Gründer der Woche: Langbrett – Green-Fashion für Outdoor-Sportler

Gründer der Woche, KW 43


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Unter dem Markennamen Langbrett haben sich einige Surfer, Skater, Kletterer und Aussteiger zusammengetan. Neben Langbrettern bieten sie Surf-, Skate- und Outdoor-Fashion an, hergestellt unter sozial und ökologisch fairen Bedingungen. Wir haben mit Alexander Nolte und Oliver Spies, den Gründern von Langbrett gesprochen.

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Die Langbrett-Gründer Alexander Nolte (links) und Oliver Spies


Bitte sagt uns, wer ihr seid, und gebt uns einen Überblick über euer Angebot!

Langbrett ist aus einer Gruppe von Surfern entstanden, die nach einem Weg gesucht hat, ihre Erlebnisse in der Natur zu teilen und verantwortungsvoll zu konsumieren. Daraus hat sich der Langbrett-Klub entwickelt. Um dem Wunsch gerecht zu werden, weniger aber besser zu konsumieren, produziert Langbrett langlebige, verantwortungsvoll und lokal produzierte Surf-, Skate- und Outdoorprodukte. Alle Langbrett-Geschäfte sind auch Pro-Shops der Outdoormarke Patagonia, die schon seit Ende der 70er Jahre für kompromisslose Nachhaltigkeit steht. Langbrett – das sind Produktdesigner, Fotografen, Unternehmer, Profi-Skater, Biker, Kletterer, Kunststudenten, die ihre Liebe zur Natur und ihre Vorliebe für klassische Outdoorprodukte teilen.


Wie unterscheiden sich eure Produkte von anderen?

Wir möchten bewusst eine Alternative zur aktuellen Massenproduktion und der entsprechenden Konsumkultur mit ihren negativen Folgen schaffen: Wir entwickeln Produkte, die zeitlos, funktionell und langlebig sind. Surf-, Skate- und Outdoor Kleidung von Langbrett wird unter sozial und ökologisch fairen Bedingungen hergestellt. Unsere Skateboards werden im Erzgebirge handgefertigt. Sweater und T-Shirts sind fair, lokal und umweltfreundlich produziert. Für unsere Schuhkollektionen recyceln wir alte DDR-Militärzelte, Autoreifen und Korken. Wir haben zertifiziert vegane Schuhe im Sortiment und das Leder unserer Schuhe wird chromfrei und ressourcenschonend hergestellt.


Ihr habt eine aktive Community – wie funktioniert euer Klub?

Zum Ideen-Austausch mit Gleichgesinnten haben wir den Langbrett-Klub gegründet. Es gibt regelmäßige Treffen, wir veranstalten Ausstellungen, Filmabende, Nähevents, Plastiksammelaktionen, Surfreisen und  gemeinsame Ausflüge in die Natur. Wir diskutieren bei diesen Treffen auch zukünftige Projekte und wurden zum Beispiel bestärkt, eine Skateschule für Kinder zu starten.


Wie habt ihr zusammengefunden?

Langbrett startete als Einzelhandel, damals noch unter dem Namen Kwik Shop in Berlin, den Oliver und seine Frau Annette geführt haben. Wir haben bereits vor zehn Jahren zusammen Projekte für die Industrie umgesetzt und gemeinsam Ausstellungen durchgeführt. Eingetragen wurde die Marke Langbrett bereits 2008, aber vor knapp zwei Jahren, haben wir uns entschlossen, die Geschichte von Langbrett weiter zu schreiben. Um uns auf die Weiterführung Entwicklung neuer Produkte zu fokussieren und den Klub weiter aufzubauen, haben wir die Läden zum Teil an Klubmitglieder und an Mitglieder des Gründungsteams abgegeben. Wir sind uns sicher, dass dies alles nur der Anfang einer größeren Geschichte ist, die wir gerne weiter erzählen möchten.


Wer ist eure Zielgruppe, bzw. wer sind eure Kunden?

Der Lebensstil unserer Kunden ist geprägt von Surfen, Skaten, Reisen und Outdoor-Aktivitäten. Dahinter steht der Wunsch nach echten, authentischen Erlebnissen in der Natur, deren Vielfalt, Schönheit und Ursprünglichkeit bewahrt werden soll. Dieses Bedürfnis bedienen die großen Surflabels nicht. Sie verkaufen immer noch schrille Klischees einer Surfkultur mit Contests, Pros und Product-Placements. Unsere Zielgruppe sucht einen Kontrapunkt zu dieser Welt: Beim Surfen und Longboarden geht es darum draußen zu sein, das Wetter und die Natur zu erleben.


Welche Vertriebswege nutzt ihr für eure Produkte?

Wir vertreiben unsere Produkte über die Geschäfte in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt. In Kürze kommt ein Laden im Hamburger Karoviertel hinzu. Seit drei Monaten verkaufen wir unsere Produkte auch über unseren Onlineshop. Unser Ziel bleibt es aber, unsere Kunden in den Langbrett-Läden zu beraten. Gerade bei Surf- oder Skateboards ist eine persönliche Beratung sinnvoll. Unsere Verkaufspunkte sind aber viel mehr als reine Absatzkanäle – sie sind auch Dreh- und Angelpunkt für den Langbrett-Klub.


Als Leitmotiv habt ihr euch Langlebigkeit auf die Fahnen geschrieben: Welche Überlegungen stecken dahinter?

