Gründer der Woche: depondo – Terminschutz für abgesicherte Termine

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Depondo ist eine Online-Plattform, auf der die User verbindlich Termine miteinander vereinbaren und bei Nichteinhalten in die Pflicht genommen werden. Mehr zu dem Konzept erfahren wir im Interview mit Co-Gründer Uwe Lätsch.

Die depondo-Gründer Samuel Lissner und Uwe Lätsch

Wer gehört zum Gründerteam und wann und wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind Uwe (37, Produktentwicklung & Management) und Samuel (30, Softwareentwicklung & Architektur), die zwei depondo Gründer aus München. Wir haben uns im Jahr 2016 als Kollegen während der Tätigkeit in einem Start-up kennen und schätzen gelernt. Inzwischen sind wir Freunde und Gründerkollegen, die ihr eigenes Baby – den Terminschutz – erfolgreich machen möchten.

Wie seid ihr auf die Idee zu depondo gekommen? Aus Frust wegen unzuverlässiger Geschäftspartner?

Die Idee ist entstanden, weil wir selbst beim Handel auf Kleinanzeigenplattformen mehrfach sitzengelassen wurden. Der initiale Startpunkt von depondo war erreicht, als meine Freundin bei mir einzog und sie ihre Möbel bei ebay Kleinanzeigen verkaufen wollte. Die Mehrheit der Interessenten erschien nicht zu den vereinbarten Terminen. Absagen waren rar, man wartete vergebens und vergeudete wertvolle Zeit.

Zu deiner zweiten Frage: Wir können bestätigen, dass neben weiteren Vorschlägen für Terminabsicherungen auch die Absicherung von Geschäftsterminen in den Fokus gerückt ist. Wir haben Feedback von unterschiedlichen Unternehmen erhalten, welche großes Interesse an einer Online-Lösung für den Umgang mit ihren Kautionen, Deponaten sowie jeglichen geldlichen Sicherheiten haben. Wir analysieren bereits die Anforderungen dieser Unternehmen und deren Anwendungsbereiche, um ihnen eine Lösung an die Hand geben zu können.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start?

Wir haben depondo als Nebenprojekt aufgebaut. Im ersten Schritt mussten wir den grundsätzlichen proof of concept vorweisen. Das gelang uns mit ausgiebigen Nutzertests und Befragungen. Basierend auf den Nutzererfahrungen und dem Feedback entwickelten wir parallel die depondo Plattform.

Wir gehen seit dem Start agil vor und garantieren so die Produktion einer qualitativ hochwertigen Software, die genau nach den Ansprüchen und Erwartungen unserer Anwender entwickelt ist. Uns ist es wichtig, immer direkt mit unseren Nutzern zu kommunizieren, um deren Wünsche zu erfahren.

Neben der iterativen Entwicklung der Software, haben wir schrittweise wichtige learnings in die Verbesserung der Produktkommunikation einfließen lassen. Ein Produkt wie depondo zu erklären, welches es am Markt noch nicht gibt, war für uns eine der großen Herausforderungen.

Wie habt ihr diese Phase finanziert?

Wir haben uns bislang mit Eigenmitteln finanziert. Der Kontakt zu Business Angels und VC’s besteht bereits, um zukünftige Schritte mit ausreichender Rückendeckung gehen zu können. Durch unsere gute Vernetzung mit Fachleuten am Startup Standort München, konnten wir bislang ohne große finanzielle Mittel viel erreichen.

Nun zu eurer Plattform. Was genau ist depondo und bietet es?

Depondo ist ein Terminschutz mit dem unsere Nutzer verbindliche Termine vereinbaren können. Das funktioniert mittels eines Geldwertes, den die Teilnehmer eines Termins vorher als Kaution (Deponat - deswegen der Name depondo) hinterlegen. Wenn einer der Teilnehmer den Termin nicht einhält oder rechtzeitig absagt, zieht depondo den vereinbarten Betrag vom Verursacher des Terminausfalls ein. Das Geld wird dann an den Sitzengelassenen ausgezahlt. Durch die geldliche Absicherung halten in nahezu 100% der Fälle beide Teilnehmer den Termin ein oder sie sagen ihn rechtzeitig ab.

Mit dem depondo Terminschutz helfen wir unseren Kunden, als Fremde, sicherer und zuverlässiger in Kontakt zu treten und zu handeln. Wir bringen Menschen zusammen, die sich wechselseitig vertrauensvoll verhalten, obwohl sie sich nicht kennen.

Wenn ich depondo nutze, unterstelle ich dann nicht meinem Terminteilnehmer, dass er oder sie tendenziell unzuverlässig ist?

