Gründer der Woche: Minxli – die Zukunft der Telemedizin

Gründer der Woche 36/17


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Minxli wurde 2015 von Jennifer Kelly gegründet. Seit 2017 bietet das Tech-Start-up Gesundheits- und Arztberatung via Video und Chat und strebt so nach einer besseren Patientenversorgung. Minxli verbindet Patienten, zertifizierte Ärzte und Gesundheitsexperten. Mehr dazu im Interview mit Jennifer Kelly, Gründerin und CEO von Minxli:

Rechts im Bild: die Minxli-Gründerin und CEO Jennifer Kelly. Foto: Minxli

Welche Herausforderungen stehen dem Gesundheitswesen Ihrer Meinung nach bevor?

Der demografische Wandel und auch ein zunehmender Selbstoptimierungs-Trend sorgen für einen erhöhten Bedarf an Gesundheitsleistungen. Die Zahl der älteren Menschen, die einen erhöhten Versorgungsbedarf haben, steigt. Chronische Krankheiten, die regelmäßige Versorgung und Arztbesuche notwendig machen, nehmen zu – wie zum Beispiel Diabetes. Bei jüngeren Menschen ist das Bewusstsein für die richtige Ernährung und die eigene Gesundheit geschärft. Ärzte und Gesundheitsexperten sind damit gefragter denn je.

Während die Zahl der Ärzte in den Jahren 2005 bis 2015 um 11 Prozent gestiegen ist, haben im gleichen Zeitraum die Behandlungsfälle um das 2,5-fache zugenommen, nämlich um 27 Prozent. Der steigende Bedarf an medizinischer Versorgung kann also nicht ausreichend gedeckt werden. Hinzu kommt, dass sich die Prioritäten bei Jungmedizinern verschoben haben. Laut Bundesärztekammer räumen die angehenden Mediziner der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die höchste Priorität ein. Flexibilität und neue Arbeitszeit-Modelle werden verlangt. 

Inwiefern können Videosprechstunden dem Versorgungsproblem entgegenwirken?

Videosprechstunden setzen dort an, wo das bisherige System Lücken aufzeigt und ergänzen das bereits bestehende Angebot. Sie sind nicht nur eine ideale Alternative für Patienten mit langen Anfahrtswegen, für chronisch kranke oder mobil eingeschränkte Patienten oder auch für Eltern, die mit ihren Kindern häufig zu Untersuchungen gehen. Vielmehr verfolgt die Telemedizin einen komplett neuen Behandlungsansatz.  Mit der Videosprechstunde wird insgesamt eine bessere gesundheitliche Versorgung erzielt. Das Vorgespräch zu einer Operation kann per Videosprechstunde stattfinden und der Arzt hat ausreichend Zeit für Erklärungen zum Ablauf der OP. Vor allem im Nachhinein lässt sich via Videosprechstunde der Genesungsverlauf des Patienten häufiger und regelmäßiger überprüfen. Etwaigen Komplikationen kann damit schneller Abhilfe geschaffen werden.

Ärzte wiederum können ihre Zeit dank Videosprechstunden effizienter nutzen: Sie können sich auf das Wesentliche, nämlich das Wohl ihrer Patienten, konzentrieren und profitieren trotzdem von einer besseren Work-Life-Balance. Die Arbeitszeiten können flexibler gestaltet werden und auch der Arbeitsort muss nicht immer die Praxis sein. Die Minxli App bietet zudem den Vorteil, dass sich die Gesundheitsexperten in einem Konsil mit Kollegen austauschen und gegenseitig beraten können.

Nun zu den Anfängen: Wie sind Sie auf die Idee zu Minxli gekommen?

Die Idee für Minxli entstand durch eine Reihe persönlicher Erfahrungen: Ich verbrachte viel Zeit auf Geschäftsreisen und hatte kaum die Gelegenheit einen Arzt aufzusuchen, wenn ich krank war oder einfach nur eine Frage hatte. Aber der entscheidende Punkt, der mich dazu brachte, die Idee in die Tat umzusetzen, war, als mein Vater einen Schlaganfall hatte. Von diesem Tag an war er auf die Unterstützung meiner Mutter angewiesen. Er musste sich mehreren medizinische Check-ups unterziehen und brauchte jemanden, der ihn zur Arztpraxis begleitete.

Manchmal mussten meine Eltern lange Entfernungen auf sich nehmen, um nur fünf Minuten mit dem Arzt zu sprechen. Unsere Aufgabe bei Minxli ist es, die Gesundheitsversorgung leichter zugänglich zu machen, nicht nur für meine Eltern, sondern für alle Patienten, die eine ärztliche Beratung benötigen – von zu Hause aus, während Geschäftsreisen oder im Büro. Der Name Minxli ist übrigens meine persönliche Kreation: Es ist eine Abkürzung für "My inspired life" und drückt die Bedeutung der Gesundheit für jedermanns Leben aus.

