Gründer der Woche: PURA VIDA – junge Winzer, spritzig-vegane Weine

Gründer der Woche 43/18


44 likes

Sie sind Mitte 20, sind Gründer und Jungwinzer aus Rheinhessen: Klara und Simon Müller-Oswald. Bevor sie sich mit ihrer PURA VIDA GbR in Siefersheim selbständig gemacht haben, lernten und arbeiteten die beiden auf den familieneigenen Weinbergen. Heute führen sie gemeinsam das Familienweingut Oswald. Das vegane Label PURA VIDA ist daraus entstanden. Mehr zu den Winzern im Interview mit Klara und Simon:

Die Lese ist mittlerweile beendet – seid ihr zufrieden mit dem, was mittlerweile in den Fässern ist und sich zum 18er-Wein entwickelt?

Klara: Der Jahrgang 2018 hat uns vor einige Herausforderungen gestellt, welche wir glücklicherweise gemeinsam meistern konnten. Die warme Witterung in diesem Jahr hat für eine frühe Lese gesorgt. Unserem Qualitätsanspruch folgend sind wir immer bemüht die Trauben kalt in den Keller zu bekommen. So mussten wir bei den andauernden Temperaturen von 30°C tatsächlich in der Nacht den Wein lesen. Außerdem wurde sehr viel Zucker in den Trauben eingelagert – das bedeutet später hohe Alkoholgehalte. Damit wir dennoch einen frischen Weintyp wie PURA VIDA herstellen konnten, haben wir einfach auf den Punkt geerntet. Das ist uns gemeinsam gut gelungen – wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem, was in den Fässern gärt.

Was werden die besonderen Stärken des Jahrgangs 2018 sein?

Simon: Die Weine werden schön fruchtig und vollmundig. Wir haben ausschließlich sehr reife und gesunde Trauben geerntet – mit so einer Grundlage kann ein super Produkt hergestellt werden.

Nun zu euch und PURA VIDA. Ihr stammt beide aus Winzerfamilien. War es da von Anfang an klar, selbst ins Weingeschäft einzusteigen?

Simon: Für mich war es schon immer ganz klar. Bereits als Kind habe ich meinem Onkel so oft es ging in den Weinbergen unterstützt. Ich war in den Ferien lieber im Weingut als im Urlaub. Nach dem Fachabitur habe ich dann mit einem dualen Studium in „Weinbau und Oenologie“ begonnen und konnte nebenbei schon einiges im Weingut bewegen. 2017 habe ich meinem Onkel dann das Weingut abgekauft. Dies ist zwar eine hohe finanzielle Belastung und bringt sehr viel Verantwortung mit sich, aber wir üben mit großer Leidenschaft den Beruf aus und sehen das Weingut als unser Lebenswerk an, in welchem wir uns auch ein bisschen selbst verwirklichen und austoben können.

Klara: Bei mir war es gerade das Gegenteil: Ich war als Kind ehrlicherweise kein großer Fan davon, meine Freizeit im Weinberg verbringen zu müssen. In der Abiturzeit wurde mir allerdings langsam klar, was es bedeutet, ein Weingut in der Familie zu haben und ich beschloss Weinwirtschaft zu studieren. Während verschiedener Praktika vor meinem Studium wurde die Liebe zum Produkt geweckt und ich wollte selbst Wein herstellen. So wurde nichts aus Weinwirtschaft, dafür habe ich dann „Weinbau und Oenologie“ studiert und eine klassische Winzerlehre gemacht – die beste Entscheidung meines Lebens.

Und wann bzw. wie kam es dann dazu, dass ihr zusammen durchgestartet seid? Handelt es sich dabei um eine klassische Familiennachfolge?

Klara: Ich habe während meines Studiums die Chance genutzt immer wieder mit dem Rucksack die Welt zu bereisen und mich auch in Sachen Wein weiterzubilden – z.B. in Neuseeland. Meine Eltern haben mir dafür immer den Rücken freigehalten. 2017 kam dann der große Wendepunkt. Simons Onkel wollte uns sehr unverhofft das Weingut verkaufen in dem Simon groß geworden ist und  schon viel Herzblut hineingesteckt hatte. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch gar nicht so lange ein Paar, mussten aber die Weichen für die Zukunft stellen. Schlussendlich entschieden wir uns für den Kauf obwohl wir wussten, dass es nicht einfach werden wird. Wir haben aber sehr viel Unterstützung durch unsere Eltern und Geschwister. Bei mir zu Hause ist es eine klassische Familiennachfolge. Glücklicherweise haben wir untereinander ein gutes Verhältnis und können so beide Betriebe gemeinsam bewirtschaften und Entscheidungen treffen. Wir starten also alle gemeinsam durch.

Was waren die wichtigsten und ggf. auch schwierigsten Schritte, die ihr am Start zu meistern hattet?

Klara: Wir haben für PURA VIDA unsere eigene gemeinsame GbR gegründet. Das war ein guter und wichtiger Schritt. So stellten wir sicher, dass sich keiner von außen einmischen kann und wir auch unternehmerisch die volle Verantwortung tragen. So eine Betriebsübernahme ist nie einfach, besonders in finanzieller Hinsicht. Aber auch die Verantwortung führt zu einer hohen Belastung. Dadurch, dass wir mit der Natur arbeiten, gibt es viele Arbeitsspitzen – da arbeitet man täglich sehr viel und auch am Wochenende ist genug zu tun. Das ist nicht immer einfach. Wir arbeiten darauf hin, langfristig finanziell stabil und erfolgreich zu sein. Das geht nicht von heute auf Morgen und manchmal ist es auch nicht ganz einfach, wenn man so viel Leidenschaft in etwas steckt und man nicht sofort den Erfolg hat, den man sich erhofft. Rückblickend haben wir aber alles richtig gemacht.


sevDesk Buchhaltungssoftware

Als Gründer der Woche schenkt dir unser Partner die sevDesk-Buchhaltungssoftware für ein Jahr.

Deine Vorteile:

  • Belege einfach digitalisieren
  • Kein Abtippen von Rechnungen mehr - sevDesk erkennt sie automatisch
  • Rechnungen werden automatisiert verbucht

» hier als Gründer der Woche bewerben


Wie habt ihr das finanziell gestemmt? Mit Eigenkapital, Krediten und/oder Fördermitteln?

Simon: Finanziell konnten wir bei der Markenentwicklung von PURA VIDA glücklicherweise auch auf unsere Familien setzen, die uns den Traum ermöglichen wollten und unser Vorhaben auch als Investition in die Zukunft der Weingüter sahen. Trotzdem müssen wir aus der Starthilfe nun selbst etwas machen. Für den Weingutskauf haben wir natürlich auch auf Kredite zurückgegriffen.  

Wie teilt ihr euch die Arbeit am und im Unternehmen auf?

Klara: Jeder von uns hat sein Spezialgebiet. Uns ist es trotzdem sehr wichtig, dass jeder alle Aufgabengebiete kennt und beherrscht. So kümmert sich Simon hauptsächlich um den Außenbetrieb, die Maschinen und Weinberge sowie die Logistik – also das Abfüllen und den Versand der Weine. Ich übernehme die Veranstaltungen und die Büroarbeit sowie ein paar Traktorarbeiten. Darüber hinaus haben wir beide unsere eigenen Weinkeller und kümmern uns jeweils um den Weinausbau. Am Ende verkosten wir die Ergebnisse blind und stellen aus beiden Kellern die Weine zusammen. Alle Entscheidungen treffen wir gemeinsam und jeder von uns könnte den Job des andern übernehmen. Uns ist es wichtig, die tolle Vielfalt unseres Berufes zu erhalten und in jedem Bereich fit zu bleiben.

Und was macht ihr gezielt anders als etablierte, alt eingesessene Winzer?

Klara: Als wir angefangen haben war der Flaschenwein bei uns im Weingut noch nicht stark etabliert. So konnten wir das Sortiment nach unseren Vorstellungen umstellen, die Weinstilistik verändern und mussten an keinen Traditionen festhalten und Dinge tun „weil sie schon immer so waren“. Wir müssen einfach weniger Kompromisse eingehen. So hören wir auch immer wieder, dass man das Herzblut und die Leidenschaft in unseren Weinen schmecken kann. PURA VIDA bedeutet Lebensfreude bei uns, welches sich im Design und Geschmack widerspiegelt.

Wie behauptet ihr euch damit gegen die Etablierten bzw. die vielen ambitionierten jungen Winzer?

