Gründer der Woche: GoButler – das Start-up, über das ganz Deutschland spricht

Gründer der Woche, KW 25


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Im März launchte der 24-Stunden-Concierge-Service, mit dem man sich gemütlich per SMS seine Wünsche erfüllen lassen kann. Schon jetzt sind mehr als 50.000 User registriert – das Business boomt. Über den rasanten Start und das spannende Geschäftsmodell sprechen wir mit Cogründer Navid Hadzaad.

Die vier Gründer von GoButler (v.li.n.re.): Maximilian Deilmann, Jens Urbaniak, Joko Winterscheidt und Navid Hadzaad


Was kann GoButler und wie sind Sie und Ihre Co-Gründer auf die Idee gekommen?

Wir erledigen alltägliche und nicht-alltägliche Dinge für unsere Nutzer – wir kümmern uns um Essensbestellungen, Reisebuchungen oder auch die Recherche und Bestellung des nächsten Laptops oder Fahrrads. Für unsere Nutzer sehen wir uns als persönlichen Assistenten, der 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche verfügbar ist – per SMS aber trotzdem persönlich. Wir möchten unseren Nutzern das Leben erleichtern und Zeit ersparen. GoButler sehen wir als Meta-Aggregator über den Zugang zu allen Produkten und Dienstleistungen – online und offline. Im Gründerteam haben wir schon länger an der Idee eines persönlichen Assistenten gearbeitet. Wir sehen uns als "Volks-Butler" – als Butler für jedermann.

 

Wie läuft klassischerweise ein Auftrag bei euch ab?

Unsere Kunden melden sich auf gobutlernow.com an und müssen wenige Tage warten, bis sie freigeschaltet werden. Ab da kann sich jeder Nutzer per SMS so oft er will mit seinen Anliegen an uns wenden. In der Regel ist das zweimal die Woche der Fall.

 

Die mediale Präsenz von GoButler ist im Vergleich zu anderen Start-ups enorm. Auf welchen Maßnahmen beruht dieser Erfolg?

Wir setzen nicht auf einzelne Marketingmaßnahmen. Für den größten Bekanntheitsschub sorgte bisher auch keine PR-Aktion, sondern die Erfahrungen, die Kunden mit unserem Service hatten und über Mund-zu-Mund-Propaganda gestreut haben. Das Produkt steht bei uns über allem.

 

Mit Joko Winterscheidt habt ihr einen Promi mit extremer Strahlkraft in eurem Team. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und wie sehr profitiert ihr davon?

Jens, einer von uns Gründern, kennt Joko schon seit längerem und hat ihm von GoButler erzählt. Er war sofort von dem Service begeistert und so haben wir sehr bald den größeren Plan geschmiedet. Joko war von Anfang an dabei und nicht nur Investor, sondern Mitgründer. Er ist bei GoButler für die Bereiche Marketing und PR verantwortlich.

 

Euer Gründerteam stammt aus der Start-up-Schmiede von Rocket Internet. War damit der Erfolg von GoButler schon vorprogrammiert?

Wir, also das Gründerteam, welches aus Jens Urbaniak, Maximilian Deilmann und mir besteht, waren vorher in Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen der Rocket Internet SE tätig und kannten uns daher. Die Idee, einen innovativen und benutzerfreundlichen Buchungskanal für jede Art von Produkt und Dienstleistung zu entwickeln, hat uns im Gründerteam schon länger beschäftigt. Und natürlich hatte jeder von uns davor bereits Erfahrung in diesem Bereich gesammelt, die uns heute zu Gute kommen.

 

Mit "MyWitchel", "James, bitte" oder "Sixtyone Minutes" gibt es einige Concierge-Service-Anbieter, die auf den ersten Blick identisch anmuten. Wie hebt ihr euch entscheidend von eurer Konkurrenz ab?

Der Concierge-Service wird von vielen unterschiedlichen Unternehmen angeboten – verschiedene Versuche gab es in den letzten Jahren immer wieder. Das Problem an dem Konzept ist nicht der Launch, sondern die Skalierung. 100 oder 10.000 Requests am Tag mit der gleichen Qualität zu bearbeiten – das können wir heute. Wir sind hier Marktführer. Unser Konzept unterscheidet sich aber auch grundlegend: Wir erheben zum Beispiel keine monatliche Gebühr von unseren Nutzern – für unsere Kunden bleibt unser Dienst kostenlos. Wir finanzieren uns über Provisionen von vermittelten Dienstleistern.

