Crashkurs Bloggen

Richtig Bloggen

Autor: Roland Panter, Constanze Wolff
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Wer sich ernsthaft mit Social Media beschäftigt, kommt an Blogs nicht mehr vorbei. Für wen das Bloggen sinnvoll ist und wie man effektiv sein eigenes Blog betreibt. Mit Selbsttest: Bin ich ein Blogger-Typ?

Facebook, Twitter, Xing – der Begriff „Social Media“ ist in aller Munde. Doch die schönste Facebook-Seite und das lustigste Twitter-Profil bringen Ihrem Unternehmen gar nichts, wenn Sie keine unverwechselbaren Inhalte mit echtem Nutzwert für die Leser bieten. Warum ein Blog die optimale Schaltzentrale für all Ihre Social-Media-Aktivitäten ist, lesen Sie hier.

Was ist ein Blog?

Wer sich mit Social Media beschäftigt, kommt an Blogs nicht vorbei. Die ersten von Ihnen tauchten Mitte der 1990-er Jahre auf und wurden „Online-Tagebücher“ genannt. (Die Bezeichnung „Blog“ ist die Kurzform für das englischen Wort „Web-Log“, eine Zusammenziehung aus „World Wide Web“ und „Log“.) Es handelte sich dabei um Websites, auf denen Internetnutzer periodisch und chronologisch sortiert Einträge über ihr eigenes Leben und alles, was sie bewegte, machten.

Was sich so einfach liest, bedeutete einen fundamentalen Wandel in der Medienwelt. Denn bis zur Etablierung von Blogs verlief Kommunikation in den Medien ausschließlich in eine Richtung: von Verlagen, Fernsehsendern oder Medienhäusern zum Leser, Zuschauer oder Zuhörer. Medienproduzenten und Journalisten genossen ein absolutes Publikations-Monopol.

Blogs weichten dieses Monopol auf: Jeder Internetnutzer – egal, ob Journalist oder nicht – konnte nun gleichzeitig Produzent und Empfänger von Nachrichten und Inhalten sein, sich mit anderen Nutzern austauschen und so seine eigene, unzensierte und nur von eigenen Interessen geleitete Medienwelt schaffen. Schnell gab es auch einen Namen für diese neue Medienwelt: Der 1999 erstmals verwendete Begriff „Blogosphäre“ bezeichnet die Gesamtheit aller Weblogs und der zwischen ihnen bestehenden Verbindungen. Er entspringt der Wahrnehmung, dass Blogs aufgrund ihrer Verbindung untereinander ein soziales Netzwerk bilden – und damit die Keimzelle aller Social-Media-Lösungen der Gegenwart und Zukunft.

Blogs für Social Media

Millionen Facebook-, Twitter- und andere Social-Media-Nutzer verbreiten tagtäglich nur eines im Netz: Inhalte. Die meisten von ihnen kreieren diese nicht selbst, sondern geben nur das weiter, was sie an anderer Stelle gefunden haben – und eine dieser Stellen ist die Blogosphäre. Wer es wagt, eine eigene Meinung zu haben und diese öffentlich zu äußern, wer regelmäßig über spannende Neuigkeiten zu einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Branche bloggt, gewinnt mit der Zeit eine echte Fangemeinde und arbeitet so aktiv an seiner Online-Reputation. Mit regelmäßigem und spannendem Content etablieren Sie sich als Experte auf Ihrem Gebiet und aktivieren so Multiplikatoren und potenzielle Kunden.

Darüber hinaus benötigen Sie eine Art „Schaltzentrale“ für all Ihre Social Media-Aktivitäten: Schreiben Sie zunächst einen Facebook-Beitrag und weisen dann via Twitter darauf hin? Oder veröffentlichen Sie eine Xing-Statusmeldung, die Sie automatisch auch über Facebook und Twitter verbreiten? Oder äußern Sie sich zuerst auf Google+ und weisen dann in den anderen Netzwerken auf Ihren Beitrag hin? Hier empfiehlt es sich, von Anfang an sämtliche Veröffentlichungen an einer zentralen Stelle vorzunehmen, auf die Sie über die anderen Kanäle verweisen. Aus drei wesentlichen Gründen ist ein Blog der richtige Platz dafür:

  • Ihnen steht deutlich mehr Platz zur Verfügung als in anderen sozialen Netzwerken.
  • Die Software-Lösungen zum Betrieb eines Blogs sowie sämtliche Inhalte werden bei Ihrem Provider hinterlegt und gehören damit Ihnen.
  • Ein Blog können Sie individuell gestalten und Ihrem Corporate Design anpassen – Sie allein haben die Hoheit über Ihr visuelles Erscheinungsbild.

