Unterwegs in den Schatzkammern der Nation

Technologie-Scouting an Universitäten


44 likes

So wie Schatzsucher verborgene Werte aufspüren, gehen Technologie-Scouts an den Unis auf die Suche nach innovativen Ideen, um diesen zum Geschäftserfolg zu verhelfen. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Wie findet man neue wissenschaftliche Ideen, die sich wirtschaftlich erfolgreich vermarkten lassen? Ganz einfach, man geht dorthin, wo innovative Ideen entwickelt werden, spricht mit den Wissenschaftlern, sondiert, motiviert, berät und legt so den Grundstein für eine möglicherweise lukrative ökonomische Verwertung der Ideen. In der Fachsprache nennt man das Technologie-Scouting.

Dr. Benedikte Hatz und Markus Wolf vom netzwerk|nordbayern sind Technologie-Scouts. Sie gehen in die Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen und informieren Akademiker in Vorträgen, Workshops oder Einzelgesprächen über die Möglichkeiten einer Unternehmensgründung. So auch bei einem dreitägigen Workshop in Würzburg vor einigen Wochen. Hier haben sie – gemeinsam mit den Kollegen des dortigen Technologie-Scouting-Projekts „Gründen von Anfang an“ (unter der Leitung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg) und dem Innovations- und Gründerzentrum IGZ – BioMed/ZmK – den Studenten, Diplomanden und Doktoranden gezeigt, wie ein Businessplan aufgebaut ist, wie Ideen über Patente gesichert werden können oder wie ein Geschäftsvorhaben finanziert wird. Aber auch mit Institutsleitern, Dekanen und Professoren suchen beide das Gespräch, um sie für das Thema der wirtschaftlichen Verwertung von wissenschaftlichen Ideen zu sensibilisieren.

Sensibilisieren und Informieren

„Das eigentlich Neue an dem Projekt ist, dass wir nicht nur während des Gründungsprozesses beraten, sondern dass wir schon einen Schritt vorher ansetzen: Wir sensibilisieren für das Thema ,wirtschaftliche Verwertung‘ und liefern die nötigen Informationen. Und: Wir gehen selbst auf die Suche nach potenzialträchtigen Ideen“, erläutert Dr. Hatz das Vorgehen der Technologie-Scouts. So durchforsten sie zusammen mit den Wissenschaftlern Dissertationen und Forschungsarbeiten und prüfen, ob die Ideen auch kommerzielles Potenzial haben. „Eine Idee ist nur dann wirtschaftlich verwertbar, wenn sich mit ihr auch Geld verdienen lässt“, fasst Dr. Hatz zusammen. „Der Schlüssel zum Erfolg sind dabei vor allem zufriedene Kunden.“

Neben einer ersten Einschätzung, ob die Idee kommerzielle Erfolgsaussichten hat, stellt Dr. Hatz bei der Untersuchung der Arbeiten folgende Fragen: Besteht eine Technologieführerschaft? Gibt es ein Marktpotenzial und Marktchancen? Wie sieht der Entwicklungshorizont bis zur Marktreife aus? „In erster Linie muss die Idee einen USP (Unique Selling Proposition) haben. Das bedeutet, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung einzigartig sein muss. Die Bedürfnisse der Kunden müssen besser als bisher beziehungsweise besser als bei anderen Unternehmen erfüllt werden“, erklärt Dr. Hatz. „Außerdem prüfen wir, ob es eine ausreichende Anzahl an potenziellen Kunden gibt.“

Zur Info-Box Ideenverwertung: Gründung, Lizenzvertrag oder Patentverkauf?

Idee mit Patenten sichern

Wird die Idee vom Technologie-Scout als Erfolg versprechend eingestuft, dann erarbeitet er zusammen mit dem Forscherteam eine Verwertungsstrategie. Ganz wichtig ist hierbei, ob die Idee bereits schutzrechtlich abgesichert ist. Wurde noch kein Patent beantragt, hilft der Technologie-Scout bei der Patentsicherung. In Abstimmung mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen, die in der Regel die Patenteigentümer sind, werden die Patentsituation und die Erfolgschancen einer Patentanmeldung geprüft und gegebenenfalls wird eine patentrechtliche Absicherung durchgeführt.

