Daher musste hier eine kundenorientierte Lösung her, die in das digitale Zeitalter passt.


Was waren dann die größten Herausforderungen bis zum Start Ihrer Plattform?

In einem ersten Schritt wollten wir verstehen, ob der „Pain Point“, den wir im Versandmarkt gesehen und erlebt haben, auch von anderen wahrgenommen wird. Kurzum: wir wollten wissen, ob es für Shipings einen Markt gibt. Nach einem positiven Pilotversuch mit regelmäßigem Kundenfeedback standen wir vor der Herausforderung, das Geschäftskonzept so weiterzuentwickeln, dass auf der einen Seite ein starkes Kundenvertrauen weiter ausgebaut wird, auf der anderen Seite effiziente Strukturen etabliert werden.

Das sind keine Aufgaben, die sich während ein bis zwei Brainstormings lösen lassen. Hieran arbeiten wir tagtäglich, indem wir unter anderem unsere Kundenkontaktpunkte für ein kurzes Feedback nutzen. Schließlich kommt ein Kurier bei der Abholung an der Haustür schnell mit dem Kunden in wertvolle Gespräche.

Wie funktioniert der Versand von A bis Z aus Kundensicht?

Unsere Kunden machen mit unserer App ein Foto des zu versendenden Gegenstands und geben die Zieladresse ein. Fertig! Da die App in den letzten Entwicklungsschritten ist, nutzen unsere Kunden den Service derzeit über unsere Homepage. Unser Kurier holt die Sendung in weniger als 45 Minuten am Wunschort (zum Beispiel zu Hause oder im Büro) ab, wir verpacken alles bei uns im Lager mit maßgeschneiderten Paketen und verschicken die Sendung mit dem günstigsten Paketdienst.

Unsere Kunden sparen in der Regel also nicht nur Zeit, sondern auch noch Geld. Das liegt vor allem daran, dass wir nicht nur den günstigsten Versandpreis ermitteln, sondern individuelle Pakete fertigen, somit Leerraum im Karton eliminieren und folglich im Gegensatz zu Standardkartons immer in die jeweils günstigste Versandklasse fallen.

Was kostet mich der ganze Vorgang?

Zeitlich kostet mich der Vorgang weniger als eine Minute. Im Gegensatz zum traditionellen Versand, bei dem man von mehr als einer halben Stunde ausgehen kann, spare ich also nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.Unsere Kunden zahlen den günstigsten Versandpreis plus 5 Euro je Abholung, egal ob eine oder beispielsweise 8 Sendungen abgeholt werden. Im Preis enthalten ist die Abholung am Wunschort, eine Kostenschätzung vorab, das Verpacken inklusive Material, die Recherche des günstigsten Paketdienstes, die Übergabe an denjenigen sowie eine Versicherung.

Gibt es nicht gewisse Hemmschwellen, die zu versendenden Dinge quasi offen einem Fremden zur weiteren Bearbeitung zu übergeben anstatt sie selbst zu verpacken?

Unsere Kunden verschicken mit uns sowohl wertvolle Gegenstände wie iPads, als auch persönliche Dinge wie Geschenke oder selbst gemalte Bilder. Anstelle einer Hemmschwelle haben wir bisher großes Vertrauen erfahren dürfen, was wir sehr schätzen. Wir alle bei Shipings behandeln jede Sendung mit größter Vorsicht und Diskretion. Nicht zuletzt packen unsere Kuriere die zu versendenden Gegenstände direkt bei der Übergabe beim Kunden in einen Shipings Beutel. Was versendet wird, bekommt also zum Beispiel der Nachbar nicht mit.

Ihr Service derzeit in München nutzbar. Wie sind die ersten Erfahrungen?