Bei uns kauft man Lieblingsstücke fürs Leben: zeitloses Design in hochwertiger Qualität. Wir möchten Design schaffen, das aktuell bleibt, Kleidung, die auch nach Jahren noch tragbar ist und sich nicht an kurzlebigen Trends orientiert. Wir haben Produkte im Sortiment wie unseren Troyer aus Merinowolle „made in Germany“, die Longboards aus Massivholz, handgemacht im Erzgebirge, und unsere schlichte Kleidung aus Jersey und Frottee. Wir bieten ausschließlich Produkte an, die Menschen und der Umwelt nicht schaden. Und die in einer Umgebung produziert werden, in der wir uns selber vorstellen könnten zu arbeiten. Wir thematisieren Umweltfreundlichkeit, Ressourcenschonung und Recycling auch mit unseren Kunden und geben Anleitung zum Reparieren, Umnutzen und Weiterverwenden. Dafür veranstalten wir in unseren Läden regelmäßig Nähevents: Unter professioneller Anleitung wird aus der Jacke, mit der ein Kunde die Alpen überquert hat, eine einzigartige Tasche. Das ist etwas, das bleibt.


Insgesamt stellt ihr sehr hohe soziale und ökologische Ansprüche an euch selbst. Und wenn man sich auf eurer Webseite umsieht, drängt sich leicht der Gedanke auf, dass ihr mehr Weltverbesserer als Unternehmer seid. Ist da was dran, und was bedeutet euch wirtschaftlicher Erfolg?

Ganz klar: Ohne wirtschaftlichen Erfolg können auch wir unsere Ideen nicht umsetzen. Aber es geht nicht darum ohne Rücksicht auf Verluste, das Maximum aus einem Produkt herauszuquetschen. Beispiel: Unsere Schuhe werden in einer Manufaktur in Portugal produziert, in der die Mitarbeiter im Krankheitsfall abgesichert sind, geregelte Arbeitszeiten haben und übertariflich bezahlt werden. Das ist zwar teurer, sichert aber auch die Qualität. Und für Qualität gibt es einen wachsenden Markt. Es gibt immer mehr Menschen, die weniger aber dafür besser konsumieren möchten.

Unsere Schuhe sind qualitativ auf sehr hohem Level. Sie sind zum Großteil handgefertigt und aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt, das Leder ist chromfrei gegerbt. Das alles ist ohne Frage aufwendig und natürlich liegen wir mit solch einem Produkt hinter den üblichen Margen der Fashion-Industrie. Aber dafür kennen wir jeden Zulieferer, die Herkunft jedes verwendeten Fadens und jedes Klebers. Wir glauben, die Welt besser zu machen, ist auf lange Sicht auch für uns als Unternehmer gut.


Welchen Stellenwert haben soziale bzw. ökologische Produkte eurer Ansicht nach in unserer Gesellschaft?

In der Gesellschaft wird ökologisches Denken und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit immer präsenter, spiegelt sich jedoch leider nicht immer im Konsumverhalten. Auch von Seiten der Politik passiert etwas: Ab 2018 verbietet die EU kostenlose Plastiktüten, zudem wird dann der Verbrauch pro Bürger rationiert. Aber bei einem jährlichen Verbrauch von 100 Milliarden Plastiktüten in der EU und einer Langlebigkeit von Plastik von rund 450 Jahren sind das vergleichsweise kleine Schritte. Umso wichtiger ist es, dass es sinnvolle Angebote für Verbraucher gibt, die weiter gehen und nachhaltiges Einkaufsverhalten ermöglichen. Uns und unseren Kunden sind Herkunft und Herstellungsprozess der Produkte extrem wichtig. Minimaler Energie- und Materialaufwand und ein höchst möglicher Recycling-Anteil sind Aspekte, die unsere Kunden erwarten. In unseren Läden werden unsere Mitarbeiter häufig dazu befragt. Mit unserer Kommunikation versuchen wir, das Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit zu stärken.


Über welche Kanäle macht ihr auf euch aufmerksam?

Wir sind auf den gängigen Kanälen wie Facebook vertreten. Und wir bekommen tolle Rückmeldungen für unsere neu gelaunchte Webseite, die unseren Langbrett-Kosmos transportiert. Die wichtigsten Kanäle sind unser Klub und die Kooperation mit unseren Partnern wie Patagonia. Im Moment stecken wir unsere Ressourcen vorwiegend in neue Produkte.


Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir werden morgen, am 22. Oktober 2015, einen weiteren Laden in Hamburg, in der Marktstraße im Karoviertel, eröffnen! Die Skateschule für Kinder wurde in Düsseldorf sehr gut angenommen. Wir wollen das Konzept auf die anderen Standorte ausweiten. Auch wegen des Erfolgs unserer veganen Schuhe experimentieren wir mit alternativen Materialien, um mittelfristig ganz auf Leder verzichten zu können. Außerdem sind wir dabei – in Kooperation mit einem Taschenhersteller – Langbrett-Rucksäcke zu entwickeln und arbeiten an einer Marktneuheit für Longboards.


Und wie immer zuletzt die Frage: Gibt es grundsätzliche Tipps, die ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtet?

Keine Angst vor Fehlern. Wichtig ist, dass man schnell daraus lernt.


Alexander und Oliver, vielen Dank euch für das Interview!


Hier geht es zu Langbrett


Das Interview führte Fabian Otto

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