Simon: Wir glauben, dass es ganz wichtig ist authentisch zu sein, kontinuierlich gute Weinqualität zu liefern und sich selbst treu zu bleiben. Unser Weingut ist auf Langfristigkeit ausgelegt. So wollen wir lieber eine nachhaltige und dauerhafte Partnerschaft mit Kunden und fangen lieber klein an, als direkt das schnelle und kurzfristige Geld zu machen. Wir springen nicht auf jeden Trend auf, nur um „dabei zu sein“, sondern vertrauen auf unseren Geschmack und stellen Weine her, hinter denen wir voll und ganz stehen. So schafft man nicht nur eine Weinguts-Identität, sondern baut auch eine langfriste Kundenbeziehung auf. Ganz wichtig ist außerdem Geduld. Es dauert eben etwas, bis sich auszahlt, was man tut.

Der Weinkonsum - und insbesondere der Konsum von deutschem Weißwein - steigt hierzulande, das sind gute Voraussetzungen für die junge Winzergeneration. Wie macht ihr auf euch und eure Produkte aufmerksam?

Klara: Die beste Werbung ist persönliche Präsenz vor Ort. So stellen wir unser Produkt auf Fachmessen oder Endverbrauchermessen vor. Jetzt im Herbst findet man uns beispielsweise auf der eat&style in Düsseldorf und Hamburg. Außerdem setzen wir auf unsere Partner in Handel und Gastronomie, die unsere Weine vertreiben. Hier versuchen wir natürlich stetig das Netzwerk auszubauen, um möglichst viele Kunden auch an unsere Partner verweisen zu können. Klassische Werbekampagnen sind vorerst wegen unseres Budgets nicht möglich. Am besten ist aber die klassische Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Qualität und der Geschmack müssen stimmen, dann spricht sich das auch herum. Außerdem ist es manchmal nicht schlecht, ein Geheimtipp zu sein.

Was sind eure unternehmerischen Pläne für die Zukunft?

Simon: Aktuell bauen wir unseren Altbau im Weingut um. Dort wird eine Vinothek integriert, sodass wir auch Veranstaltungen bei uns im Weingut anbieten können. Wir arbeiten stetig an unserem Sortiment, wodurch wir im nächsten Jahr einen neuen Wein bei PURA VIDA vorstellen werden. Natürlich wollen wir auch wachsen, allerdings bedacht und organisch. Wir sind ehrgeizig und arbeiten hart, wollen uns aber kein direktes Ziel setzen, da oft Vieles anders kommt, als man denkt. Aktuell sind wir mit der Entwicklung mehr als zufrieden, so darf es gerne weiter gehen.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Klara: Hört auf euer Herz und bringt Geduld mit. Versucht das Gegenüber zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Alleine wird der Weg noch steiniger als gemeinsam. Lasst euch durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen, schaut nach vorne und gebt nicht auf.

Hier geht’s zu PURA VIDA


Das Interview führte Hans Luthardt


Sie möchten selbst ein Unternehmen gründen oder sich nebenberuflich selbständig machen? Nutzen Sie jetzt Gründerberater.deDort erhalten Sie kostenlos u.a.:

  • Rechtsformen-Analyser zur Überprüfung Ihrer Entscheidung
  • Step-by-Step Anleitung für Ihre Gründung
  • Fördermittel-Sofort-Check passend zu Ihrem Vorhaben

Ed-Tech-Start-up Sdui erweitert Series-A-Finanzierungsrunde auf 25 Mio. Euro

Sdui vereinfacht seit 2018 die Kommunikation und Organisation an Schulen und Kitas und sichert sich weiteres Kapital, um in die Skalierung nach Europa zu investieren.

Sdui wurde 2018 in Koblenz gegründet und ist heute als Sdui Group eines der am schnellsten wachsenden Start-ups der deutschen Ed-Tech-Branche. Das Unternehmen vereinfacht Kommunikation und Organisation an Schulen und Kitas. Ziel der Plattform ist es, mit smarten Funktionen Lehrkräfte, Erziehende, Eltern und Kinder miteinander zu verbinden. Hierfür bietet Sdui DSGVO-konforme Lösungen mit Funktionen wie z.B. Chat, Videotelefonie, Cloud, Stundenplan oder Übersetzungsfunktionen, die speziell auf die Bedürfnisse von Schulen und Kitas zugeschnitten sind.

Mit derzeit 170 Mitarbeitenden ist die Sdui Group in Deutschland, Belgien und der Schweiz sowie vier weiteren europäischen Ländern vertreten. Laut Sdui nutzen aktuell rund 10.000 Bildungseinrichtungen die Plattform.

Durch gezielte Internationalisierung und den Ausbau des Produkts will sich das Unternehmen noch breiter als innovativer Digitalisierungspartner für Bildungseinrichtungen in ganz Europa aufstellen.

Investor*innen sehen große Zukunft in der Ed-Tech-Branche

Sowohl Bestandsinvestor*innen als auch neue Kapitalgeber*innen sind an der erweiterten Finanzierungsrunde beteiligt, die von HV Capital und Haniel angeführt wird. Sduis Bewertung steigt durch die Kapitalerhöhung in den dreistelligen Millionenbereich.

Daniel Zacharias, Gründer und CEO von Sdui: „Mit einem Umsatzwachstum von mehr als 300 Prozent seit der initialen Series A im März 2021 konnte Sdui beweisen, wie viel Potenzial noch in unserem Geschäftsmodell steckt. Wir freuen uns sehr, dass renommierte Investoren unsere Zukunftsstrategie weiterhin unterstützen. Diese Investitionen schlagen die Brücke zur Profitabilität und ermöglichen es uns, weiteres Wachstum im aktuellen Finanzmarktumfeld umzusetzen.“

Zu den Bestandsinvestor*innen zählt auch Haniel. „Wir betrachten unser Engagement als absolut solides Investment in ein vergleichsweise junges, aber bereits extrem professionelles Unternehmen mit einem klaren USP für die Nutzer in einem riesigen Markt und mit einer vielversprechenden Zukunftsstrategie“, sagt Philipp Göhre, Lead Growth Capital bei dem familiengeführten und Purpose-getriebenen Investor.

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) und das Ed-Tech VC Brighteye Ventures haben ihre Beteiligungen ebenfalls aufgestockt. Alex Spiro Latsis, Partner bei Brighteye: „Sdui hat das Zeug dazu, Bildungseinrichtungen von innen heraus grundlegend zu transformieren, indem die Plattform Effizienz, Kommunikation und den sicheren Umgang mit Daten durch die Bereitstellung von digitalen Werkzeugen und Produkten in einer Weise verbessert, wie es nur wenige Unternehmen können.“

Neu im Sdui-Investorenkreis ist der VC- und Private-Equity-Profi Dr. Michael Hinderer, der als Business Angel mit seinem Family Office JSM Hinderer GmbH investiert. Zu seinen unternehmerischen Erfolgen gehören die Mitgründungen von APAX, GCA Altium und des Klima-Start-ups 1KOMMA5°. Darüber hinaus bringt Hinderer jahrzehntelange Erfahrung in der Internationalisierung von Unternehmen mit ein.

Zu guter Letzt stellt der Kreditfinanzierer Kreos Capital im Rahmen der Erweiterung der Series A zusätzliches Kapital zur Verfügung, um Sduis anorganisches Wachstum zu unterstützen.

Kölner Tech Start-up specter automation erhält 2,7 Mio. Euro Seed-Finanzierung

Das 2021 von Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern der RWTH Aachen University und der WHU – Otto Beisheim School of Management gegründete Construction TechStart-up specter automation ermöglicht mit seiner Software ein datengetriebenes Baustellenmanagement anhand des 3D-Modells der Baustelle.

Bauvorhaben werden heute zwar aufwendig digital geplant und verwaltet, ausgeführt werden sie meist aber ausschließlich analog. Der fehlende Datentransfer zwischen Büro und Baustelle – insgesamt bleiben 96 Prozent aller Daten ungenutzt – macht datenbasierte Entscheidungen auf der Baustelle unmöglich. Zudem führt das Fehlen eines konstanten und übersichtlichen Soll-Ist-Vergleichs zwischen Planung und Ausführung zu einer mangelnden Transparenz für alle Projektbeteiligten. Die Folge: Bauprojekte benötigen meist 20 Prozent mehr Zeit als geplant und liegen bis zu 80 Prozent über dem Budget.

Diesen Daten-Bruch zwischen Planung und Ausführung will das Kölner Tech Start-up specter automation auflösen. Specters Mission ist es, Baustellen datengetrieben steuerbar zu machen und Prozesse auf und neben der Baustelle zu optimieren. Die SaaS-Lösung basiert auf neuester Cloud-Technologie und rückt 3D-Modelle ins Zentrum der Baustelle. Per Klick auf ein Bauteil im 3D-Modell erfahren Bauleiter und Poliere alle relevanten Informationen – Arbeitsschritte, Materialmengen sowie Zeit- und Kostenangaben –, um die Baustelle datenbasiert zu steuern. Statt aufwendig und nach Gefühl zu planen, koordiniert das Baustellenteam nun nahezu vollständig digital, wann welcher Arbeitsschritt erledigt werden soll.