Die Münchner schätzen den Service sehr. Versendet ein Kunde einmal mit uns, kommt er wieder. Das ist für uns auch vollkommen nachvollziehbar, denn wer will schon Pakete packen und in der Schlange stehen, wenn er zuvor mit einem Knopfdruck seine Sendungen abgewickelt hat. Wir freuen uns in naher Zukunft auf weitere Neugierige, die sich das Leben mit uns einfacher machen und Geld sparen wollen.

Was haben Sie schon so alles abgeholt, verpackt und versendet?

Vom Smartphone, über Kuchen oder Hundemode, bis hin zu kleineren Designertischen haben wir ein beachtliches Spektrum an Sendungen abgewickelt. Wir beobachten voller Spannung, was Menschen gerne verschicken, wenn man es ihnen einfach macht. Viele Fragen uns, bis zu welcher Größe wir Sendungen annehmen. Für unsere Kunden gilt die einfache Faustregel: alles, was in einen Kofferraum passt.

Wer nutzt bzw. soll Shipings künftig nutzen? In erster Linie Privatkunden oder zielen Sie eher auf Geschäftskunden?

Wir sehen Shipings als ideale Lösung für beide Kundengruppen, sowohl Privatpersonen, als gewerbliche Kunden, die keine professionelle Versandlogistik haben. Neben unserer App arbeiten wir auch an einer individuellen Lösung für beispielsweise Online-Händler, da es hier weitergehende Anforderungen gibt, die wir gerne adressieren wollen. Unser Credo ist und bleibt, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und auf Basis seines Feedbacks unseren Service weiterzuentwickeln.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Welche Marketing-Kanäle nutzen Sie?

Unser Fokus liegt derzeit auf dem Online-Marketing, da wir zum einen über diese Kanäle besser relevante Zielgruppen ansprechen können und einen Medienbruch vermeiden. Darüber hinaus sind Partnerschaften ein wichtiger Hebel. Wir bekommen sehr positives Feedback von Unternehmen beziehungsweise Plattformen, die mit Versendern arbeiten. Unser Service wird als wertvolle Ergänzung gesehen, sodass wir im Rahmen von Partnergesprächen schnell Synergien finden können.

Was sind die nächsten Schritte und was die Pläne fürs erste Geschäftsjahr?

Ein klares Ziel für dieses Jahr ist Wachstum hinsichtlich Kunden und Sendungen. Wir wollen im Zuge dessen möglichst viel über unsere Kunden, deren Verhalten und die Stellschrauben unseres Geschäfts lernen, um auf Basis dessen in weitere Städte zu wachsen. Aktuell hat die App-Entwicklung Priorität, um das Kundenerlebnis noch einfacher und komfortabler zu machen.


Gibt es vergleichbare Lösungen? Wenn ja, was unterscheidet Ihr Konzept von den anderen?

In München wird keine vergleichbare Lösung angeboten. Wer etwas versenden möchte, muss den traditionellen Prozess durchlaufen, von der Kartonsuche bis zum Warten in der Schlange bei der Post. National wie international gibt es eine wachsende Dynamik in unserer Branche beziehungsweise unserem Marktumfeld. Derzeit liegt der Fokus zwar stärker auf der letzten Meile des Versands – sprich der Zustellung beim Kunden – Märkte wie die USA oder Brasilien verdeutlichen jedoch ganz klar, dass der Bedarf nach einer Lösung für die erste Meile des Versands nicht nur in München existiert.

Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Wir haben den Ansatz verfolgt, ein Basisprodukt zu entwickeln und dieses sukzessiv auf Grundlage von Kundenfeedback weiterzuentwickeln, anstatt eine umfangreiche Lösung zu bauen, die möglicherweise nicht zielgruppengerecht ist. Gründerteams mögen auf Ideen oder Produkt-Features kommen, die ein eigenes Problem fantastisch adressieren, jedoch außerhalb des Teams „nicht fliegen“. Der Input von außen, zum Beispiel durch Familie oder Freunde, ist schnell eingeholt und äußerst hilfreich.

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Das Interview führte Hans Luthardt

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