Gründer der Woche: SEs Solutions – die magische Dachbox

Gründer der Woche 12/17


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Für viele Autofahrer gilt: Stauraum kann man im Fahrzeug nie genug haben. Hier kommen schnell Dachboxen ins Spiel. In diesem Segment will das Dresdner Start-up SEs Solutions GmbH künftig kräftig mitmischen. Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit dem Gründer und CEO Serle-Johann Espig.

Serle-Johann Espig (li.) und das Team der SEs Solutions GmbH


Wie und wann sind Sie auf die Idee zu Ihrer innovativen Dachbox gekommen?


2008 auf dem Rückweg von der Uni. Ich hatte an der University of Chicago den MBA-Kurs "Commercializing Innovation" besucht und stapfte zu Fuß durch den Schnee. In Gedanken war ich bei meinen Freunden in Deutschland. Diese waren auf dem Weg in den Skiurlaub. Im Vorjahr hatte ich bei Minusgeraden eine Dachbox montiert, das hat ewig gedauert. Ich schaute auf ein Auto vor mir und dachte – das muss einfacher gehen. Da kam mir der "Geistesblitz" für die "Pkw-Dachbox auf Knopfdruck".

Was ist Ihr beruflicher Hintergrund?

Ich bin Betriebswirt. Nach und neben dem Studium konnte ich u.a. Berufserfahrung in der Strategieberatung, im Venture Capital, beim Automobilhersteller, bei einem Start-up und im Vertrieb sammeln. Ich hatte schon früh vor ein eigenes Unternehmen aufzubauen und legte meine Schwerpunkte in der Ausbildung auf Entrepreneurship, Finanzierung und Management.

Was waren dann die größten Herausforderungen nach der Gründung?

Ich ging so vor, wie ich es in meinen Entrepreneurshipkursen gelernt hatte. Vieles funktionierte "nach Lehrbuch". Am Tag der Gründung (im Jahr 2013) haben wir 300 Seiten Förderanträge eingereicht. Wir haben die Zuschüsse auch bewilligt bekommen, aber der bürokratische Aufwand war immens. Die Auszahlungen kamen zum Teil später als erwartet und es waren zum Teil weniger. Auf der einen Seite haben uns die Zuschüsse über Wasser gehalten, auf der anderen fast ertränkt, da man mit ihnen nie fest rechnen konnte.  

Wussten Sie von Anfang an schon ziemlich genau, was die Box am Ende alles „können“ muss?

Wir wussten schon lange vor Gründung worauf es ankommt: Die Box darf nicht auffallen, wenn sie eingefaltet ist. Wir wussten auch wie das Produkt aussehen soll. Gefühlt waren wir bei der Gründung schon bei 80 Prozent. Wir hatten Patentschriften eingereicht, erste Funktionsmuster und Prototypen gebaut. Die Herausforderung in der Produktentwicklung ist, dass die letzten 20 Prozent oft genauso lange dauern wie die ersten 80 Prozent. Mein Entwicklungsingenieur hatte mich davor gewarnt und sollte Recht behalten. Dieses Jahr gehen wir erst einmal mit einem sog. MVP (Minimum Viable Product) an den Start.

Was genau ist das Besondere an Ihrer Dachbox?

Dass sie so flach einfaltet, dass sie von außen kaum erkennbar ist und trotzdem im Handumdrehen verfügbar ist, wenn man sie benötigt. Zudem ist unsere Dachbox smart und bietet gegenüber den herkömmlichen Dachboxen viele Alleinstellungsmerkmale.

So sieht sie aus, die innovative Dachbox, die im "Ruhezustand" kaum auf dem Autodach zu sehen ist und nur bei Bedarf ihre wahre Größe zeigt


Gibt es vergleichbare Produkte? Wenn ja, was sind Ihre USP?


Neben herkömmlichen Dachboxen bieten die Wettbewerber vereinzelnd fortschrittliche, innovative Lösungen an. Zum einen preiswerte Faltboxen aus Stoff, die kaum Lagerraum benötigen, zum anderen recht aerodynamische Boxen. Diese Produkte können den Mehrnutzen unserer Dachbox jedoch bei Weitem nicht abbilden.
Gegenüber herkömmlichen Dachboxen bieten wir ...

  • mehr Effizienz - Zeitersparnis, Platzersparnis, und Treibstoffersparnis
  • mehr Sicherheit - verbessertes Fahrverhalten und Durchschlagsicherheit
  • mehr Komfort - weniger Windgeräusche, verbesserte Beladung (Innenbeleuchtung)
  • mehr Coolness - besserer Fit in Form & Style, mehr Speed und mehr coole Features

 Mittelfristig sind die Öffnung via App und eine klimatisch regelbare „Cool-Box“ geplant.