Hierauf aufbauend automatisiert specter automation aufwendige und fehleranfällige Prozesse. „Wir haben es geschafft, dass Bauleiter und Poliere digital am 3D-Modell der Baustelle arbeiten“, so Co-Founder und Chief Product Officer (CPO) Moritz Cremer. „Dadurch können wir sukzessive die ‚Black-Box‘- Baustelle aufbrechen und strukturiert Prozessdaten sammeln, um die Effizienz mit unseren Partnern aus der Baubranche gemeinsam drastisch zu erhöhen.“

Ausbau von Vertrieb und Marketing

Specter automation hat ein vom TechVision Fonds (TVF) angeführtes Seed-Investment in Höhe von 2,7 Millionen Euro erhalten. Mit den neuen Mitteln will specter automation sein modellbasiertes Assistenzsystem zur Planung und Koordination von Baustellen weiterentwickeln und die Markteinführung beschleunigen. Co-Investoren sind LBBW Venture Capital und xdeck VC sowie erfahrene und branchennahe Business Angels aus Deutschland und den USA.

Das Start-up kann bereits erste Erfolge verzeichnen: Als eines der ersten Pilotprojekte wurde die Software für den Bau einer Logistik- und Produktionshalle eingesetzt. Es folgten prestigereiche Projekte wie das „Le Quartier Central“ in Düsseldorf, welches zu den größten Neubauprojekten in NRW gehört, sowie die Sanierung und der Neubau des Dreikönigsgymnasiums, der ältesten Schule der Stadt Köln. „Bislang sind wir ausschließlich organisch gewachsen – unsere Kunden sind aktiv auf uns zugekommen, weil sie dringend eine Lösung für das datengesteuerte Management von Baustellen suchten. Mit der Finanzierung können wir nun unsere Vertriebs- und Marketingaktivitäten deutlich ausbauen, um der führende Software-Anbieter für die Steuerung und Optimierung von Bauprozessen zu werden“, so Co-Founder und CEO Oliver Eischet. Hierzu will specter auch die Expansion aus dem deutschen Markt heraus in den kommenden Monaten angehen.

Gründer*in der Woche: consalio - schafft Transparenz bei Beratungsaktivitäten

Felicia Mundhenke hat 2021 ihr Start-up consalio mit der Vision gegründet, Beraterkosten in Unternehmen und im öffentlichen Sektor transparenter zu machen. Mehr dazu im Interview mit Felicia.

Wann und wie bist du auf die Idee zu consalio gekommen?
Ich habe viele Jahre in einem großen Konzern Marketing-Kampagnen entwickelt und hier mit vielen Agenturen, Beratern und Freelancern gearbeitet. Die Idee zu consalio entstammt tatsächlich aus einem echten „Pain“, den ich in der Zusammenarbeit mit den Agenturen regelmäßig erfahren habe.

Die Herausforderung war, bei großen Projekten und einer Vielzahl an externen Dienstleistern die Kosten jederzeit im Blick zu behalten und rechtzeitig, also vor Rechnungseingang, gegensteuern zu können. Auch wenn während des Projektes alles gut lief, gab es häufig bei der Abrechnung ein böses Erwachen begleitet von unangenehmen Gesprächen und Nachverhandlungen.

Ich hätte mir ein Tool gewünscht, das mir in Echtzeit ein Status-Reporting sämtlicher Dienstleister gibt und immer wiederkehrende Fragen zu Budget, Kostenentwicklung, Abrechnungsstatus per Klick beantwortet. Auch das Thema Freigabeprozesse („Sind die Rechnungen inhaltlich in Ordnung?“) und Bewertung („Wie zufrieden waren wir bei der vorletzten Kampagne mit Agentur xy?“) waren nicht wirklich standardisiert. Jedes Mal standen wir vor denselben Fragen.

Also habe ich mich damit beschäftigt, wie man die Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Berater transparenter und standardisierter gestalten könnte und die manuellen und zeitintensiven Reporting- und Freigabe Prozesse über Excel, E-Mails und Telefonate effizienter machen könnte.

Hier setzt consalio an: die Software liefert dem Kunden in ein Echtzeit Überblick über sämtliche Berateraktivitäten und -kosten in der Abteilung (oder dem Unternehmen) und ermöglicht eine qualitative und quantitative Analyse von projektrelevanten Kennzahlen (Kosten, Staffing, Timelines, Fortschritt etc.). Daran schließt sich die Freigabe von Leistungsnachweisen oder Proforma Rechnungen an und der gesamte Prozess wird auf einmal nachvollziehbar. Mit consalio erhalten die Unternehmen eine Entscheidungsgrundlage und zwar automatisiert und ohne Aufwand für den Kunden oder Berater.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zu deiner fertigen Advisor-Spend-Management-Lösung?

Im Prinzip dreht sich bei uns (wie in jedem Start-up) alles um die vier wichtigsten „Baustellen“, die alle parallel laufen und gleichzeitig voneinander abhängig sind:

1. Finanzierung

Da ich als Betriebswirtin selbst keine Software-Entwicklungskenntnisse habe, musste ich das Produkt mit externer Unterstützung bauen, was die Finanzierung von Tag 1 auf die Agenda brachte. Fundraising ist unglaublich zeitintensiv, aber notwendig, um die für die jeweilige Unternehmensphase passende Finanzierungsart und Investoren zu finden. Wir hatten das große Glück, eine unglaublich starke Gruppe an Business Angels zu gewinnen, die uns zum Teil schon unterstützen, als das Produkt nur als Prototyp vorhanden war.

2. Team

Von Investoren wird man auf die Frage, was am wichtigsten ist, immer die Antwort bekommen: „1. Team, 2. Team, 3. Team“. Nachvollziehbar, denn gerade am Anfang müssen die „PS auf die Straße gebracht werden“, um die Idee umzusetzen. Das ist keine One-Man/One-Woman-Show, dafür braucht es ein Team zu haben, idealerweise mit unterschiedlichen Profilen und Expertisen. Ich bin sehr froh, mit Seong-Min einen Mitgründer an meiner Seite zu haben, der leidenschaftlicher Entwickler ist und langjährige Erfahrung in der Führung von technischen Teams hat. Um das Produkt schnell zur Marktreife zu bringen, liegt sein Fokus neben dem Programmieren beim Aufbau des Entwickler-Teams. Mit der nächsten Finanzierungsrunde wir dann das Sales Team aufgebaut, so dass die Vertriebsorganisation und -prozesse professionalisiert werden. Ihr kennt ja sicher den Spruch: „It takes a village to raise a child.“ Das trifft auch auf ein Start-up zu.

3. Produkt

Was uns sicher geholfen hat, war ein konkretes Problem aus dem Berufsalltag zu haben, wofür wir eine Lösung bauen wollten. Um die Skalierbarkeit zu validieren, haben wir mit weit über hundert Abteilungsleitern aus unterschiedlichen Bereichen gesprochen. Wir stellten fest, dass das Problem in allen Bereichen besteht, in denen mit externen Dienstleistern gearbeitet wird, also auch Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, IT-Departments, M&A Boutiquen etc. Es wurde schnell klar, wie mächtig eine solche Lösung aufgrund der gewonnenen Daten werden kann und wo die Reise für consalio hingehen könnte. Die Herausforderung war, daraus die Prioritäten für die Funktionalitäten abzuleiten und diese konsistent abzuarbeiten. Oftmals waren wir selbst so begeistert von einem neuen Feature und mussten uns gegenseitig bremsen, um erstmal eine Sache fertig zu stellen, sie testen zu lassen und basierend auf dem Feedback weiterzuentwickeln.

4. Kunden

Uns war wichtig, so früh wie möglich mit „echten“ Daten zu arbeiten und das Feedback von den Kunden zu erhalten, um das Produkt zu entwickeln. Nur dann kann man auch beweisen, dass es sich um ein relevantes Problem handelt und die verschiedenen Anwendungsfälle bedient werden können. Für Investoren ist ein stetig wachsender Kundenstamm essentielles Kriterium, um in ein Start-up zu investieren. Mit den ersten Kunden im Gepäck laufen die Gespräche mit Investoren und potenziellen Neukunden um einiges leichter. Vielleicht aber auch deshalb, weil man selbst an Selbstvertrauen gewinnt und einen besseres Verständnis für die Anforderungen der Kunden hat.

Was ist das Besondere an consalio, wie unterscheidet sich deine Lösung von anderen?

