Er brachte die Welt in die Wohnzimmer

Erfolgsstory des Elektronik-Konzerns Grundig

Autor: Sabine Hölper
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Er baute ein als Spielzeug getarntes Radio – und legte damit den Grundstein für seinen Großkonzern. Die unternehmerischen Pionierleistungen des Max Grundig.

Mit dem sog. Heinzelmann, seinem ersten Radioapparat, landete Max Grundig 1946 einen Volltreffer

Es ist wohl besser, dass Max Grundig (1908 bis 1989) die Entwicklungen seines Unternehmens seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr mitbekommen hat. Was er in der Presse hätte lesen müssen, wäre dem Franken mit Sicherheit bitter aufgestoßen. Über Führungschaos und mehrere Sanierungen wurde berichtet, über den Rückzug des Mehrheitseigners Philips im Jahr 1996, über die geplante Zerschlagung des Unternehmens durch britische Investoren, über die folgenden Versuche einer Rettung durch die Politik, zähe Verhandlungen mit potenziellen neuen Investoren – und schließlich hätte Max Grundig 2003 gar von der Insolvenz des Traditionsunternehmens erfahren müssen.

Der Geschäftsbetrieb blieb zwar auch nach dem herben Einschnitt gesichert, die britische Vertriebsgesellschaft Alba und der türkische Elektronikhersteller Beko stiegen beim Elektronik-Konzern ein. So ist Grundig noch immer in Franken tätig – und das Unternehmen kann auch wieder Erfolge aufweisen. Dennoch: An die Glanzzeiten des Unternehmens, als Firmengründer Max Grundig das uneingeschränkte Sagen hatte und bis zu 40.000 Menschen in seinen Betrieben beschäftigte, konnten seine Nachfolger nicht wieder anknüpfen.

Das Wir-sind-wieder-wer-Gefühl

Seit seinem 16. Lebensjahr hatte der gelernte Einzelhandelskaufmann nichts anderes im Sinn als Radios zu bauen

Kein Wunder also, dass die Marke Grundig vor allem Nostalgie entfacht. Man denkt zurück an seine Kindertage, als im elterlichen Wohnzimmer der Grundig-Fernseher thronte. Man erinnert sich an das alte Kofferradio in Omas Küche, „Concert Boy“ hieß das damals. Der Name war einem natürlich längst entfallen, nur die beiden Antennen, die links und rechts des Kastens vorwitzig in die Höhe ragten wie zwei Fühler, sind vor dem geistigen Auge noch präsent.

Es gab eine Zeit, nur die Älteren haben sie selbst erlebt, da hatte die Marke Grundig eine Bedeutung im Land wie kaum je eine andere. In den guten Stuben des Wirtschaftswunder-Deutschlands gehörten Grundig-Geräte so selbstverständlich dazu wie das Linoleum auf dem Küchenfußboden. Und mehr noch: Sie waren der Stolz der aufstrebenden Nation. Das Unternehmen und der Unternehmer Grundig hatten es geschafft, das „Wir-sind-wieder-wer-Gefühl“ zu erwecken.

Mit 22 Jahren legte er los

Genau genommen begann die Erfolgsgeschichte der Firma Grundig vor dem zweiten Weltkrieg. Und schon damals war die Leistung von Max Grundig beachtlich. Immerhin war er erst 22 Jahre alt, als er seine Firma „Radio-Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer, Handel mit Radiogeräten“ eröffnete. Außerdem musste Grundig, dessen Vater bereits starb, als Max zwölf Jahre alt war, seine Mutter überzeugen. Der Vermieter verlangte ihre Unterschrift unter den Mietvertrag. Eine Woche lang soll Grundig seine Mama bekniet haben, bis sie endlich nachgab und zustimmte. Grundigs Geschäft ging gut.

Doch dann kam der Krieg. Und obwohl der gebürtige Nürnberger während des Krieges Trafos für die Wehrmacht produzierte, und obwohl sein Geschäft von den Bomben kaum zerstört wurde, hatte der Unternehmer nach Kriegsende keine große Lust mehr, einen unternehmerischen Neustart zu wagen. „Die ganze Geschichte, das ganze Theater, man hat ja nicht gewusst, wie, wo und was“, hat er später einmal gesagt. „Am liebsten hätte ich gar nichts mehr gemacht.“