Gründer der Woche: iGrow – für den "Coach-to-go"

Gründer der Woche, KW 38


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Darüber, warum und wie sich aus den Anfängen von iGrow – der „Lern-Plattform für Jedermann“ – ein Geschäftsmodell für Coaches, Trainer und Akademien entwickelt hat, sprechen wir mit dem Co-Gründer Alexander Klein.

Der iGrow-Co-Gründer Alexander Klein


Sie haben Ihr Unternehmen vor rund einem Jahr gestartet – wie haben Sie sich als Gründer-Team gefunden?

2006 traf ich in meiner Tätigkeit als Personalberater auf die Juristin Ute Küttner-Mavuo. Sie arbeitete zuvor als Legal Consultant und Leiterin der Rechtsabteilung für verschiedene internationale Unternehmen. Gemeinsam gründeten wir noch im selben Jahr die Unternehmerpraxis Outcome Driven, mit der wir Unternehmen unter anderen im Talentmanagement und bei der Personalrekrutierung unterstützen.


Wie sind Sie dann auf die Idee zu iGrow gekommen?

Die Idee zu iGrow entstand, als ich im Rahmen unserer Beratungsaufgaben bei Outcome Driven den Kontakt zu einem guten Bekannten auffrischte. Als Psychologe in großen Unternehmen, war diesem aufgefallen, dass es bei der Fort-und Weiterbildung von Angestellten ein grundsätzliches Problem gibt. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer nehmen die angebotenen, meist temporär befristeten Präsenzveranstaltungen wie Kurse, Seminare oder Workshops sehr ernst und erkennen deren Relevanz, um im Beruf bzw. im Markt erfolgreich zu sein. Also versuchen sie unmittelbar nach der Weiterbildung und für einen Zeitraum von, sagen wir einmal so um die 14 Tagen, das neu erworbene Wissen in die bestehenden Strukturen und Anforderungen des Tagesgeschäftes zu integrieren. Doch leider scheitert die Umsetzung aller guten Vorsätze, Pläne und Aufgaben oftmals relativ schnell, weil der Alltag im Job Oberhand gewinnt. Die meisten Schulungsteilnehmer fallen dann in ihre gewohnten Routinen zurück und das Gelernte verblasst nach und nach.


Und was setzen Sie diesem Problem entgegen?

Unser Ziel ist es, das Lernen effizienter, flexibler, einfacher und vor allem nachhaltiger zu gestalten. Wir wollen die lernpsychologisch fundierte Methode in kleinen Schritten in Online-Lernprogramme übersetzen, die sich komfortabel und effizient in den Alltag integrieren lassen. Eine Methode, die auf kurze Übungen und kleine Schritte setzt, macht es möglich, die eigenen Ziele wirklich zu erreichen. Daher sollte der Zugriff auf die Methode durch eine technische Lösung erfolgen, die für jedermann und zu jeder Zeit auf allen modernen digitalen Endgeräten abrufbar ist. Wir wollen dadurch sicherstellen, dass auch komplexe und sogar sehr individuell ausgerichtete Wissensinhalte durch leicht umsetzbare praktische Übungen und ansprechende Möglichkeiten der Wissensvertiefung zu einem nachhaltigen Lernerfolg führen.


Sie haben Ihr Konzept zunächst als B2C-Geschäftsmodell gestartet. Erklären Sie es uns bitte.

Wir sind mit iGrow als Microlearning-Plattform für jedermann gestartet. Mit Missionen, die so ziemlich jeder Lebenssituation zuzuordnen sind: Viele haben Kinder, die nicht einschlafen wollen, Hunde, die nicht aufhören zu bellen, oder Sie selbst möchten fitter werden, ihre Ernährung verbessern oder interessieren sich z. B. aus beruflichen Gründen für Themen wie Rhetorik- oder Mimiktraining, Stressprävention und gutes Benehmen.

Unsere User können daher aus fünf verschiedenen Kategorien (Lifecycle, Sports, Business, Health und Animals) die Mission auswählen, auf die sie sich begeben wollen. Schon seit dem Start haben wir renommierte Experten wie beispielsweise Moritz Freiherr von Knigge, Dr. Thomas Kurscheid oder Robert Spengler mit an Bord. Hat sich der Nutzer auf iGrow für eine Mission entschieden, so wird er täglich darüber informiert, welche Tagesübungen ihn erwarten. Außerdem kann er kann wählen, welchen der jeweils drei angebotenen Herausforderungsgrade er heute bestehen will oder die Durchführung der Übung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Die Anzahl der Übungen bestimmt jeweils der Experte. Sein Wissen findet sich auch in den Quizfragen zur Mission wieder. So wird das Lernen mit Spaß verbunden und dem Autonomiebedürfnis lernender Erwachsener Rechnung getragen.