Wir haben consalio entwickelt, um die Fachabteilungen zu unterstützen, also diejenigen, die mit den Beratern, Agenturen, Kanzleien inhaltlich tagtäglich arbeiten. Bisherige Lösungen fokussieren sich meisten auf den Einkauf oder das Controlling, sind aber für die Fachabteilungen nicht zugänglich oder nur schwer zu bedienen und liefern aufgrund der Datenquellen immer die ex-post Sicht (also idR. nach Rechnungszahlung). Durch eine Übermittlung der „work-in-progress“ Daten direkt von den Beratern und noch vor Abrechnung sind wir in der Lage, ein Echtzeit Bild abzuliefern und die Freigabe direkt in consalio abwickeln und nachhalten zu können. Auf diese Weise unterstützen wir Unternehmen dabei, die Effizienz der Beratungsleistungen zu verbessern und durch die automatisierten Prozesse Zeit zu gewinnen für das Wesentliche.

Wer sind deine Kund*innen bzw. wo kommt deine Lösung zum Einsatz?
Das Spannende ist, dass die fehlende Kostentransparenz bei Beratungsprojekten in sehr vielen Bereichen besteht: im Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, M&A sowie IT Abteilungen – im Prinzip überall, wo mit externen Beratern und Dienstleistern gearbeitet wird.

Unsere Kunden sind also Abteilungsleiter*innen aus den Bereichen Recht, Steuern, Marketing, IT mittelständischen und großen Unternehmen, die Budgetverantwortung haben und Transparenz über die Beratungen, Kanzleien oder Agenturen in ihren jeweiligen Abteilungen benötigen. Oftmals sind es aber auch die CFO-Offices, die einen Gesamt-Überblick über sämtliche Dienstleister im Unternehmen haben möchten. Beides können wir bedienen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Pläne und To-do's?

Wir haben Ende letzten Jahres das Produkt zur Marktreife gebracht und gehen nun aktiv in die Vermarktung. Das ist für uns ein spannender Punkt, denn jetzt zeigt sich, in welchen Bereichen der Nutzen von consalio am größten ist und wo wir künftig den Fokus legen werden. Interessanterweise ist das Feedback auch von der Beratungs-Seite sehr positiv, da eine vereinfachte Leistungsfreigabe dazu führt, dass die Rechnungen vom Kunden schneller bezahlt werden. Das eröffnet uns natürlich viele spannende Ansatzpunkte für Kooperationen mit Beratungen, Agenturen und Kanzleien.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Bei einer Unternehmensgründung gibt es noch keine Prozesse, man fängt bei Null an und muss alles selbst aufbauen. Und es gibt keine Budgets für Berater. Für jemanden, die wie ich aus dem Konzern kommt, war das schon eine Umstellung. Was mir dabei geholfen hat und was ich mir jeden Tag vor Augen halte ist ein Satz von Desmond Tutu: „There is only one way to eat an elephant: a bite at a time.“ Das Ziel sollte man immer vor Augen haben, aber es hilft, sich den Weg dahin in kleine Etappen zu verpacken und auch nur bis zur nächsten Etappe zu schauen. Dann wird der Rückblick umso mehr Spaß machen, wenn man sieht, was man schon alles geschafft hat.

Hier geht's zu consalio

Das Interview führte Hans Luthardt

CamperBoys sichern sich Millionenbetrag zur Expansion

Der Helvetia Venture Fund erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Campervermietung CamperBoys und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

CamperBoys entsprang 2016 nicht nur dem Freiheitsdrang der beiden Gründer Andreas Mall und Paul Pizzinini, sondern auch ihrem Wunsch, die unvergesslich individuellen Reisemomente des Vanlifes für mehr Menschen zugänglich zu machen. Aus einem Traum und einem alten Wohnmobil wuchs schnell ein vielfältiges Team voller Tatendrang und eine Flotte aus 700 Fahrzeugen, die an sechs Standorten in Deutschland mietbar sind. Mithilfe von intern entwickelten Software-Tools setzt das junge Team Maßstäbe in der digitalen Customer Journey und erleichtert seinen Kund*innen zudem mit einem persönlichen Routenservice die Reiseplanung.

“Mit der Beteiligung an CamperBoys investiert der Helvetia Venture Fund in einen bei der Kundschaft sehr beliebten Anbieter für Camper-Miete im deutschen Markt und erhält so die Chance, aus erster Hand mehr über die sich verändernden Bedürfnisse von Urlaubern und ihre Freizeitaktivitäten, die sich während der Pandemie noch stärker und schneller gewandelt haben, zu lernen”, erklärt Stefano Saeger, Principal bei Helvetia Venture Fund.

Aus Sicht des Gründer-Duos war das Investment des Helvetia Venture Fund auch auf persönlicher Ebene ein Volltreer: “Eine freundschaftliche, wertschätzende und dennoch sehr ambitionierte Unternehmenskultur ist der wesentliche Treiber für den Erfolg von CamperBoys. Mit dem Helvetia Venture Fund konnten wir einen starken Partner gewinnen, der diese Werte teilt und uns mit seinem langfristigen Horizont begleiten kann.”

Mit den neuen Mitteln will CamperBoys die Expansion in neue Städte und den Ausbau des Produktportfolios vorantreiben. Sowohl in Frankfurt als auch in Weilheim an der Teck werden bald weitere Standorte eröffnet. Zudem werden die ersten Elektrocamper in die Flotte aufgenommen: Der VW ID Buzz mit eingebauter Campingaustattung soll neue Möglichkeiten für nachhaltigeres Reisen eröffnen.

Bavarian Airlines: 18-jähriger Gründer Adem Karagöz im Interview

Adem Karagöz ist mit gerade einmal 18 Jahren Co-Gründer der Fluggesellschaft Bavarian Airlines mit Sitz in München. Wir haben genauer nachgefragt.

Eine Story sorgte dieser Tage nicht nur in der StartingUp-Community aus mehreren Gründen für Diskussionsstoff: Der 18-jährige Adem Karagöz gründet in München die auf Business-Kurzstreckenflüge fokussierte Bavarian Airlines. Noch dieses Jahr will er durchstarten. Wir haben im Interview unter anderem nachgefragt, ob sein Alter ein Thema ist, wie er an das Kapital gekommen ist und was er auf Kritik zum „Klimakiller Kurzstreckenflug“ entgegnet.

Andere 18-jährige Gründer bauen eine App. Woher nimmt man mit 18 das Know-how, eine Fluggesellschaft zu gründen?

Ich habe viele Freunde, die im Aviation-Bereich arbeiten. Ich habe mich immer für Flugzeuge interessiert und war früher selbst Segelflieger. Ich habe dann gesehen, dass der Service von europäischen Airlines in der Business und Economy Class relativ schwach ist und dachte, ich kann das vielleicht verbessern und eine Airline mit gutem Service und gutem Sitzkomfort gründen.

Ich hake nochmal beim Thema Alter nach. 18 ist sehr jung, um eine Airline zu gründen. Sie müssen ja auch Verhandlungen führen, wenn es etwa um Lizenzen geht. Kann Ihr Alter da zum Problem werden?

Bislang gab es bei den Gesprächen, die wir führen, kein Problem mit meinem Alter. Der Businessplan stimmt, die Dokumente stimmen, die Analysen stimmen. Das ist alles geprüft und so lange das alles passt, sind unsere Partner unabhängig von meinem Alter sehr zuversichtlich.

Sie sind erst vor einigen Tagen mit Bavarian Airlines an die Öffentlichkeit gegangen. Was bekommen Sie seitdem für Feedback?

Wir sehen sehr viel positives Feedback in den sozialen Medien. Es gibt aber auch etwas Kritik an uns, vor allem an unseren Plänen, unserer Rechtsform und unserer Organisation. Die Kritik ist aber sehr unübersichtlich, weil sie sich vielfach auf Dinge bezieht, die noch nicht veröffentlicht wurden, etwa die Routenplanung. Wir haben erste Routen angekündigt, die dann kritisiert wurden. Dabei ist der tatsächliche Routenplan noch nicht veröffentlicht.

Sie sprechen von „wir“. Im Impressum auf der Bavarian Airlines-Seite stehen neben Ihrem noch drei weitere Namen. Wer sind die anderen und wie ist das Team zustande gekommen?

Mein Mitgründer ist Natanel Pretzel. Ich hab ihn vor einiger Zeit kennengelernt und er kennt sich auch im Aviation-Bereich aus. Wir haben Bavarian Airlines gemeinsam gestartet und dann den restlichen Vorstand gebildet. Es sind alles Leute, die in ihren Fachbereichen, etwa Finanzen oder Marketing, sehr erfahren sind.

Und wie haben Sie diese kennengelernt?

Durch Kontakte.

In anderen Interviews haben Sie gesagt, dass Sie bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Funding aufgestellt haben. Wie haben Sie das so schnell geschafft? Anderen Jungunternehmen fällt das sehr schwer.

Das Geld setzt sich zusammen aus Eigenkapital von mir und den restlichen Gründungsgesellschaftern sowie Investments.

Darf man Namen von Investor*innen erfahren?

Die darf ich aktuell nicht nennen. Wir haben diesbezüglich ein NDA unterzeichnet.

