44 likes

Otto hat viel zurückgegeben

Die Lust, etwas Neues zu wagen, es fließen zu lassen (sein Motto: panta rhei – alles fließt), trieb Otto an. Sowohl als Unternehmer als auch privat: Otto heiratete dreimal und bekam fünf Kinder, zog im Alter von 89 Jahren von Garmisch-Parten-kirchen nach Berlin, denn „da ist Power drin“. Sowohl während seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender des Hamburger Unternehmens als auch danach. So baute Otto einige Jahre nach seinem Ausscheiden als Mann an der Spitze im Jahr 1966 erst die ECE Projektmanagement auf, welche heute die bedeutendste Entwicklungsgesellschaft für Einkaufscenter in Europa ist, später in New York die Immobilienfirma Paramount.

Natürlich ist Otto durch sein Wirken vermögend geworden. Auf 13 Milliarden US-Dollar wird das Vermögen der Familie geschätzt, in der Liste der reichsten Deutschen rangiert sie auf Platz drei. Doch Otto hat viel zurückgegeben. Bereits 1969 rief der heute 98-Jährige die „Werner Otto Stiftung“ ins Leben, zu deren Projekten das wissenschaftliche Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf gehört. Fünf Jahre später gründete er das „Werner Otto Institut“, eine Einrichtung, die sich der Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter oder behinderter Kinder und Jugendlicher widmet. Seit 1996 wird außerdem das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinisch-wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“ vergeben. Als Freund der Kultur und der Künste unterstützte Otto außerdem mehrere Projekte, darunter den Wiederaufbau des Kirchturms in seiner Heimatstadt Seelow, die Renovierung des Belvedere in Potsdam oder den Bau einer zusätzlichen Bühne im Konzerthaus Berlin.

Bei allem, was Otto geleistet hat – er wollte nie im Rampenlicht stehen. Und er hätte seine Kinder nie gezwungen, in seine Fußstapfen zu treten. Sohn Michael tat es trotzdem. Und es war eine gute Entscheidung. Unter Michael Ottos Führung expandierte das Unternehmen zum Weltkonzern. Otto ging Beteiligungen an anderen Unternehmen ein oder erwarb sie gleich ganz, er eroberte ausländische Märkte, unter anderem Polen, Russland, Ungarn oder Japan, baute den Online-Handel auf und stetig aus. Daneben verankerte Otto junior den Umweltschutz als erklärtes Unternehmensziel. Nebenher engagierte und engagiert sich Michael Otto im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich. Er gründete die „Michael Otto Stiftung“, die sich zum Ziel gesetzt hat, Flüsse und Seen zu schützen, sammelte Spenden zu Gunsten des World Wide Fund For Nature (WWF), und zeigte sich selbst als großzügiger Spender. Mit drei Millionen Euro unterstützte er die Hamburger Musikschule, mit 1,5 Millionen das Vogelschutz-Institut im Naturschutzbund.

Positives Denken als Unternehmens-Leitbild

„Otto...find ich gut.“ Das kommt einem angesichts der weit reichenden Aktivitäten und Leistungen der Otto-Familie leicht über die Lippen. Aber auch Kunden des Unternehmens, für die Otto nichts weiter ist als ein Versandhandelsunternehmen, das die neueste Bademode ebenso bequem nach Hause liefert wie eine kuschelige Sofagarnitur, trällern den Slogan aus dem Effeff heraus. Die berühmten vier Worte, die seit nunmehr 21 Jahren zu Otto gehören wie die Elbe zu Hamburg – sie sagen mehr aus über die Philosophie der Unternehmerfamilie als ganze Bücher, die über die Ottos geschrieben wurden: Wer an sich glaubt, kann es weit bringen. Oder anders ausgedrückt: Sag, dass Du gut bist, und Du bist gut.


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2007

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Startschuss mit Krisenknall

Startschuss mit Krisenknall

Erfolg hat man, wenn die Zahlen stimmen – doch ausgerechnet im Jahr von Eckerts Amtsantritt stimmten sie nicht. Das lag nicht in erster Linie an der Konkurrenz, die vor allem aus Deutschland und Italien kommt. 2009 war das Jahr der Weltwirtschaftskrise. Und diese ist, wie für die meisten Premiumanbieter, auch für Bulthaup nicht ohne negative Auswirkungen geblieben. „In Europa, USA und Asien haben wir Rückgänge verzeichnet“, sagt Eckert. In den USA und Asien ziehe die Nachfrage wieder an, in Europa dagegen dauere es noch eine Weile, bis das Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht werde.

Bulthaup hat auf den Umsatzeinbruch mit Stellenabbau reagiert. Mehr als 100 der einst 550 Mitarbeiter in Aich wurden entlassen. Gern hat Eckert die Leute nicht nach Hause geschickt. Doch die geringere Mitarbeiterzahl habe auch ihr Gutes, sagt der Unternehmer: „Wir sind nun schlanker aufgestellt und können schneller auf die Markterfordernisse reagieren.“

Küche stets neu interpretieren

Die Markterfordernisse, oder besser: das, was die Kunden wollen, stand bei Bulthaup allerdings schon immer an vorderster Stelle. Nicht ohne Grund arbeitet das Unternehmen mit Physiotherapeuten und Wissenschaftlern zusammen, schreibt ergonomische Gestaltung groß und legt wert auf optimale Beleuchtung und Luftfilterung. Allerdings: „Der Kunde heute ist ganz anders als der Kunde vor zehn Jahren“, weiß Eckert. Deshalb sei es eine der größten Herausforderungen, „sich immer wieder neu zu erfinden“. Nicht die Küche könne man neu erfinden, „aber die Interpretation von Küche“.

Und wer wissen will, wie Küche heute interpretiert wird, der muss sich nur einmal moderne Wohnungsgrundrisse anschauen. Da ist die Küche nicht mehr abgetrennt vom Rest der Wohnung, sondern öffnet sich hin zum Wohnzimmer, oder mehr noch: Die beiden Räume werden eins. Eckert begrüßt diese Entwicklung. So müsse sich die Hausfrau, nachdem die Gäste satt sind, nicht ins Kämmerlein verziehen, um den Abwasch zu erledigen. Sie bleibt einfach da, wo es gesellig ist. Und wenn die Gäste nett sind, tragen die ihr Geschirr gleich selbst zur Spülmaschine. Wie sagte Eckert so schön: „Die Küche als Herzstück des Hauses.“