Gründer der Woche: Airfy - rechtssicheres und freies WLAN für unterwegs und zu Hause

Gründer der Woche, KW 46


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Die Gründer von Airfy sind angetreten, um die Idee vom freien und sicheren WLAN Realität werden zu lassen. Was das junge Team antreibt und was es alles auf die Beine stellen will, verrät Co-Gründer Steffen Siewert im Interview.

Airfy-Co-Gründer Steffen Siewert

Hallo Steffen, woher stammt deine Geschäftsidee rund um das Thema WLAN und wann hast du dein Start-up gegründet?

Im Oktober 2013 wurde Airfy im Allgäu gegründet. Der Bezug zu WLAN bestand schon sehr lang. Irgendwann bei einer Reise war es wieder so weit: Gast-WLAN nutzen – Mission impossible. Zu umständlich, es funktioniere nicht richtig, der Betreiber war auch genervt – kurzum: das Thema ist einfach notdürftig umgesetzt. Als dann wieder einmal in Berlin gerufen wurde "Wer macht WLAN für Berlin", war der Startschuss schon für uns gefallen.

Was waren die Gründe für den Umzug nach Berlin?

Zwei einfache Faktoren: Talente und Quadratmeterpreise. In München, wo wir davor waren, gibt es eine der höchsten Beschäftigungsraten in ganz Deutschland im IT-Bereich – keine Frage. Aber. Die Hacker bei Airfy und die, die wir noch suchen, wohnen scheinbar alle in Berlin. Programmieren lässt es sich anscheinend besser in Berlin.

Deine Ehefrau Mona ist Mitgründerin. Wie funktioniert das im Business-Alltag?

Wir haben schon zuvor geschäftlich zusammen gearbeitet und haben unter anderem das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum mit WLAN-Technologie versorgt. So gesehen hatten wir schon etwas Erfahrung gesammelt, und wussten, auf was wir uns da einlassen. Man sollte sich besonders gut kennen und wirklich jede Sekunde miteinander verbringen können, denn genau das passiert in einer Zusammenarbeit – wenn man das privat schon kann und einen gemeinsamen Traum hat, dann ist alles möglich.

Und woher kennst du den Dritten im Bunde, Alexander Gabler?

Alexander habe ich vor einigen Jahren privat kennen gelernt und schnell bemerkt, dass wir dieselben Vorstellungen und Ansprüche an ein Leben stellen, indem man selbst etwas vorantreibt. So richtig ernst wurde es im Ski-Lift am Ifen im Kleinwalsertal – wir hatten beschlossen, Airfy gemeinsam groß zu machen. Einige Monate später kündigte er seinen Job bei Aldi als Regionalleiter und kam nach Berlin, wo wir inzwischen unser Büro im Herzen Kreuzbergs haben.

Die Airfy-Vision vom Smart-Home: per Smartphone und WLAN alle elektronischen Kleinigkeiten zu Hause einfacher handhaben

In dem Video auf eurer Homepage heißt es, dass Airfy nicht einfach nur ein Produkt sei, sondern die Idee vom freien und sicheren WLAN. Was genau heißt das?

Airfy ist eine Vision, die mindestens 10 Jahre benötigt, um sich gänzlich zu entfalten. Es unterteilt sich grob in drei Abschnitte, wovon jeder Abschnitt drei Jahre benötigt, um sich im Markt zu etablieren. Derzeit befinden wir uns im ersten Abschnitt und sind 2015 Marktführer im Bereichen WLAN für Kunden. Dieses Ziel erreichen wir durch Partnerschaften und vor allem durch einen schlagkräftigen Vertrieb, der genährt wird von umfangreichen Marketingmaßnahmen. Just in diesem Moment wurde unsere Partnerschaft mit Orderbird, dem Marktführer im Bereich IPAD-Kassensysteme, bekannt gegeben. Jeder Orderbird-Kunde erhält nun auch automatisch WLAN von Airfy. Phase 2 beginnt 2015 und bringt unsere Vision vom Smart-Home zu dir nach Hause. Mit uns wirst du in Zukunft alle Kleinigkeiten deines Lebens etwas einfacher handhaben können. Egal ob WLAN überall, ein automatisiertes zu Hause oder eine Reservierung in deinem Lieblingsrestaurant.

Wo kommen eure Router derzeit zum Einsatz?