Warum die Namenswahl Bavarian Airlines? Man könnte kritisieren, dass das etwas provinziell klingt …

Wir wollten jedenfalls München als Hub nehmen. Weil es früher einmal die Bavaria Air gab, mit der die Kund*innen relativ zufrieden waren, wo auch der Komfort gut war, wollten wir da anknüpfen. Wir wollten das mit dem gleichen Komfort neu aufsetzen. Wir stehen aber in keinerlei Zusammenhang mit den ehemaligen Gründern und Geschäftsführern der Bavaria.

Ein großer Kritikpunkt nach der ersten Berichterstattung zu Bavarian Airlines war, dass Kurzstreckenflüge gemeinhin als Klimakiller gelten. Sie betonen, dass sie nachhaltig arbeiten werden. Wie soll das geschafft werden?

Durch Sustainable Aviation Fuel. Das ist eine neue Art von Treibstoff, die es ermöglicht, um bis zu 80 Prozent klimafreundlicher zu fliegen. Über Kompensationszahlungen wollen wir dann gänzlich klimaneutral werden. Ob wir es schaffen werden, klimaneutral zu werden, kann ich aber noch nicht sagen.

Kritiker*innen meinen, einige der kolportierten Routen würden sich mit dem Auto oder Zug nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch angenehmer zurücklegen lassen, alleine weil es am Flughafen so lange Wartezeiten gibt. Was sind die Vorteile des Fliegens auf diesen Strecken?

Man kann sich im Flug, ähnlich wie im Zug, voll konzentrieren. Ein großer Vorteil ist die Geschwindigkeit. Zu Tages-Randslots sind insgesamt weniger Reisende unterwegs, dafür mehr Personen, die geschäftlich reisen. Da braucht man höchstens eine halbe Stunde für den Security Check, und den Check-in kann man zuvor online machen. Das bedeutet, dass man nur ein bis eineinhalb Stunden vor Abflug da sein muss.

Einige Routen sind auch nur für Transit-Passagiere gedacht. Die Route München-Frankfurt ist relativ unvorteilhaft mit dem Zug. Mit uns ist man dann schon direkt am Flughafen und muss nicht erst vom Bahnhof dorthin.

Sie haben sicher noch große Pläne. Wo soll die Bavarian Airlines in zehn Jahren stehen?

Bis dahin wollen wir expandieren, größere Flugzeuge anmieten und weitere Ziele anfliegen. Ich möchte noch nichts Konkretes dazu sagen, aber wir haben bereits genaue Pläne erstellt, wo die Reise hinführt.

Das heißt, Sie können auch noch nicht sagen, ob später auch Langstreckenflüge geplant sind?

Nein, das kann ich noch nicht sagen. Das wird sich in Zukunft zeigen.

Das Interview führte Dominik Perlaki

Aufweichung europäischer Datenschutz-Standards befürchtet

Gaël Duval, Begründer des Google-freien Android-Betriebssystems e/OS/ und des datenschutzfreundlichen Smartphoneherstellers Murena, sieht anlässlich des europäischen Datenschutztages am 28. Januar die Gefahr einer Aufweichung der hohen Datenschutz-Standards in Europa.

“In den vergangenen Monaten haben die Versuche zugenommen, die hohen Standards, mit denen sich Europa zurecht von Ländern wie den USA unterscheidet, infrage zu stellen. Den Anlass lieferte zum Beispiel die konsequente Linie der deutschen Datenschutzkonferenz (DSK), Microsoft 365 und Dienste wie Microsoft Teams als nicht rechtssicher zu bewerten. Die Empörung von “Big Tech” wurzelt in der Sorge um das eigene Geschäftsmodell, sollte uns als Gesellschaft aber nicht in Versuchung bringen, solchen Forderungen nachzugeben. Es sind die Hersteller, die sich bewegen müssen, nicht die User.”

Microsoft reagierte im Dezember mit einer deutlichen Stellungnahme auf die Bewertung der DSK und warf dem Gremium vor, Datenschutz zu einem “dogmatischen Selbstzweck” zu machen. “Einige Datenschutzbehörden in Deutschland scheinen die DSGVO übermäßig risikoscheu und die Pflichten von Verantwortlichen ausufernd auszulegen”, heißt es in der Stellungnahme, die auch die Digitale Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland direkt mit dem Datenschutz in Verbindung bringt.

“Anstatt Mandatsträger mit solchen Szenarien zu verschrecken, sollten die Hersteller den Datenschutz als Tatsache akzeptieren und mit eigener Innovation darauf reagieren. Es gibt – abseits von kommerziellen Interessen – einfach keine rational nachvollziehbaren Gründe, personenbezogene Daten unanonymisiert in Rechenzentren jenseits des Atlantiks zu verarbeiten – das ist der Kern des Problems.”

Als weiteres positives Beispiel nennt Duval neben der deutschen DSK die Entscheidung des französische Bildungsministers, Schulen den Einsatz der kostenlosen Edu-Versionen von Office 365 und Google Workspace zu untersagen, solange sie nicht in Einklang mit EU-Recht stehen: “Deutschland und Frankreich untermauern mit solchen Entscheidungen das Bekenntnis zum “dritten Weg” Europas zwischen Silicon-Valley-Sorglosigkeit und chinesischen Datenautoritarismus. Datenschutz ist ein europäischer Wert, auch im globalen Wettbewerb.”

Über Gaël Duval:

Gaël Duval, Gründer und CEO von Murena (2018 gegründet), widmet sich seit über 25 Jahren der Entwicklung freier und quelloffener Software. Mit Mandrake Linux (aus dem später Mandriva Linux wurde), schuf er 1998 die erste Linux-Distribution, die sich auf den Desktop konzentrierte und zu einer weltweit genutzten Windows-Alternative wurde. Mandriva ging im Jahr 2001 an die Börse. Zwischen 2006 und 2014 war er CEO und CTO eines Start-ups namens "Ulteo", das B2B-Softwarelösungen zur Desktop-Virtualisierung entwickelte. Ulteo wurde schließlich 2014 von einem größeren Konzern übernommen. Ende 2017 gründete Gaël Duval das mobile Betriebssystem /e/OS mit der Idee, "Smartphones von Google und Apple zu befreien". /e/OS ist ein datenschutzorientierter Fork des Android Open Source Project mit einer Reihe von Online-Diensten, die die persönlichen Daten der Nutzer*innen schützen. Im Jahr 2018 gründete Duval die e Foundation, die /e/OS unterhält, und MURENA SAS, ein privates Unternehmen, das die Smartphones vertreibt.

Praxisleitfaden: (Aus-)Gründungen an deutschen Universitäten

Orrick zeigt in seinem Praxisleitfaden OLNS#10, was bei (Aus-)Gründungen an deutschen Unis zu beachten ist und wie sich hierbei rechtliche Fallstricke vermeiden lassen.

Orrick wurde in der Bay Area gegründet und ist eine der weltweit führenden Technologiekanzleien. Der Praxisleitfaden soll Gründer*innen und Universitäten dabei helfen, universitäre Spin-offs auf den Weg zu bringen und dabei kostspielige rechtliche Fehler zu vermeiden. Das Ziel ist es, dass die Gründerinnen und Gründer mehr Zeit für die Entwicklung ihres Unternehmens haben und Universitäten möglichst viele erfolgreiche Start-ups hervorbringen.

Bei der Vorbereitung von OLNS#10 stützte sich das internationale und interdisziplinäre Orrick-Team auf die Erfahrung aus der weltweiten Beratung von mehr als 3.700 VC-finanzierten Unternehmen und mehr als 90 Unicorns sowie den aktivsten Fonds, Corporate-Investoren und börsennotierten Technologieunternehmen.

Der Guide gibt praktische Ratschläge zu folgenden Themen:

Die Gründungsphase

  • Zusammensetzung des Gründungsteams und Verteilung der Anteile
  • Struktur des ersten Cap Table
  • Steuerlich getriebene Holdingstrukturen (einschl. zweistufiger US/deutscher Doppelstockstrukturen)

Einbringung des universitären IP in das Start-up

  • Vollerwerb vs. Lizenzierungsmodelle (einschl. üblicher Lizenzbedingungen)
  • Einräumung einer echten oder virtuellen Beteiligung am Start-up als Teil der Gegenleistung

Finanzierung von Spin-offs

  • Finanzierungsprozess von Pre-Seed bis Post-IPO
  • Wann ist Venture Capital nicht das Richtige?
  • Besonderheiten bei Corporate-Investoren

und vieles mehr, einschließlich einer Checkliste für die Nachgründungsphase und einem Crashkurs zu den relevanten IP-Basics.

Der mehr als 160 Seiten umfassende Guide kann kostenlos hier abgerufen werden.

