App in den Kultur-Urlaub!

Audioguides und Apps

Autor: Pia Preuß
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Zwei Kunsthistoriker aus Köln gründeten 2009 das Online-Reiseportal Pausanio.de, das sich an Kunst- und Kulturinteressierte richtet. Informationen via App und Audio-Guide stehen für zahlreiche deutsche Sehenswürdigkeiten und weltweite Urlaubsziele parat.

Holger Simon (l.) und Stephan Hoppe (r.) gehen neue Wege in der Kunst- und Kulturvermittlung. Auf ihrem Internetportal Pausanio.de findet sich das weltweit größte Angebot an Audioguides und Hörbüchern zu Kunst und Kultur

Holger Simon und Stephan Hoppe lehren Kunstgeschichte an den Universitäten in Köln und München. Beide teilen die Leidenschaft für Kunst und Kultur. Als Kunsthistoriker sind sie gern auf Reisen und stillen ihre Neugier und den Forscherdrang am liebsten direkt vor Ort. Als Dozenten suchen sie stets nach Wegen, Kunst und Kultur zu vermitteln. Die Frage, ob und wie man diese Inhalte über das Medium Internet transportieren kann, wurde für beide zum Schlüsselerlebnis: „Nicht primär durch Texte, sondern indem wir die Menschen ganz dicht an Kunst heranführen. Mit der Nase auf Kunst stoßen. Sie müssen sie sehr nah sehen, fast schon tasten und riechen können. Die Information, die sie brauchen, soll erzählt werden“, erinnert sich Holger Simon an die Geburtsstunde von Pausanio.

Der Schritt zur Idee eines Portals, das die Neugierde und Lust auf das Reisen zu Kunstwerken in den Mittelpunkt stellt, war dann nicht mehr weit. Für ihr Start-up-Unternehmen haben die Wissenschaftler für eine Zeit den Katheder verlassen, der Forschung und der Lehre bleiben sie aber weiterhin eng verbunden: „Wir glauben beides gut verbinden zu können – die Wissenschaft im Seminarraum und ein Start-up für Kunst- und Kulturtouristen. Es ist kein Widerspruch, eher eine notwendige Ergänzung“, unterstreicht Hoppe.

Audioguides zum Download von unterwegs

Ein Medium hatten Simon und Hoppe dabei besonders im Blick: Die wachsende Zahl an Audioführungen, die sich mit Städten und kulturellen Sehenswürdigkeiten befassen. Auf ihrem neuen Kulturreiseportal wollten sie neben fundierten Informationen auch dieses Angebot bündeln. Außerdem sollten sämtliche Inhalte, egal ob Text, Bild oder Ton, als Wegmarken auf einer Karte verortet und mobil auf dem Handy verfügbar gemacht werden.
Ihren Freundes- und Berufskreis hatten Simon und Hoppe schnell vom Potenzial ihrer Idee überzeugt. Auch finanzielle Unterstützung für den Start fanden sie bei Freunden und Kollegen, die ihnen mit einem hohen fünfstelligen Betrag in der Startphase unter die Arme griffen. Aus eigenen Mitteln und einem Kredit der Sparkasse Köln-Bonn brachten die beiden Dozenten einen sechsstelligen Betrag ein und gründeten im Januar 2009 die Pausanio GmbH & Co. KG. Dann ging es an den Aufbau des neuen Kunstreiseportals. Simon: „Zunächst sprachen wir mit großem Erfolg verschiedene Audioguideverlage an. Im Sommer 2009 hatten wir schon den Großteil unseres heutigen Contents auf unser Portal geholt und konnten online gehen. In der zweiten Jahreshälfte ging es dann darum, den Zugriff per Smartphone zu programmieren. Seit 2010 gibt es nun eine mobile Website und eine iPhone-Applikation.“

Investoren gewonnen

Nach diesen Fortschritten machten sich Simon und Hoppe auf die Suche nach Investoren, um mit ihnen die Geschäftsidee am Markt etablieren zu können. Es gelang ihnen, drei Zeitungsverlage für sich zu gewinnen: Die Verlagsgruppe Rhein-Main, die Rheinische Post sowie die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Hoppe: „Mit unseren neuen Partnern auf Verlagsseite haben wir nicht einfach nur Investoren gewonnen, sondern echte strategische Partner. Denn für die weitere Entwicklung haben wir nun eine beachtliche Reichweite in der Tages- und Wochenpresse.“ Daraus soll Kapital gezogen und die Geschäftstätigkeit nun besonders im B-to-B-Bereich ausgeweitet werden.

