Gründer der Woche: Cloud&Heat

Gründer der Woche, KW 41


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Herr Schretzmann, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Serverwärme nutzbar zu machen? Und wie wurde daraus eine Geschäftsidee?

Die eigentliche Idee hatten meine beiden Gründerkollegen, ich war derjenige, der den Markt hierfür gesehen hatte. Professor Dr. Christof Fetzer von der Technischen Universität Dresden suchte beim Bau seines Hauses nach einer kostengünstigen Lösung, um seine Wohnfläche zu heizen. Dabei kam er auf die Idee, die zahlreichen Server zu nutzen, die an der TU Dresden unter anderem in seinem Fachbereich Systems Engineering laufen und permanent eine große Menge von Wärme abgeben. Er wandte sich an den Physiker Dr. Jens Struckmeier und nach ersten Versuchen mit Prototypen haben wir gemeinsam Cloud&Heat gegründet.

Bitte sagen Sie kurz etwas zu Ihrem Gründerteam: Wer sind Sie, und wer hat welche Aufgaben?

Der promovierte Physiker Dr. Jens Struckmeier ist CTO von Cloud&Heat und besitzt als ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter der nAmbition GmbH ausgeprägtes Knowhow in industrieller Geräteentwicklung, Produktmanagement und Unternehmensführung.

Professor Dr. Christof Fetzer lehrt an der Technischen Universität Dresden zu den Themen Cloud-Systeme und Energieeffizienz. Neben über 50 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Auszeichnungen verfügt er über mehrjährige Industrieerfahrung bei AT&T LABS, USA. Er ist bei Cloud&Heat vor allem für die Cloud-Strategie zuständig.

Ich selbst habe mehr als fünf Jahre bei Unternehmen der Metro Group Erfahrungen im Management gesammelt, danach beriet ich zehn Jahre als Mitglied der Management Boards der Unternehmensberatungen Lodestone Management Consultants und ABeam Consulting mittelständische Unternehmen im High-Tech-Sektor. Als CEO von Cloud&Heat verantworte ich die Bereiche Investor Relations, Marketing, Sales und Operations.

Wer hat das komplexe System von Cloud&Heat entwickelt? Und wie wurde diese Entwicklung finanziert?

Die patentierte Technologie wurde in langjähriger Forschungsarbeit zusammen mit der Technischen Universität Dresden entwickelt und ist mittlerweile mehrfach ausgezeichnet worden. Bei der Finanzierung stützen wir uns auf einen Mix aus Venture Capital, Fremdkapital und Crowd-Investment.

Seit wann ist Cloud&Heat am Markt?

Gegründet wurde das Unternehmen im Oktober 2011 in Dresden, der erste Serverschrank ging im Februar 2012 an den Markt.

Gab es spezielle Hürden, die auf dem Weg zur Marktreife überwunden werden mussten?

Technologisch war es eine Herausforderung, die beiden Komponenten Heater und Cloud miteinander zu verbinden. Auf der Finanzierungsseite war es am schwierigsten, eine Bank zu finden, die unsere Idee unterstützt. Gerade bei neuen Konzepten ist die Zurückhaltung immer ziemlich groß. Aber letztendlich konnten wir überzeugen.

Sie wurden 2013 mit dem Sächsischen Umweltpreis ausgezeichnet – warum ist Cloud&Heat in doppelter Hinsicht eine Green-Tech-Alternative?

Zum einen müssen unsere Server nicht gekühlt werden, dadurch sparen wir Kühlenergie. Zum anderen nutzen wir die durch die Rechenleistungen entstehende Abwärme zum Heizen von Gebäuden und Erwärmen von Wasser – das spart Heizenergie.

Welche Vorteile genießen die Nutzer der Server-Heizungen?

Das Heizsystem von Cloud&Heat ist ökologisch nachhaltig, denn es wandelt die Serverwärme in Heizenergie um. Der Strom zum Betrieb der Server wird ausschließlich aus erneuerbaren Energien bereitgestellt. Dazu kommen die ökonomischen Vorteile: Die Energielieferung sowie die Wartung und Instandhaltung über eine garantierte Mindestlaufzeit sind für den Nutzer kostenfrei. Die Anschaffungskosten sind vergleichbar mit alternativen Heizsystemen.

Und welche Vorteile haben die Nutzer Ihrer Cloud-Lösungen?

Weil wir keine großen Rechenzentren unterhalten müssen und die Kosten für die Kühlung der Server einsparen, können wir unsere Cloud-Leistungen vergleichsweise günstig anbieten. Zudem garantieren wir ein hohes Maß an Sicherheit, da sich unsere Serverstandorte ausschließlich in Deutschland befinden. Und neben der ökologischen Komponente bieten wir die komplette Bandbreite moderner Cloud-Technologie: volle Leistungsfähigkeit, einfache Handhabung und flexible Einsatzmöglichkeiten.

Wer sind Ihre Kunden im Bereich Heizung bzw. im Bereich Cloud-Markt? Gibt es bei den Kunden auch eine Schnittmenge?

Im Heizungsbereich sind wir vor allem an großen Immobilienprojekten interessiert, sprechen beispielsweise mit Bauträgern, Wohnungsbaugenossenschaften oder Hotelketten. Auch unser Cloud-Geschäft ist hauptsächlich auf B2B ausgerichtet. Hier kommen Unternehmen aller Größe, vom Startup über den klassischen Mittelständler bis hin zum Konzern, als Kunden in Frage. Und natürlich kann ein Unternehmen unsere Server gleichzeitig für eigene Rechenleistungen und zum Heizen des Firmengebäudes nutzen.

Welche Garantien geben Sie Ihren Kunden in den beiden Bereichen?

Dem Heizungsnutzer garantiert Cloud&Heat die Übernahme aller anfallenden Internet-, Strom-, Wartungs- und Instandhaltungskosten für einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren. Zudem stellen wir zu jedem Zeitpunkt eine ausreichende Wärmeversorgung sicher. Unseren Cloud-Kunden garantieren wir ein hohes Maß an Sicherheit. Die Daten sind verschlüsselt und redundant gespeichert, die Serverschränke feuerfest, diebstahl- und alarmgesichert. Die Ausfallssicherheit beträgt 99,9 Prozent. Zudem ist der Breitbandanschluss von Cloud&Heat von privaten Internetverbindungen getrennt.

Über welche Kanäle macht Cloud&Heat auf sich aufmerksam?

Wir nutzen Online-Kampagnen,  Social Media, klassische PR, Kooperationen und direkte Vertriebsmaßnahmen. Und natürlich spielt auch das "Word of mouth" eine große Rolle. Durch die Crowdfinanzierung haben wir eine gute Bekanntheit erreicht.

Gibt es grundsätzliche Tipps, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben können?

Wen man von seiner Idee überzeugt ist, sollte man sich nicht vom Konzept abringen lassen und vor allem fokussiert agieren.

Vielen Dank Herr Schretzmann für Ihre Anworten!


Das Interview führte Fabian Otto

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Cloud&Heat bietet Server-Rechenleistungen und nutzt gleichzeitig die anfallende Wärme zum Beheizen von Gebäuden und zum Erwärmen von Wasser. Die Server stehen dabei nicht in zentralen Rechenzentren, sondern dort, wo ihre Wärme gebraucht wird. Diese Lösung verringert Umweltbelastungen und senkt sowohl Heizkosten als auch die Kosten für die angebotene Rechenleistung. Wir sprachen mit dem Gründer Marcel Schretzmann.

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