Lea-Sophie Cramer: Die Entrepreneurin und Tech-Expertin wird Industry Advisor bei KKR

Lea-Sophie Cramer wird ihre unternehmerische Expertise und ihr Netzwerk einbringen und KKR sowie ausgewählte Portfoliounternehmen bei der Identifizierung und Bewertung neuer Investitions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten unterstützen.

KKR, ein weltweit agierender Investor, hat Lea-Sophie Cramer zur Industry Advisor für das Private-Equity-Team ernannt. Damit baut KKR seine Expertise im europäischen E-Commerce- und Technologiesektor weiter aus. Zu den globalen Tech-Investitionen von KKR zählen unter anderem Investitionen in Cegid, Exact Software, Darktrace, Onestream und Box. In der DACH-Region investiert KKR seit über 20 Jahren vor Ort, vor allem durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Axel Springer, Contabo, Körbers Supply-Chain-Software-Geschäft, Scout24 Schweiz und SoftwareOne.

In ihrer Funktion wird Lea-Sophie Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen, um KKR bei Investitionsmöglichkeiten zu beraten und ausgewählte Portfoliounternehmen bei internationalen Wachstumsstrategien unterstützen.

Die Unternehmerin und Investorin Lea-Sophie Cramer gehört zu den prominentesten Vertretern der Start-up-Szene in Deutschland. Nachdem sie das Asiengeschäft von Groupon leitete, gründete sie im Jahr 2013 Amorelie. Unter ihrer Führung wurde Amorelie zu einem der führenden E-Commerce-Unternehmen und digitalen Brands für das Liebesleben und trug so zum Wachstum und der Neupositionierung einer ganzen Branche bei. Amorelie wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und Lea- Sophie Cramer gab 2019 ihre Position als CEO des Unternehmens ab.

Lea-Sophie Cramer ist als Business Angel aktiv und investiert in Venture Capital Fonds. Sie gehört zu den führenden Stimmen für moderne Führung und digitale Innovation. Im Jahr 2022 gründete sie die „10 More In“ Akademie, die ein digitales, modernes Führungsprogramm für Frauen anbietet. Cramer war Mitglied im Beirat von Amorelie und im Verwaltungsrat von Conrad Electronic. Darüber hinaus ist sie derzeit aktives Mitglied im Verwaltungsrat des Schweizer Fotoproduktunternehmens Ifolor Group.

In ihrer Rolle als Industry Advisor bei KKR wird Lea in den Verwaltungsrat des KKR- Portfoliounternehmens Wella Company einziehen, einem der weltweit führenden innovativen Beauty- Unternehmen. Als Non-Executive Board Director wird sie ihr Fachwissen bei der Entwicklung von E- Commerce-Lösungen, dem Aufbau nachhaltiger und innovativer Verbraucher- und Fachhandelsmarken und der Unterstützung des Unternehmens bei der Beschleunigung seines übergeordneten Wachstumsplans einbringen. Darüber hinaus wird Cramer ihr Wissen über den deutschsprachigen Konsumgütermarkt, einem der größten und wichtigsten Märkte für Wella Company, einbringen. Seit KKR vor zwei Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an Wella Company übernahm, hat das Unternehmen als führender Anbieter von professionellen und Einzelhandelsprodukten für Haare, Nägel und digitale Schönheitstechnologien seinen Marktanteil weltweit erheblich gesteigert. Gleichzeitig hat Wella Company kontinuierlich in die Bereiche Nachhaltigkeit, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion investiert und diese Aspekte in den Mittelpunkt seines Handels gestellt. Das Unternehmen hat vor kurzem sein erstes ESG-Manifest veröffentlicht, in dem es seinen langfristigen Plan für Menschen, Planet und Produkte darlegt, der unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen, nachhaltige Produktionsabläufe sowie Produktinnovationen für eine saubere und umweltfreundliche Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Lea-Sophie Cramer: „Seit 15 Jahren widme ich mich dem Aufbau innovativer und kundenorientierter Marken in der deutschen Tech- und Start-up-Szene. KKR investiert in strategische Partnerschaften mit Gründern, Unternehmern und Managementteams und unterstützt deren Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb freue ich mich sehr, meine Expertise für KKR und die Portfoliounternehmen einzubringen. In den Verwaltungsrat eines Unternehmens wie Wella Company mit seinen ikonischen Marken berufen zu werden ist eine großartige Chance. Die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Annie Young-Scrivner ist beeindruckend und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und dem gesamten Team.“

Philipp Freise, Partner und Co-Head of European Private Equity bei KKR, kommentiert: „Wir bei KKR freuen uns sehr, Lea in unserem Team begrüßen zu dürfen. Mit ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz als Unternehmerin und ihrem Status als Vorbild für Gründer und Gründerinnen in ganz Europa bringt sie einen großen Erfahrungsschatz in unser Unternehmen ein. Gerade mit Blick auf den Technologiesektor, in dem wir unsere Aktivitäten global weiter ausbauen, verfügt Lea über herausragende Expertise. Sie hat wiederholt gezeigt, dass sie diverse Teams erfolgreich leiten kann und ein Talent für Innovationen hat. Auf unserer Mission, in Unternehmen zu investieren, die die digitale Transformation vorantreiben, werden wir von Leas Expertise extrem profitieren.“

Health-Tech-Start-up PraxisEins schließt siebenstellige Seed-Finanzierung ab

Das 2022 von Benjamin Langer und Vincent Sternberg gegründete Health-Tech-Start-up PraxisEins erhält in einer Seed-Finanzierungsrunde einen mittleren siebenstelligen Betrag, um Hausärzt*innen durch digitale Lösungen und Prozessoptimierung zu entlasten.

PraxisEins hat sich zum Ziel gesetzt hat, das deutschlandweit drohende Versorgungsvakuum im hausärztlichen Bereich zu lösen. Weil die hausärztliche Versorgung für die junge Ärztegeneration kaum noch attraktiv ist, bleiben hausärztliche Kassensitze immer häufiger unbesetzt. Insbesondere die hohe administrative Arbeitslast sowie ein Mangel an Work-Life-Balance wirken abschreckend und hindern Hausärztinnen und Hausärzte daran, sich auf die Patientenbehandlung zu konzentrieren.

Um dieses Problem zu lösen, unterstützt PraxisEins Hausarztpraxen mittels Software und Prozess-Know-how. Dabei hilft das Team beim Prozessmanagement, dem Recruiting und dem betriebswirtschaftlichen Management und entlastet so aktiv das medizinische Personal.

Mit den frischen Finanzmitteln aus der Finanzierungsrunde will das Frankfurter Start-up seine Software-Lösung weiterentwickeln und neue Praxen in das unterstützte Netzwerk aufnehmen. Hierfür baut PraxisEins das Kernteam in Frankfurt und Düsseldorf aus und eröffnet ein zentral gelegenes Büro in der Mainmetropole.

Neben dem Seed-Investor High-Tech Gründerfonds (HTGF) sind Family Offices und Business Angels aus der Healthcare-Szene investiert - auch Ärztinnen und Ärzte gehören zum Investorenmix.

„Deutschland steht vor einer großen Herausforderung in der ambulanten Versorgung“, so PraxisEins-Gründer Vincent Sternberg. „Ein Großteil der ambulant tätigen Ärzte geht in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand, wodurch ein Versorgungsvakuum entsteht. PraxisEins hilft dabei, dieses Problem zu lösen, indem wir es für junge Ärztinnen und Ärzte einfacher machen, in die ambulante Versorgung einzusteigen. Dabei bieten wir innerhalb unseres wachsenden Netzwerks unterstützter Hausarztpraxen das volle Spektrum an Arbeitsmodellen - von der flexiblen Teilzeitstelle bis zur Praxisteilhabe. Klar ist dabei immer: In von uns betreuten Praxen können sich Ärztinnen und Ärzte auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.”

Gründer*in der Woche: Idana - mehr Patienten-Zeit, weniger bürokratische Medizin

Die Tomes GmbH-Gründer*innen Dr. med. Lucas Spohn, Dr. med. Lilian Rettegi und Jerome Meinke haben 2019 mit Idana ihr erstes Produkt auf den Markt gebracht, welches eine personalisierte, datenbasierte und unbürokratische Medizin ermöglicht. Mehr dazu im Interview mit Co-Founderin Lilian.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Co-Foundern auf die Idee zu Idana gekommen?

Mein Kollege Lucas Spohn und ich haben bei unserer Arbeit als Ärzte immer wieder festgestellt: Das größte Problem ist die fehlende Patienteninformation bei mangelnder Zeit. Du kennst das bestimmt: Man sitzt beim Arzt, das Personal ist gestresst, man warten lange und wenn man dann endlich dran ist, hat man kaum Zeit, die eigenen Beschwerden zu schildern. Das erweckt den Eindruck einer schlechten Organisation, was sich für beide Seiten schlecht anfühlt. Als Arzt oder auch als MFA gewöhnt man sich an das Gefühl des Hinterherlaufens.

