Gründer der Woche: Knister Grill - der Sommer kann kommen!

Gründer der Woche 24/20


44 likes

Aus ihrem Wunsch, einen transportablen Grill für das Fahrrad haben zu wollen, hat Carolin Kunert ein Unternehmen gemacht und im Jahr 2017 Knister Grill gegründet. Jetzt wurde sie in die renommierte Forbes-Liste der "30 under 30" im Bereich “Retail & Ecommerce” aufgenommen. Mehr zu dem prämierten Grill-Business im Interview mit Carolin.

Die Knister Grill Gründerin Carolin Kunert

Zunächst herzlichen Glückwunsch zur Forbes-Listung. Das kommt doch einem Ritterschlag gleich, oder?

Danke! Ja, es ist schon wirklich eine Ehre, als eine der herausragendsten jungen Köpfe in Europa ausgezeichnet zu sein. Es ist ein tolles Signal und freut mich persönlich extrem. Meinen Namen und damit Knister Grill auf der Liste zu sehen, ist die Bestätigung, dass wir keine kleine, irrelevante Grillfirma mehr sind. Bildlich gesprochen ist es ein Aushängeschild, das Forbes hochhebt und sagt‚ ,habt Knister besser auf dem Schirm – hier wird wirklich etwas verändert'. Die Forbes-Listung ist die Next-Level-Auszeichnung im Entrepreneurship.

Was bedeutet dir diese Auszeichnung auch vor dem Hintergrund der aktuell an sich wenig erbaulichen Zeit?

Die Auszeichnung kam quasi direkt zum besten, aber auch schlechtesten Moment: Ich wurde ausgezeichnet am Tag nachdem die Börse auf Grund der Corona-Krise (Montag, 16. März) so krass einbrach. An genau dem Tag war eigentlich unser Notartermin für unsere allererste Finanzierungsrunde. Ich hatte monatelang auf diesen Termin hingearbeitet. Dann sprang ein Investor ab, der Notartermin wurde verschoben und die restlichen Investoren handelten unsere Bewertung um fast 50 Prozent runter. Ich bin fast zerbrochen.

Dann habe ich die Forbes-E-Mail bekommen. Das erste, was ich dachte: ,Cool, unsere Finanzierungsrunde ist quasi geplatzt, alle Umsätze brechen weg und jetzt Forbes!? Davon kann ich mir grad auch nichts kaufen.‘ Am Ende habe ich die ganze Finanzierungsrunde binnen fünf Tagen komplett umgeschmissen und mit einem ganz anderen Investor geclosed – aber das ist eine andere Geschichte.

Wie hast du mit deinem Team die aktuelle Krise bislang gemeistert?

Sehr gut. Ich bin sehr stolz auf unser Team, dass wir alle die ganzen Komplikationen so gut meistern. Wir hatten Mitte März drei neue Mitarbeiter eingestellt – das Onboarding hat leider nicht richtig stattgefunden, aber alle haben sofort Vollgas gegeben.

Siehst du auch Chancen bzw. ermutigende Aspekte für die Nach-Corona-Zeit?

Auf jeden Fall! Zu Beginn war ich kurz skeptisch: Unser Grill ist für eine tolle Zeit mit seinen Freunden gemacht, für Ausflüge, und wir vertreiben zum Großteil über den Einzelhandel. Alles verboten bzw. geschlossen und keiner kann unser Produkt nutzen oder verkaufen. Unterm Strich haben wir aber sehr schnell unsere Vertriebskanäle, Produktportfolio und Kommunikationsstrategien um 180 Grad gedreht: Wir haben die Produktion der Balkonhalterung aufgedreht, verstärkten den Onlineshop und kommunizierten: ,Verbringe einen Grillabend mit deinem Liebsten auf dem Balkon.‘ Das hat gut funktioniert.

Jetzt wird’s aber noch besser: Die Corona-Krise spielt uns mittlerweile heftig in die Karten: Der Sommer dieses Jahr wir ein ,Sommer zuhause‘. Camping, Ausflüge ins Umland und Fahrradfahren erfreuen sich extrem an Popularität. Genau da passt unser Grill wie die Faust aufs Auge. Außerdem werden kleine Unternehmen und Locals gerade von der allgemeinen Bevölkerung gern sehr unterstützt.

Nun zu den Anfängen deines Unternehmens: Wann und wie bist du auf die Idee zu deinem Grill gekommen?

