Tipps zur Beratersuche

So finden Sie den passenden Coach

Autor: Dagmar Rissler
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Im Gründungsprozess spielt Beratung eine wesentliche Rolle. Wie Sie den für Ihre Bedürfnisse und Ihre Geschäftsidee am besten geeigneten Coach aus dem großen Angebot heraus­filtern, lernen Sie in diesem Workshop.

Ob falsche Beratung, überhöhte Honorarforderungen oder dubiose Produktangebote – das gehört zum Alltag im Gründungsgeschehen Deutschlands mit seinem eher unübersicht­lichen Beratermarkt. Neben hervorragend ausgebildeten und erfahrenen Beratern tummeln sich eben auch viele „Trittbrettfahrer“. Das ist nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass noch vor ein paar Jahren der eher kleine Bereich der Gründungsberatung von Unternehmensberatern mit abgedeckt wurde.

Mit der Zunahme von Gründungen aus der Arbeits­losigkeit heraus und den entsprechenden Förderinstrumenten gibt es mittlerweile jedoch viele Berater, die ihr Tätigkeitsgebiet mit dem Thema Gründung abrunden. Häufig macht diese Arbeit jedoch nur einen sehr geringen Anteil ihrer Tätigkeit und ihres Umsatzes aus. Oftmals wird sie nur zur Neukundengewinnung eingesetzt oder sogar lediglich „nebenher“ betrieben.

Kein Wunder also, wenn es unter diesen Voraussetzungen häufig zu Kommunikationsproblemen zwischen Berater und Gründer kommt. Denn in der Vorgründungs- und Gründungsphase sind andere Themen relevant als bei einem etablierten Unternehmen.  Hinzu kommt, dass sich viele Anbieter schwerpunkt­mäßig nur der Fachberatung oder nur dem Coaching widmen, wie eine Studie des Gründungslehrstuhls Lüneburg aufzeigt. „Integrative Kompetenzprofile, die beide Seiten ab­decken können, sind die Ausnahme“, heißt es in der Studie. Thorsten Visbal, Dozent der Beraterqualifizierung Enigma Q-plus, bringt seine Erfahrung zum Thema Kompetenzprofil so auf den Punkt: „Die hohe Kompetenz des Gründungsberaters liegt da­rin, sein eigenes Beratungs-Fundament zu stärken und sich tagtäglich bei der Arbeit souverän auf dem Kontinuum von Fachberatung und Coaching bewegen zu können.“

Der Prozess der Gründungsberatung darf also nicht unterschätzt werden, und es ist demnach wichtig für Gründerinnen und Gründer, die richtige Person für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee zu finden. Der Schritt in die Selbständigkeit ist naturgemäß mit vielen Chancen und Risiken behaftet. Gerade wenn eine hohe Investitionssumme im Spiel ist, sollte man nicht leichtfertig den Berater wählen. Doch welche Strategie hilft bei der Suche und welche Möglichkeiten gibt es zur Orientierung? Ein guter Weg ist es, sich Schritt für Schritt dem Thema zu nähern. Die nachfolgenden Regeln und Tipps können dabei helfen, die Auswahl zu erleichtern:

Regel 1

Verschaffen Sie sich zunächst Klarheit über Ihre Erwartungen.

Je klarer Sie wissen, was Sie von Ihrem Berater erwarten und welchen Beratungsbedarf Sie haben, desto besser können Sie auswählen. Möchten Sie ein prozessbegleitendes Coaching über das Gründungsdatum hinaus oder soll der Berater lediglich ein paar Tipps zum Businessplan geben? Brauchen Sie einen Businessplan für den Gründungszuschuss oder benötigen Sie Branchen-Know-how? Notieren Sie sich Ihre Themen und Fragen vor der Suche bzw. vor dem ersten Gespräch.

Regel 2

Aktivieren Sie Ihr Netzwerk.

Bei der Suche nach Gründungsberatern und Coaches können Sie zu­nächst in Ihrem Netzwerk nachfragen, ob ein Berater empfohlen werden kann. Vermutlich hat ein Bekannter oder ein Kollege, dessen Meinung Sie schätzen, sich beim Schritt in die Selbständigkeit begleiten lassen und kann von seinen Erfahrungen berichten.

Regel 3

Ist für Sie die Beratung durch eine Institution oder durch einen „Einzelkämpfer“ vorteilhaft?

In jeder größeren Stadt gibt es Institutionen, die Gründer betreuen (wie z.B. Handelskammer oder Gründungszentren). Auch einzelne Berufsverbände können bei der Suche helfen. Sie alle haben meist mehrere Berater im Pool, die ein breites Beratungsfeld abde­cken können. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl freiberuflich tätiger Unternehmens- und Gründungsberater, Coaches, Steuerberater sowie Netzwerkzusammenschlüsse, in denen mehrere Berater in Kooperation arbeiten, um ein möglichst breites Beratungsspektrum abdecken zu können. Wichtig ist: Die Größe eines Beratungsunternehmens sagt nichts über die Quali­tät aus. Diese ist immer an der beratenden Person selbst auszumachen.

