Wohne gut und lebe glücklich

Gründen mit Mitte 50


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Das ist der Slogan und zugleich die Geschichte von der "Welt der kleinen Wünsche". Jürgen und Bernd Brinkmann gründeten im März 2012 den gleichnamigen Onlineshop für schöne Dinge rund ums Wohnen. Seit September 2012 sind sie online. Das ist doch eigentlich nichts Besonderes, könnte man sagen, das tun doch viele! Viele ja – aber auch im Alter von Mitte 50?

Jürgen und Bernd Brinkmann starten mit Mitte 50 nochmals richtig durch!

Jürgen Brinkmann, Jahrgang 1957, und sein Cousin Bernd Brinkmann, Jahrgang 1958, waren gut 30 Jahre lang beim Möbelhersteller Flötotto in Gütersloh-Friedrichsdorf beschäftigt. Jürgen im EDV-Bereich und in der Fertigungssteuerung und Bernd im Einkauf. Eigentlich wollte man hier in Rente gehen, es lagen noch zehn bis fünfzehn Arbeitsjahre vor ihnen. Aber es kam anders.
Flötotto kam in Schwierigkeiten und geriet zweimal in die Insolvenz. Das Unternehmen wurde nach der zweiten Insolvenz unter anderem mit Hilfe der erfahrenen Brinkmänner neu aufgestellt. Doch nach gut drei Jahren kam es zwischen dem Inhaber und den beiden Mitarbeitern zu Differenzen, Jürgen und Bernd wurden entlassen. Der Schock saß tief: "Flötotto – das war doch unsere Familie", betont Bernd.

Auf zu neuen Ufern

Hinter dieser Fassade in Gütersloh-Friedrichsdorf verbirgt sich die Schaltzentrale der "Welt der kleinen Wünsche"

Die unmittelbare Folge war die Arbeitslosigkeit. "Arbeitslos zu sein, das ist nicht einfach, aber aufgeben? Das kam für uns nicht in Frage", erläutert Bernd. Und auf die Rente warten, nein, das wollten die beiden ebenfalls nicht. So entstand die Idee, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und weil beide sich mit dem Thema Wohnen bestens auskannten, war die Richtung schnell gefunden:
Ein Onlineshop, der sich rund ums Wohnen und Einrichten dreht. Jürgen brachte die edv-technischen Erfahrung ein, und Bernd sein Expertenwissen als Einkäufer. So konnten schnell die ersten Produkte für den geplanten Onlineshop akquiriert werden. Da auch ein Internet-Business nicht ohne Schreibtisch und Co. auskommt, musste noch ein Büro her. Hier bot sich die alte berufliche Wirkungsstätte der beiden in Gütersloh-Friedrichsdorf an – dort, wo Flötotto jahrzehntelang seinen Stammsitz hatte. Rasch war man sich mit dem Vermieter einig und los ging es!

Professionelle Starthilfe

Nachdem privates Geld, auch Teile der Abfindung, als Startkapital in den Shop geflossen war, beantragten die beiden Brinkmanns einen KfW-Kredit für Gründercoaching. Der Kredit wurde innerhalb von zwei Wochen bewilligt, und nun konnten sich die Gründer weiter fachmännisch betreuen lassen. Darüber hinaus wurde vor kurzem ein Businessplan mit Hilfe eines Steuerberaters erstellt. Damit konnte die finanzielle bzw. planerische Grundlage für drei Jahre geschaffen werden. "Wir hoffen nun, dass der Plan durchgeht und wir das Geld bekommen", sagt Bernd. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht.
"Unabhängig davon ist es auf jeden Fall gut, Coaching-Partner zu finden, die einen auf den Weg begleiten. Die haben die Erfahrung und man macht wesentlich weniger Fehler", fügt er hinzu. Nach einem Existenzgründer-Seminar, das die beiden absolvierten, suchten und fanden sie die Zusammenarbeit mit der pro-Wirtschaft GT. An den Schnittstellen Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen übernimmt sie eine Lotsenfunktion, um Unternehmen einen möglichst einfachen und effizienten Weg durch die Verwaltungsinstanzen zu ermöglichen. Pro-Wirtschaft GT-Geschäftsführer Albrecht Pförtner war es auch, der den beiden zwei Mentoren, ehemalige Geschäftsführer aus namhaften Unternehmen, an die Seite stellte. Mit Rat und Tat unterstützen diese nun die "Jungunternehmer".

