eGym steht für modernstes Fitnesstraining mit High-Tech-Geräten und Online-Services

Gründer der Woche, KW 37


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Philipp Roesch-Schlanderer, eGym-Gründer und Chef von rund 100 Mitarbeitern


Im Juli 2014 konnten Sie eine neue Finanzierungsrunde bekanntgeben: 15 Millionen US-Dollar erhielten Sie von Bayern Kapital, dem High-Tech Gründerfonds und von einem neuen Investor, Highland Capital Partners - herzlichen Glückwunsch! Wie haben Sie den neuen Investor, er kommt aus den USA, auf sich aufmerksam gemacht und überzeugt?

Eine nicht unbedeutende Rolle dürfte zunächst gespielt haben, dass wir Highland Capital Partners von relevanten Dritten (Portfolio CEOs) empfohlen wurden. Das ist ein super Entrée, aber natürlich erst die halbe Miete. Wichtig waren in erster Linie zahlreiche Fakten die klar für uns sprachen, wie etwa unsere Wachstumsdynamik und unsere Kapitaleffizienz. Irena Goldenberg, Partnerin bei Highland, hat ihre Entscheidung für uns unter anderem so begründet, dass sie unser Produktportfolio als absolut einzigartig ansah für eine Industrie, die bislang nicht von der digitalen Revolution erfasst worden sei. Das bringt es ganz gut auf den Punkt.

Wofür wird das Kapital verwendet?

Wir werden mit dem Geld die Entwicklung neuer Produkte und Services für unsere Kunden forcieren und zweitens unsere internationale Expansion beschleunigen.

Lassen Sie uns einen Blick zurückwerfen. Wann, wo und wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich auf dem Fitnessmarkt zu engagieren?

Das war 2008, als ich an der Columbia University in New York studierte und in einem in die Jahre gekommenen Fitnessstudio im Keller der Uni trainierte. Die Geräte waren veraltet, die Atmosphäre im Studio verstaubt. Gleichzeitig hatte ich damals mein erstes iPhone, und ich fragte mich jedes Mal, warum sich die ganze Welt durch IT so wahnsinnig verändert hatte, das Studio aber nahezu auf dem Niveau von vor 15 Jahren stehen geblieben war.

2010 haben Sie dann in München eGym gegründet. Warum in München und nicht etwa in Berlin oder in den USA, wo die Idee entstand?

Warum wir in Deutschland angefangen haben, hat einen handfesten Grund: Um unsere Idee umzusetzen, benötigten wir als erstes Maschinen, die höchste Qualitätsansprüche erfüllten. Und wo haben die besten Maschinenbauer der Welt ihren Sitz …? Außerdem, auch das betone ich immer wieder gerne, haben wir hier in Bayern optimale Bedingungen vorgefunden. Von der Startup-Beratung bis hin zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.

Erläutern Sie uns bitte das Konzept von eGym - das "e" im Namen verrät ja bereits, dass Sie nicht einfach "nur" ein weiterer Fitnessgeräte-Hersteller sein wollen.

Auf unsere Maschinen habe ich schon hingewiesen – es sind die besten vollelektronischen Kraftgeräte im Markt. Hinzu kommt, dass alle unsere Geräte per WLAN ständig online und mit der eGym Cloud verbunden sind. Das heisst für den Trainierenden, dass sämtliche Trainingsergebnisse für ihn über jedes online-fähige Device – für Smartphones gibt es die entsprechende eGym Fitness App – abrufbar sind. Per eGym Trainer App verfolgt auch der Trainer den Fortschritt seiner Kunden, wertet die Daten aus und entwickelt auf dieser Basis neue Trainingspläne. Ich kann auch alle meine sonstigen Trainingsdaten – z. B. nach dem Joggen, Radfahren, Schwimmen etc. – auf der eGym Website eintragen oder automatisch tracken lassen und erhalte so einen Komplettüberblick über meinen Fitnesszustand. Die Ergebnisse kann ich mit meinen Freunden im virtuellen Fitnessteam teilen. Das motiviert zusätzlich. Studiobetreiber unterstützen wir durch vielfältige Maßnahmen in den drei wichtigsten Bereichen ihrer Wertschöpfungskette: Kundenakquise, Kundenbetreuung und Zusatzverkäufe.

Worin unterscheiden Sie sich vom Wettbewerb?

Wir verbinden alle Beteiligten – Studiobetreiber, Trainer, Mitglieder – durch unsere eGym Cloud. Einige Aspekte habe ich ja gerade beschrieben. Einen so universellen und komplexen Ansatz gab und gibt es bislang nirgendwo anders, unsere Produktstrategie ist im weltweiten Fitnessmarkt mithin einmalig.

In Ihrem ersten vollen Geschäftsjahr 2013 haben Sie bereits den Break Even erreicht - hat Sie dieser schnelle wirtschaftliche Erfolg selbst überrascht?

