Gründer der Woche: hytch – das etwas andere Online-Recruiting im Kampf um die Talente

Gründer der Woche, KW 51


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Vor Kurzem ist die Plattform hytch.io an den Start gegangen, um ein neuartiges Recruiting-Modell zu etablieren. Das Ziel: Jobsuchende ITler sollen schnell und einfach konkrete Offerten erhalten. Darüber, wie das Matching funktioniert, sprachen wir mit Co-Gründer Tim Tepaß.

Hytch-Co-Gründer Tim Tepaß

Wie sind Sie auf die Idee zu hytch gekommen – durch eigene Erfahrungen auf der Jobsuche?

Unser Team hat zwei Jahre die IT-Personalvermittlung Wunschkandidaten.com geleitet. Diese war zwar nicht als klassischer Headhunter unterwegs, musste jedoch auf traditionelle Mechanismen zurückgreifen.

Wann haben Sie gegründet, wer gehört zum Gründer-Team und seit wann ist Ihre Beta-Version online?

Jasper van Ghemen (COO), Christoph Speckmann (CPO) und ich haben im Oktober 2014 gegründet, und wir konnten mit Jeremy Smith (CTO), dem ehemaligen CTO des Maker Spaces in New York City, einen erfahrenen Developer von unserer Idee überzeugen. Wir sind Anfang November mit der Beta live gegangen.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage vom "Kampf um die Talente". Gibt es nicht bereits ausreichende Recruiting-Möglichkeiten?

Es gibt viele Optimierungsansätze, um den Prozess des Rekrutierens zu verbessern, allerdings packen diese Lösungen nicht das Problem an der Wurzel. Der Arbeitgebermarkt hat sich zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt – somit hat wieder der Arbeitnehmer die Macht. Genau da setzt hytch.io an.

Was sind die größten Fehler auf dem Recruiting-Markt?

Der Recruiting-Markt ist immer noch geplagt von Intransparenz. Unnötige Ressourcen (beim Arbeitnehmer sowie beim Unternehmen) werden verbrannt, weil die üblichen Rekrutierungskanäle die Unternehmen nicht zwingen, klar zu kommunizieren, was sie bieten können bzw. wollen.

Welche Unternehmen und welche Jobsuchenden möchten Sie konkret zusammenbringen?

Wir fokussieren uns derzeit auf Tech-Firmen, die auf der Suche nach Software Entwicklern, Designern, Mathematikern (Data Scientists) und erfahrenen Produkt Managern sind.

Auf den Punkt gebracht: Was macht Ihre Recruiting-Plattform anders als bestehende bzw. besser?

Wir drehen den Spieß um. Die Unternehmen müssen sich innerhalb von einer Woche bei den Arbeitgebern „bewerben“.

Erklären Sie uns bitte, wie hytch funktioniert, d.h., was ist Ihre Aufgabe in dem Recruiting-Prozess?

Hytch stellt die Verbindung zwischen Europas besten ITlern und Europas besten IT-Firmen. Unsere Aufgabe besteht darin, geeignete IT-Fachkräfte auf unseren Marktplatz zu bringen, ebenso wie IT-Firmen. Wir führen auf beiden Seiten ein Qualitäts-Check durch und können so Kandidaten, die es nicht auf hytch Runde schaffen, Bildungsempfehlungen geben. Hier arbeiten wir derzeit verstärkt mit dem StartupInstitute und CareerFoundry zusammen. Wir suchen aber weiterhin passende Bildungspartner!

Wie läuft das Matching – Sie sprechen von der "hytch Runde“, nachdem die Teilnehmer registriert sind?

