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Der rote Faden: Kunden- und Kostenorientierung

Deichmann setzte mit Elan immer wieder Neues um, doch im Grunde blieb er der vom Vater vorgegebenen Linie treu. „Was vor fast 100 Jahren galt, gilt auch heute noch“, sagt Deichmann. So lautet das Ziel damals wie heute, der günstigste Anbieter auf dem jeweiligen Markt zu sein. „Schuh-Aldi“ wird der Händler deshalb von manchen genannt. „Kundenorientierung“ entgegnet Deichmann, oder, im ungeliebten BWLer-Jargon: „Kostenführerschaft“. Und dass man diese Kostenführerschaft nicht etwa durch die Knebelung der Lieferanten, sondern durch die Vertikalisierung der Prozesse erreicht: Das Unternehmen verzichtet auf Zwischenhändler und bestimmt stattdessen selbst, welche Produkte an welchen Produktionsstandorten (u.a. China, Polen, Italien) in welchen Mengen produziert werden.

Preiswert aus Prinzip

„Schuhe zum Anfassen“, auf Wühltischen und sog. Vorwahlständern präsentiert, führte Deichmann in Deutschland ein. Im Jahr 2009 sind es 2500 Filialen in 19 Ländern

Etwas hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts aber doch geändert: Anders als sein Vater spricht der Schuhhändler heute kaum noch Konsumenten an, die aus finanzieller Not heraus gezwungen sind, preiswerte Schuhe zu kaufen. Die heutigen Kunden greifen freiwillig und aus Kalkül zu Sandalen à 19 und Herren-Halbschuhen à 29 Euro: Weil sie sich keine teureren Schuhe leisten wollen. Weil sie sich mehrere Paare pro Saison gönnen wollen. Und weil ja auch noch all die anderen Bedürfnisse – der Urlaub, das Auto, das Handy – befriedigt werden wollen. Die Gesellschaft habe sich eben verändert, erklärt Deichmann. Und dass es keine Schande sei, in Deichmann-Schuhen herumzulaufen. Schließlich handele es sich dabei keineswegs um Billigware. „Wenn wir kein gutes Produkt anbieten würden, hätten wir keinen Erfolg“, ist Deichmann überzeugt.

Expansion aus eigener Kraft

Und der Erfolg hält an. Obwohl schon heute jeder fünfte Schuh, der in Deutschland gekauft wird, von Deichmann stammt, sind die Expansionsbestrebungen des Unternehmens, seit 1999 mit Sohn Heinrich als Vorsitzender der Geschäftsleitung an der Spitze, enorm. Mit europaweit 284 geplanten neuen Filialen (55 davon in Deutschland) steht in diesem Jahr sogar die größte Expansion in der Firmengeschichte an. Sage und schreibe 165 Millionen Euro wird Deichmann bis Ende des Jahres investieren, um die Pläne zu verwirklichen. Kapital im Übrigen, das das Familienunternehmen nicht von Banken erhält, sondern auf der hohen Kante hat.

Nicht nur das Unternehmen ist gut situiert, auch der Seniorchef, der neben seinem Sohn als zweiter geschäftsführender Gesellschafter fungiert, sich aber eher in der Beobachter-Rolle wähnt, hat ausgesorgt. Doch das verführt ihn weder zum Müßiggang noch schwelgt er in übermäßigem Luxus. Geld ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck. Und für einen, der „im Glauben an den lebendigen Christus lebt“, gibt es nur den einen Zweck, nämlich Gutes zu tun. Und so engagiert sich der Schuhhändler in Indien und Tansania, hilft Lepra- und Tbc-Kranken, Kindern und Waisen. Er baut Krankenhäuser, Schulen und Wasserleitungen. Mehrere Millionen Euro spendet er jährlich, alleine das von ihm gegründete Hilfswerk „Wort und Tat“ bezuschusst er mit fünf bis zehn Millionen. „Dass uns nur gehört, was wir verschenken – das meine ich ernst“, sagt der weißhaarige Mann mit der Brille. Typisch Deichmann.


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 02/2009

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