 

Warum setzt ihr auf das scheinbar antiquierte Kontaktmedium der SMS und nicht auf einen Messenger-Dienst wie WhatsApp oder sogar auf eine Stand-Alone-Lösung einer App?

Die SMS mag zwar antiquiert sein, sie erfreut sich dennoch großer Beliebtheit und ist das einfachste Kommunikationsmittel. Es ermöglicht uns, unseren Nutzern ohne jegliche App-Downloads sofort zu Verfügung zu stehen - und das auch noch, wenn man keinen Internet-Empfang hat. Wir schauen uns natürlich auch andere Kommunikationsmittel, wie z.B. eine eigene App, an. Mit dem WhatsApp-Team haben wir sehr früh gesprochen und  uns dazu entschieden darauf zu verzichten, da WhatsApp keine kommerzielle Nutzung erlaubt und uns über kurz oder lang sperren würde - dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.  Momentan freuen wir uns darüber  unseren Teil zur Renaissance der SMS beitragen zu können!

 

Ihr habt ein wahnsinniges Mitarbeiter-Wachstum. Wie stemmt ihr diesen Zuwachs und wie kommt ihr an qualifizierte Leute?

Wir haben mittlerweile ein sehr starkes Team von knapp 120 Mitarbeitern, davon alleine 60 Kollegen in unserem New Yorker Büro. Unser Team ist hoch motiviert und hat Spaß an Kommunikation – das merkt der Kunde. Wegen unsers rasanten Wachstums werden wir in diesen Tagen aber auch in ein größeres Büro in Berlin umziehen.

 

Seit kurzem seid ihr auch in den USA präsent. Wie läuft’s dort und wie sehen eure zukünftigen Expansionspläne aus?

Wir haben vor knapp zwei Monaten unser Headquarter in New York eröffnet. Mittlerweile ist das Team dort schon wie gesagt auf 60 Kollegen angestiegen und wir wachsen stetig weiter. Wir werden nach und nach in weitere bevölkerungsstarke Metropolen, die für uns strategisch sinnvoll sind, expandieren.

 

Die Branche der Concierge-Dienste ist noch relativ neu. Habt ihr Bedenken, dass es sich um einen Hype handeln könnte und die Blase irgendwann platzt?

Ich kann natürlich nicht mit einer Glaskugel in die Zukunft sehen. Aber die enorme Nachfrage nach GoButler stimmt uns mehr als positiv. Seit März diesen Jahres haben wir 300.000 Anfragen bearbeitet und 75.000 registrierte Nutzer.

 

Ihr seid sehr auf die Zuverlässigkeit von externen Dienstleistern angewiesen, nach welchen Kriterien wählt ihr diese aus?

Ein Großteil unserer Anfragen kann durch eine Handvoll Dienstleister abgedeckt werden. Diese wählen wir vor allem nach Qualität und Abdeckungsgebiet aus. Über allem steht, dass der Nutzer gute Erfahrungen macht -  ohne Kompromisse. Wir versuchen natürlich auch mit Dienstleistern zu arbeiten, deren Marke dem Kunden schon bekannt ist.

 

Ich selbst habe euch privat getestet und habe leider rundum schlechte Erfahrungen gemacht. Die Lieferung kam nicht pünktlich und war unvollständig. Einer Beschwerde meinerseits beim Kundensupport folgte keine Reaktion. Hinken wesentliche Strukturen eurem rasanten Wachstum hinterher?

In erster Linie tut mir das natürlich sehr leid - das darf und sollte nicht passieren. Weder bei Ihnen, noch bei unseren anderen knapp 75.000  Nutzern. Durch das schnelle Wachstum lernen auch wir noch jeden Tag dazu und wollen unseren Service tagtäglich verbessern. Dies ist eine riesen Herausforderung, bei welcher es kein Buch mit passenden Ratschlägen zum Nachlesen gibt. Wir erfinden eine neue Industrie und tun täglich unser Bestes, der Nachfrage gerecht zu werden. Das positive Feedback und die Nutzerzahlen zeigen aber, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

 

Und zu guter Letzt: Was ist Ihr Tipp für andere Gründer?

Man sollte sich intensiv mit jeder noch so kleinen Herausforderung befassen und insbesondere Ratschläge zu Themen einholen, bei denen man selbst nicht Experte ist. Damit sind wir bislang ganz gut gefahren.

 

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Das Interview führte Niclas Hagen

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