Der Jobsuchende erstellt sich ein Profil, wird dann auf seine Fähigkeiten geprüft und kann dann an der „hytch Runde“ teilnehmen. Wir sehen nicht nur welche Fähigkeiten der Kandidat besitzt, sondern fragen auch, welche Technologie er zukünftig benutzen möchte. So können wir ein besseres Matching betreiben, was nicht nur auf Daten der Vergangenheit beruht. Der Kandidat kann sich dann zurücklehnen und wird innerhalb von einer Woche unverbindliche und transparente Jobangebote von Firmen bekommen. Ein automatisches Matching ergibt sich allerdings auch aus der Tatsache heraus, dass der Kandidat ausschließlich mit Firmen redet, die für ihn auch eine interessante Option darstellen. Sprich: Ein konservativer, traditioneller Typ Entwickler wird nicht die Zeit eines jungen, modernen Start-ups in Anspruch nehmen (und umgekehrt), welches ihn grundsätzlich nicht interessiert.

Und wie läuft das Matching aus der Sicht des suchenden Unternehmens ab?

Firmen legen sich ebenfalls ein Profil an und teilen uns zusätzlich mit, nach wem sie suchen. Daraufhin bekommen sie immer vor der kommenden „hytch Runde“ eine E-Mail mit relevanten Kandidaten, denen sie dann Angebote machen können. So können wir garantieren, dass Firmen nur mit Kandidaten in Kontakt treten, die wirklich auf Jobsuche sind! Dies erspart den Unternehmen Zeit, und die Genauigkeit des Matchings steigt mit dem Informationsgrad der ursprünglichen Offerte des Unternehmens. Einige namenhafte Unternehmen wie zum Beispiel Outfittery, Customer Alliance oder LinkBird konnten wir bereits überzeugen.

Ist die "hytch Runde" zeitlich und inhaltlich ausreichend, um zu einem Deal zwischen den Suchenden zu kommen? Recruiting-Prozesse dauern ja schnell mal einige Wochen und länger.

Nach der „hytch Runde “, vereinbaren Unternehmen und Kandidat weitere Assessments. Die „hytch Runde“ dient dazu, schnellere Entscheidungen zu treffen. IT-Talente stehen hoch im Kurs, somit müssen die Unternehmen schneller handeln.

Was passiert, wenn die Runde erfolglos war? Neue Runde, neues Glück?

Die Kandidaten die keine Angebote bekommen haben, werden zunächst nicht mehr zugelassen. Wir schauen uns dann ganz genau an, weshalb es zu keinen Angeboten gekommen ist und evaluieren, ob eine Zulassung zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll ist.

Wie finanzieren Sie sich? Wie verdienen Sie an dem Recruiting-Modell?

Bei erfolgreicher Zusammenarbeit des Kandidaten und der Firma erhalten wir eine Provision. Die erste Einstellung kostet der Firma lediglich 2,5 % (des 1.Brutto Jahresgehalts) auf die ersten drei Monate, also maximal 7,5 %. Wir geben allerdings 3 % an unsere Kandidaten als Dankeschön weiter.

Wie machen Sie auf sich und Ihr Business aufmerksam?

Da unser Konzept neu ist und vor allem den Arbeitnehmer unterstützt wird unsere Vision von den IT-Talenten weitergetragen. Das Feedback ist durchweg positiv, was vor allem die vielen Anmeldungen zeigen. Auf Firmenseite benötigt es mehr Aufklärungsarbeit. Wir setzen hier verstärkt auf persönlichen Kontakt auf Messen und Konferenzen.

Welche Erfahrungen haben Sie seit dem Start gemacht? Hat sich Ihr Konzept verändert bzw. haben Sie es weiterentwickelt?

Wir haben zunächst den Fokus auf das Herzstück, den Marktplatz gelegt, haben dann aber schnell erkannt, dass die Weiterbildungsempfehlungen der fehlende Schlüssel sind. Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck.

Sie konzentrieren sich derzeit auf den europäischen Markt – haben Sie bereits weiter gesteckte Ziele?

Europa ist mit rund 8 Millionen Erwerbstätigen ein riesiger Markt und somit unser Fokus. Wir gehen aber davon aus, dass unser System in allen Märkten funktionieren kann, wo Knappheit herrscht.

Was raten Sie anderen Gründern?

Think less, do more! Wir sind auch als kleine Agentur gestartet, welche sich mittlerweile zu hytch.io entwickelt hat.

Das Interview führte Hans Luthardt

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