Die Qmilk-Gründerin Anke Domaske

Anke Domaske, die Frau, die aus Milch Gold macht

Autor: Sabine Hölper
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Die Mikrobiologin Anke Domaske hat ein fast vergessenes Verfahren wiederentdeckt und revolutioniert: Aus nicht verwertbarer Milch stellt sie eine sehr vielseitig einsetzbare Bio-Faser her.

Anke Domaske,Qmilk

Wenn man sich mit einer Modeschöpferin unterhält, spricht man in der Regel über ihre Kollektion. Für wen sind die Kleider gemacht? Wie sind die Schnitte? Welche Stoffe verwendet sie? Sind die Kleider opulent oder schlicht, feminin oder androgyn, alltagstauglich oder Haute Couture? Anke Domaske ist Modedesignerin. Eine recht erfolgreiche noch dazu. Ihre Kleider werden sogar von der Prominenz getragen. Trotzdem redet man mit ihr fast nur über: Milch.

Die Kuhmilch macht’s

Anke Domaske hat sich das selbst eingebrockt. Dass sie alle Welt mit Milch in Verbindung bringt. Schließlich ist die 30-Jährige nicht nur Inhaberin des Modelabels MCC Mademoiselle Chi Chi. 2011 hat die Hannoveranerin zudem Qmilk gegründet. Das Unternehmen produziert eine Faser, die aus Kuhmilch gewonnen wird. Die Faser wiederum wird zu Stoff verwoben. Und aus dem Stoff werden Kleidungsstücke hergestellt. Kleidungsstücke, die definitiv geruchsneutral sind, wie Domaske versichert. Sie schmunzelt, als sie das sagt. Weil man das eigentlich nicht extra betonen muss. Aber man hat ihr die Frage, ob die Kleidung stinkt, schon so oft gestellt, dass sie jetzt lieber gleich in die Offensive geht.

Im Übrigen sind die Kleidungsstücke auch nicht nur weiß, sondern farblich genauso variantenreich wie jene, die aus herkömmlichen Stoffen bzw. Fasern hergestellt werden. Auch das muss manchmal dazugesagt werden. Viel wichtiger  Sie weist darauf hin, dass die Kleider nicht aus Lebensmitteln gemacht sind. Bei der Milch, die Qmilk verwendet, handelt es sich ausnahmslos um verunreinigte, meist saure Milch, die anderenfalls entsorgt werden müsste. Allein in Deutschland werden jährlich zwei Millionen Tonnen Milch weggekippt, echauffiert sich Anke Domaske und ergänzt: „In anderen Ländern ist es noch viel schlimmer.“

Kleider aus Milch

Anke Domaske hatte nie vor, noch eine Firma zu gründen. Sie war glücklich mit ihrem Modelabel und gut damit beschäftigt. Doch dann erkrankte ihr Stiefvater an Krebs. Egal, mit welchen Textilien seine Haut in Berührung kam: Er reagierte allergisch. „Selbst mit Kleidung aus Wolle und anderen Naturfasern ging es ihm nicht gut“, sagt Domaske. Die studierte Mikrobiologin wollte das nicht hinnehmen. Obwohl sie damals schon seit vielen Jahren Kleidung entwarf, „fragte ich mich zum ersten Mal, wie Fasern hergestellt werden.“ Domaske begann zu recherchieren – und stieß auf ein Verfahren, das es seit den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gibt.

Seither ist es möglich, Fasern aus Milcheiweiß, sogenannte Kaseinfasern, herzustellen. Bislang war dieser Prozess allerdings sehr zeitaufwendig und ressourcenintensiv. Etwa 20.000 Liter Wasser waren nötig, um ein Kilogramm der Faser herzustellen. Außerdem mussten große Mengen chemischer Stoffe, vor allem Formaldehyd, zugeführt werden. Domaske schreckten diese Zahlen nicht ab. Sie spornten sie an. „Die Defizite haben mich dermaßen geärgert, dass ich den Entschluss fasste, sie zu beseitigen.“

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