Die Entwicklung eines innovativen Produktes verschlingt ja erfahrungsgemäß sehr viel Zeit und Geld. Wie haben Sie das bislang gestemmt?


Anfangs haben wir im erweiterten Familien- und Freundeskreis Mittel aufgetan, später haben wir externe Business Angel und kleinere strategische Investoren dazugewonnen. Dresden ist ein toller Standort, wir haben niedrige Kosten und von tollen Förderbedingungen profitiert. Letztere setzten jedoch voraus, dass man selbst Geld einwirbt. Das tut man besser außerhalb Sachsens, dort ist es schwer an Mittel zu kommen. Unsere Investoren kommen aus Regionen wo das Kapital zu Hause ist, wie Hamburg, München, Frankfurt, Zürich und Düsseldorf/Köln.

Zurzeit sammeln Sie Kapital via Crowdinvesting – welches monetäre Ziel verfolgen Sie damit, wie läuft die Kampagne?


Unser Ziel ist es, auf FunderNation in den nächsten Wochen einen kleinen bis mittleren sechsstelligen Betrag einzusammeln. Die Kampagne läuft sehr gut an. Neben Kapital haben wir zahlreiche Anfragen und positives Feedback erhalten. Anfragen kamen auch von großen Playern im Pkw-After-Market, die unser Produkt über Ihre Kanäle vertreiben möchten. Über positives Feedback von leitenden Mitarbeitern der Pkw-Hersteller und Personen die unser Produkt kaufen möchten haben wir uns ebenfalls gefreut. Letzteres sind Aspekte, die unseren Proof of Market festigen. Diesbezüglich war die Kampagne bereits ein voller Erfolg.

Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Das Geld soll für eine erste Skalierung des Produktes auf mehrere Top Seller Pkw im wichtigsten Segment genutzt werden. Wir investieren in kluge Köpfe und in Formwerkzeuge für die Skalierung.

Was sind die To do’s bis zum Verkaufsstart? Und wo wird man Ihre Dachbox finden?

Das Produkt ist fertig, jetzt müssen die sog. Formwerkzeuge für die Serienproduktion gefräst werden. Der Verkaufsstart ist im Anschluss an die Automobilmesse IAA geplant, auf der wir vertreten sein möchten. Zum Start wird man das Produkt im eigenen Single Produkt Shop und bei einigen größeren Vertriebspartnern finden.    
 
Und nicht ganz unwichtig: Was wird Ihre Dachbox kosten?

Bei unseren ersten Modellen zwischen 800 und 950 Euro. Bei sehr hoher Nachfrage preisen wir Anfangs ggf. etwas höher.
Grundsätzlich gibt es nicht "den Preis" für unsere Dachbox. Die Box ist fahrzeug-/ bzw. klassenspezifisch und der Preis dementsprechend auch. Unsere Preise richten sich a) nach den Alternativen, die von Vertragshändlern (z.B. BMW- oder VW-Händler) zum jeweiligen Modell angeboten werden und b) den Preisen der direkten Mitbewerber (z.B. von Thule oder Packline).
Zu einer herkömmlichen Box benötigt man immer noch einen Träger. Nehmen wir als Beispiel den BMW 3er Touring: Der Zubehör-Preis der alternativen Kombination (Dachbox + Grundträger) bei BMW beträgt aktuell 715 + 263 = 978 Euro. Die Top Seller Dachbox Thule Motion XT M mit "Wingbar" Träger liegt bei 570 + 257 = 827 Euro. In diesem Preisbereich werden wir unsere Box auch anbieten.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

  • Analysieren: Es ist wichtig sich am Anfang zu entscheiden, welche Idee man umsetzen möchte. Ich hatte mehrere und habe bei der Analyse und Auswahl ein "Lehrbuchverfahren" genutzt.
  • Fokussieren: Zeit und Geld sind die großen Faktoren. Priorisieren ist das A und O.
  • Zuhören: Kritikpunkte haben oft eine Berechtigung. Man sollte sich durch einzelne Kritikpunkte nicht demotivieren lassen. Wenn man im Grundsatz das Richtige tut, finden sich einzelne Lösungen für kritische Punkte.
  • Durchhalten: Ein Unternehmen aufzubauen ist eine Lebensentscheidung. Wenn du vorne die Analyse gut gemacht hast, dann heißt es, konsequent "am Ball bleiben".

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Das Interview führte Hans Luthardt

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