Gründer der Woche: kiweno – Hilfe für Unverträglichkeiten-Geplagte

Gründer der Woche 23/16


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Das Start-up Kiweno hat sich ganz dem Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -intoleranzen verschrieben. Diese lassen sich mithilfe des Test-Kits von Kiweno einfach ermitteln, ohne, dass ein Arzt konsultiert werden muss. Wir haben mit Kiweno-Gründerin Bianca Gfrei gesprochen.

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Das Team (v.l.n.r): Roland Fuschelberger, Bianca Gfrei und Robert Fuschelberger (Foto: Blitzkneiser)


Hallo Frau Gfrei! Bitte sagen Sie uns zunächst etwas über das Gründer-Team von kiweno – wer sind Sie, wer hat welche Aufgaben, und wer bringt welche Erfahrungen ein?

Hinter kiweno steht ein vierköpfiges Gründerteam: Mein Kollege Robert Fuschelberger ist COO. Er zieht im Hintergrund die Fäden und kümmert sich um alle logistischen Abläufe. Dr. med. Roland Fuschelberger, unser medizinischer Leiter, unterstützt uns mit seiner Kompetenz auf dem Gebiet der Ernährungsmedizin und seiner jahrelangen praktischen Erfahrung mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Georg Molzer, CTO von kiweno, ist spezialisiert auf Visual Computing und Design Innovation. Ich selbst bin CEO und komme aus dem Strategie- und Marketing-Bereich.


Ihr Unternehmen und auch Sie persönlich haben bereits diverse Auszeichnungen erhalten – was bedeutet das für Sie?

Die Auszeichnungen, unter anderem zum Start-up des Jahres 2015 und zur Unternehmerin der Jahres 2016, öffnen Türen und helfen dabei, Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Sie sind auch eine sehr schöne Anerkennung für die viele Arbeit, aber nicht der Grund, warum wir das alles machen!


Wie bzw. warum kam es zur Gründung von kiweno? Welche persönlichen Beweggründe spielten dabei eine Rolle?

kiweno entstand aus meiner eigenen Betroffenheit heraus: ich litt jahrelang an ernährungsbedingten Beschwerden, aber kein Arzt konnte mir weiterhelfen. Der Höhe- bzw. Tiefpunkt war dann, als bei mir mit Anfang 20 Magenkrebs vermutet wurde. Als letzten Strohhalm habe ich einen Nahrungsmittelunverträglichkeitstest gemacht. Die Ergebnisse waren klar: Ich vertrage kein Kasein und kein Gluten. Also habe ich meine Ernährung komplett umgestellt – und innerhalb weniger Wochen haben sich meine Beschwerden enorm verbessert. Einerseits war ich dankbar über dieses Wissen, andererseits war ich verärgert, dass ich so einen langen Weg bis zur Diagnose auf mich nehmen musste. Als ich feststellte, dass ich mit der Erfahrung nicht alleine bin, entstand die Idee, einfache und kostengünstige Test-Kits für Zuhause anzubieten.


Gab es besondere Hürden, die Sie auf dem Weg zur Gründung von kiweno überwinden mussten?

Wir sind in einen sehr regulierten, festgefahrenen Markt eingedrungen und mussten daher zahlreiche Hürden überwinden. Umso wichtiger ist es, zu wissen, warum man das alles tut, und ein Team zu haben, das voll hinter der Idee steht.


Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Unternehmen insgesamt, und in welchen Bereichen sind sie tätig?

Von vier Visionären sind wir in weniger als zwölf Monaten auf 30 Mitarbeiter angewachsen, darunter Ernährungswissenschaftler, Software-Entwickler und Marketingexperten. Gerade im labordiagnostischen und medizinisch-rechtlichen Bereich arbeiten wir zusätzlich mit externen Beratern und Auditoren zusammen. Mittlerweile sind wir an drei Standorten tätig, davon zweien in Österreich und einem in Deutschland. Wir sind ein junges, dynamisches Team, in dem sich alle mit dem Thema Unverträglichkeiten identifizieren oder selbst betroffen sind. Unser Team lebt und liebt das, was wir verkaufen!


Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind derzeit in aller Munde – nimmt ihre Verbreitung eigentlich zu? Oder treten sie nur immer mehr ins allgemeine Bewusstsein?

Wir beobachten, dass das Bewusstsein für das Thema zunimmt – das sieht man alleine schon an den immer volleren Supermarktregalen mit glutenfreien oder laktosefreien Produkten. Dahinter steckt aber weniger eine Modeerscheinung. Vielmehr werden ernährungsbedingte Zusammenhänge mittlerweile besser erkannt und thematisiert. Und zugleich wirken sich auch jahrelange einseitige Ernährung mit vielen industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, Stress und ungünstige Umwelteinflüsse auf unsere Gesundheit aus.


