Gründer der Woche: Larotika – der Gründer glaubte selbst nicht an die Förderung

Gründer der Woche, KW 47


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Sie haben von Bayern Innovativ eine Förderung für den Aufbau Ihres Porno-Ankaufportals Larotika.de erhalten. Wie innovativ ist Larotika?

Mit Larotika.de haben wir keine technische Innovation geschaffen, sondern einen neuen Markt erschlossen. Wie innovativ es ist, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Für Bayern Innovativ war unser Ansatz jedenfalls innovativ genug, um gefördert zu werden.

Bei Larotika.de und Ihrem anderen Portal verleihshop.de werden DVDs und Blu-rays per Post versandt. Das ist ja wohl kaum zeitgemäß.

Es geht bei dem Konzept nicht primär um den Verleih, sondern den An- und Verkauf von gebrauchten Erotikfilmen ab 18. Immer mehr Leute sorgen sich um ihre Privatsphäre, da man mittlerweile im Internet ein Gefühl der ständigen Beobachtung und Speicherung der Wege und Tätigkeiten bekommt. Im physikalischen Bereich schaut niemand über die Schulter und man ist mit sich oder dem Partner intim.

War’s das schon mit der Innovation?

Wie gesagt, die Innovation ist nicht das Geschäftskonzept an sich, sondern die Erweiterung eines bestehenden Geschäftskonzepts auf einen neuen Produktbereich, der bisher nicht angegangen wurde. Bisher konnte man Erotikfilme als Privatmann weder auf bestehende Marktplätzen wie Amazon oder Ebay verkaufen, noch haben große Ankaufsportale wie Momox, Rebuy und dergleichen Interesse daran, noch ist es möglich aufgrund des strengen Jugendschutzgesetzes in Deutschland die Filme über Flohmärkte bzw. privat im Internet zu verkaufen. Über unser Portal kann der Kunde alles bequem zu Marktpreisen verkaufen, ohne mit Portokosten, Jugendschutzgesetzen und dergleichen in Konflikt zu kommen.

Wie sind Sie an die Förderung gekommen? War das schwierig?

Aufmerksam auf die Förderungen durch Bayern Innovativ hat uns die Bayreuther IHK gemacht. Sie gaben quasi den Stein des Anstoßes und sagten: Bewerbt Euch doch mal für den Online Buchverleih. Ja, und das haben wir dann gemacht. Damals hatten wir den ersten kommerziellen online Buchverleih in Deutschland ins Leben gerufen. Wir kannten also das ganze Prozedere und haben uns gedacht, versuchen wir es doch auch mal mit dem Erotik Ankaufsportal.

Hat das gleich geklappt?

Wir haben ursprünglich bei Bayern Innovativ angefragt, ob das Thema „Erotikfilme ab 18“ ein Problem für die Förderung ist und gingen eigentlich davon aus, dass wir abgelehnt werden. Doch nach kurzer Prüfung sagte man uns, dass wir auf Grund der Gleichbehandlung durchaus berechtigt wären, den Antrag zu stellen und die Möglichkeit bekommen, die Fördergelder in Anspruch zu nehmen.

Wie ging’s dann weiter?

Wir haben Mitte des Jahres 2012 den Antrag gestellt. Hier mussten wir die Projektziele erläutern, das gesamte Projekt beschreiben und ausführlich schildern, woraus die Innovation besteht. Auch mussten wir die Partner nennen und die Höhe der EDV-Entwicklungskosten beziffern. Die Arbeit für die Bearbeitung des Antrags hat so 2 bis 3 Tage gedauert, aber es hat sich gelohnt.

Und als der Antrag genehmigt wurde?

Am Anfang waren wir schon ein Wenig überrascht, wie liberal die Förderung aufgestellt war. Danach haben wir begonnen, das Projekt umzusetzen.

Wie hoch war dann der Förderbetrag?

Es werden 60 Prozent der Entwicklungskosten gefördert, maximal beläuft sich der Betrag auf 18.000 Euro.

Und das haben Sie ausgeschöpft?

Über die genaue Fördersumme möchte ich nicht sprechen.

Hätten Sie das Projekt ohne die Förderung nicht umgesetzt?

Jedenfalls nicht in diesem Umfang. Die vielen Programmierstunden, die wir investieren konnten, haben dazu geführt, dass der Verkaufsabwicklungsprozess sehr stark optimiert wurde. Es gibt kaum Fragen für unseren Kundensupport zum Abwicklungsgeschehen.

Wie lange hat die Entwicklung der Seite dann gedauert?

Nach gut einem Jahr, im November 2013, war Larotika.de live.

Was ist Ihr Tipp für andere Gründer?

Traut Euch, fragt nach Unterstützung, man kann durchaus Überraschungen erleben.

Das Interview führte Cornelius Büchner

Vorschläge für diese Rubrik an redaktion@starting-up.de

Die Aufregung war groß, als sich letzte Woche herausstellte, dass der Bayreuther Erotik-Anbieter Larotika Fördermittel von Bayern Innovativ erhalten hatte. Vor lauter moralischer Empörung wurde die eigentliche Frage nicht gestellt: „Ist dieses Unternehmen überhaupt innovativ?“ Schließlich wendet sich das Programm ausdrücklich an Gründer, die eine „innovative Idee oder ein neuartiges Produkt“ entwickeln. Wir wollten es wissen und sprachen mit Geschäftsführer Jan Jakob. Das Interview gibt interessante Einblicke in die Vergabepraxis von Förderungen.

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