Was macht einen guten Blog-Text aus?

Es gibt verschiedene Methoden, Interesse und Begeisterung bei Ihrer Leserschaft zu wecken – die wichtigsten stellen wir Ihnen hier vor:

Seien Sie relevant!
Was genau für Ihre Zielgruppe von Relevanz ist wissen Sie selbst am besten. Im Idealfall ist Ihre Leserschaft nach dem Besuch Ihres Blogs ein kleines bisschen klüger als vorher.

Seien Sie einzigartig!
Der x-te Beitrag zum immer gleichen Thema lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Wer echte Neuigkeiten bringt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, weiterempfohlen zu werden, enorm.

Seien Sie amüsant!
Jeder von uns schätzt die kleinen Fluchten aus dem Arbeitsalltag, und für alle Schreibtischtäter ist die Ablenkung immer nur einen Klick entfernt. Wer sein Publikum unterhält, verankert sich positiv in dessen Köpfen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterempfohlen.

Seien Sie sprachlich kreativ!
Mit trockenen Faktenformulierungen werden Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe schwerlich erringen. Mit überraschenden Vergleichen, bildhafter Sprache und spannenden Anekdoten hingegen zünden Sie ein wahres Feuerwerk im Gehirn Ihrer Leserschaft. Emotionen sind der Schlüssel zum Inneren eines Menschen – nutzen Sie diesen Zugang!

Seien Sie persönlich!
Dieser Hinweis ist gleich doppelt wertvoll, denn damit ist sowohl die persönliche Ansprache Ihrer Leserschaft als auch das Zeigen Ihrer eigenen Persönlichkeit gemeint. Erinnern Sie sich einmal an den Kerngedanken, der hinter einem Blog steht: Es handelt sich dabei um eine Art „Tagebuch im Internet“. Und was gibt es Persönlicheres als ein Tagebuch? Ihre Leser wollen wissen, mit wem Sie es zu tun haben – bekennen Sie sich also zu einer eigenen Meinung und gehen Sie dabei auch durchaus einmal das Risiko ein zu polarisieren. So entstehen spannenden Diskussionen, es gibt suchmaschinenfreundliche Bewegung auf Ihrem Blog.


Und wo kommen die Inhalte her?

Bei mindestens einem Blog-Post pro Woche – besser sind zwei bis drei – bedarf es einiger Kreativität, ein Blog dauerhaft am Laufen zu halten. Äußerst hilfreich ist hier ein Redaktionsplan, in dem Inhalte und Veröffentlichungszeitpunkt langfristig geplant werden – so gerät das Blog im Alltagsstress nicht in Vergessenheit und Ihnen steht jederzeit eine ganze Sammlung von Ideen zur Verfügung.

Nutzen Sie Google und Twitter!
Sie möchten sich zu einem bestimmten Thema als Experte positionieren? Dann legen Sie einen Google-Alert zu den für Sie relevanten Suchbegriffen an und lassen sich so tagesaktuell über die Neuigkeiten Ihrer Branche informieren. So sind Sie immer auf dem Laufenden und können die Neuigkeiten zeitnah an Ihre Leserschaft weitergeben und/oder kommentieren. Das Gleiche ist mit Hilfe der Twitter-Suche möglich.

Fragen Sie Ihre Leserschaft!
Wenn Sie bereits seit einiger Zeit aktiv sind und regelmäßige Leser aufweisen können, ist der direkte Weg manchmal der einfachste: Schreiben Sie einen Blogbeitrag, in dem Sie Ihre Leser nach ihren Wünschen und Interessen fragen. So lernen Sie etwas über Ihre Zielgruppe und sammeln gleichzeitig Ideen für weitere Blogbeiträge.

Präsentieren Sie Ihre Blogroll!
In Ihrer Blogroll sammeln Sie die Ihrer Meinung nach lesenswertesten Blogs der Branche, von denen auch Ihre Leser wissen sollten. Doch warum genau sind Sie ein Fan dieser Blogs?

Lassen Sie Ihre Projekte sprechen!
Sie bieten ein erklärungsbedürftiges Produkt oder eine solche Dienstleistung an? Statt dröger Fakten bieten sich hier spannende Projektberichte an: Welches Problem haben Sie für welchen Kunden gelöst? Wo ist Ihr Produkt jetzt im Einsatz? Kann man das im Film oder auf Foto sehen?

