Die 6P-Checkliste für neue Ideen

Woran Sie erkennen, ob Sie eine top Start-up-Idee haben

Autor: Prof. Graham Horton, Jana Görs
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Wer seine Geschäftsidee vorab gründlich prüft, erkennt frühzeitig mögliche Schwachstellen und kann dadurch seine Erfolgschancen erhöhen. Ein Tool, das dabei hilft, ist die „6P-Checkliste", die wir im Folgenden vorstellen.

Die beiden Autoren haben die „6P-Checkliste“ entwickelt, um Studenten und Mitarbeitern an der Universität Magdeburg zu helfen, ihre Start-up-Ideen zu beurteilen. Sie haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, da mit Hilfe der Checkliste Stärken und Schwächen schnell entdeckt und entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen werden können. Die Liste hat sechs Einträge, die im Englischen mit dem Buchstaben „P“ beginnen. Jeder der Einträge umfasst viele, teilweise schwierige Fragen. Wir zeigen hier eine vereinfachte Darstellung der Checkliste:

1. PROBLEM: Das Kundenproblem, das wir lösen wollen

Die besten Start-up-Ideen lösen ein Kundenproblem. Es lohnt sich, eine Lösung für ein Kundenproblem zu entwickeln, wenn es die folgenden fünf Eigenschaften hat:

  • Unsolvable (unlösbar): Der Kunde kann sein Problem selbst nicht lösen.
  • Unavoidable (unausweichlich). Der Kunde kann dem Problem nicht aus dem Weg gehen.
  • Untenable (unhaltbar): Der Kunde kann das Problem nicht einfach aussitzen – er muss es lösen.
  • Urgent (dringend): Das Problem ist schmerzhaft – Der Kunde muss eine Lösung schnell finden.
  • Underserved (unterversorgt): Es gibt derzeit keine – oder keine ausreichend gute – Lösung auf dem Markt.

Kundenprobleme, die in allen fünf Kategorien hoch punkten, sind sehr selten. Andererseits wäre es aber für ein Start-up sehr schwierig, mit einem Kundenproblem, das in allen Kategorien schwach abschneidet, erfolgreich zu werden. Das File-Sharing-Unternehmen Dropbox (siehe StartingUp Ausgabe 02/16) machte es zum ersten Mal möglich, Dateien zwischen verschiedenen Computern und Menschen auf komfortable Weise zu teilen und hat damit ein sehr wertvolles Problem gelöst. Das Unternehmen aus Silicon Valley wird derzeit mit etwa 10 Milliarden Dollar bewertet.

2. PRODUCT: Die Lösung, die wir dem Kunden anbieten wollen

Nachdem ein gutes Kundenproblem gefunden worden ist, muss natürlich auch eine gute Lösung her. Was macht ein gutes Produkt aus? Die Antwort ist einfach:

  • Es muss eine einzigartige und einfache Lösung sein.
  • Es muss einen wesentlich höheren Kundennutzen bieten als alles, was es bisher gab.
  • Es begeistert seine Early Adopters und kann mit Hilfe von viralen Marketing-Strategien schnell wachsen.

Auch hier ist Dropbox Vorbild – der Software-Dienst erfüllt alle drei Kriterien in hohem Maße.

3. POTENTIAL: Wie viel können wir verdienen?

Je größer der Markt und der eigene Anteil daran sind, desto attraktiver ist ein Start-up für Investoren. Fragen Sie sich daher:

  • Wie groß ist der Markt für unser Produkt insgesamt?
  • Wer sind unsere Konkurrenten und worin genau wollen wir besser sein als sie?
  • Welche Alternativen stehen unseren Kunden zur Verfügung?

Für Start-ups, die Venture Capital suchen, sind die Anforderungen an der Marktgröße außerordentlich hoch.

4. PROFITABILITY: Können wir gewinnbringend arbeiten?

Gewinn ist ja der Unterschied zwischen Erlösen und Kosten. Wird das Start-up profitabel arbeiten können? Beantworten Sie folgende Fragen:

  • Welchen Verkaufspreis können wir für unsere Lösung erzielen?
  • Können wir alles, was wir zukaufen müssen (Rohstoffe, Teile ...) kostengünstig beschaffen?
  • Können wir alle Aktivitäten (produzieren, liefern usw.) effizient ausführen?

Gründer unterschätzen oft die Kosten für Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wie Infrastruktur, Kundensupport, oder Forderungsausfälle.

5. PATH: Wie kommen wir zum gewünschten Erfolg?

Der Weg zum Erfolg ist lang und birgt viele Herausforderungen. Ein Start-up muss plausibel zeigen können, wie es ans geplante Ziel kommen will. Wichtig ist hierbei zu erfragen:

  • Finanzierung: Was wird Wachstum kosten und wie wollen wir die notwendigen Finanzmittel bekommen?
  • Skalierbarkeit: Lässt sich unser Geschäftsmodell skalieren, oder enthält es einen Flaschenhals, der uns irgendwann bremsen wird?
  • Wer werden unsere Early Adopters sein – begeisterte Kunden, die über uns sprechen und unser Produkt weiterempfehlen?

Dieser Aspekt wird von den Gründern in der Aufregung des Starts am wenigsten beachtet, aber Investoren wollen ein überzeugendes Konzept hierfür sehen!

6. PEOPLE: Auf die Gründerpersönlichkeiten kommt es am meisten an

Auch die Gründer selbst sind ein Teil der Gründungsidee. Der berühmte israelische Start-up-Investor Yossi Vardi sagt über seine Strategie: „Das Wichtigste sind die Menschen.“ Gründen ist anspruchsvoll – nicht jeder hat das Zeug dazu.

Das Akronym DRIVER beschreibt die wichtigen Persönlichkeitseigenschaften eines Gründers:

  • Driven (getrieben): Er/sie drängt ständig nach vorn.
  • Resourceful (findig): Er/sie findet immer eine Lösung.
  • Initiative: Er/sie ergreift immer die Initiative und sitzt nie still.
  • Visionary (visionär): Er/sie hat ein großes Bild von der Zukunft, das auch andere motiviert.
  • Energetic (energisch): Er/sie wird nie müde, wenn es darum geht, das Start-up nach vorn zu bringen.
  • Relentless (unaufhaltsam): Er/sie überwindet jeden Widerstand.

Erfolgreiche Gründer müssen wie olympische Athleten sein: Sie sind bereit, jahrelang Tag und Nacht zu arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Hier dürfen sich Gründer auch nichts vormachen – wer der Aufgabe nicht gewachsen ist, sollte es nicht versuchen.

Über die Autoren:

Graham Horton ist Professor für Informatik an der Universität Magdeburg, wo er die Startup Engineering-Kurse für gründungsinteressierte Studenten hält.
Jana Görs ist Teamleiterin in der Gründerbetreuung der Universität Magdeburg.

Die beiden Autoren haben vor 10 Jahren die Zephram GbR gegründet, die Unternehmen bei ihren Innovationsprojekten unterstützt.

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