Was waren die größten Herausforderungen bis zum Go live der Plattform?

Start-ups im Gesundheitswesen haben viele verschiedene Stakeholder. Für Minxli sind das zum Beispiel nicht nur Ärzte und Patienten, sondern auch Versicherungen, Politiker oder Gewerkschaften. Darüber hinaus gibt es unterschiedlichste rechtliche und regulatorische Bestimmungen und Gesetze einzuhalten. Als Unternehmen müssen wir sicherstellen, dass diese Erwartungen und Anforderungen erfüllt werden. Wir müssen die Bedürfnisse der Stakeholder und was sie beschäftigt verstehen – jetzt und zukünftig.

Meine Empfehlung zur Bewältigung dieser Anforderungen ist es, einerseits im ständigen Austausch und Kontakt mit allen Stakeholdern zu stehen. Andererseits sollte man sich aber nicht von der Komplexität der Anforderungen überwältigen lassen und sich hauptsächlich auf die Bedürfnisse der unmittelbaren Kunden konzentrieren. Am besten arbeitet man an der Lösung eines ganz bestimmten Problems der Kunden, das hilft beim Fokussieren.

Wie haben Sie die Gründung bzw. die Startphase finanziert?

Fast ein Jahr lang haben wir Minxli komplett ohne externe Finanzmittel finanziert. Bootstrapping über eine so lange Zeit ist anstrengend, aber auch sehr hilfreich, um Themen zu priorisieren, die für den langfristigen Erfolg des Unternehmens entscheidend sind. Im Jahr 2016 hatten wir eine Investitionsrunde mit Business-Angels, die uns bei der Weiterentwicklung und Vergrößerung helfen.

Gibt es vergleichbare Angebote? Wenn ja, was unterscheidet Minxli von anderen Anbietern?

Mit Minxli können Patienten in drei einfachen Schritten eine Videosprechstunde mit einem Gesundheitsexperten buchen. Es ist die einzige App, die es Patienten ermöglicht, sich mit ihren eigenen Ärzten, welchen sie vertrauen, von überall auf der Welt auszutauschen. Gleichzeitig können sich die Patienten jedoch auch mit neuen Ärzten verbinden. Für Ärzte, die ihren Patienten Videosprechstunden anbieten möchten oder sich mit anderen Ärzten virtuell austauschen wollen, ist Minxli die unkomplizierteste App. Alles, was zu tun ist, ist die App für iPhone oder Android herunterzuladen; nachdem Gesundheitsexperten ihre Zulassung hochgeladen haben, wird ihr Experten-Account freigeschaltet.

Was würden Sie sich in zeitnaher Zukunft für die Telemedizin wünschen?

Das Ziel ist letzten Endes doch, ein eingestaubtes Gesundheitswesen zu verbessern und dadurch die bestmögliche Versorgung für Patienten bei gleichzeitiger Entlastung der Ärzte zu gewährleisten. Die Videosprechstunde bietet die Chance, Dinge grundlegend zu ändern und uns diesem Ziel näherzubringen. Frau Zypries sagte erst kürzlich: Man müsse es schaffen, Hemmnisse abzubauen und Innovationen Luft zum Atmen zu geben. Diese Luft zum Atmen wäre für die Videosprechstunde wünschenswert. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, das Fernbehandlungsverbot für Ärzte und Patienten zu  lockern. Bislang legt diese Regelung noch fest, dass ein physischer Erstkontakt den telemedizinischen Leistungen vorausgehen muss.

Entsprechende Forderungen zur Lockerung wurden beim diesjährigen Deutschen Ärztetag aber ja bereits laut. In Baden-Württemberg werden bereits Modellprojekte gefördert, die einen Erstkontakt zwischen Arzt und Patient per Videosprechstunde ermöglichen. Wir freuen uns über diesen ersten Schritt in die richtige Richtung, doch es gibt noch einige Hindernisse, die auf dem Weg der Digitalisierung für eine bessere zukünftige Versorgung der Bevölkerung überwunden werden müssen.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Findet eine Lösung für ein Problem, das euch wirklich wichtig ist – euch ganz persönlich! Ideen, die nur auf positive Ergebnisse einer Marktanalyse zurückzuführen sind, klingen zwar im ersten Moment vielversprechend und erfolgreich. Sie sind in schwierigen Zeiten oder in einem schwierigen Markt keine Motivation. Wirklich erfolgreich ist man nur, wenn man sich mit Leidenschaft für seine Idee einsetzt.

Hier geht’s zu Minxli


Das Interivew führte Hans Luthardt

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