Gründung als eine Möglichkeit

„Wer eine Unternehmensgründung anstrebt, bei dem sollten zwei Voraussetzungen stimmen“, sagt Dr. Hatz. „Zum einen sollte es ein geeignetes Gründer-Team geben, das das Vorhaben zusammen umsetzen kann. Dieses verfügt idealerweise über technologische, betriebswirtschaftliche und Management-Kompetenzen. Es muss 100-prozentig von der Idee überzeugt sein und den Willen mitbringen, das Geschäftsvorhaben mit Mut und viel Eigenantrieb umzusetzen. Zum anderen sollte die Geschäftsidee hoch innovativ sein und die Umsetzung zu einem marktreifen Produkt in greifbarer Zukunft liegen und entsprechend geschützt sein. Das heißt, es muss gewährleistet werden, dass die Idee nicht in Kürze von anderen nachgeahmt werden kann.“

Ist kein geeignetes Gründer-Team vorhanden oder stellt die Idee keine Innovation, sondern eher eine Verbesserung etablierter Technologien dar, dann empfehlen die Scouts eher einen Lizenzvertrag oder einen Patentverkauf. Bei der Lizenzierung werden die Nutzungsrechte in Form einer Lizenz an ein interessiertes Unternehmen übertragen, die dann die Idee in bestimmter Weise gegen eine finanzielle Vergütung nutzen darf. Die Patente bleiben aber weiterhin Eigentum der Erfinder beziehungsweise der Universität. Beim Patentverkauf werden die Rechte an der Erfindung und den Ergebnissen komplett an das Unternehmen verkauft, das dann Eigentümer der Patente wird.

Zur Info-Box Der „Lackmus-Test“ der Technologie-Scouts

Individuelles Coaching

Technologie-Scout Dr. Benedikte Hatz: „Die Unis stecken voller Geschäftsideen. Aber nur mit professioneller Unterstützung bestehen bessere Chancen, die Ideen wirtschaftlich zu verwerten“

Ist eine Ausgründung Erfolg versprechend, dann erhält das Gründer-Team individuelles Coaching. „Ganz wichtig ist hier die Begleitung bei der Businessplan-Erstellung“, sagt Dr. Hatz. „Denn ein schlüssiger Businessplan ist entscheidend für den späteren Erfolg. Nur wer frühzeitig die Schwachstellen erkennt, kann sie auch beheben.“ Aber damit nicht genug. Gemeinsam wird nach Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten wie etwa dem Flügge Programm oder dem Exist-Gründerstipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gesucht und bei der Antragstellung unterstützt. Ein Technologie-Scout fungiert auch als vielfältiger Kontakthersteller. So werden die Wissenschaftler an potenzielle Kapitalgeber vermittelt und beim Prozess der Kapitalakquise eng begleitet. Gespräche zu möglichen Zulieferern und Kunden werden vermittelt und sie werden tatkräftig bei den Vertriebsaktivitäten unterstützt.

Viele Ideen schlummern noch

Vor zwei Jahren hat das netz-werk|nordbayern in Erlangen das Projekt „Technologie-Scouting“ ins Leben gerufen. Mittlerweile wurden hier bereits 15 Ideenträger aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen intensiv betreut. Seit diesem Jahr ist das Unternehmer-Netzwerk aus Nordbayern unter der Leitung der Universität Würzburg auch in Unterfranken aktiv. „Die Hochschulen stecken voller Geschäftsideen. Aber nur mit professioneller Unterstützung der Wissenschaftler bestehen bessere Chancen, die Ideen zeitnah und zielgerichtet wirtschaftlich zu verwerten“, antwortet Dr. Hatz auf die Frage, warum sich das netzwerk|nordbayern mit dem Projekt Technologie-Scouting besonders an Forschungseinrichtungen engagiert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: