Gründer der Woche: PURA VIDA – junge Winzer, spritzig-vegane Weine

Gründer der Woche 43/18


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Sie sind Mitte 20, sind Gründer und Jungwinzer aus Rheinhessen: Klara und Simon Müller-Oswald. Bevor sie sich mit ihrer PURA VIDA GbR in Siefersheim selbständig gemacht haben, lernten und arbeiteten die beiden auf den familieneigenen Weinbergen. Heute führen sie gemeinsam das Familienweingut Oswald. Das vegane Label PURA VIDA ist daraus entstanden. Mehr zu den Winzern im Interview mit Klara und Simon:

Klara und Simon Müller-Oswald - Gründer und Jungwinzer aus Rheinhessen. Foto: Andreas Durst

Die Lese ist mittlerweile beendet – seid ihr zufrieden mit dem, was mittlerweile in den Fässern ist und sich zum 18er-Wein entwickelt?

Klara: Der Jahrgang 2018 hat uns vor einige Herausforderungen gestellt, welche wir glücklicherweise gemeinsam meistern konnten. Die warme Witterung in diesem Jahr hat für eine frühe Lese gesorgt. Unserem Qualitätsanspruch folgend sind wir immer bemüht die Trauben kalt in den Keller zu bekommen. So mussten wir bei den andauernden Temperaturen von 30°C tatsächlich in der Nacht den Wein lesen. Außerdem wurde sehr viel Zucker in den Trauben eingelagert – das bedeutet später hohe Alkoholgehalte. Damit wir dennoch einen frischen Weintyp wie PURA VIDA herstellen konnten, haben wir einfach auf den Punkt geerntet. Das ist uns gemeinsam gut gelungen – wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem, was in den Fässern gärt.

Was werden die besonderen Stärken des Jahrgangs 2018 sein?

Simon: Die Weine werden schön fruchtig und vollmundig. Wir haben ausschließlich sehr reife und gesunde Trauben geerntet – mit so einer Grundlage kann ein super Produkt hergestellt werden.

Nun zu euch und PURA VIDA. Ihr stammt beide aus Winzerfamilien. War es da von Anfang an klar, selbst ins Weingeschäft einzusteigen?

Simon: Für mich war es schon immer ganz klar. Bereits als Kind habe ich meinem Onkel so oft es ging in den Weinbergen unterstützt. Ich war in den Ferien lieber im Weingut als im Urlaub. Nach dem Fachabitur habe ich dann mit einem dualen Studium in „Weinbau und Oenologie“ begonnen und konnte nebenbei schon einiges im Weingut bewegen. 2017 habe ich meinem Onkel dann das Weingut abgekauft. Dies ist zwar eine hohe finanzielle Belastung und bringt sehr viel Verantwortung mit sich, aber wir üben mit großer Leidenschaft den Beruf aus und sehen das Weingut als unser Lebenswerk an, in welchem wir uns auch ein bisschen selbst verwirklichen und austoben können.

Klara: Bei mir war es gerade das Gegenteil: Ich war als Kind ehrlicherweise kein großer Fan davon, meine Freizeit im Weinberg verbringen zu müssen. In der Abiturzeit wurde mir allerdings langsam klar, was es bedeutet, ein Weingut in der Familie zu haben und ich beschloss Weinwirtschaft zu studieren. Während verschiedener Praktika vor meinem Studium wurde die Liebe zum Produkt geweckt und ich wollte selbst Wein herstellen. So wurde nichts aus Weinwirtschaft, dafür habe ich dann „Weinbau und Oenologie“ studiert und eine klassische Winzerlehre gemacht – die beste Entscheidung meines Lebens.

Und wann bzw. wie kam es dann dazu, dass ihr zusammen durchgestartet seid? Handelt es sich dabei um eine klassische Familiennachfolge?

Klara: Ich habe während meines Studiums die Chance genutzt immer wieder mit dem Rucksack die Welt zu bereisen und mich auch in Sachen Wein weiterzubilden – z.B. in Neuseeland. Meine Eltern haben mir dafür immer den Rücken freigehalten. 2017 kam dann der große Wendepunkt. Simons Onkel wollte uns sehr unverhofft das Weingut verkaufen in dem Simon groß geworden ist und  schon viel Herzblut hineingesteckt hatte. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch gar nicht so lange ein Paar, mussten aber die Weichen für die Zukunft stellen. Schlussendlich entschieden wir uns für den Kauf obwohl wir wussten, dass es nicht einfach werden wird. Wir haben aber sehr viel Unterstützung durch unsere Eltern und Geschwister. Bei mir zu Hause ist es eine klassische Familiennachfolge. Glücklicherweise haben wir untereinander ein gutes Verhältnis und können so beide Betriebe gemeinsam bewirtschaften und Entscheidungen treffen. Wir starten also alle gemeinsam durch.

Was waren die wichtigsten und ggf. auch schwierigsten Schritte, die ihr am Start zu meistern hattet?

Klara: Wir haben für PURA VIDA unsere eigene gemeinsame GbR gegründet. Das war ein guter und wichtiger Schritt. So stellten wir sicher, dass sich keiner von außen einmischen kann und wir auch unternehmerisch die volle Verantwortung tragen. So eine Betriebsübernahme ist nie einfach, besonders in finanzieller Hinsicht. Aber auch die Verantwortung führt zu einer hohen Belastung. Dadurch, dass wir mit der Natur arbeiten, gibt es viele Arbeitsspitzen – da arbeitet man täglich sehr viel und auch am Wochenende ist genug zu tun. Das ist nicht immer einfach. Wir arbeiten darauf hin, langfristig finanziell stabil und erfolgreich zu sein. Das geht nicht von heute auf Morgen und manchmal ist es auch nicht ganz einfach, wenn man so viel Leidenschaft in etwas steckt und man nicht sofort den Erfolg hat, den man sich erhofft. Rückblickend haben wir aber alles richtig gemacht.