Unser Router kommt hauptsächlich in der Gastronomie zum Einsatz. Cafes, Restaurants aber auch Hotels, Tankstellen, Blumenläden, Ärzte – quasi jedes Unternehmen, das Kundenverkehr besitzt.

Ihr bietet per Rechtsgarantie risikofreies WLAN an. Was genau besagt diese Garantie?

In Deutschland gibt es eine Abmahn-Industrie. Ihr Geschäft wird von Angst genährt. Dem setzen wir ein Ende, wenn die Politik dafür schon länger braucht als geplant, dann übernehmen wir das, bis es endlich eine Lösung gibt. Wir sorgen dafür, dass ein Geschäft, das seinen Kunden WLAN anbietet, nicht mehr für die 0,1 Prozent schwarzen Schafe haften muss. Wir als Provider genießen eine andere Rechtslage als ein normaler Betrieb – durch verschiedene technische Vorkehrungen, die unter der Haube des Airfy HotSpots laufen, ist dies möglich. Wir garantieren letztlich, dass ein Geschäft nicht mehr für Verstöße seiner WLAN-Gäste haftet.

Gibt es vergleichbare Lösungen, bzw. was unterscheidet euch von anderen Anbietern?

Unser oberstes Gebot ist stets: Wir kümmern uns darum, dass es unsere Kunden und Nutzer so einfach wie möglich haben. Unser Anspruch ist hier sehr hoch. Wir sorgen dafür, dass es wirklich einfach funktioniert und unser WLAN Netzwerk sich anfühlt wie dein WLAN zu Hause. Wettbewerber sind noch immer dabei, es dem WLAN-Gast so umständlich wie möglich zu machen, das Netzwerk zu nutzen. Interessant, was hier am Markt passiert: Es gibt Firmen, die ermöglichen es dem Gast ausschließlich, das WLAN-Netzwerk gegen einen Zwangs-Facebook-Like zu nutzen. Stell dir vor, du dürftest nur ein Bier bestellen, wenn du dem Wirt dafür einen dicken Schmatzer gibst und gemeinsam im Familienalbum blätterst. WLAN ist heute so normal wie ein Getränk in einer Wirtschaft, ohne Zwangs-Like oder Eingabe der Telefonnummer. Einfach muss es sein.

Eine weitere Besonderheit ist Airfy Beacon. Erklär uns bitte, was es damit auf sich hat.

Ein Airfy Beacon ist bereits in jedem Airfy HotSpot mit Kunden WLAN integriert. Egal, ob im Geschäft oder auch als einzelnes Gerät zu Hause, ermöglicht ein Beacon eine drahtlose und einfache Interaktion mit der Umgebung, in der man sich befindet. Man kommt nach Hause und das Licht geht automatisch an, und auch wieder aus, sobald man den Bereich verlassen hat.

Wie finanziert ihr euch? Habt ihr Investoren oder seid ihr auf der Suche?

Bisher haben wir keine Finanzinvestoren aufgenommen. Das steht 2015 jedoch an. Derzeit finanzieren wir uns, so komisch das für ein Start-up mit zehn Monaten auf dem "Buckel" klingt, aus unseren eigenen Erträgen durch aktiven Vertrieb. Ein starkes Wachstum ist damit jedoch nicht möglich – es ermöglicht uns aber die Freiheit, die wir benötigen, um Produkte zu entwickeln, die wir als Teil unserer Vision betrachten.

Welche Tipps hast du für andere Gründer?

Ich selbst bin 28, so weit total verrückt, dass es schon wieder normal ist, und hab' so viel falsch gemacht, dass ich gezwungen war, alles immer wieder selbst zu lernen. Nur ein starker Wille, der nicht von Selbstüberschätzung unterwandert ist, ersetzt notfalls all die Unwissenheit auf dem Weg zu selbstgesteckten Zielen. Du musst also alles in Bewegung setzen, alles verändern, was notwendig ist, um dein Ziel zu erreichen. Ausreden interessieren niemanden, außer vielleicht Mutti. Ein guter Freund sagte mir mal: Er hat seinen Job gekündigt, seine Wohnung gekündigt, sein Auto verkauft, seine Freundin verlassen und all sein Zeug verkauft, um seine Idee umzusetzen. Heute ist er mit seiner Idee Marktführer. Was lernen wir alle daraus? Du must Dinge radikal ändern, immer wieder – Komfort-Zone ist was für Weicheier!

Das Interview führte Anna Klug

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