Lucas Spohn und ich finden es großartig, Menschen zu versorgen. Wir waren uns aber auch einig: So wie sich der Praxisalltag darstellt, wollen wir nicht in den Beruf einsteigen. Gemeinsam mit unserem dritten Gründer und CTO, dem Softwareentwickler Jerome Meinke, haben wir uns 2016 deshalb das Ziel gesetzt, ein Tool zu entwickeln, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in ihrem ärztlichen Arbeitsalltag unterstützt.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung der Tomes GmbH im Jahr 2016 bis zum ersten fertigen Produkt im Jahr 2019?

2016 starteten wir drei Gründer das Abenteuer Idana mit der Entwicklung eines Prototyps. Obwohl unser erstes Minimum Viable Product noch eine Standalone-Lösung mit ausschließlich lokal verfügbaren Patientendaten war, hat es in der Praxis schon ordentlich Nutzen gestiftet. Damit war klar: Idana würde einen Bedarf decken. Also war der nächste Schritt, ein voll in die Praxisprozesse integriertes, cloudbasiertes Produkt auf den Markt zu bringen. Dafür fokussierten wir uns 2018 auf drei Dinge: Die Programmierung der Schnittstelle für die Integration in die gängigen Praxisverwaltungssysteme, die Entwicklung der sicheren Patientencloud durch eine einzigartige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Etablierung der ersten Marketing- und Vertriebskanäle. Und 2019 war es dann so weit: Idana kam auf den Markt.

Welche Rolle hat dabei das sensible Thema digitale Verarbeitung von Patientendaten gespielt? Die größte Hürde in der Projektentwicklung?

Aufgrund der besseren Skalierbarkeit, der vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten und auch der höheren Sicherheit, war es für uns von Anfang an klar: Wir bauen Idana als Cloudprodukt. 2017 war das Thema Patientendaten in der Cloud aber noch sehr heikel. Ärztinnen und Ärzte hatten bis dato keinerlei Kontakt mit der Cloud in ihrem Praxisalltag. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Demos, die immer damit endeten, dass das Produkt super sei, aber ob wir nicht auch eine OnPremise-Lösung anbieten. Wir haben daher viel Zeit und Ressourcen in die Entwicklung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnologie fließen lassen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Ein externer Datenschutzanwalt hat uns bei dem Prozess unterstützt.

Dennoch war es zu Beginn mühsam, Ärztinnen und Ärzte von der Cloudlösung zu überzeugen. Heute ist die Cloud mehr etabliert, sogar einige Praxisverwaltungssysteme bieten eine Cloud-Version an. Arztpraxen entscheiden sich mittlerweile sogar für unser System, gerade weil es cloudbasiert ist und dadurch über Funktionen verfügt, die den größten Mehrwert stiften.

Wie habt ihr den Start und die lange Entwicklungsphase finanziell gestemmt?

Die Initialzündung war das EXIST-Gründungsstipendium vom Bundeswirtschaftsministerium, das wir 2016 für unsere Idee erhalten haben. Damit konnten wir ein Jahr lang einen Software-Prototypen entwickeln und erste Tests durchführen. Zudem haben wir im gleichen Jahr bei einigen Startup-Wettbewerben gewonnen und haben die Innovationsgutscheine High Tech vom Land Baden-Württemberg erhalten. Den größten Boost für unsere Bekanntheit im ärztlichen Markt gab es 2018 durch den zweiten Platz beim KBV-Zukunftspraxis-Projekt der kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Zusammen mit unserer ersten großen Finanzierung über die Crowdinvesting Plattform Companisto, bei der wir 500.000 Euro eingesammelt haben, konnten wir 2019 den Markteintritt realisieren. Seitdem haben wir aus verschiedenen Quellen insgesamt fünf Millionen Euro an Kapital erhalten und mittlerweile einen Beirat sowie erfahrene Investorinnen und Investoren an unserer Seite. Parallel wurden wir immer eng von Fachleuten in strategischen, finanziellen, vertrieblichen und Management-Fragen gecoacht.

Nun zu Idana: Was ist das Besondere an eurer Softwarelösung und wie kommt diese der ärztlichen Versorgung bzw. dem Arzt-Patienten-Verhältnis zugute?

Ärztinnen, Ärzte und ihr Praxispersonal sind medizinisch sehr gut ausgebildet. Aber ihnen fehlt die Zeit, den Beruf so auszuüben, wie sie es gern möchten. Für eine gute Versorgung plus saubere Dokumentation braucht es eigentlich 20 bis 30 Minuten pro Patientenbesuch – im Schnitt sind es aber nur acht Minuten. In dieser kurzen Zeit muss dann alles geschehen: Informationsbeschaffung, Diagnose, Therapiebesprechung, Dokumentation.

Wir haben daher eine Software entwickelt, die relevante Informationen im Vorfeld direkt beim Patienten erhebt. Sie können zu Hause in aller Ruhe alle wichtigen Hinweise zu ihrem Zustand eingeben, und die medizinisch fundierten Folgefragen unsere intelligenten Fragebögen beantworten. Gerade für Menschen mit Sprachbarrieren und ältere Personen ist es enorm hilfreich, wenn sie genügend Zeit haben, über alle Symptome nachzudenken und diese lückenfrei ihrem Arzt mitteilen zu können. Außerdem können sie Einverständniserklärungen und andere Formulare ergänzen. Die Arztpraxis hat dann alle relevanten Infos schon vor dem Patientengespräch.

Für wen bzw. welche Praxen ist Idana geeignet?

Idana ist für alle Arztpraxen geeignet, die erkannt haben, dass gute Medizin bereits bei einer strukturierten Patientenaufnahme beginnt. Vielleicht haben sie schon erste Prozesse installiert, um die Patientenaufnahme für beide Seiten angenehmer zu gestalten, z.B. über Online-Terminvergabe, PDF-Formulare auf der Website oder Papier-Fragebögen in der Praxis. Unsere Praxen sind offen gegenüber Digitalisierung und nutzen diese möglicherweiße schon effizient in ihrem Praxisalltag, wissen aber auch, dass die Prozessumstellung Zeit kostet und sind bereit, diese zu investieren. Für unsere Anwender steht der Patient im Mittelpunkt und sie wollen sicherstellen, dass das Gespräch und die Behandlung trotz wenig Zeit von hoher Qualität und zielführend ist. Insgesamt trifft das heute bereits auf die Mehrheit aller Praxen zu und die Zahl ist steigend. Inhaltlich decken wir die meisten Fachrichtungen ab, kürzlich haben wir auch die Radiologie sehr erfolgreich erschlossen.

Die Digitalisierung in der Medizin steckt hierzulande ja noch eher in den Kinderschuhen. Was sind eure weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?

Stimmt, die Digitalisierung in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern eher noch in den Kinderschuhen. Aber ich möchte meine Kolleginnen und Kollegen in Schutz nehmen: In den vergangenen Jahren wurde viel Nonsens-Digitalisierung in der Ärzteschaft politisch durchgedrückt, die Mehrarbeit aber keinen Mehrwert schafft. Das führte zu einer Digitalisierungs-Ermüdung. Wir merken, die Bereitschaft zum Einsatz von digitalen Tools im Praxisalltag ist durchaus groß – vorausgesetzt, sie machen die täglichen Prozesse einfacher, sicherer und zielführender. Dass Idana diese Bedingungen erfüllt, daran arbeiten wir tagtäglich.

So haben wir bis heute fast eine Million digitale Patientenaufnahmen mit Idana durchgeführt. Worauf wir besonders stolz sind: Patienten lieben Idana. Fast 400.000 Patientinnen und Patienten haben das Idana-Erlebnis in einer fortlaufenden Umfrage bewertet – im Schnitt mit 4,4 von 5 Sternen und 95 Prozent würden Idana gern noch einmal verwenden. Wir haben bis heute mehrere hundert Arztpraxen als Kunden gewonnen und unseren Kundenstamm im Jahr 2021 fast verdreifacht. Mit der Series A Finanzierung, die wir bis zum Jahresende abschließen und sechs Millionen Euro Kapital einsammeln wollen, planen wir 14.000 Kunden und 20 Million Annual Recurring Revenue bis Ende 2026 zu erreichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen MedizinTech-Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Ein Unternehmen zu gründen ist definitiv nicht für jede(n) etwas. Viele Mitarbeitende fragen mich oft, wie ich nachts schlafen kann, wenn wir wieder eine neue Finanzierungsrunde durchführen müssen, weil uns in wenigen Monaten sonst das Geld ausgeht. Damit muss man leben können, es als Teil der Reise akzeptieren. Ich würde unbedingt empfehlen, sich strategisch, finanziell und im Management viel Rat von erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern einzuholen – schließlich werden wir als Medizinerinnen und Mediziner überhaupt nicht auf das Unternehmertum vorbereitet. Aber mein wichtigster Tipp ist: einfach machen. Das Meiste lernt man auf der Reise. Für meine persönliche Weiterentwicklung ist das Abenteuer, ein Unternehmen zu gründen, unbezahlbar. Ich bereue die Entscheidung keinen Tag.

