Gründer der Woche: COBI – das Fahrrad wird zum Hightech-Gerät

Gründer der Woche, KW 33


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COBI steht für Connected Bike. Es handelt sich bei COBI um ein voll vernetztes, integriertes System, nachrüstbar für jedes Fahrrad, das alle anderen elektronischen Fahrrad-Geräte überflüssig macht und über 100 Software-Features in einer App zusammenführt. Wir sprachen mit COBI-Gründer Andreas Gahlert.

Andreas_Gahlert

Hallo Herr Gahlert! Sagen Sie: Welches Unternehmen steckt hinter COBI, und seit wann existiert es?

Hinter COBI steckt die COBI GmbH, die im Mai 2014 als Start-up mit 500.000 Euro Startkapital gegründet wurde.


Bitte sagen Sie kurz etwas zu Ihrem Gründerteam: Wer sind Sie, und wer hat welche Aufgaben?

Ich bin selbst Wirtschaftsingenieur und nicht nur aktiver Snowboarder und Mountainbiker, sondern habe bereits neun erfolgreiche Unternehmen gegründet – das erste mit 16 Jahren. Vor COBI leitete ich die von mir gegründete Agentur "Neue Digitale". Mit über 300 nationalen und internationalen Auszeichnungen war "Neue Digitale" zwei Mal die kreativste Digital-Agentur Deutschlands und brachte es bis auf Platz 6 der kreativsten Digital-Agenturen weltweit. Als ich die Agentur 2006 an Razorfish (Publicis) verkaufte, managte ich als CEO insgesamt 200 Mitarbeiter. Einer der wichtigsten Kunden der Agentur war Audi, für die wir innovative digitale Projekte, auch im Bereich Connected Drive konzipiert und umgesetzt haben. Daher kommt die Erfahrung mit vernetzten Fahrzeugen. 2012 entschloss ich mich, die Agentur zu verlassen, um etwas noch Aufregenderes zu machen: COBI.

Im Juni 2014 wurde dann zunächst die iCradle GmbH gegründet, welche heute als COBI GmbH firmiert – zusammen mit den drei erfahrenen Ex-Razorfish-Direktoren Tom Acland, jetzt Head of Business Development, Heiko Schweickhardt, Head of Software, und Carsten Lindstedt, Head of Brand Experience.


COBI ist bereits mehrfach preisgekrönt: Allein im Mai haben Sie drei Auszeichnungen bekommen. Was bedeutet das für Sie?

Wir sind sehr stolz darauf, dass externe Experten das System auszeichnen. Da wir noch nicht auf dem Markt sind, gibt es noch keine Tests. Ein Award ist daher für uns ein Markt-Test und bestätigt unsere Vision.


Was war der Anstoß für die Entwicklung des COBI-Systems?

Die Idee für das Produkt entstand bereits im Herbst 2013, als ich mit meinem Mountainbike den Feldberg im Taunus durchpflügte. Das Fahrrad, die Lampe, Smartphone mit Zusatzakku, und der Tacho wirkten unaufgeräumt und wenig intelligent. Beim Pendeln nach Frankfurt ärgerte ich mich bei der Benutzung des Smartphones über die Batteriedauer und die umständliche Handhabung der Apps. Für einen digitalen Menschen wie mich unerträglich. Im Auto geht das alles besser, warum also nicht auch auf dem Fahrrad.


Wer hat das System entwickelt? Und wie wurde diese Entwicklung finanziert?

Das patentierte System wurde zunächst von mir gescribbelt, aus eigener Tasche finanzierte ich Machbarkeits-, Markt- und Designstudien. Als ich selbst überzeugt war, ging ich auf Investorensuche. Und bekam 500.000 Euro von 10 Investoren. Mit dem Geld haben wir dann professionelle Partner engagiert und das eigene Team aufgebaut – mit heute knapp 40 Mitarbeitern.


Gab es spezielle Hürden, die auf dem Weg zur Marktreife überwunden werden mussten?

Dadurch, dass wir kaum Vergleichsobjekte heranziehen konnten, mussten wir vieles komplett neu erfinden. Die Funktionsfähigkeit erkennt man erst am Ende, am seriennahen Prototypen. Dafür braucht man Geduld und Disziplin. Das hatten wir am Anfang einfacher eingeschätzt.

Cobi

Was genau bietet COBI, welche Elemente gehören zu dem System?

Das COBI System macht jedes Fahrrad zum fortschrittlichsten Rad aller Zeiten. Man benutzt sein eigenes Smartphone und dockt es in unsere Hardware als zentrales Cockpit ein.

Wir integrieren sechs Geräte in einem: Licht, Smartphone-Halterung, Klingel, Alarm, Fahrrad-Computer und das Navigationsgerät. Am besten sind allerdings die über 100 Softwarefeatures, die alles intelligent steuern, was man für ein besseres Radfahr-Erlebnis benötigt. Auf E-Bikes kann COBI zusätzlich den Motor steuern und die Betriebsdaten anzeigen sowie intelligent verarbeiten.

Das System ist erst der Anfang eines Ökosystems aus Software, Hardware und Cloud Services. Vor allem die Industrie kooperiert umfangreich mit uns, um deren Fahrräder zukünftig besser zu vernetzen.


Ist jedes Fahrrad mit COBI nachrüstbar?

Mehr oder weniger ja. COBI wird am Lenker mit 4 Inbus-Schrauben montiert und funktioniert sonst drahtlos. Da keine Kabel verlegt werden, ist keine Werkstatt notwendig.

An E-Bikes unterstützen wir aktuell Bosch, Brose, Impuls, Trans X, Stromer. Weitere werden folgen.


Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand? Ab wann wird das Connected Bike System zu haben sein?

Das COBI System zum Nachrüsten wird voraussichtlich ab Herbst ab 179 Euro verfügbar sein.


Über welche Kanäle machen Sie auf COBI aufmerksam?

Hauptsächlich über digitale Kanäle, da wo unsere Zielgruppe zu finden ist. Und über PR.


Und wie immer am Ende des Interviews die Frage: Haben Sie ein oder zwei Tipps, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben möchten?

Für eine erfolgreiche Gründung braucht man immer drei Dinge: Talent, Kapital und Kreativität. Eine gute Idee ist nur der halbe Weg – viel Durchhaltevermögen, dickes Fell und Glaube muss man mitbringen, um ein Start-up zu einem erfolgreichen Unternehmen aufzubauen.


Herr Gahlert, vielen Dank für das Interview!


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Das Interview führte Fabian Otto

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