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"Wir üben mit großer Leidenschaft den Beruf aus und sehen das Weingut als unser Lebenswerk an, in welchem wir uns auch ein bisschen selbst verwirklichen und austoben können." Fotos: PURA VIDA; Andreas Durst

Wie habt ihr das finanziell gestemmt? Mit Eigenkapital, Krediten und/oder Fördermitteln?

Simon: Finanziell konnten wir bei der Markenentwicklung von PURA VIDA glücklicherweise auch auf unsere Familien setzen, die uns den Traum ermöglichen wollten und unser Vorhaben auch als Investition in die Zukunft der Weingüter sahen. Trotzdem müssen wir aus der Starthilfe nun selbst etwas machen. Für den Weingutskauf haben wir natürlich auch auf Kredite zurückgegriffen.  

Wie teilt ihr euch die Arbeit am und im Unternehmen auf?

Klara: Jeder von uns hat sein Spezialgebiet. Uns ist es trotzdem sehr wichtig, dass jeder alle Aufgabengebiete kennt und beherrscht. So kümmert sich Simon hauptsächlich um den Außenbetrieb, die Maschinen und Weinberge sowie die Logistik – also das Abfüllen und den Versand der Weine. Ich übernehme die Veranstaltungen und die Büroarbeit sowie ein paar Traktorarbeiten. Darüber hinaus haben wir beide unsere eigenen Weinkeller und kümmern uns jeweils um den Weinausbau. Am Ende verkosten wir die Ergebnisse blind und stellen aus beiden Kellern die Weine zusammen. Alle Entscheidungen treffen wir gemeinsam und jeder von uns könnte den Job des andern übernehmen. Uns ist es wichtig, die tolle Vielfalt unseres Berufes zu erhalten und in jedem Bereich fit zu bleiben.

Und was macht ihr gezielt anders als etablierte, alt eingesessene Winzer?

Klara: Als wir angefangen haben war der Flaschenwein bei uns im Weingut noch nicht stark etabliert. So konnten wir das Sortiment nach unseren Vorstellungen umstellen, die Weinstilistik verändern und mussten an keinen Traditionen festhalten und Dinge tun „weil sie schon immer so waren“. Wir müssen einfach weniger Kompromisse eingehen. So hören wir auch immer wieder, dass man das Herzblut und die Leidenschaft in unseren Weinen schmecken kann. PURA VIDA bedeutet Lebensfreude bei uns, welches sich im Design und Geschmack widerspiegelt.

Wie behauptet ihr euch damit gegen die Etablierten bzw. die vielen ambitionierten jungen Winzer?

Simon: Wir glauben, dass es ganz wichtig ist authentisch zu sein, kontinuierlich gute Weinqualität zu liefern und sich selbst treu zu bleiben. Unser Weingut ist auf Langfristigkeit ausgelegt. So wollen wir lieber eine nachhaltige und dauerhafte Partnerschaft mit Kunden und fangen lieber klein an, als direkt das schnelle und kurzfristige Geld zu machen. Wir springen nicht auf jeden Trend auf, nur um „dabei zu sein“, sondern vertrauen auf unseren Geschmack und stellen Weine her, hinter denen wir voll und ganz stehen. So schafft man nicht nur eine Weinguts-Identität, sondern baut auch eine langfriste Kundenbeziehung auf. Ganz wichtig ist außerdem Geduld. Es dauert eben etwas, bis sich auszahlt, was man tut.

Der Weinkonsum - und insbesondere der Konsum von deutschem Weißwein - steigt hierzulande, das sind gute Voraussetzungen für die junge Winzergeneration. Wie macht ihr auf euch und eure Produkte aufmerksam?

Klara: Die beste Werbung ist persönliche Präsenz vor Ort. So stellen wir unser Produkt auf Fachmessen oder Endverbrauchermessen vor. Jetzt im Herbst findet man uns beispielsweise auf der eat&style in Düsseldorf und Hamburg. Außerdem setzen wir auf unsere Partner in Handel und Gastronomie, die unsere Weine vertreiben. Hier versuchen wir natürlich stetig das Netzwerk auszubauen, um möglichst viele Kunden auch an unsere Partner verweisen zu können. Klassische Werbekampagnen sind vorerst wegen unseres Budgets nicht möglich. Am besten ist aber die klassische Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Qualität und der Geschmack müssen stimmen, dann spricht sich das auch herum. Außerdem ist es manchmal nicht schlecht, ein Geheimtipp zu sein.

Was sind eure unternehmerischen Pläne für die Zukunft?

Simon: Aktuell bauen wir unseren Altbau im Weingut um. Dort wird eine Vinothek integriert, sodass wir auch Veranstaltungen bei uns im Weingut anbieten können. Wir arbeiten stetig an unserem Sortiment, wodurch wir im nächsten Jahr einen neuen Wein bei PURA VIDA vorstellen werden. Natürlich wollen wir auch wachsen, allerdings bedacht und organisch. Wir sind ehrgeizig und arbeiten hart, wollen uns aber kein direktes Ziel setzen, da oft Vieles anders kommt, als man denkt. Aktuell sind wir mit der Entwicklung mehr als zufrieden, so darf es gerne weiter gehen.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Klara: Hört auf euer Herz und bringt Geduld mit. Versucht das Gegenüber zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Alleine wird der Weg noch steiniger als gemeinsam. Lasst euch durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen, schaut nach vorne und gebt nicht auf.

Hier geht’s zu PURA VIDA


Das Interview führte Hans Luthardt


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