Wir und auch unsere Missionmaker bekommen durchweg positives Feedback, sowohl zur Methode, zur Handhabung als auch zu den Inhalten. Allerdings entwickelt sich die Reichweite des Marktplatzes durch Mund-zu-Mund-Propaganda nicht in einem akzeptablen Tempo. Und natürlich war uns von Anfang an bewusst, dass eine Beschleunigung den Einsatz eines entsprechend hohen Marketingbudgets, z.B. für TV-Spots, erfordern würde. Daher suchten wir schon Mitte des letzten Jahres den Austausch mit Bildungsträgern und Anbietern von Coachings und Trainings zu einem Einsatz von iGrow im Rahmen ihrer Angebote.


Sie haben weiter an Ihrer Idee und Vision gearbeitet, auch, weil Ihr B2C-Modell zunächst wenig rentabel war. Was hat sich daraus entwickelt?

Unser Vorteil war, dass sich im Rahmen des B2C-Ansatzes bereits ein reges Interesse seitens der Coaches und Trainer abzeichnete. Sie haben sehr schnell den Wert gesehen, unser Modell des Microlearning für sich und ihre Lerninhalte zu nutzen. Was uns ja – unter weiteren Aspekten – aus dem zugegebenermaßen sehr hart umkämpften Online-Markt heraushebt ist, dass iGrow sich hervorragend mit der Idee des „Blended Learning“ vereinbart: Der Experte, also der Coach oder Trainer oder auch der Lehrende einer Akademie, bleibt auch nach seiner Präsenzveranstaltung bei den Teilnehmern, hilft ihnen bei der Umsetzung ihrer Ziele durch spezifisch auf seine Themen konzipierte Lernprogramme und steht mit ihnen in kontinuierlichem, persönlichen Kontakt – ohne persönlich anwesend sein zu müssen.


Was bedeutet die Fokussierung auf das B2B-Segment konkret?

Unsere Vision bleibt weiterhin, den Menschen eine Möglichkeit für nachhaltiges Lernen zu bieten. Deswegen wendet sich unsere Microlearning-Plattform nach wie vor an alle Menschen, an die Coaches, Trainer und Akademien und auch an die Unternehmen. Das Hauptaugenmerk unseres Businessmodells liegt allerdings jetzt auf den Coaches. Wir richten uns an Experten, Referenten, Trainer und andere, die ihre Präsenzveranstaltungen im Leben ihrer Teilnehmer nachhaltig machen wollen. Die Missionen können dabei eine begleitende Funktion innehaben oder Veranstaltungen vor- bzw. nachbereiten. Selbst in der Akquisition von Neukunden ist iGrow sinnvoll einsetzbar.


Kommt Ihr Unternehmen nun auch in Puncto Umsätze in Schwung?

Absolut. Aktuell zählen wir bereits etwa zwei Dutzend ausgewiesene, namhafte Coaches zu unserem Experten-Netzwerk. Und der erfolgreichste Coach erzielte mit unserer Lösung und seinen Lernprogrammen allein im Juli 2015 immerhin schon fünfstellige Umsatzerlöse. So etwas spricht sich herum und inspiriert wiederum andere Coaches. Auch unsere unterschiedliche Anforderungen bedienende Preis- und Dienstleistungsmodelle kommen dieser nicht sehr homogen strukturierten Zielgruppe entgegen. Und wir merken umgekehrt, dass die Vertriebsaktivitäten der Coaches auch den Traffic auf unserer Lern-Plattform wachsen lassen.


Zu guter Letzt: Was raten Sie anderen Gründern?

Ganz generell: Ein Unternehmen steht und fällt mit seiner Liquidität. Ein solider Finanzierungsplan und ein Businessmodell, die beide versuchen, viele Eventualitäten mit einzuschließen, sind deshalb ein Muss. Trotz aller Pläne gilt es aber auch flexibel zu bleiben, schnell zu lernen und Gelerntes ohne Zögern umzusetzen. Denn manchmal zwingen veränderte Situationen einen einfach zum Umdenken, dem dann auch ein Handeln folgen muss.

Der Prozess einer Firmengründung ist selten frei von Zweifeln oder Ängsten. Vor diesem Hintergrund kann ich nur empfehlen, die eigene Vision nie aus den Augen zu verlieren. Manchmal muss man sich aber von alten Gedankenmustern lösen, um neue Wege gehen zu können. Das erfordert neben Kreativität auch eine Menge Mut. Bei iGrow haben wir erkannt, dass unser ursprüngliches Businessmodell schwierig zu realisieren und für den Moment wenig rentabel war. Durch die Konzentration auf einen B2B-Ansatz können wir mit unserer Vision weiterhin Menschen mit unserer Lernmethode erreichen. „Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können“, hat der französische Künstler Francis Picabia einmal gesagt. Wir wissen: Das gilt nicht nur für die Kunst, sondern auch im Geschäftsleben.

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Das Interview führte Hans Luthardt


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