Wie groß ist Ihrer Meinung nach die Dunkelziffer bei den Unverträglichkeiten?

Es gibt keine einheitliche Aussage zur Anzahl der Betroffenen. Laut einer Studie der European Community Of Respiratory Health sind in Deutschland etwa 16 Prozent von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen. Daneben gibt es britische Studien die von 45 bis 50 Prozent Betroffenen sprechen. Und in Asien sind gar nur 2 Prozent aller Menschen fähig, das Enzym Laktase aufzuspalten. Wir glauben, dass in diesem Zusammenhang vieles noch nicht erforscht ist. Die Dunkelziffer liegt also wahrscheinlich auch in Europa wesentlich höher als heute angenommen.


Kommen wir zu Ihrem Test: Wie funktioniert er? Und was bietet er im Einzelnen?

Der Test wird bequem online über den Web-Shop bestellt und nach Hause geliefert. Dort nimmt man sich gemäß der Anleitung ein paar Tropfen Blut aus der Fingerkuppe ab – das tut nicht weh und ist wirklich ganz einfach durchzuführen. Anschließend wird die Probe in unser Partnerlabor geschickt und dort ausgewertet. Nach wenigen Tagen kann man sein individuelles Testergebnis auf my.kiweno.com abrufen. Genau hier liegt unsere eigentliche Stärke. Die Testverfahren an sich sind nicht neu, sondern werden seit vielen Jahren von Ärzten angeboten. Die Vorteile von kiweno sind die schnelle, einfache und kostengünstige Durchführung von Zuhause aus und die anschauliche Darstellung der Testergebnisse auf der Online-Plattform my.kiweno.com.


Angenommen, ich vermute bei mir eine Unverträglichkeit. Warum sollte ich dann den kiweno-Test nutzen, anstatt einfach zum Arzt zu gehen?

Ganz einfach: kiweno erleichtert den Prozess. Man muss nicht lange beim Arzt auf einen Termin warten und kommt deutlich günstiger weg. Denn auch hier in Deutschland wird der Test oft nicht von den Krankenkassen übernommen, sondern kostet bis zu 400 Euro. Das Blutbild vom Arzt ist meist schwer verständlich, sodass man als Laie nicht wirklich davon profitiert. Der Vorteil unserer Online-Gesundheitsplattform ist genau diese Aufbereitung der Ergebnisse. Die Resultate sind sehr leicht verständlich dargestellt und auch ohne medizinisches Vorwissen nachzuvollziehen. Wir lassen den Kunden mit seinem Ergebnis nicht alleine, sondern bieten zahlreiche Tipps, Rezeptvorschläge und Hilfestellungen, zum Beispiel welche weniger verträglichen Lebensmittel mit anderen ersetzt werden können.


Welchen Einfluss haben junge Unternehmen wie Ihres auf den traditionellen Gesundheitsmarkt?

Ich bin zuversichtlich, dass Start-ups – wie schon in vielen Industrien vorher geschehen – auch den Gesundheitsmarkt aufbrechen und durch zusätzliche Angebote verbessern können. Dabei geht es nicht darum, Gutes und Bewährtes zu verändern, sondern durch smarte, digitale Lösungen eine Verbesserung zu schaffen – insbesondere für Kunden bzw. Patienten. Unsere Vision ist es, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Das sollte vor allem präventiv geschehen, also lange bevor sie krank sind und zum ernsthaften Fall fürs Gesundheitssystem werden. Letztendlich profitieren davon auf lange Sicht alle.


Sie starten gerade in Deutschland durch – unterstützt vom Company-Builder 7NXT. Wie sieht diese Unterstützung aus?

7NXT ist ein sehr wichtiger Partner für uns, der uns mit seiner Expertise beim Wachstum wesentlich unterstützt und uns dabei hilft, im deutschen Markt Fuß zu fassen.


Gibt es bereits konkrete Pläne für die Zukunft bei kiweno?

Wir arbeiten an der Entwicklung weiterer Produkte, die unser Portfolio ergänzen. Außerdem sehen wir weiterhin großes Potenzial in unserem Heimatmarkt Österreich und natürlich in Deutschland.


Und wie immer zum Schluss die Frage: Haben Sie grundsätzliche Tipps, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben können?

Klingt vielleicht philosophisch, aber: Lerne, der Meister deiner eigenen Ängste zu werden. Ängste hindern uns daran, über uns selbst hinauszuwachsen, unsere Komfortzone zu verlassen, Grenzen zu überschreiten und Chancen, die uns geboten werden, auch wirklich wahrzunehmen. Aber gerade diese Schritte sind die allerwichtigsten bei der Gründung eines Start-ups.


Frau Gfrei, vielen Dank für das Interview!

 


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Das Interview führte Fabian Otto

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