Otto... find ich gut

Gründerstory des Otto-Versandhandels

Autor: Sabine Hölper
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Vor 58 Jahren startete ein mutiger Mann ein Versandhandelsunternehmen. Damals war nicht absehbar, dass Werner Otto eine Erfolgsgeschichte schreiben würde, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Heute ist die Hamburger Otto Group in 19 Ländern vertreten und macht jährlich 15 Milliarden Euro Umsatz.

Werner Otto – ein Restarter made in Germany: Ein Jahr vor der Gründung des Otto Versands hatte er sein erstes Unternehmen – eine Schuhfabrik – in den Konkurs getrieben. Hier in seinem Büro in den 50er-Jahren

Um auf den Grund der Erfolgsgeschichte vorzustoßen, muss man weit zurückgehen – in das Jahr, in dem die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, das Grundgesetz verkündet wurde und die ersten Wahlen stattfanden.

In diesem Jahr 1949, am 17. August, kratzte Werner Otto seine letzten 6000 Mark zusammen und gründete im Hamburger Stadtteil Schnelsen die Firma „Werner Otto Versandhandel“. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern stellte der damals 40-Jährige die ersten 300 „Kataloge“ her. Auf 14 Seiten klebten sie Fotos von 28 Paar Schuhen ein, banden die Heftchen mit einer Kordel zusammen und verteilten sie im Umkreis. Otto gestattete seinen Kunden, anders als zu dieser Zeit üblich und somit als erster Versandhändler, den „Kauf auf Rechnung“. „Vertrauen gegen Vertrauen“ nannte Otto das Prinzip – und wurde für diese für Unternehmer eher ungewöhnliche Haltung belohnt. Neben der Fokussierung auf gute Qualität gilt der Rechnungskauf als Hauptgrund für Ottos erste Erfolge.

Bürokratie anno 1949: Eine Mark zahlte Werner Otto am 17.8.1949 für die Gewerbeanmeldung

Wer hätte das ein, zwei Jahre früher für möglich gehalten? Schließlich war Otto gerade erst mit seinem vorherigen Unternehmen, einer Schuhfabrikation, gescheitert. Aber eigentlich wollte Otto, 1909 im brandenburgischen Seelow als Sohn einer Kaufmannsfamilie zur Welt gekommen, sowieso nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten. Schriftsteller wollte er werden, bereits als Gymnasiast schrieb Otto Romane. Doch dann kam alles anders. Die Pleite des elterlichen Betriebes zwang Otto, die Schule zu verlassen. Er ging zunächst nach Stettin, später dann nach Berlin und versuchte sich als Zigarrenhöker. Nach dem Krieg siedelte Otto mit seiner Familie nach Hamburg über, wo er seine Chance als ernsthafter Unternehmer witterte und eine Schuhfabrikation startete. Da der Neuling in der Branche jedoch gegen die großen Konkurrenten nicht bestehen konnte, musste er sein Unternehmen 1948 bereits wieder schließen – er hatte es in den Konkurs getrieben. Was nun folgte, war aber keineswegs Resignation, sondern die wahrscheinlich beste Idee seines Leben: Otto setzte sich in den Kopf, einfach mit den Schuhen der ehemaligen Konkurrenten zu handeln.

Vom Produzenten zum Händler

Das Konzept ging auf, Otto hatte von Anfang an Erfolg. Und er steigerte ihn von Jahr zu Jahr. Nach dem ersten handgebundenen Katalog erschien im Jahr darauf bereits der erste gedruckte Katalog, doppelt so dick, in einer fünfmal höheren Auflage und mit einem erweiterten Sortiment. Neben Schuhen offerierte der Händler nun auch Aktentaschen, Regenmäntel und Hosen. Damit setzte Otto, nur zwei Jahre nach der Firmengründung, bereits eine Million Mark um. Weitere zwei Jahre später stieg der Umsatz auf fünf Millionen DM, 1958 auf 100 Millionen DM – womit der Otto Versand zu den Großunternehmen in Deutschland gehörte. Otto war begeistert. Nicht nur der Erfolg berauschte ihn. Vor allem hatte er eine Tätigkeit gefunden, die zu ihm passte. „Mir waren das Wachstum und die ständig neuen Probleme, vor die ich gestellt wurde, gleichsam auf den Leib geschrieben“, hat Otto später einmal erzählt.