Hier geht's zu Idana

Das Interview führte Hans Luthardt

100.000 Euro beim 1. Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung vergeben

Das sind die Gewinner des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die Gewinner*innen des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Social Impact gGmbH stehen fest. Drei Start-ups haben mit ihren Präsentationen im Rahmen eines Pitch-Events in Düsseldorf überzeugt und belegen die ersten Plätze. Der Publikumspreis geht an „Über den Tellerrand“ aus Berlin. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die drei erstplatzierten Start-ups überzeugten die Jury mit ihren innovativen, unternehmerischen Ideen und ihrer Präsentation auf der Bühne beim Pitch-Event. Alle acht Teilnehmenden haben gemeinsam, dass sie sich für gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte durch Bildungsangebote im kulturellen Umfeld engagieren.

Die Gewinner*innen:

  • Platz 1: Heartbeat Edutainment, Frankfurt a.M., 40.000 Euro
  • Platz 2: Nyabinghi Lab, Berlin, 30.000 Euro
  • Platz 3: myBuddy, Mannheim, 20.000 Euro
  • Publikumspreis: Über den Tellerrand, Berlin, 10.000 Euro

Das Siegerteam Heartbeat unterstützt mit Hip-Hop-Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Nyabinghi Lab setzt sich für Wandel im deutschen Kulturbetrieb ein und schafft mehr Sichtbarkeit für Perspektiven von Migrant*innen und People of Color.

Der/die Drittplatzierte myBuddy bietet verschiedene niedrigschwellige Formate, um kulturellen Zusammenhalt zu fördern, beispielsweise ein Buddy-Programm und ein jährliches Kulturfestival.

Der Publikumspreis ging an Über den Tellerrand, die niedrigschwellige kulturelle Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte organisieren, zum Beispiel von Migrant*innen geleitete Kochkurse, Tanz oder ein Sprachcafé. Das Social Startup aus Berlin gewinnt damit 10.000 Euro.

Insgesamt wurden Preisgelder in einer Gesamthöhe von 100.000 Euro vergeben. Ausgangspunkt für den Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung ist die grundlegende Überzeugung, dass kulturelle Bildung Türen öffnen und Begegnungen auf neuen Ebenen ermöglichen kann. „Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung bietet sich durch kulturelle Bildung die Chance, stärker an der Gesellschaft teilzuhaben. Deswegen ist es so wichtig, diese Projekte zu unterstützen“, sagt Karol-Monique Westhoff, Geschäftsführerin der Fritz Henkel Stiftung.

EdTech-Start-up Easy-Tutor sammelt 4,8 Mio. Euro ein

Easy-Tutor, 2017 von Massimo Cancellara und Jessica Contento gegründet, bietet Online-Nachhilfe für Schüler*innen aller Klassenstufen.

Der Online-Nachhilfeanbieter Easy-Tutor erhält im Zuge einer Series-A-Finanzierungsrunde 4,8 Millionen Euro. Das frische Kapital kommt vom Bestandsinvestor Bayern Kapital, der sich über seinen Innovationsfonds BKI EFRE erneut beteiligt. Neu investiert ist zudem das 2022 gegründete Münchner Family Office K+K1 rund um den Timify-Gründer Andreas Knürr.

Massimo Cancellara, CEO und Co-Gründer von Easy Tutor: „Vor dem Hintergrund der schleppenden Digitalisierung von Schulen, dem Lehrer*innenmangel und dem Fehlen von Fachkräften zeigt sich, dass das Sicherstellen einer flächendeckend guten und zeitgemäßen Bildung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit ist. Wer heute Veränderung im Bildungsbereich herbeiführen möchte, muss Bildung neu denken.“

Dazu gehört für Easy-Tutor zum einen, den Fokus auf das Individuum zu legen und menschlich auf die jeweiligen Lernbedürfnisse einzugehen. Und zum anderen solle Bildung für alle zugänglich sein. Easy-Tutor stehe genau dafür ein und ergänze diese Faktoren mit dem notwendigen technischen Know-how. „Wir wissen zu schätzen, dass unsere Investoren genau diesem Konzept vertrauen und es mit ihrem Investment honorieren.“ ergänzt Co-Gründerin Jessica Contento.

Das frische Geld nutzt das EdTech, um die eigene digitale Plattform weiterzuentwickeln und das Wachstum voranzutreiben – im deutschsprachigen Raum wie auch im unmittelbaren Ausland ab Mitte 2023. „Dabei ist uns sehr wichtig, nicht um jeden Preis zu skalieren, sondern gesund und nachhaltig zu wachsen. So möchten wir in den kommenden Jahren europaweit zur Anlaufstelle Nummer Eins für Schüler*innen, Eltern und Schulen werden, wenn es um qualitativ hochwertige, digitale schulbegleitende Nachhilfe geht“, erklärt Massimo Cancellara.

Entsprechend investiert Easy-Tutor auch in weitere relevante Partnerschaften, etwa in Kooperationen mit Schulen und Vereinen. Im Moment nutzen etwa 200 Partnerschulen und 40 Prozent aller Bundesligavereine Easy-Tutor in ihrem Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche. Zudem sollen Unternehmen für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, die durch ihre Zielgruppenrelevanz Easy-Tutor mehr Sichtbarkeit und den Kund*innen durch das Nachhilfeangebot einen starken Mehrwert bieten. Seit der Gründung 2017 wächst das Unternehmen nach eigenen Angaben stetig: Mittlerweile kümmern sich über 40 Mitarbeiter*innen um die etwa 12.000 Schüler*innen der Plattform.

Erste Kernfusion per Laserzündung mit Nettoenergiegewinn

US-Wissenschaftler haben erstmals eine Kernfusion per Laserzündung mit einem Nettoenergiegewinn erzeugt. Dies ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer sicheren, sauberen und schier unerschöpflichen Energieerzeugung. Focused Energy, ein dt.-amerikanisches Start-up, mischt bei dem innovativen Thema kräftig mit.

Die Fusionsreaktion in Livermore/USA erzeugte rund 2,9 Megajoule Energie, was etwa 140 Prozent der 2,1 Megajoule Energie in den Lasern entspricht. Die genauen Bilanzwerte werden noch ausgewertet. „Für die meisten von uns war es nur eine Frage der Zeit, dass dieser nächste Meilenstein erreicht wurde“, so Prof. Markus Roth und Prof. Todd Ditmire, beide Mitgründer von Focused Energy und Wissenschaftler, die die Laseranlage in Livermore entscheidend mitentwickelt haben.

Focused Energy, das 2021 von der TU Darmstadt ausgegründete deutsch-amerikanische Start-up, setzt ebenfalls auf die laserbasierte Kernfusion und den gleichen Brennstoff Deuterium und Tritium, wie er in Livermore verwendet wurde.

Viele der Wissenschaftler, die diesen Erfolg in Livermore mitbegründet haben, arbeiten mittlerweile für Focused Energy. Das Start-up hat seinen Sitz in Darmstadt und in Austin/Texas und nutzt die in den vergangenen 30 Jahren in der Fusionsforschung gesammelten Erfahrungen seiner Gründer gepaart mit der Schnelligkeit eines jungen deutsch-amerikanischen Unternehmens und privaten Investitionen, um die laserbasierte Fusion zur Marktreife zu bringen und den weltweiten Energiehunger zu stillen.

Der Erfolg in Sachen Kernfusion per Laserzündung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Länder mit hohen Energiepreisen und der Notwendigkeit kämpfen, schnell von der Verbrennung fossiler Brennstoffe wegzukommen, um den Klimawandel einzudämmen.

Die Kernfusion ist die einzige Energieform, die bisher noch nicht realisiert werden konnte. Einer ihrer größten Vorteile: Sie ist sicher und es gibt keinen Vergleich zum Schadenspotenzial von Kernkraftwerken, die mit Kernspaltung arbeiten. Kernfusion und Kernspaltung haben nichts miteinander zu tun. Es gibt bei Fusionskraftwerken weder eine unkontrollierte Kettenreaktion noch muss man das Kraftwerk abschalten, wenn irgendwas schiefläuft. Die Kernfusion ist inhärent sicher. Auch wenn mehrere Komponenten ausfallen, bleibt das System ohne erhöhtes Gefahrenpotenzial funktionsfähig.

Weitere Experimente werden folgen. Für Focused Energy ist der Zielhorizont gesetzt. Ab Mitte der 30iger-Jahre soll das erste Fusionskraftwerk ans Netz gehen, so der Plan der Darmstädter.