Sagen wir es so: Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil unser rasantes Wachstum mir zeigt, dass unsere harte zweijährige Forschungs- und Entwicklungszeit nicht vergebens war.

Ihr Team ist in kürzester Zeit auf rund 100 Mitarbeiter angewachsen. Das unterstreicht den Erfolg eindrucksvoll. Aber wie kann ein Start-up diesen Strukturwandel stemmen? Das Start-up-Feeling ist doch damit endgültig vorbei, oder?

Ich weiß nicht, was Sie genau unter Startup-Feeling verstehen, wenn es aber bedeutet, dass unsere Mitarbeiter eine hohe Jobzufriedenheit haben, gerne zur Arbeit kommen, sich ernst genommen fühlen, Veränderung aktiv treiben können und im Übrigen auch nach Feierabend einen Teil ihrer Freizeit miteinander verbringen, dann ist es damit bei uns mitnichten vorbei. Das bestätigt mir eine ganz aktuelle Mitarbeiterumfrage aus dem August.

Sie haben einmal betont, dass die Mitarbeiter Ihr wichtigstes Kapital sind. Wie kommen Sie an die besten Köpfe? Ist das auch ein Grund, warum Sie eine Dependance in Berlin haben?

Wir müssen dort präsent sein, wo die Musik spielt, also wo die besten Köpfe leben und arbeiten wollen. In Deutschland heißt das für uns München und Berlin. Dort können wir für die uns wichtigen Disziplinen am besten rekrutieren. Die besten Köpfe zu identifizieren, von eGym zu überzeugen und auch zu behalten, verstehen wir als langfristigen Prozess, der sich nicht durch einzelne Maßnahmen umsetzen lässt.

Und wie schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter zu motivieren und an Ihr Unternehmen zu binden?

Wir arbeiten in einer absoluten Zukunftsbranche: Prävention, Fitness und Gesundheit gehören in einer alternden Gesellschaft zu den ganz großen Themen. Wir setzen modernste IT ein, um Fitness effektiver und abwechslungsreicher zu machen. Das ist ja schon einmal per se keine so schlechte Ausgangslage. Darüber hinaus versuchen wir Bedingungen zu schaffen, bei denen sich die Mitarbeiter wohlfühlen, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen.

Welchen Führungsstil nennen Sie Ihr Eigen? Kann man Mitarbeiterführung lernen oder ist das dem Gründer in die Wiege gelegt?

Ich habe von meinen Eltern sicherlich ein „Unternehmer-Gen“ in die Wiege gelegt bekommen. Vieles musste ich aber natürlich im Laufe der Zeit erst lernen – auch über Fehler. Eigentlich wird mein Job alle sechs Monate komplett neu definiert. Nach wie vor profitiere ich davon, dass mich viele Menschen in meinem Umfeld ganz großartig unterstützen. Mit 31 Jahren ist man weit davon entfernt, alles richtig zu machen. Meinen Führungsstil müssen andere beurteilen. Dennoch ist es mir sehr wichtig, mit einem Verständnis an Aufgaben heranzutreten, bei dem jedem klar ist, dass wir alle Fehler machen. Das gilt auch für mich. Die Guten sind nicht diejenigen, die keine Fehler machen. Die Guten sind diejenigen, die jeden Fehler nur einmal machen.

Sie sind auf Expansionskurs. eGym-Produkte sind in Deutschland, Schweiz, Österreich, Niederlande im Einsatz. Was sind Ihre weiteren unternehmerischen Ziele?

Ich habe gerade mal nachgesehen, was wir bei einem Management-Offsite vor zwei Jahren formuliert haben: We're striving to become the leading Fitness Company in the world. Dem ist aus heutiger Sicht nichts hinzuzufügen.

Was können Sie anderen Gründern raten bzw. welche Tipps geben Sie ihnen für den Start in die Selbständigkeit?

Just do it. Ich sehe aber auch für Unternehmergeister sehr spannende Möglichkeiten, erst einmal in ein schnell wachsendes Growth-stage-Startup einzusteigen und dort zu lernen. Die Aufgaben sind super spannend, und man kann in kurzer Zeit echt was bewirken. Das wird aus meiner Sicht häufig unterschätzt.

Das Interview führte Hans Luthardt

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eGym wurde von Philipp Roesch-Schlanderer gegründet, um den Fitnessmarkt zu modernisieren. Das Start-up stellt High-Tech-Fitnessgeräte mit Online-Anbindung her und vertreibt sie samt der dazugehörigen IT und Services an Studios in Deutschland, Schweiz, Österreich und den Niederlanden. Wie Philipp Roesch-Schlanderer auf diese Idee gekommen ist, was sie so besonders macht und wie er sein rasant wachsendes Team führt und motiviert, verrät der eGym-Gründer im Interview.

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