Neue Kraft durch Kontakte

Netzwerke für Gründer

Autor: Sabine Hölper
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Ohne Beziehungen geht in der Geschäftswelt nichts. Für Existenzgründer sind Kontakte und Netzwerke das A und O. Welche Netzwerke Ihnen als Gründer offen stehen und was sie Ihnen bringen.

Auf wie vielen Visitenpartys sie schon war, kann Jutta Rudhart „gar nicht mehr zählen“. Vor fast drei Jahren hat sie zum ersten Mal eine solche Veranstaltung besucht, bei der sich Unternehmer treffen, um Kontakte zu anderen Unternehmern oder potenziellen Kunden aufzubauen. Die Inhaberin von „Rudhart Office Management“ in Stuttgart war sofort begeistert, „was für interessante Menschen“ man dort treffen kann. Über die Jahre hat Rudhart auf diese Art und Weise mehr als 20 Unternehmer kennen gelernt, mit denen sie sich regelmäßig austauscht. „Mal schanze ich denen einen Auftrag zu, ein anderes Mal bekomme ich einen Auftrag von ihnen.“ Klar, dass die Unternehmerin, die gerade in Frankfurt expandiert, weiterhin zu Visitenkartenpartys geht. Die Veranstaltungen sind, so Rudharts Überzeugung, eine gute Möglichkeit, Kunden zu akquirieren. „Nicht direkt, aber indirekt, über Kooperationen und Empfehlungen.“

Kontakte knüpfen

Im Dezember 2002 organisierte Yvonne Laage in Hamburg die erste Visitenkartenparty Deutschlands. Dreieinhalb Jahre später finden die Zusammenkünfte in 20 Städten statt, 5000 Leute trafen sich allein im vergangenen Jahr auf 45 Veranstaltungen. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht: 2006 sollen erstmals Visitenkartenpartys in Ludwigshafen, Mainz und Wiesbaden stattfinden. Laage findet das rege Interesse nicht überraschend. „Networking ist ein Trendthema“, glaubt die 29-Jährige.

Wie wahr. „Noch vor wenigen Jahren konnte man Networking als Luxus betrachten, um schneller und eleganter die Karriereleiter emporzusteigen“, sagt Andreas Lutz, Autor der Publikation Praxisbuch Networking. „Heute müssen viele im Berufsleben erkennen, dass andere, die über bessere Kontakte verfügen, an ihnen vorbeiziehen.“ Das gilt für Angestellte, und umso mehr für Selbständige: Der Wettbewerb ist härter geworden, die klassischen Pfade, Kunden zu gewinnen, sind ausgetrampelt. Anzeigenwerbung oder Mailings gehen ins Geld, werden aber von vielen Verbrauchern kaum noch wahrgenommen. Kein Wunder also, dass sich Gründer und Etablierte um neue Formen der Kundengewinnung bemühen – und die Idee des Networking entdeckt haben.

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Beziehungen aufbauen und gemeinsam profitieren

Dahinter steckt die simple Idee des Vitamin B: Wer die richtigen Leute kennt, kommt schneller ans Ziel. Oder wie Laage es ausdrückt: „Gute Kontakte zu anderen Firmeninhabern sind vorteilhaft, um Kunden zu gewinnen.“

Dass diese These richtig ist, dass also gegenseitige Unterstützung im Berufsleben das Vorankommen erleichtert, wird jeder bestätigen, der einmal von einem Freund oder Geschäftspartner weiterempfohlen wurde. Nur verfügen gerade Existenzgründer nicht über massenhaft hilfreiche Kontakte. Am Anfang der Selbständigkeit stehen sie häufig allein auf weiter Flur. Nun, ganz alleine eben nicht.

Um auf potenzielle Auftraggeber, Geschäftspartner oder Ideenlieferanten treffen zu können, gibt es schließlich Visitenkartenpartys – und eine Reihe weiterer Netzwerke, die alle das gleiche Ziel verfolgen. Allerdings steckt in der Angebotsfülle auch eine Gefahr: Wer nicht sondiert, also die für ihn besten Netzwerke herausfiltert, überlädt sich schnell. Und wer nicht weiß, wie man Netzwerke für sich nutzt, für den bleiben sie am Ende nutzlos.