Gründer der Woche Pendix - E-Power für alle Bikes

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Die Pendix GmbH aus Zwickau stellt Nachrüst-Antriebe her, die aus konventionellen Fahrrädern moderne E-Bikes machen. Über den E-Bike-Markt, die Hürden und zukünftigen Chancen von Elektro-Mobility bzw. Mikro-Mobility sprechen wir mit CEO und Co-Gründer Thomas Herzog.

Das Pendix-Managementteam

Welche Rolle spielen Zweiräder, insbesondere E-Bikes, als städtisches Verkehrsmittel der Zukunft?

Die Mobilität in den urbanen Ballungsräumen wird sich in Zukunft nicht mehr an den klassischen Dingen wie Komfort, Prestige und Leistung orientieren. Es geht vielmehr um eine bedarfsgerechte Nutzung flexibler Konzepte und nachhaltiger Lösungen. Dabei kann das E-Bike als Zwei- oder Dreirad viele Aufgaben aktueller PKW übernehmen, ohne hohe Emissionswerte oder viel Platzbedarf. So stößt ein aktuelles E-Auto laut Umwelt- und Prognose-Institut 170g CO2 pro Personen-Kilometer aus, während ein E-Bike auf gerade mal 10g kommt. Und die verstopften Straßen wird auch der Wechsel vom Verbrenner zum Elektroantrieb nicht beseitigen können. Allerdings braucht das E-Bike natürlich auch eine Konzepterweiterung, um es zum Beispiel besser gegen Witterungseinflüsse zu schützen. Im Ergebnis werden wir Fahrzeugkonzepte sehen, die kleiner und nachhaltiger sind, die uns in Form von Vehicle-Sharing selbstfahrend entgegenkommen und zu unseren Zielen mitnehmen.

Welches sind die wichtigsten To Do’s, um der Vision Mikro-Mobility zur Realität zu verhelfen?

Es klingt simpel, ist aber in der Umsetzung in Deutschland komplex: ein ganzheitlicher Ansatz der Wirtschaft und Politik. Wir sind in Deutschland sehr automobilfixiert und merken gar nicht, wie schnell sich die Welt um uns verändert. Zwischen der Einführung des Smartphone 2007 und heute liegt nicht viel mehr als eine klassische PKW-Fahrzeuggeneration. Das Smartphone hat unseren Alltag krass verändert, aber der PKW hat sich nur im Detail weiterentwickelt. Wenn Unternehmen wie Google oder Apple mit Nachdruck eine intelligente Mobilitätslösung auf den Markt brächten, wäre es sicher nicht der allradgetriebene, mehrfach turboaufgeladene und dynamische gedämpfte Luxusliner, sondern eher ein kleiner Stadtflitzer, hochvernetzt und selbstfahrend. Dabei spielt das Erlebnis FAHREN für den Nutzer eine untergeordnete Rolle, wichtig ist MOBILITÄT: jederzeit, unabhängig und einfach. Nur wenn wir mit einem ähnlichen Ansatz an das Thema herangehen, werden wir dem radikalen Wandel der Mobilität standhalten, der uns in den nächsten Jahren erreichen wird.

Welche Rolle muss oder sollte hierbei der Staat spielen?

Der Staat kann dabei meines Erachtens nur eine Nebenrolle spielen und die Rahmenbedingungen fixieren. Intelligente Lösungen muss die Wirtschaft selbst entwickeln, diese sollten den Endkunden begeistern und ihn gezielt durch den Wandel führen. Es braucht ja auch keine Smartphone- oder Internetprämie um neue Technologie attraktiv zu machen, die Produkte sprechen für sich. Im Bereich Mobilität muss die Infrastruktur stimmen, in Form von sicheren Fahrspuren für kleinere Verkehrsteilnehmer sowie Lademöglichkeiten unterwegs. Dies muss vom Staat und den Kommunen kommen. Dass diese nicht nur das E-Auto als Allheilmittel sehen, sondern auch anderen Fahrzeugkonzepten Chancen einräumen, versteht sich dabei von selbst.

Sie setzen seit der Gründung von Pendix 2013 auf die Nachrüstung konventioneller Fahrräder – wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Sie stammen ja ursprünglich aus der Automobil-Industrie.Wir haben seit 2010 in der Vorentwicklung für Automobilhersteller und Zulieferer gearbeitet und dabei spannende Elektromobilitätsprojekte bis hin zu kompletten Fahrzeugprototypen umgesetzt. 2012 kam der Auftrag eines Fahrradherstellers, einen Mittelmotor für ein Lastenrad zu realisieren. Dieser Antrieb hatte zwar nichts mit Pendix zu tun, hat uns allerdings stark für den Fahrradmarkt sensibilisiert. Im Ergebnis haben wir dann auf die Wünsche vieler Kunden nach einfacher Integration und Bedienung reagiert und den Pendix entwickelt.

Wie funktioniert Ihre Nachrüst-Innovation? Und wie viel Prozent der am Markt befindlichen Bikes lassen sich damit nachrüsten?