Medienproduktion für Museen und Verlage

Ein neues Geschäftsfeld, das Simon und Hoppe erschlossen haben, ist die eigene Produktion von Audioguides, E-Books und Applikationen für Kunstführerverlage und Museen. Die Idee liegt nicht fern, sind alle Mitarbeiter doch studierte Kunsthistoriker und verfügen über beste Kontakte in die entsprechenden Berufsfelder. So produziert das Unternehmen unter der Marke Pausanio Production nun auch Apps, etwa für Kirchen- und Stadtführungen. Ganz neu auf dem Markt ist eine App, die die Kölner gemeinsam mit dem renommierten Kunstführerverlag Schnell und Steiner entwickelt haben. Sie umfasst nicht nur einen, sondern gleich eine ganze Reihe von digitalen Kunstführern, die je nach Belieben in die App hineingeladen werden können.

Einen besonderen Mehrwert generiert Pausanio dabei durch sein Reiseportal und seine Verlagspartner. Simon: „Wir verfügen über Werbeplätze auf unserem eigenen Portal wie auch in vielen regionalen und auch überregionalen Tageszeitungen. Schließlich pflegen wir den Kontakt zu unserer Zielgruppe auch über soziale Medien und Werbeplätze im Internet. Weil wir unsere Kunden an dieser Reichweite beteiligen, bieten ihnen für ihr eigenes Marketing ein wichtiges Zusatzpaket.“

Digitale Kunst- und Reiseführer aufs Handy

Die zweite Neuerung im Produktportfolio spielt sich auf dem Reiseportal und seinen mobilen Versionen selbst ab. Dort soll es in Zukunft möglich sein, sich neben Audioführungen auch ausgewählte Kunst- und Reiseführer aufs Handy zu laden. Dazu Simon: „Wir glauben, dass wir unseren Endkunden damit einen Mehrwert bieten können, für den sie ebenso gerne zu bezahlen bereit sind wie für einen klassischen Reiseführer. Den Verlagen bieten wir auf der anderen Seite den Zugang zu einer neuen Zielgruppe und einen neuen Vertriebsweg, über den sie ihre Produkte mobil und digital vermarkten können.“

Eine Stiftung für Kunst- und Kulturvermittlung

Dem am Katheder der Universitäten geborenen Unternehmen war seit seiner Gründung eine bemerkenswerte Entwicklung beschert. Und doch bleiben Holger Simon und Stephan Hoppe die Dozenten für Kunstgeschichte, die vor allem für ihr Fachgebiet begeistern wollen: „Die Klammer, die unsere Dienstleistungen zusammenhält, heißt weiterhin Kunst- und Kulturvermittlung.“ Im Zeichen dieses Ziels arbeiten sie daher an einer Ergänzung des bisher Erreichten: Sie wollen eine Stiftung zur Förderung der Kunstvermittlung in den Regionen ins Leben rufen. „Die Führung vor Ort, die kleine Kapelle am Wegesrand – im Bereich Kunst und Kultur gibt es viele Projekte, die wichtig sind, aber keinen Return on Investment sicherstellen“, ergänzt Holger Simon.

In den Regionen sieht er den Quell, aus dem die Gesellschaft den Großteil ihrer Identität schöpft. Die Kassen der Kommunen und Regionen aber sind leer. Durch die geplante Stiftung sollen Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftliches Engagement miteinander verwoben und gemeinnützige Projekte im Kulturbereich ermöglicht werden. Interessierte und Stifter lädt Simon derzeit gerne in sein Büro nach Köln ein, auf Tagungen und Messen stellt er das Konzept vor. Eines ist damit jedenfalls schon sicher: Auch die zukünftige Entwicklung von Pausanio bleibt spannend.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2010

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