Eigene Produkte für den eigenen Shop

Das System "Round" (hier als Regal) besteht zum Hauptteil aus einem Rundholz, das beim Schälen eines Baumstammes zur Furnierherstellung anfällt

Onlineshops für Möbel und Einrichtungsgegenstände gibt es bereits, das wussten auch die beiden Unternehmensgründer. Daher war es umso wichtiger, eigene Produkte anbieten zu können. Das erste Eigenprodukt im Sortiment war das System Round. Round besteht zum Hauptteil aus einem Rundholz, das beim Schälen eines Baumstammes zur Furnierherstellung anfällt. Dieses massive Holzstück ist eigentlich Abfall. Nun erhält es ein zweites Leben. Es wird auf Länge gebracht, gedrechselt, geschliffen und per Hand geölt. In Verbindung mit Glas werden so formschöne und einzigartige Möbelprodukte hergestellt und angeboten. Im April 2103 wurde das Produkt auf der Messe g.u.t in Bochum erfolgreich präsentiert.

„Frage, und es wird dir geholfen“

Die Brinkmann-Gründer auf ihrer ersten Messe

Aufmerksamkeit muss man erzeugen und aufrechterhalten, das wissen auch die beiden Gründer. Dies bewog sie dazu, neben Messeauftritten mit gezielten Maßnahmen in die Öffentlichkeit zu gehen. Es wurden Flyer gedruckt und verteilt sowie Zeitungen angeschrieben. So kamen die beiden bereits zu wertvollen Berichterstattungen in regionalen, aber auch bundesweit erscheinenden Zeitungen und Radiostationen. Bernds Erfahrung mit der breitgefächerten PR-Arbeit lautet: "Frage, und es wird dir geholfen."
Auch suchte man sich Partner im Online-Bereich. Auf den Plattformen Zweitsinn und Utopia ist die "Welt der kleinen Wünsche" bereits vertreten. Verlinkungen mit bzw. zu weiteren namhaften Portalen und Onlinehändlern steigern zusätzlich die Auffindbarkeit im WWW. Um den Bekanntheitsgrad weiter auszubauen, nahmen die Brinkmanns auch an Wettbewerben wie den greenTec Awards teil und nutzen aktiv die einschlägigen Social-Media-Kanäle YouTube, Facebook und Co.

Vieles geht, auch mit Mitte Fünfzig

Bei Norbert Hesselkamp (Foto) hat Bernd Brinkmann eine Festanstellung gefunden, die ihm finanziell den Rücken stärkt und den Schritt in die eigene Selbständigkeit erleichtert hat

Damit der Verkauf vorangeht, werden laufend neue Produkte in den Shop eingepflegt. Um ein zweites Standbein zu bekommen, ist in dem Gebäude, in dem das Büro untergebracht ist, eine eigene Ausstellung mit Verkauf geplant. Das alles kostet viel Zeit, Engagement, Geduld und Geld. Denn bis ein Onlinehandel Gewinn abwirft, kann es dauern. Daher arbeitet Bernd Brinkmann parallel noch in Festanstellung im Verkauf der Firma H2 Therm in Greven, die mit innovativen ökologischen Dämmstoffen handelt. Norbert Hesselkamp, der Inhaber von H2 Therm, gab und gibt Bernd die Chance, beides – Selbständigkeit und Festanstellung – unter einen Hut zu bringen. Und das funktioniert, weil Hesselkamp als Unternehmer und Arbeitgeber selbst erkannt hat, "dass es sich lohnt, in Personal - gleich welchen Alters - zu investieren". "Es ist positiver Stress, den ich nun habe", erklärt Bernd die doppelte berufliche Herausforderung. Der Vorteil: Beide Jobs werden vom Büro in Gütersloh-Friedrichsdorf gemanagt. "Und es macht Spaß", betont Bernd, "zumal es nicht selbstverständlich ist, dass man mit Mitte 50 noch so einen Chef findet."
Die junge Erfolgsstory der beiden spätberufenen Gründer bringt Bernd abschließend auf den Punkt: "Vieles geht - man muss nur wollen! - auch mit Mitte 50!"

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