Für die Nachrüstung wird vom Fachhändler das Standardtretlager des Fahrrades gegen ein Messtretlager ausgetauscht, welches wir im Paket mit dem Akku liefern. Anschließend wird der Motor linksseitig davon montiert, der Akku kommt an die Position des Flaschenhalters. Dabei können alle Fahrräder mit einem BSA Tretlager umgerüstet werden, das sind ca. 80 Prozent aller Räder am Markt. Bei Rahmen, Bremsen und Schaltung gibt es nahezu keine Einschränkung, so kann vom Rennrad über Lastenrad und Cityflitzer fast alles mit Pendix ausgerüstet werden.

So sieht der Pendix-Antrieb aus

Ein grundlegendes Problem von Elektro-Mobilität unserer Tage ist die meist noch unzureichende Reichweite der Fahrzeuge. Haben Sie dieses Akku-Problem im Griff?

Das Problem ist im Alltag oftmals nicht die Reichweite, sondern die Art der Nutzer, damit umzugehen. Ein PKW fährt im Schnitt keine 40 Kilometer am Tag, trotzdem schreien alle laut auf, wenn ein einfaches E-Auto nur auf 120 Kilometer Reichweite kommt. Die Angst, für die drei langen Fahrten im Jahr kein geeignetes Fahrzeug zu haben, ist dann die Bremse für den Kauf, mal ganz abgesehen von den höheren Einstandskosten für so ein E-Auto. Beim E-Bike ist es ähnlich und die gängigen Hersteller versuchen sich mit den Reichweiteangaben zu übertreffen, um den Nutzer zu beschwichtigen. Über 90 Prozent der deutschen Radfahrer fahren allerdings unter 14km pro Tag, deshalb haben wir unser System mit einer maximalen Reichweite von 105 km schon mit einer großen Sicherheitsreserve versehen. Trotzdem gibt es Hersteller, die ständig einen drauflegen müssen und Reichweiten bis über 200km angeben. Dies alles wird erkauft mit höherem Gewicht und unnötigen Kosten für den Endnutzer sowie dem Einsatz von wertvollen Ressourcen, die der Radler dann ungenutzt mit sich spazieren fährt, bevor sie in ein paar Jahren wieder verwertet werden müssen.

Seit 2015 sind Sie auf dem Markt. Was waren die bis heute größten Herausforderungen für Ihr Start-up bzw. Produkt?

Zunächst war die größte Herausforderung die Übertragung der Pendix-Prototypen in einen Serienantrieb mit höchsten Qualitätsansprüchen. Das hat viel Energie gekostet, uns aber auch als Gründer bzw. als Unternehmen gestärkt. Dann kam die Zeit der Vermarktung, und wir mussten langes Warten hinnehmen, bis sich erste größere Kunden für den Antrieb entschieden haben. Das ist natürlich nachvollziehbar, weil sich ein neues Produkt erstmal beweisen muss. Nachdem sich Pendix durch hohe Qualität und tollen Service einen Namen gemacht hat, kam der Durchbruch auf dem Markt und wir konnten und können entscheidende Kunden mit ganzen Flotten für uns gewinnen.

Was unterscheidet Pendix von anderen Nachrüst-Systemen?

Intelligentes, einfaches Design, höchste Qualität und der Fakt, dass der Pendix mit so vielen verschiedenen Radtypen kombinierbar ist. Das macht uns einzigartig. Ich könnte jetzt stundenlang über die vielen, pfiffigen Detaillösungen philosophieren, aber es ist die Summe der Eigenschaften, die den Antrieb so genial macht. Einfach mal fahren, dann wisst ihr, was ich meine.

Was sind Ihre kommenden unternehmerischen Pläne?

Zunächst wollen wir Pendix in Deutschland und Europa weiter etablieren, bevor eine weitere Internationalisierung auf dem Plan steht. Anschließend werden wir unser Angebot auf intelligente Antriebe für weitere, spannende Fahrzeugkonzepte ausweiten, da sind die Schubladen schon weit offen und es wird bereits hart daran gearbeitet. Als Arbeitgeber wollen wir vor allem für künftige Spezialisten eine junge Alternative zu bekannten Branchengrößen darstellen. Es gibt nur wenige Unternehmen, die in solch einer spannenden Kombination von Entwicklung, über Produktion, Sales und Marketing an einem innovativen Produkt arbeiten. Das wollen wir in die Welt tragen und Pendix als attraktiven Arbeitgeber positionieren.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Ich bin bekannt für meinen grenzenlosen Optimismus, aber: Im echten Leben dauert alles immer länger, kostet mehr und verursacht zusätzlichen Aufwand, das zeigt die Erfahrung. Das sollte man einfach als gesetzt sehen, dann bricht man nicht bei jedem Hindernis zusammen. Die Engländer haben dafür einen schönen prägnanten Satz: „Shit Happens, So Get Over It!“

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Das Interview führte Hans Luthardt

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