Gründer der Woche: Medipee - Health Self Monitoring

Gründer der Woche 52/17


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Die Medipee GmbH ist ein Medizintechnik-Start-up, das unsere Gesundheitsvorsorge maßgeblich vereinfachen will und in Form einer besonders unkomplizierten und sehr hygienischen Urinanalyse direkt ins eigene Heim holt. Mehr über das innovative Konzept und den Nutzen erfahren wir von dem Co-Gründer Thomas Prokopp:

Die beiden Medipee-Geschäftsführer Paul Bandi und Thomas Prokopp

Wie sind Sie auf die Idee zu Medipee bzw. dem System zur automatisierten Urinanalyse gekommen?

Entstanden ist die Idee durch einen Krankheitsfall in der Familie eines Gründers. Eine OP hätte durch regelmäßige Urinuntersuchung gänzlich vermieden werden können. Dies führte zu ersten Überlegungen und Recherchen, wie ein regelmäßiges Monitoring von Gesundheitsparametern und vor allem eine sinnvolle Präventionsmethode umgesetzt werden kann. So entstand die Projektidee Medipee zur regelmäßigen Urinuntersuchung durch ein einfaches Plug ‚n’ Play Gerät direkt an der Toilette.

Was ist das neue, das „revolutionäre“ an Ihrem Produkt?

Das Revolutionäre ist die Einfachheit und die Automation. Im Gegensatz zu herkömmlichen Urinteststreifen aus der Apotheke oder der Urinanalyse im Labor bietet das Messgerät von Medipee eine Möglichkeit der schnellen, hygienischen, digitalisierten und automatischen Urinanalyse ohne manuelle Zwischenschritte. Gerade die unangenehme Entnahme der Probe ist ein großes Hemmnis für viele Menschen, das sie von einer regelmäßigen Urinanalyse abhält. Mit dem System können Nutzer einfach und barrierefrei die eigenen Urinwerte beobachten.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis heute?

Die wichtigsten Steps waren neben der tatsächlichen Gründung die Einstellung erster Mitarbeiter, die Fertigstellung unseres Prototyps sowie die Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern.  Mit dem Prototyp führen wir aktuell erste Tests durch und optimieren unser Produkt immer weiter.

Sie zielen zunächst auf den B2C-Markt, also auf Endkunden. Wer sind Ihre Kunden bzw. die Anwendungsgebiete?

Für die Nutzung unseres Geräts gibt es aus Sicht der Nutzer keinerlei Beschränkung. Generell sind Gesundheitsbewusste und Fitnessorientierte aber auch Menschen mit einer (chronischen) Erkrankung potenzielle Kunden. So kann der Urin eines Kleinkindes ebenso wie der eines Senioren auf mögliche Krankheitsmarker überprüft werden.

Darüber hinaus kann in ländlichen Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung als auch bei Krankheitsbildern, bei denen regelmäßige Urinprophylaxe notwendig ist, unser Gerät die Kontrolle wesentlich vereinfachen. Mit dem Medipee-Messgerät soll die persönliche Gesundheitsvorsorge verbessert und erleichtert werden.

Der erste Gerätetyp wird auf die weltweit am weitesten verbreitete Toilette, den klassischen Tiefspüler (oder „Western Style Toilet“), ausgelegt sein. Diese findet sich in den meisten Häusern, medizinischen u. öffentlichen Einrichtungen, Firmen etc.

Das Gerät (nur ein minimaler Teil davon befindet sich im WC) misst automatisch die Werte des Urins, überträgt die Werte dann an das Smartphone und entsorgt den Teststreifen ebenfalls automatisch, sodass der Nutzer sich um nichts kümmern muss

Und wird man Ihr Produkt später auch in Arztpraxen oder Kliniken finden können?

Eine B2B (Geschäftskunden)-Variante, die in Arztpraxen, Pflegeheimen und Krankenhäusern eingesetzt werden kann, ist ebenfalls geplant. Hier kann der Praxisalltag wesentlich vereinfacht und automatisiert werden. So können typische Fehler, die bei der manuellen Urinanalyse auftreten können, vermieden werden. Als typische Beispiele seien hier Ablesefehler, falsche Reaktionszeiten, falsche Patientenzuordnung oder die Verwendung von Mittelstrahlurin genannt.

Gibt es vergleichbare Produkte? Wenn ja, was unterscheidet Medipee von den Wettbewerbern?

Die Hersteller Toto und Duravit haben Toiletten, die Urinanalysen durchführen können, bereits am Markt bzw. stehen kurz vor der Markteinführung. Es handelt sich dabei um sehr komplexe Systeme, die größerer baulicher Maßnahmen bedürfen. Die Preise für solche Systeme liegen für daher in der Größenordnung von 5000 bis 7000 Euro. Unser Gerät ist ein sog. Plug’n’Play System und kann somit einfach nachgerüstet werden. Preislich liegen wir mit unserem Produkt bei ca. 250 Euro und sind somit um mindestens den Faktor 20 günstiger.

Als MedizinTech-Start-up benötigt man meist viel Zeit, Geld und Geduld: Wie finanzieren Sie sich?

Aktuell finanzieren wir uns über Eigenmittel und werben seit Ende November auf der Crowd-Investing Plattform Companisto weitere Mittel ein. Darüber hinaus sprechen wir u.a. mit Privatinvestoren, Venture Capital Fonds, Family Offices und potenziellen Strategischen Investoren. Zudem haben wir in Sachen Fördermittelakquise einige Erfahrung im Team.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie zurzeit eine Crowd-Investing-Kampagne auf Companisto laufen haben Was ist das Ziel?

Wir wollen mit den eingeworbenen Mittel vor allem die Technologie weiter voran bringen und das Produkt zur Serienreife führen. Zum Marktstart wollen wir dann eine weitere Runde aufsetzen, um den Markt zügig zu erschließen sowie die Internationalisierung voranzutreiben.

Was sind Ihre weiteren Schritte bis zum Marktstart?

Neben der bereits angesprochenen Serienreife sind vor allem die Feldtests bzw. Studien extrem wichtig. Aber auch die Vorbereitung zur Zulassung und die Auswahl geeigneter Partner wird essentiell für den erfolgreichen Marktangang sein.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern, speziell MedzinTech-Gründern, aus eigener Erfahrung?

Nehmt euch auf alle Fälle jemand mit Erfahrung in der Medizintechnik mit an Board. Wir haben das große Glück, einen erfahrenen Business Angel dabei zu haben, der selbst ein Medizintechnikunternehmen groß gemacht hat und an weiteren beteiligt ist. Das hilft unheimlich beim notwendigen Netzwerkaufbau und den wichtigen Themen Zulassung und Organisationsaufbau.

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Das Interview führte Hans Luthardt

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