Wir werden von unseren Nutzern eher als ein Filter für die Menschen wahrgenommen, denen ein wechselseitiger vertrauensvoller Umgang wichtig ist. Beide Terminteilnehmer kennen sich nicht, somit ist die Unterstellung der Unzuverlässigkeit gegenüber einem Unbekannten durchaus legitim. Da der Terminschutz für beide Terminteilnehmer gilt, entsteht so für beide eine noch nie dagewesene Terminverbindlichkeit. Beide Terminparteien können sich so aufeinander verlassen und sparen ihre wertvolle Zeit.

Unsere Nutzer führen ihre wirtschaftlichen Geschäfte meist Online durch, die dann zu echten Treffen mit ihnen unbekannten Menschen führen. Hier haben viele Handelsplattformen mit Unzuverlässigkeit zu kämpfen. Sie bieten leider nicht ausreichend Sicherheit für ihre Kunden, die Geschäfte vor Ort miteinander abwickeln. Nutzer müssen sich dort in der Regel ausschließlich mit ihrer E-Mail-Adresse registrieren. Es findet keine weitere Identitätsprüfung statt. Sie sind somit inkognito unterwegs. Das wird dann ausgenutzt, um unverbindlich zu sein, obszönen Nachrichten zu schicken oder – im schlimmsten Fall – zu betrügen. depondo ist also eine Plattform, auf der sich vertrauensvolle Menschen aufhalten, die eine zuverlässige Geschäftsabwicklung bevorzugen.

Wer ist eure Zielgruppe?

Unser Fokus lag vorerst auf Kleinanzeigen Marktplätzen wie: eBay Kleinanzeigen, Quoka, shpock, Facebook Marketplace und alle weiteren Kleinanzeigen Portale. Parallel haben sich bereits viele weitere Anwendungsbereiche aus unserem Nutzerfeedback ergeben: Immobilienbesichtigungen, Fahrzeugbesichtigungen, Tischreservierungen, Seminare, Meetups, Geschäftstermine, Coachingtermine, Gigs einer Band, Tattoo-Termine, Termine mit Handwerkern und Freiberuflern und viele, viele mehr. Insgesamt erkennen wir ein sehr hohes Maß in der Nachfrage für den Terminschutz und großes Potenzial an Skalierbarkeit.

Gibt es Wettbewerber? Und wenn ja, wie hebt ihr euch von diesen ab?

Laut unseren Recherchen gibt es keine vergleichbare Lösung. Es gibt bereits sehr viele Terminverwaltungs- und Buchungs-Plattformen. Wir unterscheiden uns von diesen dadurch, dass wir uns ganz klar auf den Terminschutz konzentrieren. Statt mit den bestehenden Anbietern zu konkurrieren, möchten wir vielmehr durch diese als zusätzlicher Service eingebunden werden. Wir sehen unsere Technologie als Vorteil für all diese bestehenden Plattformen an. Deren Kunden profitieren durch die immens gesteigerte Terminzuverlässigkeit (nahezu 100% Termineinhaltung), werden zufriedener und binden somit langfristig an die Unternehmen.

Welches sind eure weiteren Vorhaben?

Wir arbeiten bereits verstärkt an einer Partner API. Wir wollen eine White-Label Lösung anbieten. Damit können wir zukünftig im B2B-Bereich viele verschiedene Branchen und Märkte bedienen auch über Landesgrenzen hinweg. Wir möchten mit unserer Integrationsstrategie genau zu dem Zeitpunkt und auf der Plattform zur Stelle sein, wo der Nutzer gerade einen Terminschutz benötigt. Wir sehen unsere Technologie als Vorteil für all diese bestehenden Plattformen an. Deren Kunden profitieren durch die immens gesteigerte Terminzuverlässigkeit, werden zufriedener und binden sich somit langfristig an die Unternehmen. Außerdem können die Unternehmen verloren gegangene Kunden durch die neu gewonnene Zuverlässigkeit wieder zurückgewinnen. Zudem testen wir gegenwärtig weitere Branchen und verschiedene Anwendungsbereiche.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Erster Tipp: bildet ein gutes Gründerteam, welches sich fachlich ergänzt, menschlich harmoniert und mit ganzem Herz dabei ist! Das ist die Grundlage von allem.

Als zweites: fragt den Anwender und nutzt das User-Feedback. Lernt aktiv von euren Nutzern und bringt es agil in eure Lösung ein.

Punkt drei: Kooperation statt Konkurrenz. Die Zeiten der Alleingänge sind vorbei, nutzt die Netzwerkökonomie und ergänzt bestehende Services etablierter Anbieter.

Hier geht's zu depondo


Das Interview führte Hans Luthardt

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