Werden Sie zum Interviewer!
Nicht wenige Menschen lieben es, Fragebögen auszufüllen oder Interviewfragen zu beantworten. Folgen Sie Ihrer Neugier und Ihrem Branchenwissen und nutzen Sie diese Tatsache für eine Serie von Interviews. In jedem von uns steckt ein kleiner Profilneurotiker – Sie werden überrascht sein, wie gern man Ihnen für ein Gespräch zur Verfügung steht.

Starten Sie eine Blog-Parade!
Bei einer Blog-Parade (auch Blog-Karneval genannt) handelt es sich um eine Aktion, bei der viele verschiedene Blogger in einem definierten Zeitraum zu einem vorgegebenen Thema schreiben. Dazu aufrufen und daran teilnehmen kann jeder – der Initiator genießt den Vorteil, während der Parade immer wieder darüber berichten zu können und zahlreiche thematisch passende Links auf sein Blog zu erhalten.

Engagieren Sie Gast-Autoren!
Unzählige Fachleute haben viel zu sagen, aber viel zu wenig Zeit, ein eigenes Blog zu betreiben. Sicherlich kennen Sie zahlreiche solcher Personen – manchmal sind es Kunden, ehemalige Kollegen oder aktuelle Kooperationspartner. Viele von Ihnen freuen sich, wenn man ihnen eine Plattform bietet, auf der sie ihre Ideen und Überlegungen ausbreiten können. Und nebenbei gewinnen Sie so neue Leser: Der stolze Gast-Autor wird sein Netzwerk über seinen Beitrag informieren und so zum Multiplikator für Ihr Blog.

Geben Sie Hilfestellungen!
Besonders gern gelesen werden Blogbeiträge, die dem Leser einen echten Mehrwert bieten. Dazu gehören Anleitungen (die sog. How-Tos), Checklisten, Link- und Tippsammlungen und Buchrezensionen. Die typische Überschrift zu einem solchen Blog-Post liest sich dann etwa so: „Die zehn besten Links zum Suchmaschinenmarketing“, „So schreiben Sie ein Buch-Exposee“ oder „Checkliste: Sind Sie ein Blogger?“

Selbsttest: Sind Sie ein Blogger-Typ?

Nicht jeder ist zum Bloggen geboren, und mancher wird damit nie erfolgreich sein. Mit der folgenden Checkliste finden Sie heraus, ob ein Blog das richtige Medium für Sie ist:

  • Macht Schreiben Ihnen Spaß?
  • Verbringen Sie gern Zeit vor dem Computer?
  • Nutzen Sie das Internet als Recherche-Quelle für Neuigkeiten aus Ihrer Branche?
  • Lernen Sie gern neue Leute kennen?
  • Sind Sie langfristig bereit, mindestens zweimal wöchentlich Zeit und Energie in einen Blogbeitrag zu investieren?
  • Können Sie sich vorstellen, zum regelmäßigen Leser anderer Blogs zu werden?
  • Haben Sie den Mut, Ihre Meinung auch öffentlich und im anonymen Raum des Internet kundzutun?
  • Können Sie mit Kritik umgehen – auch‚ wenn sie unter die Gürtellinie geht?

Auswertung: Wenn Sie nicht mindestens fünf dieser Fragen bejahen, sollten Sie die Inhalte für Ihre Social-Media-Aktivitäten besser aus anderen Quellen beziehen.

Best-Practice-Beispiele für Blogs


karrierebibel.de
Das Blog von Jochen Mai besticht durch seine Aktualität und die breite Sicht auf das Kernthema. Verschiedene Autoren sorgen für Abwechslung.

ilawit.de
Rechtsanwalt Thomas Schwenke gelingt hier das Kunststück, trockene juristische Themen amüsant und verständlich aufzubereiten.

texterella.de/mode-text.php/lifestyle/blog
Hier geht die Werbetexterin Susanne Ackstaller ihrer privaten Leidenschaft – Mode und Beauty – nach und zieht damit mittlerweile die Aufmerksamkeit großer Konzerne auf sich.

manomama.de/blog
Mehr Authentizität und Transparenz geht nicht: Sina Trinkwalder lässt uns hinter die Kulissen ihres Unternehmens blicken, das ökosoziale Kleidung am Standort Augsburg produziert.

pr-blogger.de
Das Team um Klaus Eck gestaltet ein echtes Fachblog und gewinnt dem Thema "Kommunikation" immer wieder neue, lesenswert aufbereitete Seiten ab.

Über die Autoren: Constanze Wolff ist freiberufliche Texterin, PR-Beraterin und Trainerin; Roland Panter ist selbständiger Kommunikationsberater und anerkannter Experte in der Social-Media-Szene.

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