Regel 4

Informieren Sie sich umfassend im Voraus.

Wenn Sie mehrere Berater gefunden haben, die in Frage kommen, sollten Sie sich ein differenzierteres Bild von diesen verschaffen. Dazu gehören die Analyse des Werdegangs, der Fortbildung, der Referenzen, der Beratungsschwerpunkte und des Branchen-Know-hows. Mehr dazu lesen Sie im nebenstehenden Infokasten „Das zeich­net einen guten Berater aus“.

Regel 5

Vergleichen Sie die Honorarsätze.

Was sind Sie bereit und imstande für die Beratung zu zahlen? Klären Sie das für sich im Voraus. Generell kann keine Empfehlung gegeben werden, welche Beratungssätze angemessen sind. Sie variieren – je nach Erfahrung, Image und Beratungsspektrum. Informieren Sie sich auf jeden Fall vorab, wie hoch der Stundensatz ist. Für Gründer und junge Unternehmen gibt es Möglichkeiten, die Beratungsleistung fördern zu lassen. Dies gilt jedoch nur für bereits gegründete Unternehmen.

Auf der Homepage des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfahren Sie Einzelheiten zu den Fördervoraussetzungen zum Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für kleine und mittlere Unternehmen“. Auskünfte zu Zuwendungszweck, Fördergegenstand und -voraussetzungen erteilt Ihnen darüber hinaus auch die Bearbeitungsstelle für Gewerbefördermittel des Bundes. Mehr Informationen zur Förderfähigkeit von Beratungsleistungen erfahren Sie auch im Internet bei der KfW.

Zur Checkliste Recherche-Tipps zur Beratersuche im Internet

Regel 6

Verschaffen Sie sich im Erstgespräch einen klaren Überblick.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass bei dem ersten Termin zwischen Ihnen und dem Berater eine Auftragsklärung stattfindet. Dies bedeutet, dass Sie gemeinsam den Beratungsbedarf und die voraussichtliche Dauer der Beratung (Gesamtstunden) klären und dieses auch schriftlich festhalten. Daraus ergibt sich dann der Beratungsauftrag bzw. -vertrag, der auch die finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen festhalten kann. Sie sollten unbedingt die Möglichkeit haben, erst nach dem Erstgespräch entscheiden zu müssen. Unterschreiben Sie bei diesem Termin nur den Beratungsvertrag, wenn Sie sich ganz sicher sind, mit dieser Person arbeiten zu wollen!

Regel 7

Finger weg von allzu geschäftstüchtigen Beratern.

Lassen Sie sich keine zusätzlichen Produkte oder Dienstleistungen verkaufen. Sollten Versicherungs- oder dubiose Rechtsform-Pakete ins Spiel kommen, ist in jedem Fall Vorsicht geboten. Auch gibt es Berater, die bereits beim Erstgespräch zu einem Vertragsabschluss drängen. Lassen Sie sich nicht zu übereilten Schritten hinreißen. Hören Sie stattdessen auf Ihren Bauch!

Regel 8

Nie vergessen: Der Berater berät, gibt Tipps auf Augenhöhe –
Sie allein sind für die Umsetzung verantwortlich.

Nutzen Sie den Berater als Sparrings-Partner im Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit. Er kann Ihnen helfen zu reflektieren, Ziele zu formulieren und zu setzen, den Gründungsprozess zu strukturieren und Orientierung zu ge­ben. Der Berater gibt Hinweise, An­regungen und Tipps und sieht Sie als gleichwertigen Partner. Letztlich aber haben Sie die Verantwortung für Ihre Gründung und müssen selbst die einzelnen Schritte gehen.

Regel 9

Lassen Sie im Zweifelsfall – nach Auswertung aller Faktoren der Beratersuche – Ihren Bauch entscheiden.

Nutzen Sie nun die Chance mit Ihrem Wegbegleiter, denn er steht mit seiner Erfahrung, vielen nützlichen Tipps und Informationen bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit oder auch beim Wachstum eines Unternehmens hilfreich zur Seite. Darüber hinaus hat so mancher Berater auch über Motivationstiefs hinweg geholfen.

Letzter Tipp, wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie Ihren Bauch entscheiden. Neben allen Qualifikationen und Erfahrungen einer Person muss auch der „Nasenfaktor“ stimmen. Sympathie und die persönliche Ebene können eine wichtige Rolle spielen. Und lassen Sie sich nicht vorschreiben, was Sie als nächstes zu tun haben. Bei  professionellen Besserwissern gilt: Hände weg. Haben Sie nun den richtigen Berater oder die richtige Beraterin gefunden – dann herzlichen Glückwunsch!

Zur Checkliste Tipps zur Auswahl des optimalen Beraters

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2010

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