Wie sozial ist Franchising?

Die Idee des Social Franchisings: reine Utopie oder doch machbar?

Autor: Thomas von Wichert
44 likes

Nach den jüngsten Skandalen rund um die Arbeitsbedingungen beim Franchise-
Giganten Burger King stellt sich die Frage: Muss sich die Branche neu erfinden, um der viel beschworenen Idee eines Social Franchisings gerecht zu werden?

social franchising

Sozialunternehmer sind die neuen Helden der Wirtschaft, die umgarnt, gefördert und gefeiert werden. Sie setzen sich für einen positiven Wandel der Gesellschaft ein, etwa in der Bildung, dem Umweltschutz, der Arbeitsplatzschaffung für Menschen mit Behinderungen, der Armutsbekämpfung oder für Menschenrechte. Der Profitgedanke steht für sie erst an zweiter Stelle, weshalb viele dieser Unternehmer Non-Profit-Organisationen leiten oder unterstützen. Nach den Vorstellungen von Muhammad Yunus, bangladeschischer Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger, muss „die Struktur des Kapitalismus vervollständigt werden“. Der Zweck von Sozialunternehmen soll nicht die Gewinnmaximierung sein, sondern die Lösung von sozialen und ökologischen Problemen. Falls ein Gewinn anfalle, werde er in das Unternehmen reinvestiert. Die Anteilseigner verdienen erst mal nichts, können ihr Kapital jedoch mit der Zeit zurückerhalten. Nach Yunus’ Überzeugung sei eine derartige Geldanlage attraktiv für alle Menschen, die Gutes tun wollen. Was aber bedeutet das nun für die Franchise-Branche?

Was ist „sozial“ in Social Franchising?

Social Franchising ist ein Begriff, der seit kurzem für viel Aufsehen sorgt. Er klingt zunächst nach sozialem Engagement, und das ist sicherlich auch beabsichtigt. Gibt man den Begriff bei Wikipedia ein, wird erklärt, beim Social Franchising würden die Techniken des kommerziellen Franchisings auf Projekte im Non-Profit-Bereich zur Erreichung von Gemeinwohlzwecken angepasst. Das heißt, Organisationen, die sich dem Prinzip von Social Franchising verschrieben haben, möchten ihr Konzept an möglichst vielen Standorten mit möglichst hohen Qualitätsstandards und Erfolgsquoten multiplizieren. Die Finanzierung von Non-Profit-Organisationen erfolgt allerdings in der Regel mit Hilfe der öffentlichen Hand und/oder durch Spenden.

Ist Social Franchising noch „echtes“ Franchising?

Ist das dann aber noch echtes Franchising? Muss beim Franchising nicht die Basis eine wirtschaftliche sein und beim Social Franchising einfach eine wirtschaftliche Grundlage mit nachhaltigem, sozialem Handeln verbunden werden? Um sich das Prinzip von Franchise nochmals ins Gedächtnis zu rufen: Beim Franchising stellt ein Franchise-Geber einem Franchise-Nehmer die Nutzung eines Geschäftskonzeptes z.B. für die Verwendung einer Marke, zum Vertrieb einheitlicher Produkte oder Dienstleistungen, eines einheitlichen Vertriebssystems, einer einheitlichen Ladenausstattung und eines einheitlichen und möglichst gemeinsamen Auftretens gegen Entgelt zur Verfügung. Der Franchise-Nehmer verkauft Erzeugnisse oder Dienstleistungen rechtlich selbständig und handelt im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Der Franchise-Geber bildet den Franchise-Nehmer dazu entsprechend aus und prüft regelmäßig die Umsetzung des Konzepts.
In der Regel verdient der Franchise-Geber am Erfolg seiner Franchise-Nehmer über Gebühren mit, muss aber gleichzeitig dafür sorgen, dass sich das System ständig weiterentwickelt und die Franchise-Nehmer motiviert bleiben, sich nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern zum Nutzen des gesamten Systems zu engagieren. Das bedeutet Wertschätzung, partnerschaftliche Führung, emotionale Heimat und Mitspracherecht des Franchise-Nehmers bei der Weiterentwicklung des gemeinsamen Systems. Denn erfolgreich ist ein System nur dann, wenn Franchise-Nehmer und Franchise-Geber damit langfristig Geld verdienen. Ziel ist, dass alle involvierten Menschen davon gut leben können.

Was genau will Social Franchising?

Der Begriff „sozial“ steht im Alltag gleichbedeutend damit, anderen zu helfen und nicht nur an sich selbst zu denken. Dazu gehört auch, in der Hierarchie sowohl nach unten als auch nach oben, nach links und rechts großmütig zu sein und sich hilfsbereit, höflich, taktvoll und verantwortungsbewusst zu verhalten. Beschränkt man nun den Begriff Social Franchising ausschließlich auf Systeme, die sich sozialen Zwecken verschrieben haben, kann er seine wahre Größe nicht ausleben. Denn in einem Social-Franchising-System wird der Profitgedanke nicht für eine soziale Komponente ersetzt, sondern darum ergänzt. Eigentlich genau so wie es Yunus vorsieht: In einem Social-Franchise-System muss das ganze Konstrukt mit Hilfe von selbständigen Kaufleuten, die bereit sind, ein gemeinsames System weiter zu entwickeln, getragen werden. Dabei muss das Soziale nach innen genauso wirken und gelten wie nach außen. Das bedeutet: Mitarbeiter und Kunden müssen gleichermaßen den sozialen Aspekt positiv zu spüren bekommen. Im Fall „Sozial nach innen“ geht es zunächst um die Marke, die den sozialen Aspekt in ihren Unternehmenswerten verankert haben muss. Sowohl Unternehmensführung als auch Mitarbeiter müssen kurzzeitig die profitmaximierende Brille abnehmen und die soziale Brille aufsetzen. Dazu gehört, dass Mitarbeiter akzeptable Arbeitsbedingungen (Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc.) und ein angenehmes Arbeitsklima vorfinden. Das alles klingt erst mal nicht nach einem Sozialunternehmen, sondern nach einem ganz normalen Umgang mit Menschen, wie man es in jedem Unternehmen erwartet. In der Quintessenz bedeutet es aber, dass jedes Franchise-Unternehmen, wenn es wollte, mit einer Anpassung seiner Haltung auch ein soziales Franchise-Unternehmen sein könnte.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp:
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 03/14 - ab dem 28. August 2014 im Handel oder jederzeit online bestellbar in unserem Bestellservice-Bereich

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: