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Vom Hacker zum Finanzprofi

Thümmler ist fasziniert vom Internet und den vielen Möglichkeiten, die es bietet. Die Möglichkeit, Geld damit zu verdienen. Aber auch die Technik begeistert ihn. Schon als Jugendlicher in den 80er-Jahren war er vernarrt in die damals noch klobigen, grauen Kisten. Auf seinem Commodore 64 eignete er sich das Programmieren an, schnell beherrschte er Programmiersprachen wie Assembler oder Basic.

Im Alter von 13 Jahren war Thümmler bereits so versiert, dass er Programme knacken konnte. Er war ein bekannter Hacker. Bekannt bei der Polizei und "beinahe im Gefängnis gelandet", wie Thümmler in einem Interview mit internetrepublik.de erzählt. "Die Bertelsmann-Tochter Ariola Soft hat uns verklagt, weil wir Computerspiele geknackt haben, es gab sogar eine Hausdurchsuchung", sagt er stolz.Die Begeisterung für Technik riss nicht ab.

Aber während der letzten Schuljahre kam eine neue Leidenschaft hinzu: die Welt der Finanzen. Den Grundstein dafür legte ein Lehrer, der ihn während eines Austauschjahres an einer amerikanischen Highschool in die Geheimnisse der Börse einführte. Aber auch die Tatsache, dass Thümmler seine Promotion abbrechen musste, weil seine Eltern ihn nicht mehr finanzieren konnten, mag ein Schlüsselerlebnis gewesen sein.

Im Moment ist High Noon.
Es gibt viel Liquidität,
und die muss sich entladen



Der Unterfranke in London

Zu spüren, was Geldknappheit bedeutet, hat schon so manchen dazu angestachelt, das große Geld zu machen. Gleich die erste Anstellung, die Thümmler 1995 annahm, stellte denn auch die Weichen für alles Kommende. Der gebürtige Unterfranke heuerte bei Rothschild an, einer M&A-Boutique in Frankfurt. Als ihm die Arbeit dort zu langweilig wurde, ging er nach London zu UBS Warburg (heute UBS). Es war die Zeit der großen Privatisierungen im Bereich Telekommunikation. "Und ich war mittendrin und durfte die großen Deals machen", sagt Thümmler.

Der Deutsche in London machte sich einen Namen, vor allem in seinem Heimatland, wo gerade mit großem Getöse der "Neue Markt" entstand. Firmen wie Mobilcom oder Intershop gingen an die Börse. Und sie kamen auf Thümmler zu, um mit seinem Arbeitgeber ins Geschäft zu kommen. Nur war eine Investmentbank wie UBS, die gewöhnlich Milliarden-Deals abschließt, an den vergleichsweise kleinen 100-Millionen-Deals aus Deutschland nicht interessiert. "Die Leute, die mich damals ansprachen, wurden meine Freunde", sagt Thümmler. "Ins Geschäft konnten wir aber leider nicht kommen."

Erst Frankfurt, dann die Welt

Thümmlers Antwort darauf war so logisch wie konsequent: Er ging zurück nach Frankfurt und gründete seine eigene M&A-Beratungsfirma CFP. "Mir wurde klar, dass es in Deutschland eine Marktlücke für Deals zwischen 50 und 300 Millionen Euro gibt", sagt Thümmler. Der damals 28-Jährige besetzte sie kurzerhand. CFP fing klein an, mit zwei Mitarbeitern und einem ersten Deal in Höhe von zehn Millionen Mark.

Doch schon 1999, ein Jahr nach Firmengründung, zog das Unternehmen einen großen Brocken an Land. Thümmler verkaufte eine Firma für 540 Millionen Mark. Ein paar Jahre lang war CFP nun eine solide deutsche M&A-Boutique. Nicht mehr und nicht weniger. Bis Thümmler 2004 zum nächsten Sprung ansetzte. Er stellte seine Firma globaler auf, eröffnete Büros im Ausland. "Seither kommen auch die reichen Araber, Russen und Chinesen zu uns."

Trotzdem sei CFP seinen Wurzeln treu geblieben, versichert ihr Gründer. Und genau das sei der entscheidende Grund für den Erfolg der Firma: "Wir sind fokussiert auf den Tech-Sektor und auf Mid-size-Deals", sagt er. "Diesen Fokus haben wir bis heute beibehalten."