Gründer der Woche: Frankenweinliebhaber.de - Süffiges aus der Region

Gründer der Woche, KW 14/16


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Wie zwei Franken vom Weinliebhaber zum Online-Weinhändler wurden und wie sie sich im trendigen und durchaus umkämpften Weinbusiness behaupten, darüber sprechen wir mit Frankenweinliebhaber.de Co-Gründer Uwe Einspanier.

Die Frankenweinliebhaber-Chefs Uwe Einspanier und Ralph Seeberger. Foto: Stefan Beck


Haben Sie einen persönlichen Lieblingswein unter den Frankenweinen?

Nein, dass kommt immer auf den Anlass oder die Stimmungslage an. Grundsätzlich mag ich eher die etwas ausdrucksstärkeren Weine.

Sie haben 2013 zusammen mit Ralph Seeberger Ihr Wein-Portal für Frankenweine gegründet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Sind Sie selbst Winzer?

Winzer? Nein (grinst). Wir sind beide Inhaber einer Medienagentur mit Schwerpunkt Internet - und Weintrinker. Auf die Idee haben uns Gäste und Touristen gebracht, die die Region besuchten und nachfragten, wie sie die Weine auch zu Hause genießen können. Als wir dann recherchierten, merkten wir bald, dass der Frankenwein auf Online-Portalen aus unserer Sicht ziemlich unterrepräsentiert war.

War es nicht ein ziemlich großes Risiko, einen Online-Weinhandel zu gründen, wo es doch zum einen zahlreiche bundesweite (Online-)Weinhändler und zum anderen die selbstvermarktenden Winzer in Franken gibt?

Auf den bundesweiten Online-Portalen sind nur wenige fränkische Winzer vertreten. Und wenn dann nur die großen und bekannten Weingüter. Franken hat aber über 400 Winzer – darunter viele kleine Juwelen, denen wir eine Plattform bieten wollen. Hinzu kommen die vielen rechtlichen Vorgaben, die die meisten Online-Shops von Winzern abmahnfähig machen. Dass Winzer einen Online-Shop betreiben, ist technisch kein Problem. Die Einhaltung von EU-Richtlinien, Wettbewerbs- und Lebensmittelgesetzen stellt viele aber vor ein Problem. Zudem ist es mit dem Einrichten eines Shops nicht getan – sie müssen auch noch von potenziellen Neukunden gefunden werden. Genau hier setzen wir an.

Welche Hürden hatten Sie anfangs zu nehmen? Ich nehme an, der Aufbau des Shops an sich war nicht die größte Herausforderung, sondern die Winzer zu gewinnen.

Richtig. Als Internetagentur haben wir natürlich das technische Know-how im Hause. Für den Start konnten wir auf bereits bestehende Kontakte zu Weingütern, die Kunde waren, zurückgreifen. Ansonsten haben wir – und tun dies noch immer – die Weingüter kontaktiert und uns vorgestellt. Die Resonanz bei den kontaktieren Winzern ist durchweg positiv.

Wie groß ist Ihr Team, das Sie dabei unterstützt?

Da wir das Projekt neben unserer täglichen Arbeit aufgezogen haben, müssen alle ran. Schwerpunktmäßig unterstützen uns vier Mitarbeiter in der Buchhaltung, Kundenservice, Redaktion, Vertrieb und ein externer Weinfachberater. Nicht zu vergessen: Die Kollegen aus der Softwareentwicklung, die die Plattform laufend verbessern.

Und wie haben Sie dann in der Startphase von sich aufmerksam gemacht?

Das war nicht einfach, da uns hiesige Institutionen und Verbände nicht gerade unterstützt haben. Da auch Förderanträge abgelehnt worden sind, war anfangs das Marketingbudget ziemlich begrenzt. Somit haben wir uns zuerst auf die eigenen Ressourcen konzentriert und die Optimierung unserer Seite für Google & Co. vorangetrieben.

Wer ist Ihre Zielgruppe? Ihr Shop mutet eher zurückhaltend, nicht allzu stylisch an. Spricht er somit eher die „gediegenen“ Weinkenner an als die jungen Weinneulinge?

Uns war es wichtig, dass a) der Kunde sich einfach auf unserer Seite zurechtfindet und der Bestellvorgang so einfach wie möglich ist sowie b) der Shop Vertrauen und Seriosität ausstrahlt. Richtig ist jedoch, dass unsere Kunden eher zur Zielgruppe 40+ gehören.

Für die Kunden ist es einfach, aus dem Sortiment zu wählen und zu bestellen - wie erfolgt dann die weitere Abwicklung des Auftrages?

Die Bestellung wird mit einem Lieferschein direkt an das Weingut weitergeleitet. Das Weingut verpackt die bestellten Weine und versendet diese. Wir kümmern uns um den Kundenkontakt, Reklamationen, Faktura und Marketing. Der Winzer verrechnet direkt mit uns – wir stehen für Zahlungsausfälle gerade.


Wovon profitieren Ihre Winzer durch die Kooperation?

Der Winzer erhält einen (weiteren) Vertriebs- und Präsentationskanal, um den er sich nicht kümmern muss. Wir möchten, dass der Winzer Zeit hat um einen guten Wein auf den Markt zu bringen – wir kümmern uns um einen Teil der Vermarktung.

Frankenwein ist nicht nur hierzulande ein unbestrittener Qualitätsbegriff in Sachen Weißwein. Wie groß ist der Wettbewerb im Online-Weingeschäft mit Frankenweinen?

Natürlich ist der Wettbewerb nicht zu vernachlässigen und der Markt gibt uns auch die eine oder andere Regel vor. Ich glaube dennoch, dass wir gut aufgestellt sind, da wir ausschließlich Frankenweine anbieten und somit in eine Nische stoßen. Wir sind authentisch, da wir mitten im Weinland sitzen und einen engen Draht zu unseren Winzern haben.

Sehen Sie, über die Weinvermarktung heraus, weitere Möglichkeiten mit Ihren Winzern zu kooperieren?

Ja, auf jeden Fall. So bieten wir den Weingütern eigene Shops an und die Chance, sich auf unserem Portal mit einem Shop-in-Shop-System zu präsentieren. Weiterhin bieten wir Dienstleistungen im grafischen Bereich wie zum Beispiel Etiketten, Preislisten, CI an. Ebenso redaktionelle wie etwa Texte, Wein- und Weingutsbeschreibungen.


Was raten Sie Gründern, die sich im Bereich E-Commerce selbständig machen wollen, aus eigener Erfahrung?

Beständigkeit und Geduld, langsam und gesund wachsen, Neukunden zu Stammkunden machen, Kundenservice zum Top-Thema erklären – oder sich einen potenten Geldgeber suchen.

Hier geht’s zu Frankenweinliebhaber.de

Das Interview führte Hans Luthardt

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