Angefangen hat alles vor 2,5 Jahren, als ich die Idee hatte, einen transportablen Grill für das Fahrrad zu entwickeln. Als Großstadtkind war Grillen schon immer komplizierte Angelegenheit. Meine Freunde und ich waren genervt von dem riesen Aufwand, der damit verbunden ist, in der Stadt grillen zu gehen. Das Problem war eigentlich immer der Transport aller Utensilien wie Grill, Kohle, Besteck, Essen etc. – und mit dem Fahrrad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln geht das umso schlechter. Andere Klappgrills waren stets unstabil, nach einem Jahr durchgerostet, verbogen oder hatten eine zu kleine Grillfläche. Und auf Einweggrills will ich gar nicht erst anfangen zu grillen. Das Problem wollte ich endlich lösen und hatte die Idee von Knister im November 2017.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung über den ersten Prototyp bis hin zur Marktreife deines Knister Grills?

Step eins war die Idee und die Motivation, das wirklich durchzuziehen. Step zwei war der erste rasch selbstgebaute Prototyp aus der Werkstatt im Feb. 2018 – der sah schrecklich aus. Ein wichtiger Step war der Dritte: der Erste Prototyp vom Hersteller, auf den viele weitere folgten. Damit war auch bereits die Produktion der ersten Charge sichergestellt. Step vier: Finanzierung: Für mich kam nur Kickstarter in Frage – bester proof of market, Umsatz und reale Kunden. Dann erst kam Step fünf: Die offizielle Gründung im Juni 2018, die ewig gedauert hatte. Der deutsche Staat versucht echt auf Biegen und Brechen, Innovation und junge Unternehmen zu bremsen: Bis ich offiziell mit allen Steuernummern Geld hätte verdienen dürfen, war Dezember. Ich habe alle oben genannten Schritte in vier Monaten vor der Gründung durchgezogen. Step sechs: Start der Serienproduktion und Auslieferung im Juli 2018. Hier entstanden unzählige Qualitätsprobleme und Fehler, die jeder Gründer durchmachen muss.

Wie hast du diese Phase finanziell gestemmt?

Sales und Geschwindigkeit! Die erste Charge wurde mit Kickstarter finanziert. Ich bin unterm Strich sogar mit plus-minus-null rausgegangen. Dann hieß es immer weiter: Sales, Sales, Sales! Ich habe einen einfachen Onlineshop gebaut, in dem weiter der Knister vorbestellt werden konnte. Nach der ersten Serie wurde der Grill nämlich nochmal generalüberholt. Gehalt habe ich mir noch nicht ausgezahlt, weil alles in die Firma investiert wurde. Damals war ich noch alleine im Team. Mein Lebensunterhalt habe ich unterstützt mit AirBnB. Ich wohne direkt neben der Theresienwiese in München. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was man verdient, wenn man seine Wohnung während der Wiesn vermietet – gut, dass Corona also nicht im Herbst 2018 war ;).

Zu deinem Knister Grill: Was ist das Besondere an ihm und wer ist deine Zielgruppe?

Der Knister Grill ist ein nachhaltiger, hochwertiger und lokal produzierter Holzkohlegrill, den man mit jedem Fahrrad transportieren kann. Grillmeister können ihn durch einfache Handgriffe an die Lenkstange montieren oder einfach angenehm in der Hand tragen. Essen und Grillkohle lassen sich leicht im Inneren des Grills verstauen. Am Grillort angekommen, ist der Knister Grill auf die doppelte Größe erweiterbar (für drei bis acht Personen). Das Besondere sind also die extrem durchdachten Features und die einmalige, lokale Produktion komplett aus Deutschland.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Pläne?

Der ganze Konsumgütermarkt besteht aus Produkten mit geplanter Obsoleszenz. Vor Knister war ich Industriedesignerin und gestaltete wirklich überragende Produkte und Dienstleistungen, hatte aber keinen Einfluss auf die Produktions- und Lieferkette. Deshalb gründete ich vor 1,5 Jahren meine eigene Marke‚ Knister. Langfristig werden wir die neue Brand für innovative Urban Outdoor Produkte. Städte werden größer, der Wunsch, raus zu gehen, aber auch. Genau dafür bieten wir clevere Lösungen. Ebenfalls rütteln wir den Markt etwas auf und setzen komplett auf lokale, plastikfreie, hochwertige Produktion aus Deutschland. Denn das ist die Zukunft der Produktentwicklung.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Testet eure Geschäftsidee, euer Produkt sofort auf dem Markt und redet mit so vielen Menschen wie möglich drüber und iteriert schnell! Sonst kann's passieren, dass ihr euer Geschäftsmodelle komplett am Markt und Kunden vorbei entwickelt. Versucht von Minute Eins Umsätze von Pilotkunden (die bezahlen!) zu generieren. Das ist schwierig, aber eine tolle Bestätigung und auch enorme Motivation! Ein weiterer Tipp ist:Holt euch sehr früh einen Designer ins Team. Die Präsentations-, Darstellung- und Empathie-Skills sind unersetzlich.

Hier geht's zum Knister Grill

Das Interview führte Hans Luthardt